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Prophet Jakob Lorber

Wissenschaftl. Echtheitsbeweise der Offenbarungen

Aktuelle Prophezeiungen Lorbers über

Endzeitprophezeiungen bis 2025 (Lorber, Dudde | SeherInnen)

  • Vorsorge-Tipps

    • IV. Teil

        Der Erdenweg Jesu

        Aufhellende zusätzliche Kundgaben der Neuoffenbarung zum Evangelium


        Inhaltsübersicht:


        Historische Existenz Jesu wird kaum mehr bestritten

        Die Zeit, wo liberale Theologen und andere Kritiker behaupteten, Jesus habe gar nicht existiert, ist lange vorbei. Heute bestreitet kaum noch ein Wissenschaftler die Existenz von Jesus. Auch Rudolf Bultmann, der fast das ganze Evangelium entmythologisiert hat, gibt zu: "Der Zweifel, ob Jesus wirklich existiert hat, ist unbegründet und keines Wortes der Widerlegung wert." 1
        Als im 2. Jahrhundert n. Chr. der heidnische Philosoph Celsus in seinen Schriften das Christentum bekämpfte, brachte er alle möglichen Argumente vor, aber daß Jesus gar nicht gelebt habe, behauptete er nicht, was nahegelegen wäre, wenn er irgendwelche Zweifel gehabt hatte.

        Fragwürdigkeit der Leben-Jesu-Forschung der letzten zweihundert Jahre

        Die Leben-Jesu-Forschung der letzten zweihundert Jahre gründet sich auf einen unsicheren Untergrund. Die Spekulationen nahmen kein Ende, und jeder Exeget hatte den Ehrgeiz, eine eigene Hypothese aufzustellen. In neuerer Zeit wird vornehmlich mit dem Schlagwort "Sitz im Leben" operiert, d. h. die meisten Berichte des Evangeliums sollen nicht von Jesus stammen, sondern nach weitverbreiteter Ansicht sollen sie Gemeindegut sein. Die Urgemeinde habe ihm die Aussprüche in den Mund gelegt. Die von Jesus vollbrachten Wunder duldete platter Rationalismus grundsätzlich nicht.
        Mit Albrecht Ritschl (gest. 1889) hatte die Ablehnung jeder Metaphysik begonnen, und die einseitigen, ja oft fanatischen Vertreter des Historismus' ließen übematürliche Einwirkungen nicht gelten. Der protestantische Theologe Ernst Troeltsch (gest. 1923) erklärte kurz und bündig: "Es gibt keine Übernatur über dieser Welt, in der wir leben." 2 Der Schüler Ritschls, der Kirchenhistoriker Adolf Harnack, dessen Bücher eine enorme Verbreitung fanden, erklarte, Jesus gehöre nicht in das Evangelium, er sei nur dessen Verkünder. 3 In der Folge wurde die Persönlichkeit Jesu bis zur Unkenntlichkeit "modernisiert". Nachdem vom Evangelium nur noch unbedeutende Reste übriggeblieben waren, wurde paradoxerweise behauptet, man habe den Christen "eine entscheidende Lebenshilfe geleistet". 4

        Neuoffenbarungen Jesu über Leben, Lehre und Taten

        In der Neuoffenbarung haben wir nun eine sichere Grundlage, um die wirklichen Aussagen und die Taten Jesu kennenzulernen. Vergleicht man diese Kundgaben, die keinem Hirnverstand entstammen, mit den vielfältigen und sich widersprechenden Meinungen der Kritiker, so muß man zu der Auffassung gelangen, daß durch kritisches hochqualifiziertes Denken Einsichten in die Vorgänge von der Geburt bis zum Tode Jesu, die der Wirklichkeit entsprechen, selten zu gewinnen sind. Kardinal Augustin Bea ist zuzustimmen, wenn er schreibt: "Geistige Dinge dürfen nicht wie materielle behandelt werden. Die verhängnisvollen Folgen der Eilfertigkeit werden in der 'Entmythologisierung' deutlich." 5
        Alle Forscher stimmen überein, daß aufgrund des Evangeliums die Wege, die Jesus in zeitlicher Reihenfolge gewandert ist, nicht feststellbar sind. Auch über die Dauer der öffentlichen Lehrtätigkeit Jesu bestehen abweichende Meinungen. Schon im Altertum wurden von Origenes, Eusebius und Hieronymus ganz unterschiedliche Zeitdauern angegeben. Der katholische Autor Daniel-Rops wirft auch heute wieder - wie viele andere - die Frage auf: "Wie lange dauerte das öffentliche Wirken Jesu? So merkwürdig es erscheinen mag, es ist das ein Punkt, in dem die Geschichtsschreibung sich äußerst verlegen zeigt. Über die Dauer der Wanderungen sagen die Evangelisten nichts. Die Angaben des Johannesevangeliums, die im ganzen viel genauer sind, genügen doch nicht, um jede Hypothese auf Grund seines Textes auszuschalten." 6 Durch die Kundgaben der Neuoffenbarung wird jetzt jeder Zweifel behoben. Jesus hatte seinen Jüngern vorausgesagt, daß die Zeit kommen werde, "wo das, was wir nun hier verhandeln, nach mehr als tausend Jahren von Wort zu Wort vernommen und aufgezeichnet werden wird, so als ginge alles das vor den Augen derer vor sich, die nach nahe 2000 Jahren nach uns die Erde betreten werden" (jl.ev03.015,06).
        In der Tat werden in dem umfangreichen Werk die Vorgänge, die Reden Jesu und die Unterhaltungen mit einer Genauigkeit geschildert, die, geistig gesehen, dem Ablaufen eines Films gleichkommt.
        Hier müssen wir uns darauf beschränken, diejenigen Kundgaben anzuführen, die zu den Mitteilungen des Evangeliums Zusätzliches aussagen. Sie runden die Berichte des Evangeliums ab und geben erst so ein lebensvolles, wirklichkeitsgetreues und vor allem zuverlässiges Bild vom Lehren und Wirken Jesu.

        Kindheit und Jugend Jesu nach Jesu Neuoffenbarungen

        Über die Geburtsgeschichte und die ersten Lebensjahre Jesu berichtet der Band Die Jugend Jesu. Die Geburtsgeschichte zeigt erneut, daß die Angaben sowohl von Lukas als auch von Matthäus nicht zuverlässig sind.

        Empfängnis Marias

        Die NO bestätigt aber, daß Maria vom Heiligen Geist empfangen hat. "Maria wurde von einem lichten Ätherhauch angeweht und eine sanfte Stimme sprach zu ihr: ,Maria, sorge dich nicht vergeblich, du hast empfangen, und der Herr ist mit dir."' (jl.kjug.004,14) Maria war damals 14 Jahre alt.
        "Sie gebar einen Sohn, ohne die Hinneigung zu einem Mann gekannt zu haben." (gm.pred.006,08) "Sie begriff nicht und konnte es nicht begreifen, was bei ihrer Empfängnis, was bei der Geburt und ferner geschah, denn sie handelte nur nach Weisung höheren Einflusses und verhielt sich dabei mehr passiv als aktiv, als Weib und Mutter nur ihren Gefühlen folgend, welche sie an ihren Säugling banden." (gm.pred.006,09)

        Erkannte Maria, daß sie den Schöpfergott gebar?

        "So verstand auch Maria, Meine Leibesmutter, Meine Worte nicht, als Ich auf ihre Liebesvorwürfe, wegen des langen Suchens (als Jesus mit 12 Jahren allein im Tempel zurückblieb, d. Hg.) antwortete: Wisset ihr nicht, daß Ich sein muß in dem, was Meines Vaters ist?' Joseph und Maria begriffen nicht, was Meines Vaters war; sie waren selbst noch zu sehr dem jüdischen Kultus ergeben und glaubten, die ganze Religion bestände in Haltung der Gebräuche. Sie kannten Mich nicht - und Meinen Vater noch weniger, denn für sie gab es nur einen unteilbaren Gott. Daher, hätten sie auch Mein göttliches Ich anerkannt, so wäre ihnen dieses zweifache Wesen, Ich und der Herr - oder Sohn und Vater -, nicht faßbar gewesen." (gm.pred.007,11)
        "Daß aus ihrem Sohn etwas Außerordentliches werden könnte, war für sie denkbar - waren ja die Empfängnis, die Geburt usw. mit so außerordentlichen Erscheinungen begleitet, doch einen Gott als Mensch unter dem Herzen getragen zu haben und den zu erwartenden Messias, den geistigen Wiederhersteller, nicht allein ihres Volkes, sondern der ganzen Menschheit, das waren Begriffe, die in ihrem Kopf keinen Platz fanden. Sie hat Mich noch bei Meinem Kreuzestod nicht als Gott, sondern nur als Mensch, als ihren Sohn beweint; erst durch die Auferstehung wurde sie, wie auch Meine Apostel, in dem bekräftigt, was Ich ihnen oft gesagt hatte." (gm.pred.006,13)
        "Ich selbst habe es ihr und Meinen Aposteln oft vorausgesagt, was Mir bevorstehen und wie Ich den Tod und die Hölle überwinden werde; allein, wo ist die Überzeugung - besonders in jenen Zeiten der Propheten und wunderwirkenden Essäer -, daß Ich, ein Mensch mit Fleisch und Knochen wie sie, der ißt und trinkt, ein Gott und zwar der Herr aller Heerscharen sei, der in menschlicher Form, beim unmündigen Kind angefangen, am Kreuz - in jener Zeit das Zeichen der Schande und Entehrung - enden sollte!" (gm.pred.006,15)
        Deswegen waren Joseph und Maria erstaunt. "Sie begriffen nicht, wer der sei, welcher gekommen ist zum Fall und Auferstehen der Juden." (gm.pred.006,16)

        Die Volkszählung durch Kaiser Augustus unter Cyrenius

        Kurz vor der Niederkunft Marias erging ein Befehl des römischen Kaisers Augustus, "demzufolge alle Völker seines Reiches beschrieben und gezählt und der Steuern und der Rekrutierung wegen klassifiziert werden sollten" (jl.kjug.012,03). "Die römische Beschreibungskommission war in Bethlehem aufgestellt." (jl.kjug.012,04)
        Über den Zeitpunkt der Volkszahlung, des sogenannten Zensus, besteht auch heute noch keine völlige Klarheit. Aber durch die aufgefundene Inschrift des Augustus in Ancyra (Ankara), die eine Übersicht über seine Taten gibt, wissen wir heute, daß Augustus tatsachlich im Jahr 746 (8. v. Chr.) eine Volkszählung angeordnet hat. 7 Jesus ist nicht in dem Jahr geboren worden, wie es unsere Zeitrechnung angibt, sondern schon sieben Jahre vorher.
        Der in unserer Zeitrechnung enthaltene Fehler hat folgenden Grund. Im Jahre 525 n. Chr. beauftragte der Papst ohannes I. den Abt Dionysius Exiguus, festzustellen, wieviel Jahre seit der Geburt Christi vergangen seien, weil er die Zeitrechnung neu festlegen wollte. Ausgangspunkt sollte das Geburtsjahr Christi sein und nicht mehr wie bisher das Datum der Gründung der Stadt Rom. Durch die wissenschaftliche Forschungstätigkeit wissen wir heute zuverlässig, daß dem Abt bei seiner Arbeit mehrfach Fehler unterlaufen sind, über die wir uns hier nicht verbreiten wollen.
        Ferner ist im Evangelium erwähnt, daß die Volkszählung unter dem "Statthalter von Syrien, Cyrinus, stattfand" (Lk.02,02). Die Angabe konnte bisher nicht in Einklang mit der Historie gebracht werden, weil der Statthalter Cyrinus (Schreibweise der Hl. Schrift in den Geschichtswerken Sulpicius Quirinius und in der NO Cyrenius Quirinus genannt) erst im Jahr 6 nach Christus Statthalter von Syrien geworden ist.
        Inzwischen sind neue Forschungsergebnisse erzielt worden. Cyrenius war nämlich keineswegs nur Statthalter von Syrien, sondern hatte einen viel höheren Rang. Ethelbert Stauffer stellt fest, daß er "Generalissimus und Vizekaiser Ost" gewesen ist. Genau das berichtet auch Jakob Lorber in der NO. Danach war er "Oberstatthalter von Asien, Ägypten und Teilen von Afrika" (jl.kjug.047,11 ff. und Kjug.101,05). Dort wird auch ausdrücklich bemerkt, daß er in dieser hohen Stellung den Titel eines Vize-Kaisers besaß. Er unterzeichnete seine Befehle wie folgt: "Im Namen des Kaisers, dessen oberster Stellvertreter in Asien und Ägypten und sonderheitlich (!) Landpfleger in Cölesyrien, Tyrus und Sidon. Cyrenius vice Augusti." (jl.kjug.047,14) Daraus geht klar hervor, daß er in Sonderheit Statthalter von Syrien war, und nur darauf nahm der Evangelist Lukas Bezug.
        Rom hat, so schreibt E. Stauffer, "immer wieder einen Vize-Kaiser für den Osten nominiert. 8 Weiterhin ist nachweisbar, daß Cyrenius in seiner Eigenschaft als "Generalissimus Ost" an Statthalter Befehle gab, in ihrem Bereich Volkszählungen durchzuführen. 9
        So wird auch in diesem Fall das vor mehr als hundert Jahren von Jakob Lorber durch die Innere Stimme Vernommene durch die neuere Forschung als zutreffend bestätigt.
        Die bereits von David Friedrich Strauß in seiner Schrift Leben Jesu (1835) und auch von späteren Schriftstellern vorgebrachten, scheinbar überzeugenden Argumente für die unrichtige Darstellung dieses historischen Tatbestandes im Evangelium, mögen unzählige Leser beeindruckt haben. Irrtum und Scheinargumente wurden ja eh und je kritiklos als endgültige wissenschaftliche Erkenntnisse angesehen. Treffend bemerkt Stauffer, daß Strauß "von der Amtstätigkeit des Quirinius (= Cyrenius, d. Vf.) eine recht primitive Vorstellung hatte, die einer gründlichen Korrektur bedarf' (Jesus, S. 32).
        Nach der Neuoffenbarung war Cyrenius zur Zeit der Geburt Jesu Vizekaiser im Osten, und durch ihn erhielt Joseph, der ihm ein Empfehlungsschreiben eines hohen Offiziers (Cornelius) überreichen konnte, bei seiner Flucht großzügige Unterstützung. Kritiker, die Jesus nicht als Gottessohn ansehen, werden übernatürliche Einflüsse im Leben Jesu, und insbesondere in den Gefahren der ersten Zeit nach der Geburt, nicht gelten lassen. Die mehrfache wundersame Hilfe, die Joseph und das Kind in den ersten Jahren in scheinbar ausweglosen Situationen erfahren haben, werden aber diejenigen, die an die Menschwerdung Gottes glauben, keineswegs als seltsam ansehen. Es wäre vielmehr verwunderlich, wenn in diesem Fall der sichtbare Beistand Gottes gefehlt hätte.

        Geburt Jesu in einer Höhle, die als Stall diente

        Joseph und seine Söhne (aus erster Ehe) mußten sich nach Bethlehem begeben, wo die Erfassungsstelle ihren Standort hatte. Maria wollte er nicht allein zurücklassen. Daher entschloß er sich, sie trotz der bevorstehenden Niederkunft mitzunehmen. Auf einem Ochsenkarren, mit dem Joseph Stämme aus dem Wald für Hausbauten holte, wurde alles für die Reise Notwendige aufgeladen. Maria saß auf einem Sessel, der auf einem Esel befestigt war.
        Maria ist weder in einer Herberge (Lk.02,07) noch in einem Haus (Mt.02,11) niedergekommen, vielmehr konnte sie in Sichtweite von Bethlehem nicht mehr weiterreiten oder gehen. Auf ihr Verlangen suchten sie dann eine große Höhle auf, die als Zufluchtsort für die Weidetiere diente. E. Hirsch sagt zutreffend, daß man, trotz der von Lukas erwähnten Herberge, später die Geburt in eine Höhle außerhalb des Orts verlegt habe, wovon im Evangelium keine Rede ist, sei ein "Durchschlagen des Ursprünglichen" 10.
        Der Stern, dem die drei Weisen aus dem Morgenland folgten, war weder ein Fixstern noch ein Komet, noch hat er, wie Stauffer 11 meint, mit der im Jahre 7 v. Chr. auffallenden und äußerst selten vorkommenden Gestirnkonstellation etwas zu tun. Die Weisen haben zwar "die ganz sonderbaren Stellungen der Sterne" bemerkt (jl.Ev06.038,08), aber daneben "einen Stern von besonderer Größe, der gegen Westen hin eine lange Rute hatte" (JL.Ev06.038,08). Dieser Stern "stand ganz nieder, und sein Licht war fast so stark wie das Tageslicht" (jl.kjug.029,25).

        Der Geburtstag Jesu

        Die Geburt Jesu muß Ende Dezember oder Anfang Januar erfolgt sein, weil von "in dieser kürzesten Tageszeit" und von "Reif auf den Feldern" die Rede ist (jl.kjug.025,11 u. 12).

        Flucht nach Ostrazine in Ägypten

        Die Flucht nach Ägypten erfolgte nicht - wie stets unterstellt wird - auf dem Landweg. Der Weg durch die Wüste wäre für Maria und das neugeborene Kind eine Strapaze gewesen, der sie vielleicht erlegen waren. Auch Joseph war damals schon etwas über 70 Jahre alt. Außerdem konnte sich Joseph leicht denken, daß Herodes die Grenzwachen durch reitende Boten verständigt hatte, daß eine Familie mit einem Neugeborenen zu verhaften sei. Deshalb nahm er seinen Weg nach Norden, vermied aber Nazareth und bestieg in Tyrus ein Schiff, das nach Ägypten fuhr. Die NO berichtet, daß er sich in Ostrazine in Ägypten niederließ. Daß diese Stadt damals existierte, ist nachweisbar. Josephus Flavius berichtet in seiner Schrift Der jüdische Krieg, daß der römische Feldherr Titus, der im Jahre 70 n. Chr. Jerusalem eroberte, seine Legionen von Ägypten heranführte und auf seinem Weg mit den Truppen "nahe bei Ostrazine übernachtete" 12.
        In Paulys Realencyklopädie der klassischen Altertumswissenschaft Bd. 18/2 ex 1942 Blatt 1673/74 ist Ostrazine (griechisch = OCTPAKINH) wie folgt erwähnt (lt. Ptol. Geogr. IV. S, 6 M): "Zeitweise bedeutender Ort an der Nordgrenze Ägyptens." "Auf der römischen Mosaikkarte von Madeba ist Ostrazine neben anderen bekannten Orten dieser Gegend verzeichnet." "Vergleiche Plinius n. h. V. 68 n 'Ostracine Arabia finitur'." Die Unterlagen befinden sich in der Reichsuniversität in Leyden (Holland). 13

        Beruf Josefs und seiner Söhne aus erster Ehe

        Joseph arbeitete, solange er in Nazareth war, mit seinen Söhnen hauptsächlich als Bauunternehmer, fertigte aber auch "Pflüge, Joche, Stühle, Tische, Betten u. dergl." an (jl.kjug.294,02). Der Kirchenvater Justin (140 n.Chr.) berichtet im Dialog 88, daß Jesus (und sein Pflegevater Joseph) dörfliches Ackergerät wie Pflüge und Joche gemacht habe. E. Hirsch schließt daraus, es würde richtiger sein, von Stellmacher statt von Zimmermann zu sprechen. 14
        Das ist, wie durch die NO klargestellt wird, nicht zutreffend. Es wird dort ausgeführt, daß Joseph in erster Linie Bauunternehmer war und als solcher "im ganzen Land bis nach Jerusalem und Tyrus bekannt und geschätzt war".
        Während des Aufenthaltes in Ostrazine betätigte sich Maria, um die Familie durchzubringen, einige Stunden am Tag als Sprachlehrerin. In der Tempelschule hatte sie Latein und Griechisch gelernt und gab offenbar Kindern in diesen Sprachen Unterricht oder Nachhilfeunterricht (jl.kjug.163,19). Der fünfzehnjährige Sohn des Joseph, Jakobus, war jahrelang der Betreuer des kleinen Jesuskindes. Später schrieb er das Jakobusevangelium und leitete nach dem Tod von Jesus die Urgemeinde in Jerusalem bis zu seinem Märtyrertod.

        Rückkehr der Familie nach Nazareth

        Nach dreijährigem Aufenthalt in Ägypten kehrte Joseph zurück nach Nazareth. Er bezog wieder sein bescheidenes Mietshaus, das etwas außerhalb von Nazareth auf einer Anhöhe lag.

        Sind die heutigen Ortsangaben zu biblisch erwähnten Orten zuverlässig?

        Nazareth lag nicht dort, wo man es heute vorgibt. Da Palästina nach dem zweiten Aufstand gegen die Römer in den Jahren 132-133 zur verbrannten Erde gemacht wurde, war es völlig menschenleer. Die Bewohner waren entweder von den Römern getötet oder in die Gefangenschaft bzw. in die Sklaverei verschickt worden. Als nach dem Aufhören der Verfolgungen des Christentums die Christen nach zweihundert Jahren in das Land kamen, wußte niemand zu sagen, wo die in der Bibel erwähnten Orte gelegen waren. Man setzte sie willkürlich fest. Man darf sich nicht durch die Angaben in historischen Atlanten zu Illusionen verleiten lassen. In einem Sachbuch heißt es zu dieser Frage: "Zieht man einen Bildatlas zu Rate, so findet man alle biblischen Orte genau eingezeichnet. Schwierigkeiten und Fragen scheint es weiter keine zu geben. Vergleicht man mit einem anderen Atlas, dann wird man aber feststellen, daß eine große Zahl Orte auf dieser Karte woanders liegen und oft mit Fragezeichen versehen sind. Die tatsächliche Feststellung biblischer Orte ist sehr erschwert, weil Palästina mit Ruinen übersät ist." 15
        In Übereinstimmung mit den historischen Fakten berichtet die NO hierzu: "... von Meiner Zeit her findet sich nahezu kein Ort mehr vor, den Meine Füße und die Meiner Apostel betreten haben, und das im ganzen Judenland, mögen also die Orte und Ortschaften auch Namen haben, was für welche sie wollen." (jl.ev11.229,03)
        "Das einzige, Bethlehem, befindet sich noch so ziemlich an derselben Stelle." (230,01)
        "Von Tiberias sind noch einige Überreste, aber von allen anderen Orten, die zu Meiner Zeit an den Ufern des Galiläischen Meeres lagen, ist keine Spur mehr vorhanden." (232,02)
        Nazareth lag nicht - wie das in der NO ausdrücklich gesagt ist - an dem Ort, den man heute bezeichnet, sondern nordwestlich von Kapernaum nahe an der nördlichen Grenze von Galiläa im Gebirge. "Von Kapernaum nach Nazareth sind es nahezu zwei Stunden Weges", heißt es wörtlich in der NO (jl.ev02.037,16). *1
        Das geht übrigens nach der Feststellung von Gustaf Dalman aus einem alten rabbinischen Dokument hervor. Nach der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Ch. wurde das Land Galiläa in 24 Priesterabteilungen gegliedert (1. Chron. 24). Die Aufzählung der Ortschaften enthält folgenden Vermerk: "... und an die Tore des Landes verbannt ist die Dienstabteilung von Nazerat." 16 "An die Tore des Landes verbannt" besagt, daß der Ort ganz nahe an der Grenze lag, was für Nazareth zutrifft.
        Nazareth war mehr ein großes Dorf als eine Stadt Alle Jahre fand ein Markt dort statt. Die Einwohner betrieben Landwirtschaft und Viehzucht. (jl.ev02.037,16)
        Die Kreisstadt Kapernaum lag damals nicht am See, sondern eineinhalb Stunden davon entfernt. Jesus hatte Kapernaum schon in seiner Jugend, insbesondere bei den Wallfahrten nach Jerusalem, kennengelernt. Deshalb sprach Jesus von "seiner Stadt". Nach den Mitteilungen, die der Herr in der NO macht, ist die Gegend, wo Nazareth lag, durch schwere Erdbeben völlig verändert worden.

        Zeit vom 12.- 30. Lebensjahr Jesu

        Betreffend die Zeit vom zwölften bis zum dreißigsten Lebensjahr von Jesus wird in der NO u. a. gesagt: "Vom zwölften Jahr an hat sich all das Außerordentliche (an Ihm) verloren, die großen Hoffnungen seiner Eltern gingen unter, und Er blieb bis in sein dreißigstes Jahr ein höchst unbeachteter, allereinfachster Zimmermann." (Kjug.299)
        "Er war überaus wortkarg; man bekam auf zehn Fragen kaum eine, höchst einsilbige Antwort." "... lustige, lärmende Gesellschaften floh Er und liebte vor allem die Einsamkeit. Das Merkwürdigste von allem aber war, daß man Ihn höchst selten in einer Synagoge sah, ebensowenig in einer Schule ... in einem Bethaus aber hat Ihn nie jemand gesehen." (jl.ev02.090,07-08)
        Ergänzung durch Bearbeiter: Durch Lorber geoffenbartes Buch über den 3tägigen Aufenthalt Jesu im Tempel in seinem 12. Lebensjahr

        Öffentliches Auftreten Jesu ab seinem 30. Lebensjahr

        [Ergänzung durch Bearbeiter: Nachfolgende Zitate stammen aus Lorbers 10 Bänden 'Das Große Evangelium Johannes'
        ; Gesamtüberblick daraus Über das Leben, die Lehren (Evangelien) und Briefe Jesu; Inhaltsverzeichnis mit Links zu den Originaltexten des 1. Bandes: Band 01']

        Als Jesus dreißig Jahre alt war, trat er öffentlich auf. Zunächst ging er 40 Tage in die Wüste, und zwar nach Bethabara", einem allerarmseligsten Flecken, den arme Fischer bewohnten". Bethabara lag am Einfluß des Jordans in das Galiläische Meer. "Eine allerdürftigste Fischerhütte aus Lehm und Schilf bewohnte auch Ich, ziemlich tief in der Wüste, nicht fern von dem Ort, wo Johannes sein Wesen trieb." (jl.ev01.008,04)

        40 tägiger Wüstenaufenthalt vor Lehrbeginn

        Die Verse Mt.04,02-11, wonach Jesus in der Wüste 40 Tage fastete und vom Teufel versucht wurde, sind - wie so manche andere - nicht wörtlich zu verstehen. Der Herr sagt hierzu in der NO: "In naturmäßiger Hinsicht ist diese Erzählung ein barster Unsinn, denn ein Mensch kann niemals so lange ohne Speise und Trank bleiben."
        "In der Gegend Galiläas, wie auch Kanaans und Samarias, gab es zu Meiner Zeit gar keine solche Wüste." "Es ist dieses Mein, in dem Pseudo-Matthäus beschriebenes Fasten in der Wüste, ebenso wie vieles andere, ein gänzlich mißverstandener Griff." "Es liegt an dieser mißverstandenen Erzählung des wirklichen Evangelisten Matthäus etwas, aber dies ist nicht im geringsten materiell." (jl.ev11.248,03 ff.-250)

        Falsche Messiasvorstellungen der ersten Jünger Jesu

        Nicht weit vom Einfluß des Jordans in den See wohnte Petrus. Als sein Bruder Andreas ihm von Jesus, der Andreas angesprochen hatte, erzählte, spricht darauf Petrus, "der stets bei allem Tün vom Messias phantasierte und der Meinung war, daß der Messias der Armut helfen und die hartherzigen Reichen völlig vertilgen werde": "..ich verlasse augenblicklich alles und folgte Ihm bis ans Ende der Welt, falls Er es verlangt." (jl.ev01.008,10) Als Jesus am folgenden Tag den Petrus anspricht und fragt, ob er mit ihm ziehen wolle, willigt er ein. Kurz darauf trafen sie Philippus, der ledig war und den Pflegevater Joseph persönlich kannte. Er schließt sich ebenfalls Jesus sofort an. Sie sind alle bitterarm und haben nicht viel zu verlieren. Alle hoffen sie auf den Messias, von dem sie hoffen, daß er die Armut beseitigen werde. Daneben sind ihnen die Römer aufs höchste verhaßt. Als der nächste Jünger, Nathanael, hinzukommt, spricht dieser zu Jesus: "Du bist unfehlbar der lange sehnsüchtig erwartete König Israels, der sein Volk aus den Klauen der Feinde befreien wird." (jl.ev01.009,11)
        Die Vorstellung vom Messias als Befreier von der römischen Besatzungsmacht war in den Jüngern tief verwurzelt. Noch nachdem die Jünger drei Jahre lang von Jesus belehrt worden waren, klagte der Jünger Kleophas nach dem Tode von Jesus auf dem Weg nach Emmaus:"Wir hatten gehofft, daß er es sei, der Israel (vom Joche der Römer, d. Vf.) erlösen werde." (Lk 24,21)
        Jesus ging mit seinen vier Jügern zunächst in sein Elternhaus nach Nazareth. Joseph war einige Monate zuvor gestorben. "Auch Maria und Meine ganze irdische Verwandtschaft stellten sich unter dem Messias auch noch gleichfort einen Besieger der Römer und anderer Feinde des Gelobten Landes vor. Ja, die Besten hatten von dem verheißenen Messias nahezu dieselbe Vorstellung." (jl.ev01.010,03)
        "Aus eben diesem Grund wurde Mir denn auch in vielen Familien die größte Aufmerksamkeit geschenkt wie natürlich auch allen denen, die Ich als Meine Jünger bezeichnete, und es entschlossen sich daher auch (Mein Stiefbruder, d. Vf.) Jakobus und (der Ziehsohn des Joseph, d. Vf.) Johannes, Meine Jünger zu werden, um dann mit Mir die Völker der Erde zu beherrschen!" "Sie hatten schon so manches vergessen, was Ich ihnen in Meiner Kindheit oft und ziemlich deutlich vorausgesagt hatte." (jl.ev10.010,05)

        Hochzeit zu Kana

        "Da ich also als ein bald auftretender Befreier vom römischen Joch in nahezu allen besseren Häusern der ganzen Umgebung von Nazareth, ja beinahe in ganz Galiläa, in solchem Rufe stand ... wurde Ich mit Meinen Jüngern, Meiner Mutter Maria und einer Menge von anderen Verwandten und Bekannten sogar nach Kana, das nicht sehr entfernt von Nazareth lag *2, zu einer sehr ansehnlichen Hochzeit eingeladen." (jl.ev10.010,06)
        Man kann aus diesen Kundgaben erkennen, unter welchen Voraussetzungen Jesus seinen Auftrag in Angriff nehmen mußte, und welcher Mühe es bedurfte, den politisch fanatisierten Jüngern klarzumachen, welche Absichten Jesus wirklich hegte. Es war unter diesen Umständen voraussehbar, daß bei einem großen Teil des Volkes die Stimmung sehr schnell umschlagen würde, sobald sie merkten, daß Jesus gar nicht an einen Aufstand gegen die Römer dachte.

        Jesu Taufe am Jordan durch Johannes

        "Sieben Tage nach der Hochzeit in Kana verließ Ich Nazareth und zog mit Maria, Meinen fünf Brüdern, von denen zwei zu Meinen Jüngern gehörten, und mit den bis dahin aufgenommenen Jüngern hinab nach Kapernaum, einer ziemlich bedeutenden Handelsstadt." (jl.ev01.012,01)
        Nicht weit von Kapernaum taufte Johannes d. T. in der Gegend von Bethabara, "solange der oft ganz wasserleere Jordan eine rechte Menge Wasser hatte" (jl.ev01.012,01).

        Lehrtätigkeit an verschiedenen Orten

        "Alsbald begann Ich die Menschen zu lehren." "Mehrere glaubten, aber viele ärgerten sich, wollten Hand an Mich legen und Mich von einem Berg ins Meer stürzen." "In Kapernaum hielt Ich Mich nur kurze Zeit auf, da dort kein Glaube und noch weniger Liebe daheim war." (jl.ev01.013,05)

        Jesu erste, gewaltsame Tempelreinigung

        An Ostern zog Jesus nach Jerusalem und reinigte dort den Tempel (Joh.02,14-17), "wo es fast jeder Mensch, der den Tempel besuchte, vor Gestank und Lärm nicht aushalten konnte". "Der Boden war voll Geflades und Unrates." (jl.ev01,013,06 u. 13) "Wen die Geißel traf, der wurde augenblicklich von heftigsten, beinahe unaushaltbaren Schmerzen befallen, und ebenso das Vieh. Es entstand ein fürchterliches Menschen- und Viehgeheul." (jl.ev01,013,13)
        Die Vorstellung mancher Forscher, daß die Aktion Folgen für Jesus gehabt haben müsse, ist unzutreffend. Manches ist ganz anders verlaufen, als es sich nach der Meinung der Kritiker abwickeln mußte. Es hatte einen ganz bestimmten Grund, daß Jesus unbehelligt blieb. Jesus hatte die Tische der Geldwechsler und der Händler umgestoßen. Das Geld lag auf dem Boden und die Händler flohen. Die Priester und deren Diener hoben schnell das herumliegende Geld auf und gaben die 1000 Säckel Gold und Silber den Eigentümem nicht zurück. Sie waren zu sehr beschäftigt und hatten keine Zeit, Jesus zur Verantwortung zu ziehen. (jl.ev01,013,16)

        Heilungs- und Befreiungstätigkeit an Besessenen

        "Nun kamen sozusagen bei Tag und Nacht in Masse Menschen aller Klassen aus der Stadt zu Mir." (jl.ev01.017,03)
        "Auch wirkte Ich bei den Armen viele Wunder, befreite die Besessenen von ihren Plagegeistem, machte die Lahmen gehend, die Gichtbrüchigen gerade, die Aussätzigen rein, die Stummen redend und hörend, die Blinden sehend, und das alles zumeist durchs Wort." (jl.ev01.017,05) Das geschah jedoch nicht in Jerusalem, sondern in einem kleinen Ort in der Nähe Jerusalems. Deshalb sagten einige: "Zu so großen Taten gehört ein großer Ort und nicht ein letztes Dörfchen." Darauf erhielten sie von Jesus die vielsagende Antwort: "Was vor der Welt groß ist, ist vor Gott ein Greuel." (jl.ev01.017,08-09)

        Gespräch mit Nikodemus über die geistige Wiedergeburt

        In der Nacht kam Nikodemus, der Oberbürgermeister von Jerusalem, der sehr reich war, zu Jesus. Nikodemus begriff die Rede von Jesus nicht und sagte gerade heraus: "Ich muß es Dir offen bekennen, daß ich, so mich nicht Deine gewaltigen Taten an Dich fesselten, Dich für einen Narren oder Streichemacher halten müßte, denn in Deiner Weise hat noch nie ein vernünftiger Mensch geredet. Aber Deine Taten zeigen, daß Du als ein Lehrer von Gott zu uns gekommen bist." (jl.ev01.020,02)
        Jesus tröstete ihn daraufhin: "Gedulde dich noch eine kleine Zeit und es soll dir alles klarwerden. In Kürze werde Ich wieder zu dir kommen und werde dein Gast sein, dann sollst du alles erfahren." (jl.ev01.021,08)

        Tätigkeit des Johannes als Täufer

        Um diese Zeit war Johannes d. T. noch nicht im Gefängnis. Während er vorher am Einfluß des Jordans in das Galiläische Meer war und dort Jesus getauft hatte, hielt er sich jetzt zu Enon in der Nähe von Salim (kurz vor dem Einfluß des Jordans in das Tote Meer, d. Vf.) auf, "weil der Jordan (am Oberlauf, d. Vf.) zu Bethabara sehr wenig Wasser hatte ... und voll übelriechenden Gewürms war" (jl.ev01,024,05). Viele Jünger des Johannes gingen dort zu Jesus über, sie verließen ihn jedoch später wieder.

        Mordpläne der Pharisäer gegen Jesus und Johannes

        Die Pharisäer begannen nun Pläne zu machen, wie sie sowohl Jesus als auch Johannes beseitigen könnten, auch machten sie die römische Besatzungsmacht auf Jesus aufmerksam. "Es wurden deshalb von römischer Seite Auskundschafter gesandt, die jedoch nicht bestätigt fanden, weshalb sie zu Mir beschieden wurden." (jl.ev01,025,04) (Die Pharisäer hatten schon im Anfang des Auftretens Jesu ihn bei den Römern verleumdet, er wiegele das Volk gegen die Besatzungsmacht auf.)

        Szene mit der Samariterin am Jakobsbrunnen

        Jesus begab sich daraufhin nach Galiläa. Bei der Wanderung durch Samaria sprach er eine Frau am Brunnen an (s. Joh.04,07-24). Zu ihr sprach er u. a. die bemerkenswerten Worte, die so gar nicht zu dem katholischen Wallfahrtswesen passen: "Siehe, Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Dazu braucht es weder einen Berg noch irgendeinen Tempel, sondern lediglich ein liebevolles, demütiges Herz. Wer demnach mit einem solchen Herzen Gott liebt, der ist ein rechter Anbeter Gottes des Vaters, und der Vater wird sein Gebet stets erhören und nicht auf den Ort sehen, an dem nichts gelegen ist." (jl.ev01.024,13-15)

        Durften nicht alle Wunder von den Evangelisten aufgeschrieben werden?

        Jesus hat viele Wunder vollbracht, die im Evangelium nicht aufgezeichnet worden sind. Damals wurde dem Evangelisten Johannes von Jesus gesagt, daß er die vielen Wunder, die er im kleinen Kreis wirke, nicht aufschreiben dürfe. "Meinst du, die Welt würde so etwas glauben? Sieh, die hier sind, die glauben es, weil sie es schauen. Die Welt aber, die im Finstern wandelt, würde es nimmer glauben, daß hier solches geschehen ist, denn die Nacht kann sich unmöglich vorstellen die Werke des Lichtes." "Es wird aber schon einmal eine Zeit kommen, in der all diese Dinge der Welt offenbart werden." (jl.ev01.036,02-03) (In der Neuoffenbarung wird über diese Wundertaten, die unter Ausschluß der Öffentlichkeit geschahen, ausführlich berichtet.)

        Korrektur des falschen Messiasbegriffes der Jünger durch Jesus

        Es war nun an der Zeit, daß Jesus seinen Jüngern die Einsicht vermittelte, daß sie "alle einen ganz unrichtigen Begriff vom Messias und seinem Reich haben, und es noch viel brauchen wird, bis sie ins reine kommen werden". "Denn des Messias' Reich wird nicht ein Reich dieser Welt sein, sondern ein Reich des Geistes und der Wahrheit im Reiche Meines Vaters ewig." (jl.ev01.036,06-07)
        "Ich sage euch: Ihr werdet den alten Menschen ausziehen müssen und dafür anziehen einen ganz neuen. Dieser wird freilich anfangs unbequem sein." (jl.ev01.039,10)

        Die Predigt auf dem Berg (Bergpredigt)

        Um diese Zeit nahm Jesus den Matthäus, der als Zöllner und Schreiber in römischen Diensten stand, als Schreiber und Evangelisten auf.Anschließend hält Jesus die Bergpredigt in der Nähe von Sichar in Samaria, sie dauerte drei Stunden. Der von den Evangelisten aufgezeichnete Inhalt kann in wenigen Minuten vorgetragen werden. Nach der Predigt diskutieren die dortigen Priester mit Jesus. Insbesondere kritisieren sie die anbefohlene Selbstverstümmelung. ("Reiß dein Auge aus...", Mt.05,29) Darauf erhielten sie die Antwort: "Ich gebe euch hier Bilder und ihr verschlingt bloß ihre Materie, die euch zu ersticken droht, aber vom Geist, den Ich in diese Bilder gelegt habe, scheint ihr keine Ahnung zu haben."
        Der Oberpriester erwidert etwas verärgert: "Rede nun lieber erklärend über Deine harte Rede, die ohne genügende Erklärung wohl kein Mensch je fassen kann."
        Der Apostel Nathanael bedeutet daraufhin dem Oberpriester: "Der Herr gibt uns seine Lehre in Samenkapseln." "Wenn Er sagt: 'Wer von dir einen Rock verlangt, dem gib auch den Mantel dazu', da wollte Er bloß andeuten, daß ihr, die ihr reich seid und viel besitzt, den Armen, so sie zu euch kommen, reichlich und viel geben sollt." (jl.ev01.043,04 u. 09)
        Im Matthäus-Evangelium 07,28 wird berichtet, daß, nachdem Jesus seine Bergpredigt beendet hatte, "die ganze Menge von seiner Lehre hingerissen war". Diese Stelle ist offensichtlich später im Sinne der Korrektoren geändert worden. In der NO wird wirklichkeitsgetreu berichtet, daß zwar nach der Predigt "noch viel Volk da war, aber sich viele früher, bevor Ich die Predigt beendigte, voll Unglaubens und Ärgers davonmachten" (jl.ev01.045,14).
        Nach dem Aufenthalt in Samaria zog Jesus weiter nach Galiläa, wo er seine Jünger vorübergehend nach Hause entließ, "damit sie zur Bewirtschaftung ihrer Felder ihre Sorge verwenden möchten" (jl.ev01.083,11). Maria und die fünf Söhne Josephs, die mit Jesus in Jerusalem waren, wurden zur Bestellung ihres Hauswesens ebenfalls entlassen." (jl.ev01.089) Maria blieb in ihrem Hause, von den fünf Söhnen Josephs kam nur einer zu Jesus zurück.

        Jesu Wirken in Kapernaum; Armut am See von Galiläa

        Von Kana in Galiläa, wo Jesus das Kind eines Beamten, der von königlicher Abkunft und ein Verwandter des Oberpriesters war, heilte, ging er dann nochmals nach Kapernaum. "Ich muß dahin, denn es ist viel Elend daselbst und in den kleinen Städten, die um den See von Galiläa liegen." (jl.ev01.093,21)
        Diese Feststellung ist bemerkenswert, weil sie uns Einblick in die damaligen Verhältnisse in Galiläa gibt, die von so manchem Forscher gänzlich falsch beurteilt werden. So kann man z. B. in der Literatur folgende Darstellung finden: "Die Galiläer, an die sich Jesus wendet, sind wohlhabende Bauern oder Fischer, denen ihre Netze einen auskömmlichen Lebensunterhalt gewähren." 17
        Die zuverlässige Auskunft, die wir demgegenüber aus der NO erhalten, lautet ganz anders! Hören wir, was Petrus zu den Lebensverhältnissen der damaligen Fischer zu sagen hat: "Unsere Fischerei trägt kaum für den halben Mund eines Menschen, geschweige für eine Familie eine ersprießliche Nahrung. Mein Bruder Andreas ist mir ein guter Zeuge." (jl.ev01.009,02) Von dem Fischer Philippus wird gesagt: "Dieser Mann leidet viel und ist sehr arm ..." (jl.ev01.009,03) Von den Bauern wird berichtet, daß sie "durch Härte und Habsucht des Pacht-Königs Herodes" hart bedrückt wurden, wenn sie die Pachten und Steuem nicht aufzubringen vermochten.
        Ganz allgemein wird die Lage wie folgt geschildert: "Es war ein großes Elend der unter allerlei Druck verschmachtenden Menschen, besonders in den Märkten (Marktstädten) und Dörfern anzusehen." (jl.ev01.132,01 u. 05) Die Knechte der Feudalherren wurden so gering bezahlt, daß sie unmöglich eine Familie gründen konnten, weil sie dieselbe nicht hätten ernähren können (jl.ev06.139).
        Ganz sonderbare Mitteilungen über die armen Jünger des Herrn werden uns von manchen Autoren, die ihre Einbildungskraft auf falsche Wege bringt, vermittelt. Da wird z. B. gesagt, Zebedäus habe "mit seinen Söhnen Jakobus und Johannes am See Genezareth eine Großfischerei betrieben". .Des Zebedäus Sohn Johannes hatte besondere Beziehungen zum Hohenpriester in Jerusalem." "Tatsächlich stammte Johannes - wie in der NO berichtet wird, aus einer ganz armen Fischerfamilie, in der die größte Not herrschte.

        Korrektur falscher topografischer Vorstellungen

        Auch bezüglich der topographischen Verhältnisse werden unrichtige Vorstellungen vermittelt. So berichtet z. B. Stauffer vom "wüsten Jordantal" 19
        Das Jordantal war nach den Kundgaben der NO damals alles andere als "wüst". Das Jordantal und die heute unfruchtbaren jordanischen Höhenzüge waren damals ein gesegnetes und stark bevölkertes Gebiet. Von der Dekapolis - wie dieser Landstrich nach den zehn Städten, die dort waren, von den Römern genannt wurde - berichtet die NO, daß es eigentlich, unter Einbeziehung der kleinen Städtchen, "60 Städte" waren, "die teils im Jordantal selbst und teils auf den, dasselbe nahe und weit umgebenden Bergen und Hügeln zerstreut lagen" (jl.ev10.032,01)
        Vom Jordantal selbst wird gesagt, daß es in späteren Zeiten zu einer Wüste werden wird: "Das schöne, große Jordantal mit seinen vielen Städten, Flecken und Dörfern wird zu einer Wüste werden, in der neben Dieben und Räubern wilde Tiere wohnen." (jl.ev10.193,09)

        Wovon lebten Jesus und seine Anhänger während ihrer Missionstätigkeit?

        In der Literatur der Leben-Jesu-Forschung wird auch mehrfach die Frage aufgeworfen, wovon Jesus und seine oft recht große Anhängerschar während drei Jahren gelebt haben. Es sind mancherlei Hypothesen aufgestellt worden, nur auf den wirklichen Sachverhalt kommt kein Autor zu sprechen. Wahrscheinlich erscheint ihnen die Möglichkeit, die dem Sohn Gottes offen steht, suspekt, weil sie in ihren Augen das Odium des Mirakelhaften hat.
        Durch die unzutreffende Bemerkung in dem unzuverlässigen Lukas-Evangelium, daß einige Frauen Jesus und die zwölf Apostel begleitet hatten, "die sie mit ihrer Habe unterstützten" (Lk.08,02-03), sind irrige Vorstellungen erweckt worden. Lukas hätte sich denken können, daß einige Frauen nicht den zeitweise großen Anhang von mehreren hundert Personen drei Jahre lang ernähren konnten. Judas, dessen Funktion man als "Quartiermeister", "Manager" und gleichzeitig auch als Kassierer bezeichnen könnte, machte im Anfang der Wanderungen gegenüber Jesus die Bemerkung: "Ich meine, daß etwas Geld auf einer Reise dem Menschen niemals schaden könnte." Darauf gab Jesus ihm die folgende Antwort, deren Sinn Judas erst später aufging: "Wer Mich kennt, der weiß auch, daß man bei Mir auch ohne Geld ganz gut auskommen kann. Siehe, Ich habe weder einen Sack in Meinem Rock und noch weniger etwas von einem Geld, und doch führte Ich viele Hunderte durch Judäa und Samaria bis hierher. Frage sie, wieviel jeden diese Reise gekostet hat. Ich sage dir aber obendrauf, daß es in jüngster Zeit geschehen wird, daß Ich viele Tausende speisen werde, ohne mehr Geld bei Mir zu haben als jetzt." (jl.ev01.094,02-3)

        Evangelist Markus; Erkannte Jesus den Charakter von Judas Ischariot?

        Inzwischen waren die vorübergehend nach Hause entlassenen Jünger zurückgekommen, und "sie brachten von allen Seiten neue Jünger mit" (jl.ev01.089,12). Petrus ließ seinen Sohn Markus kommen, der des Schreibens kundig war, und dieser schrieb dann das Markus-Evangelium (jl.ev01.089,05)
        Bevor Jesus nach Kapernaum zog - und dort den Knecht des römischen Hauptmanns heilte (Mt.08,05-13) -, machte Thomas Jesus auf den zwielichtigen Charakter und das geizige Wesen des Judas aufmerksam. Er riet ihm, sich von Judas zu trennen. Wenn manche liberale Autoren die Antwort, die Thomas von Jesus gegeben wurde, kennen (und glauben) würden, so würden sie aus ihren Überlegungen bezüglich des Verhältnisses Jesu zu Judas andere Schlüsse gezogen haben, als es geschehen ist. Aus dem Umstand, daß Jesus den Judas aufnahm und ihn während fast drei Jahren als Apostel behielt, folgern sie ohne Zögern, Jesus sei nicht Gottes Sohn gewesen, ansonsten hätte er erkennen müssen, daß es sich bei Judas um einen Menschen handelte, der gegenüber den übrigen Jüngern völlig aus dem Rahmen fiel, und der eines Tages für ihn sehr gefährlich werden könnte.
        Die Antwort, die Jesus dem Thomas gab, lautet: "Mein lieber Thomas! Was du Mir gesagt hast, habe Ich schon lange gewußt, aber dennoch sage Ich dir: So er gehen will, da gehe er, so er bleiben will, so bleibe er. Seine Seele ist ein Teufel und will von Gott die Weisheit lernen, aber solcher Sinn wird dieser Seele einen schlechten Gewinn geben!" (jl.ev01.096,09)

        Reaktionen der Priester auf die Heilung des Knechtes des Hauptmanns

        Die jüdische Priesterschaft in Kapernaum war sehr aufgebracht über den Eindruck, den die Heilung des Knechtes des Hauptmanns und die Reden Jesu auf das Volk gemacht hatten. "Seine Rede und Lehre gleicht einem Feuerstrom", redete begeistert das Volk. Aber bereits jetzt ließ Jesus seine Jünger nicht im unklaren darüber, daß ihm die Reaktion und die vom jüdischen Klerus gegen ihn gehegten Absichten bekannt seien."Sie werden an Mir ihr arges Ziel wohl noch erreichen, aber jetzt ist es noch nicht an der Zeit." (jl.ev04.099,04)

        Heilung der kranken Schwiegertochter des Petrus

        Von Kapernaum aus begab sich Jesus in das nicht weit entfernte Haus des Petrus. Dort heilte er die Schwiegertochter des Petrus (nicht, wie es im Matthäus-Evangelium 08,14-15 heißt, dessen Schwiegermutter). "Ein gutes und sehr arbeitsames und züchtiges Mädchen von etwa zwanzig Jahren lag an einem starken Fieber darnieder." (jl.ev01.099,06)
        Dem Petrus hatte Jesus gesagt, daß er Gottes Sohn sei, aber er ermahnte ihn wiederholt, jetzt noch "niemand das wissen zu lassen, denn du kennst den einen unter uns. Dieser aber ist und bleibt ein Verräter" (jl.ev01.100,13).

        Jesu Macht über das stürmische Wasser

        Vom Hause des Petrus aus begab sich Jesus zu Schiff zu dem am Ostufer des Sees gelegenen Gadara. Bei dieser Fahrt drohte ein Sturm das Schiff zum Sinken zu bringen. Zum Erstaunen der Jünger gebot Jesus dem Meer Ruhe (Mt.08,25). Auf der Rückfahrt entschloß sich Jesus, noch einmal Nazareth aufzusuchen, "um sich daheim ein wenig auszuruhen und bei dieser Gelegenheit auch den sehr unsteten Nazaräern das Licht der Wahrheit anzuzünden" (jl.ev01.105,01).
        Zu Hause waren "Maria, die drei ältesten Söhne Josephs und vier Mägde, die schon früher zu Josephs Zeiten, als Ich noch ein Kind war, an Kindes Statt ins Haus aufgenommen und erzogen worden waren" (jl.ev01.105,05). Das Volk von Nazareth betrachtete deshalb diese Hausgenossen Jesu als seine Brüder und Schwestern, wie es der Evangelist Matthäus (13,56) im Ausspruch des Volkes wortgetreu richtig wiedergibt.

        Vorhersagen Jesu und Warnungen vor Marienverehrung

        Im Haus des verstorbenen Joseph ergab sich bei den Jüngern Jesu ein Gespräch über die Maria. "Sie ist nun schon 45 Jahre alt", bemerkte einer der Jünger, "und sieht aus, als hatte sie kaum das zwanzigste Jahr zurückgelegt." ,Ja, bemerkte Jesus, "sie ist die Erste, und es wird nimmer eine mehr sein wie sie. Aber es wird auch kommen, daß man ihr mehr Tempel (Kirchen, d. Vf.) als Mir erbauen und sie ehren wird zehnfach mehr als Mich, und man wird des Glaubens sein, nur durch sie selig werden zu können. Darum will Ich nun auch, daß man sie nicht zu sehr erhebe, indem sie wohl weiß, daß sie Meines Leibes Mutter ist. Deshalb seid mit ihr überaus gut und artig, nur hütet euch davor, ihr eine göttliche Verehrung zukommen zu lassen. Denn bei allen ihren über die Maßen vortrefflichen Eigenschaften ist sie dennoch ein Weib, und vom besten Weib bis zur Eitelkeit ist und bleibt nur ein sehr kleiner Zwischenraum." (jl.ev01.108,09-14)

        Erweckung der toten Tochter des Synagogenvorstehers Jairus

        Am nächsten Tag erweckte Jesus die verstorbene Tochter des Obersten Priesters der Synagoge von Kapernaum, der Jairus hieß. DieTat, die das Volk in große Erregung versetzte, wollte nicht nur Matthäus, sondern auch Johannes aufschreiben, aber im Johannes-Evangelium sucht man sie vergeblich.

        Warum berichten nicht alle Evangelisten die gleichen Wunder und Lehren?

        Den Bibelkritikern entging es natürlich nicht, daß nicht alle Evangelisten gleichermaßen über spektakuläre Ereignisse berichten. Fehlt der Bericht bei einem oder gar mehreren, so sind nicht wenige sofort geneigt, die betreffende Stelle als nicht echt d. h. als eingeschoben anzusehen. Den wirklichen Grund für die oft ungleiche Berichterstattung werden sie wahrscheinlich kaum erahnen. Die NO gibt uns hierüber einen vollständigen Aufschluß:
        Johannes, der den Bericht über die Auferweckung des toten Mädchens auch gerne aufgeschrieben hätte, sagte deshalb zum Herrn: "Wäre es nicht sehr vorteilhaft, so ich ganz genau wie der Bruder Matthäus alles aufzeichnete, was Du tust und lehrst? Denn so dann die Menschen in der späteren Folge meine und des Matthäus Schrift miteinander vergleichen und in meiner Schrift nicht finden werden, was da steht in der des Matthäus, werden sie dann nicht zu grübeln und an der Echtheit des ganzen Evangeliums zu zweifeln anfangen und sagen: Ist denn nicht ein Jesus gewesen, der gleiches gelehrt und auch sicher gleiches getan hat? Warum schrieb Matthäus dies und Johannes jenes, das sich nicht gleicht - und doch sollen beide beständig um Ihn gewesen sein?!' Ich meine, dieses Urteil der Nachkommen wird bei so bewandtem Umstande, daß ich ganz etwas anderes schreibe als der Bruder Matthäus, nicht ausbleiben." (jl.ev01.113,07-08)
        Darauf erhält Johannes vom Herrn die bemerkenswerte Erklärung: "Du hast wohl ganz recht, liebster Bruder; aber siehe, warum Ich das also geschehen lasse, hat einen dir für jetzt noch unfaßbaren Grund, der dir aber in der Folge schon noch klar werden wird. Was Matthäus schreibt, das kommt nur dieser Erde besonders zugute; was aber du schreibst, das gilt flir die ganze, ewige Unendlichkeit! Denn in allem, was du schreibst, liegt verhüllt das rein göttliche Walten von Ewigkeit zu Ewigkeit durch alle schon bestehenden Schöpfungen und durch jene auch, die in künftigen Ewigkeiten an die Stelle der nun bestehenden treten werden! Und würdest du das auch in viele tausend Bücher schreiben, was Ich dir und euch allen darüber noch kundgeben werde, so würde solche Bücher die Welt nimmer begreifen können, und es würden solche Bücher der Welt daher auch nichts nützen (vgl. Joh.21,25, d. Vf.). Wer aber nach der überkommenen Lehre lebt und glaubt an den Sohn, der wird ohnehin wiedergeboren im Geiste, und der Geist wird ihn leiten in alle Tiefen der ewigen Wahrheit.
        Nun weißt du den Grund, warum Ich dich nicht alles schreiben lasse; daher frage Mich künftig darum nicht weiter mehr. Denn zu klar darf es der Welt nie gemacht werden, auf daß sie nicht in ein noch größeres Gericht verfalle, als sie sich ohnehin schon befindet im alten notwendigen Gerichte. Ich will Meine Lehre aber also stellen, daß durchs bloße Lesen oder Hören des Evangeliums niemand auf den Grund der lebendigen Wahrheit gelangen soll, sondern allein nur durchs Handeln nach Meiner Lehre; die Handlung erst wird jedem zu einer Leuchte werden!" (jl.ev01.113,09-13)

        Jesus verweigert die Königswürde

        In Nazareth hatten sich inzwischen dreitausend aufgeregte Menschen vor dem Haus der Maria angesammelt, die sich anschickten, Jesus zum König auszurufen. Jesus entkam ihnen aber durch den Garten des Hauses und ging nach Kapernaum. Als das Volk ihm nachfolgte, alarmierte der römische Standortkommandant die Truppen, um die Menge zu überwachen. Angesichts der römischen Soldaten ließ das Volk von seiner Absicht, Jesus zum König auszurufen, ab und folgte ihm weiter nach Bethabara am Jordan.

        Wie konnte der Gichtkranke durchs Dach zu Jesus gelangen?

        Zwischen Kapernaum und Bethabara kehrte Jesus in ein Haus ein, das sofort von Tausenden urnlagert war, so daß es nicht möglich war, einen Gichtbrüchigen durch die Haustore in das Haus zu bringen. Da sagte der Hausbesitzer: "Mein Haus ist wie die meisten Fischerhäuser mit Schilf bedeckt. Wir setzen von draußen Leitern aufs Dach, decken dasselbe schnell soweit ab, daß ihr durch das gemachte Loch den Kranken samt dem Bett durchbringen könnt." "Ich mache dann die Falltüre auf" (jl.ev01.116,03)
        Selbst an dieser, bei genauer Schilderung des Sachverhaltes leicht verständlichen und plausiblen Textstelle haben sich modeme Exegeten, wie schon erwähnt, gestoßen. So schreibt z. B. E. Hirsch: "Der Text, sie deckten das Dach ab' (Mk.02,04) ist ein alter Übersetzungsfehler." 21

        Pharisäervorwurf: Jesus - ein Teufel in Lichtgestalt

        Anschließend an die Heilung des Gichtbrüchigen kehrte Jesus bei dem Zöllner Matthäus ein, der auch ein Gasthaus hatte. Hierzu heißt es erläuternd: "Der junge Hausherr Matthäus, der Zöllner, der nicht zu verwechseln ist mit dem Matthäus, der ein Amtsschreiber (der Römer, d. Vf.) war, berief Meine Jünger, die Pharisäer und Schriftgelehrten hinein, und sie gingen und setzten sich und aßen und tranken recht wacker." (jl.ev01.122,01)
        In diesem Gasthaus entspann sich zwischen einem "progressiven" und einem "traditionalistischen" Pharisäer ein bemerkenswertes Streitgespräch, das in der NO aufgezeichnet wurde: Einer der Pharisäer machte folgenden Standpunkt geltend: "Aber seine (Jesus) Lehre ist rein und der Natur des Menschen völlig angemessen, und es schaut doch nirgends etwas Teuflisches heraus. Ganz bin ich der Meinung nicht, daß Moses im Grunde doch dasselbe lehrte als dieser Nazaräer. Gott lieben über alles und den Nächsten wie sich selbst, das Böse nicht mit Bösem vergelten, sogar den Feinden Gutes tun, und die segnen, die uns fluchen, und dabei demütig und voll Sanftmut sein - da schaut wahrlich keine Teufelei heraus." Darauf entgegnete wütend ein anderer Pharisäer: "Für dich freilich nicht, weil du schon des Teufels bist. Weißt du denn nicht, daß der Teufel eben dann am gefährlichsten ist, wenn er im Lichtgewand eines Engels auftritt?" (jl.ev01.146,15-17)

        Welche Missionsrichtlinien gab Jesus?

        In dieser Zeit berief Jesus seine zwölf Apostel, wozu nun auch der Zöllner Matthäus (der eben erwähnte Gastwirt, also nicht der Schreiber und spätere Evangelist d. Vf.) gehörte. Die Apostel erhielten den Sendungsauftrag. Er steht, wie der vollständige Text der NO zeigt, zu dem nochmals erteilten Auftrag "Gehet zu allen Völkern" nicht in Widerspruch. Bei Matthäus 10,05 heißt es nur "Gehet nicht auf den Straßen der Heiden". Sobald die Kirchenmänner den Weg der Gewalt und des Zwanges gingen, mußte der weitere erläuternde Text ausgemerzt werden, denn er besagt, daß sich die Apostel und ihre Nachfolger keiner "Gewaltmittel bedienen" sollen. Wie sehr die katholische Kirche im Laufe der Jahrhunderte in zunehmendem Maße gerade gegen diese Anweisung Jesu verstoßen hat, ist bekannt.
        Der vollständige Wortlaut des Sendungsauftrages ist folgender: "Vor allem geht nicht auf den Straßen der Heiden! Das heißt: Gehet nicht wie die Heiden mit Gewalt einher und meidet auch solche, euch als zu wüst bekannte Völker, denn den Hunden und Schweinen sollt ihr das Evangelium vom Reiche Gottes nicht verkündigen." "Auch ziehet nicht in die Städte der Samariter. Warum? Diesen habe Ich bereits an eurer Seite und unter euren Augen einen Apostel gestellt, und sie bedürfen fürs erste eurer nicht, und fürs zweite würdet ihr um so schlechter bei den Juden aufgenommen werden, falls sie erfahren würden, daß ihr mit ihren verhaßten Feinden eine gemeinsame Sache habt." (jl.ev01.135,08-10) "So sich aber euer Meister und Herr nicht außerordentlicher Gewaltmittel bedient, um die Menschen in seine Lehre hineinzuzwingen, warum sollen das seine Jünger und Knechte tun wollen?" (jl.ev01.138,18)

        Lassen sich Kirchenämter aus Jesu Lehre ableiten?

        An anderer Stelle heißt es ergänzend: "Ich gebe euch eine vollkommen freieste Kirche, die keiner anderen Einfriedung benötigt, als bei jedem Menschen für sich das höchst eigene Herz, in dem der Geist und die Wahrheit wohnt, allwo Gott von den wahren Verehrern allein anerkannt und angebetet sein will." (jl.ev01.202,08) "Ihr sollt aus der Gabe nicht irgendein festes Amt machen, wie solches die Heiden und finsteren Juden und Pharisäer tun." (jl.ev01.202,09)
        In völliger Mißachtung dieser Anweisungen entstand die Amtskirche, die im Laufe der Zeit ihre Macht in dem kurialen Apparat in Rom konzentrierte und ausbaute. (Siehe auch Matth.20,25-26)

        Verfolgung Jesu und Schikanen seiner Familie durch Klerus

        Inzwischen hatten die Pharisäer und die Tempelpriester in Jerusalem ihre Pläne realisiert. Sie hatten Soldaten nach Galiläa geschickt, die am Südufer auf Schiffe verladen wurden, um in Kis am Nordufer Jesus festzunehmen. Durch einen Sturm kamen sie jedoch alle um. Jesus erkennt, daß seine und der Jünger Lage bedenklich wird, und entschließt sich, vorübergehend nach Norden auszuweichen. Er informiert nun entsprechend seine Jünger: "Für diese (Ertrunkenen) werden andere Soldaten aufstehen und uns sehr nötigen, daß wir in die Städte des Griechischen werden flüchten müssen, und es werden bis dahin nicht viele Wochen vergehen." (jl.ev01.209,04)
        Zunächst blieb Jesus aber, wie aus dem Vorgesagten hervorgeht, noch in Galiläa und setzte seine Wanderungen fort.
        Erstmals besuchte er anschließend Kana im Tal. (Kana in Galiläa, wo Jesus das erste Wunder wirkte, lag 8-10 km nordöstlich). Die fast ausschließlich griechische Bevölkerung nahm Jesus mit Begeisterung auf, worauf ihre Kranken geheilt wurden (jl.ev01.210,02).
        Nach der Rückkehr nach Kis trafen sie dort Maria und die Söhne Josephs an. Der jüdische Klerus hatte sie aus ihrem Haus in Nazareth vertrieben und den Söhnen Josephs die Bau- und Handwerkszeuge weggenommen (jl.ev01.230,03 u. 07). Jesus fand aber Mittel und Wege, daß sie alles wieder zurückerstattet erhielten.

        Von dieser Zeit an wird Jesus auch von den Spähern des Herodes"auf jedem Schritt und Tritt überwacht" (jl.ev02,081,07) und auch verfolgt (jl.ev02.091,11). Jesus weicht mit seiner jetzt großen Jüngerschaft von achthundert Personen den Verfolgern jeweils erfolgreich aus. Zunächst begab er sich in die Wüste bei Bethabara am Einfluß des Jordans. Das Volk folgte ihm auch dahin zu Tausenden mit den Kranken, "die alle in einem Augenblick geheilt wurden" (jl.ev02.095,09) (s. auch Mt.14,14). "Das Loben und Preisen des Volkes nahm kein Ende." Anschließend vollbrachte Jesus am Abend die Speisung der "fünftausend Männer, ohne die Weiber und Kinder gerechnet" (s. Mt.14,21).
        Wie zu erwarten war, wollte das Volk ihn erneut zum König ausrufen, da sie in ihm einen Aufstandsführer sahen, dem sie einen Sieg über die verhaßten Römer zutrauten. Aber Jesus entzog sich ihnen auf einen Berg.

        Jesus wandelt auf aufgewühltem Wasser

        Vorher hatte er die Jünger angewiesen, ohne ihn in der mondhellen Nacht über den See ans andere Ufer zu rudern. Petrus befolgte zwar die Anweisung, es waren aber alle Jünger in Ansehung des hohen Seeganges ungehalten und sagten: "Die Küste ist weiß vor Schaum. Halten wir uns nicht bis zum Morgen, so gehen wir allesamt zugrunde." Petrus teilte ihre Sorge: ". .. ich, als ein grau gewordener Schiffer, stehe weiter für nichts ein." (jl.ev02.096,01 u. 09) Wahrend die Jünger ihr Ende nahen sahen, stand Jesus keine "zehn Schritte nahe dem Schiff". Das weitere ist bereits im Evangelium gesagt.

        Jesus provoziert Klerus durch Aufhebung des zeremoniellen Reinigungsgebotes

        Jesus ließ dann das Schiff Kurs auf die Freistadt Genezareth nehmen, wo er sowohl vor den Verfolgern des Tempels als auch des Herodes sicher war", weil diese Stadt unter dem strengen Schutz der Römer stand ... Das steht zwar in keiner Schrift (Evangelium), weil es zu geringfügig war" (jl.ev02.102,12). Im Verlauf von einigen Tagen heilte er dort zweitausend Kranke. - In der Herberge von Genezareth waren auch Pharisäer aus dem benachbarten Jesaira. Hier war es, wo Jesus die Pharisäer bewußt herausforderte, indem er seinen Jüngern sagte, sie sollten ostentativ ihr Brot mit ungewaschenen Händen essen, "um diese wahren Erzphilister von Pharisäern und Schriftgelehrten in Harnisch zu bringen". Das Streitgespräch schildert Matthäus im 15. Kapitel. Als Jesus schließlich erklärte: "Solche Menschensatzung hebe Ich für ewig auf" da fing das Volk an zu jubeln. Die Bauern konnten, wenn sie auf den Feldern waren, dieses Gebot nur selten befolgen. Und weil das Volk dieses nicht praktikable Gebot unbeachtet ließ, betrachteten die formalistisch und zeremoniell denkenden Pharisäer das einfache Volk als Am-haares, d. h. der Verdammung Anheimfallende. Die Pharisäer aber riefen vor Zorn glühend Jesus zu: "Wir haben genug gehört, er hat Gott gelästert. Nun wissen wir, mit wem wir es zu tun haben." (jl.ev02.125,05)
        Den Schiffsknechten am Hafen bekundeten sie, Jesus habe "ganz Jesaira von Jerusalem abwendig gemacht", und er würde zur Verantwortung gezogen werden (jl.ev02.167,04).

        Einnahmeverluste des Klerus durch Abwendung des Volkes

        Jesus war nun auf dem Höhepunkt seines Erfolges. Das Volk fiel am Galiläischen Meer allerorts vom Tempel ab. Die Priester in der Provinz und die Hohenpriester in Jerusalem vermerkten diese Entwicklung mit Sorge und Wut, um so mehr, als ihre Einnahmen bedenklich zurückgingen. Welcher Klerus und welche Hierarchie wendet sich in solcher Lage nicht haßerfüllt gegen den "Ruhestörer", der sie aus ihrer Selbstzufriedenheit aufschreckt?
        Wie wenig realistisch manche Exegeten die im Evangelium geschilderten Sachverhalte und Sachlagen sehen, wird in geradezu erstaunlicher Weise deutlich aus der folgenden Äußerung von Heinz Zahrnt: "Es ist nicht recht einzusehen, warum die Hohenpriester, Pharisäer und Schriftgelehrten diesen Rabbi aus Nazareth..., der doch völlig ungefährlich war..., so gehaßt und seine Hinrichtung durch die Römer betrieben haben." 21

        Heilung von 500 Kranken auf einem Berg; Wunderspeisung

        Bei Matthäus 15,21 heißt es:"Und Jesus ging von dort (Genezareth) hinweg und begab sich in das Land von Tyrus und Sidon." Aus der NO erfahren wir, daß Jesus in den genannten Städten nicht war. Drei Stunden Fußmarsch vor Tyrus änderte er seine Absicht und wandte sich wieder in Richtung des Galilaischen Meeres. Nördlich von Jesaira bestieg er am Ufer des Sees mit zwanzig seiner Jünger einen Berg, um drei Tage dort oben zu bleiben. Obwohl man sich unbeobachtet gefühlt hatte", erstiegen sofort Tausende ebenfalls den Berg und brachten fünfhundert Kranke mit. Jesus heilte sie mit einem einzigen Wort" (jl.ev02.171,05).
        "Er und seine Jünger unterwiesen während drei Tagen das Volk in seiner Lehre. Am dritten Tag speiste er wiederum durch ein Wunder viertausend Mann und noch einmal soviel Weiber und Kinder." (jl.ev02.173,06 f.)

        Wie kam es zu vielen seltsamen Evangelienberichten?

        Am folgenden Tag sandte Jesus einige seiner Jünger nach Norden in die (außerhalb Galiläas gelegene, d. Vf.) Stadt Cäsarea Philippi voraus, um zu erkunden, was die Menschen dort von ihm hielten, bzw. ob sie überhaupt von ihm gehört hatten. Diese Gegend hatte Jesus noch nicht betreten. Es ergab sich, daß alle von ihm gehört hatten, jedoch waren die Nachrichten bereits ins Absurde und Phantastische verzerrt worden. So wurde z. B. erzählt, Jesus könne "sich zu einer riesenhaften Größe ausdehnen und dann wieder zu einem kaum fingergroßen Zwerg zusammenschrumpfen". Die Jünger verwiesen dem Volk diesen und anderen Unsinn. "Daher", heißt es in der NO, "datiert auch der Wust von etlichen fünfzig Evangelien, die bei der ersten großen morgenländischen Kirchenversammlung als apokryph verbrannt worden sind,was sehr gut war." (jl.ev02.174,15)

        Ist Jesus Wohlergehen oder geistiges Heil wichtiger?

        Bevor Jesus wieder nach Obergaliläa zurückkehrte, begab er sich zunächst noch einmal per Schiff nach Jesaira, wo man ihm wieder zahllose Kranke brachte. Diesmal weigerte er sich, sie zu heilen, und sagte zu dem Volk: "Ich bin nicht gekommen, um eure Kranken zu heilen, sondern vielmehr darum, euch zu verkünden, daß das Reich Gottes nahe zu euch gekommen ist, wie Ich es schon einmal getan habe vor einer nicht gar langen Zeit, aber ihr achtetet damals nicht viel darauf, weil ihr Mich kanntet von Nazareth aus, und jetzt haltet ihr erst recht nichts darauf. Und so bleibe Ich auch nicht bei euch und heile auch eure Kranken nicht. Gehet zu euren Ärzten." (jl.ev05.241,08)
        Das sind Worte, die sich so manche Vertreter der Neuen Theologie merken sollten. Offenbar ist es bei nicht wenigen Theologen in Vergessenheit geraten, daß der Auftrag an die Kirchen nicht in erster Linie sozialen, sondern heilsgeschichtlichen Charakter hat. Die Fehlentwicklung ist bereits so weit gediehen, daß manche Autoren die Absichten Jesu durch kühne und völlig haltlose exegetische Kunststücke ins Gegenteil verkehren. So wird behauptet, man müsse die Krankenheilungen durch Jesus als "Hinweis auf die Aktionsrichtung Jesu verstehen: Jesus geht es um das irdische Heilwerden und Zurechtkommen des hilflosen Menschen in seiner Umgebung" 22.
        Die obige Erklärung Jesu gegenüber dem Volk läßt sich nicht im Sinne der Neuen Theologie, der Sozialromantiker und der Theologie der Revolution zurechtbiegen. Jesus dennoch dafür in Anspruch nehmen zu wollen, bedeutet eine Verfälschung eines klaren Sachverhaltes.
        In Jesaira erklärte Jesus erstmals öffentlich gegenüber dem Volk, daß er der verheißene Messias sei, und er fügte hinzu: "Wohl dem, der von euch das glaubt" (jl.ev04.241,10).

        Warum Jesus in Galiläa lehrte, aber keine Wunder tat

        Von Jesaira aus begab sich Jesus mit seinen Jüngern in das Haus des Petrus, wo sie ein paar Tage lang ruhten. Dann besuchten sie in Galiläa "eine Menge Orte, Dörfer und Flecken". "Ich und die Jünger verkündeten das Evangelium, fanden vielfach eine gute Aufnahme, aber auch viele Gegner. Denn auf diesen Reisen tat Ich wenig Wunder, da sich dazu wenig Glauben fand. Überhaupt war das nördliche Galiläa damals zuviel von Griechen und Römern unterspickt (unterwandert, d. Vf.) und stets von einer Menge Zauberern durchzogen, die da ihr Wesen trieben, daher allda die Wunder auch eben nicht viel besagten und in keinem großen Ansehen standen." (jl.ev05.241,13)
        Der Herbst neigte sich seinem Ende zu, und Jesus gab nun seinen Jüngern bekannt wo er den Winter zu verbringen beabsichtige: "Ich werde unfern von hier, etwa in Kis in der Nähe von Kana, den Winter zubringen." (jl.ev05.239,13)

        In welcher Hinsicht soll man wie ein Kind werden?

        Als Jesus im Haus des Petrus mehrere kleine Nachbarskinder sah, rief er eines zu sich und sagte zu den Jüngern: "Wahrlich, so ihr nicht umkehrt von euren weltlichen hochstrebenden Gedanken (s. Markus.10,37, sie dachten daran, Minister in seinem weltlichen Reich zu werden! d. Vf.) und nicht werdet ebenso demütig wie diese Kinder, da kommt ihr selbst, obwohl ihr nun Meine Jünger seid, nicht in das Himmelreich hinein." (jl.ev05.244,02) "Wer sich selbst erniedrigt wie dieses Kind und keine Spur irgendeines Hochmutes in sich verspürt, der ist der Größte im Himmelreich, denn nur die wahre Demut eines reinen Herzens bestimmt allein den Seligkeitsgrad in den Himmeln (Mt.18,04)." (jl.ev05.244,03)
        Bevor Jesus wieder nach Jerusalem zog, besuchte er einige Orte auf den damals sehr fruchtbaren Golanhöhen. Später kam er nochmals dorthin. Seit seinem zwölften Lebensjahr zog er nach Jerusalem und seit dieser Zeit kannte er die Familie des Lazarus.

        Jesus enthüllt sich vor Pharisäern als Messias

        In Jerusalem bekennt sich nun Jesus im Streitgespräch mit den Pharisäern als der Messias. Die schon vorher durch die Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda am Sabbat ergrimmten Juden sagten: "Nun, Du sagst es jetzt ganz frei heraus, daß der Allmächtige Dein Vater ist." (jl.ev06.004,06)

        Lehr- und Wunderpause im Winter und Frühjahr

        Vor der Rückreise nach Galiläa gibt Jesus den Jüngern sein Tätigkeits- und Lehrprogramm für den Winter und das Frühjahr bekannt. "Von jetzt an werde Ich außer den Heilungen an Kranken keine anderen Zeichen mehr wirken den ganzen Winter hindurch und keine Lehre geben." (jl.ev06.022,10) Abwechselnd hält er sich in einer Herberge und bei seinem Freund Lazarus auf "bis zum halben Winter". "Dann besuchen wir den Kisjonah (in Kis am Nordufer des Galiläischen Meeres, d. Vf.) und kommen vor dem Osterfest wieder nach Jerusalem. Sodann erst werden wir mit vielen Begleitern und neuen Jüngern wieder nach Galiläa ziehen, wo Ich wieder neu zu lehren und zu wirken beginne." (jl.ev06.022,10)

        Nur teilweise Anwesenheit vieler Jünger bei Jesus

        In Jerusalem waren 70 Jünger bei Jesus. Diese folgten ihm jedoch nicht ständig wie seine zwölf Apostel. "Die Jünger", erlautert Jesus, "haben soviel gehört und gesehen, daß sie genau wissen, was sie zu tun haben, um das ewige Leben zu erreichen, und eines mehreren bedarf es für sie nicht. Sie wollten ihrer häuslichen Verhältnisse wegen Mir auch nicht stets und überallhin folgen, und so entließ Ich sie einstweilen, aber sie werden schon wieder kommen und Mir folgen auf allen Wegen und Stegen." (jl.ev05.273,12) Jesu Apostel waren wie auch seine Jünger zumeist Galiläer.

        Warum mied Jesus Tiberias?

        Als Jesus Judäa verließ, folgte ihm eine große Volksmenge bis nach Galiläa! (Joh.06,02) Am See angekommen, bestieg er ein Schiff mit Kurs nach Kis. Als das Schiff in Sichtweite an der Stadt Tiberias vorbeisegelte, erkannte das Volk Jesus und seine Jünger und wollte ihm der Kranken wegen (!) folgen. Jesus betrat jedoch die Stadt Tiberias nie, denn "die Menschen dieser Stadt haben wenig guten Sinn und noch weniger Glauben, denn es ist ein Handelsvolk, und sein Sinn ist Geld und Gewinn" (jl.ev06.041,07). Dieser Ausspruch von Jesus, den Johannes nicht aufgezeichnet hat, kann recht nachdenklich machen.

        Dritte Brotvermehrung auf einem Berg zur Speisung von über 5000 Menschen

        Jesus ließ das Schiff etwa eine Stunde von Tiberias entfernt an einer unbewohnten Stelle landen und bestieg einen Berg. Die Volksmenge, die ihm aus Judäa gefolgt war, wurde auf dem Berg vermehrt durch die täglich aus der Umgebung hinzukommenden Menschen. Fünf Tage lang hielt sich Jesus dort auf, und die meisten hatten bald nichts mehr zu essen. So erfolgte auf diesem Berg die dritte Brotvermehrung für "bald fünftausend Männer, die Weiber und Kinder gar nicht gerechnet' (Joh.06,10)

        Wann lehnte Jesus Heilungen ab und warum lehnte er die Königswürde ab?

        Wiederum sprachen die Juden zueinander: "Wenn Er so mächtig ist wie keine Macht der Welt und weiser als Salomon, da ist es wohl an der Zeit, daß wir Ihn mit Gewalt zum König machen." (jl.ev06.041,20) Langsam begriff jetzt auch Judas, "daß der Herr zum irdischen Leben offenbar keines Geldes bedarf, das ist ganz klar einzusehen" (jl.ev06.047,04).
        Das Volk, das ihm aus Judäa und Galiläa nachlief, fand ihn schließlich "in einer Schule von Kapernaum".
        Jesus wußte, daß sie allerorts nur gekommen waren, damit ihre Kranken geheilt würden. Und nach dem dritten Speisewunder schreibt der Evangelist Johannes: "Ihr suchet Mich ... weil ihr durch Mich satt geworden seid." (Joh.06,26) In Kapernaum hat es Jesus aber der Menge unverblümter gesagt und zugleich den Johannes wissen lassen, daß es keinen Zweck hat, diesem unreifen Volk zu predigen. Er sagte deshalb zu den Tausenden, die umherstanden: "Ihr dachtet bei euch: Siehe da, der hat Macht genug wider unsere Feinde, deretwegen wir zuallermeist arbeiten müssen, und dazu kann er uns stets also Brot verschaffen, und wir haben dann nicht mehr nötig zu arbeiten." (jl.ev06.043,05)
        Und zu Johannes sagte er anschließend flüsternd: "Siehst du, was Ich dir gestern geheim auf dem Berg (der Brotvermehrung) sagte, war es nicht wahr? Diese Menschen sind noch ganz auf der Stufe der Tiere, und Ich rede darum verdeckt, auf daß sie ganz unsinnig werden und sich sodann von Mir entfernen (!), denn ihre Zeit ist noch lange nicht da." (jl.ev06.043,16)
        "Für taube Ohren ist schwer zu predigen und für die Blinden schwer zu schreiben." (!) (jl.ev06.044,04)

        Was heißt: Dies ist mein Fleisch und mein Blut, das ihr essen sollt?

        Als Jesus der Volksmenge sagte, er sei der Messias und "Ich bin das Brot des Lebens, das vom Himmel gekommen ist" (Joh.06,41), fingen sie an zu murren und wollten es trotz aller Wunder nicht für möglich halten, daß der Sohn eines Handwerkers der Messias sein soll und sagten: "Ist dieser etwa nicht der Zimmermann Jesus, des Zimmermanns Joseph Sohn? Wir kennen doch ihn, den Vater und die Mutter nur zu gut. Wie kann dieser hernach sagen, daß er vom Himmel gekommen sei?" (jl.ev06.044,11)
        Darauf entgegnete ihnen Jesus: "Wer von diesem Brot essen wird, der wird fortan leben in Ewigkeit. Und sehet, das Brot, das Ich euch geben werde, ist Mein Fleisch, das Ich geben werde für die Menschenleben dieser Welt" (Joh.06,51). (Zur Erläuterung des Gesagten wurde Jakob Lorber an dieser Stelle folgendes ergänzend gesagt: "Darunter ist zu verstehen die äußere materielle Umhüllung Meines Wortes, innerhalb dessen sich das lebendige geistige Wort befindet wie der lebendige Keim in seiner toten Umhülsung.")
        Die Juden fragten sich daraufhin: "Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?" (Joh.06,52) Worauf Jesus ihnen antwortete: "Ihr möget streiten und zanken, wie ihr wollt, es ist dennoch also, wie Ich es euch gesagt habe. Und Ich sage euch nun noch bei weitem mehr: Werdet ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken, so habt ihr kein Leben in euch" (Joh.06,53).
        (Nochmalige Erläuterung des Gesagten für Jakob Lorber und die späteren Leser: "Was das Fleisch bedeutet, ist bereits gezeigt worden. Das Blut als das eigentlich physische Lebensfluidum, das dem Leibe das Leben gibt, ihn erhält, ernährt und ihm den fortpflanzenden Lebenskeim gibt, ist das eigentliche innere Lebensgeistige im äußeren Buchstabenwort." (jl.ev06.044,20)
        "Die Worte, die Jesus zu dem Volk gesprochen hatte, verstanden weder dieses noch die vielen Jünger, wie natürlich auch die zwölf erwählten Apostel nicht, diese harrten noch auf eine nähere Erklärung. Unter sich murrten sie und sagten: Es ist doch sonderbar mit Ihm! Heute hätte Er mit einer klaren und der Vernunft angemessenen Lehre Tausende zu festen Anhängern seiner Lehre machen können, so aber hat Er sich auf lange hin geschadet. Denn wer wird Ihn von nun an noch langer anhören und ertragen können?" (jl.ev06.045,06)
        Jesus ließ die Jünger nun wissen, daß diese Menschen noch lange nicht reif zur inneren Aufnahme des Reiches Gottes seien, und sagte: "Die Worte, die Ich zu euch geredet habe, sind Geist und Leben und nicht ein irdisch Fleisch und Blut." (jl.ev06.045,10) Erst später, als Jesus mit den Jüngern in einer Herberge allein war, kam er nochmals auf diese allen unverständlich gewesene Rede zu sprechen und gab ihnen die folgende völlige Aufklärung über den Sinn seiner Worte, die er in Kapernaum gesprochen hatte.
        "Brot und Fleisch sind da eines und dasselbe, so wie auch Wein und Blut, und wer da in Meinem Worte das Brot der Himmel ißt und durch das Tun nach dem Worte, also durch die Werke der wahren, alleruneigennützigsten Liebe zu Gott und zum Nächsten, den Wein des Lebens trinkt, der ißt auch Mein Fleisch und trinkt Mein Blut. Denn wie das von den Menschen genossene natürliche Brot im Menschen zum Fleische und der getrunkene Wein zum Blute umgestaltet wird, so wird in der Seele des Menschen auch Mein Wortbrot zum Fleische und der Liebetatwein zum Blute umgewandelt. Wenn Ich aber sage: ,Wer da ißt Mein Fleisch', so ist damit schon bedeutet, daß er Mein Wort nicht nur in sein Gedächtnis und in seinen Gehirnverstand, sondern auch zugleich in sein Herz, das da - wie bereits gezeigt - der Magen der Seele ist - aufgenommen hat, und im gleichen auch den Liebetatwein, der dadurch nicht mehr Wein, sondern schon das Blut des Lebens ist, denn das Gedächtnis und der Verstand des Menschen verhalten sich zum Herzen beinahe so wie der Mund zum natürlichen Magen.
        Solange das natürliche Brot sich noch unter den Zähnen im Munde befindet, ist es noch kein Fleisch, sondern Brot; wenn es aber zerkaut in den Magen hinabgelassen und dort von den Magensäften durchmengt wird, so ist es seinen feinen Nährteilen nach schon Fleisch, weil dem Fleische ähnlich. Und ebenso ist es auch mit dem Weine oder auch mit dem Wasser, das sicher auch den Weinstoff in sich enthält, da ohne das Wasser, das das Erdreich zur Ernährung aller Pflanzen und Tiere in sich birgt, die Rebe erstürbe. Solange du den Wein im Munde behältst, geht er nicht ins Blut über, aber im Magen wird er gar bald in dasselbe übergehen. Wer demnach Mein Wort hört und es in seinem Gedächtnisse behält, der hält das Brot im Munde der Seele. Wenn er im Gehirnverstande darüber ernstlich nachzudenken anfangt, da zerkaut er das Brot mit den Zähnen der Seele; denn der Gehirnverstand ist für die Seele das, was die Zähne im Munde für den Leibmenschen sind.
        Ist vom Gehirnverstande Mein Brot, also Meine Lehre, zerkaut oder als volle Wahrheit verstanden und angenommen, so muß sie dann auch von der Liebe zur Wahrheit im Herzen aufgenommen werden und durch den festen Willen in die Tat übergehen. Geschieht das, so wird das Wort in das Fleisch und durch den ernstfesten Tatwillen in das Blut der Seele, das da ist Mein Geist in ihr, umgestaltet, ohne das die Seele so tot wäre wie ein Leib ohne das Blut." (jl.ev09.073,02-05)
        "Liebet und handelt in dieser Liebe mit Mir. Seid nicht nur willig, sondern seid liebetätig, d. h. seid tätig aus Meiner Liebe zu euch und daraus dann aus eurer Liebe zu Mir."
        "Sehet, das ist das wahre Abendmahl. Das ist der wahre Leib der ewigen Liebe, der für euch gegeben, und das wahre Blut, das für euch vergossen wurde. Diesen Leib und dieses Blut nehmet hin und esset und trinket alle davon, damit dadurch euer Fleisch stark werde und auferstehe zum wahren, ewigen Leben!" "Meine Liebe ist das große wahre Abendmahl. Wer Meine Gebote hält, welche nichts als lauter Liebe sind, der hält auch Meine Liebe, was da ist, daß er Mich wahrhaft liebt. Wer Mich aber liebt in der Tat, der ißt wahrhaft Mein Fleisch und trinkt im rechten Sinne Mein Blut, welches alles ist das wahre Brot und der wahre Wein der Himmel, der Engel und allen Lebens." (Him2.002-003)

        Worin besteht das wahre Abendmahl?

        "Was ihr den Armen tut, das tuet ihr Mir selbst!" "Das ist das echte ,Hoc est enim corpus meum', daß ihr wahre Werke der Liebe verrichtet. Denn ein rechtes Liebewerk in Meinem Namen ist Mein eigentlichster, wahrhaftigster,Leib'." (Him2.320)
        Im Abendmahlssaal, am Abend vor seinem Tod, sagte Jesus zu seinen Aposteln gemäß der Aussage der Neuoffenbarung: "Nehme noch jeder einen Bissen, den Ich hier bereite! Es ist Mein Fleisch, das Fleisch gewordene Wort, welches in euch lebendig werden soll. Nehmet auch diesen Kelch! Trinket alle daraus! Es ist Mein Blut, welches für euch zur Vergebung eurer Sünden vergessen werden wird. Wer Mein Fleisch nicht ißt und Mein Blut nicht trinkt, wird nimmermehr selig werden. Ihr wisset aber nun, wie ihr dies zu verstehen habt, und werdet euch nicht mehr an solchen Worten stoßen. Esset, trinket und solches tuet, sooft ihr es tuet zu Meinem Gedächtnisse." (jl.ev11.071, S. 196)
        Im Sinne der Anweisung "Tuet dies zu Meinem Gedächtnis" kamen die Mitglieder der Urgemeinde in Jerusalem zum gemeinsamen Mahl zusammen. Sie brachen das Brot, speisten und waren in freudiger Stimmung. So berichtet die Apostelgeschichte 2,46. Das Dankgebet bei Tisch nannte man Eucharistia.
        In Kapernaum eröffnete Jesus den Jüngern, daß mehrere von ihnen keinen oder nur geringen Glauben an ihn hatten und daß einer ihn verraten werde. Darauf verließen ihn viele Jünger mit den Worten: "Das Harte und Unglaubliche verstehen wir nicht und können es darum auch nicht glauben." (jl.ev06.046,06)

        Missionsorte Jesu, die in der Bibel nicht erwähnt sind

        Entsprechend seiner vor einiger Zeit gemachten Ankündigung verließ Jesus nun Galiläa und zog mit zwanzig Jüngern zunächst "an die nördlichste Grenze Galiläas", wohin er zuvor noch nicht gekommen war. Von dort zog er weiter nach Kleinasien und besuchte in Cappadozien die Städte Serrhe, Samosata, Malaves am Euphrat sowie weiter im Norden Melite. (jl.ev06.127,21)
        "Von da aus zogen wir in die große Stadt Antiochia, wo wir uns einen ganzen Monat aufhielten." "Mit dieser Reise, die man eine sehr fruchtbare nennen kann, verbrachten wir den ganzen Sommer." (jl.ev06.140,06 u. 08)
        Nach der Rückkehr an den See erholten sich Jesus und die Jünger in einer Herberge nahe bei Kapernaum.

        Tempelaufenthalt in Jerusalem beim Laubhüttenfest

        Als die Jünger "die altgewohnte Reiselust" anwandelte und sie außerdem, wie Jesus sagte, "festdurstig" waren, schlugen sie Jesus vor, daß er mit ihnen zum Laubhüttenfest nach Jerusalem gehe. "Sie redeten aber nur deshalb so, weil ihr Glaube an Mich ganz schwach geworden war. - Da fragt sich freilich so mancher, wie das bei den vielen Zeichen und Lehren wohl möglich war. O das ist bei jedem Menschen leicht möglich! Er darf nur ein wenig überheblich werden und sich auf seine Fähigkeiten etwas einzubilden anfangen, und seine Seele befindet sich sogleich in einem zweifelvollen Dunkel, aus dem ihm nur irgendeine kleine Demütigung helfen kann."
        Er ließ die Jünger ziehen, folgte ihnen aber insgeheim. In Jerusalem ging er "mitten durch das tolle Gewühl des Festes und durch das berauschte und unsinnige Volk, von niemandem erkannt und bemerkt, hinauf in den Tempel" (jl.ev06.146,38).
        Dort ergriff er das Wort, und sofort schrien die Pharisäer: "Seht, wie er uns das Volk verführt! und sandten ihre Knechte aus, auf daß sie Mich ergreifen und mit Stricken binden sollten." (jl.ev06.147,16-17) "Da drängten sie plötzlich auf Mich zu, aber als sie Mich ergreifen wollten, da verschwand Ich plötzlich aus dem Tempel." "Wohin ist Er denn so plötzlich verschwunden, sagten die Pharisäer, das ist ein offenbarstes Wunder." (jl.ev06.147,23)
        Vorher hatte Jesus den Pharisäern zugerufen:"Bevor Meine Zeit nicht da ist, wird Mich niemand aufzugreifen vermögen." (jl.ev06.147,21) Auch seinen Jüngern hatte er vor deren Abreise gesagt, daß seine Zeit noch nicht da sei.
        Nach diesem vereitelten Angriff auf seine Person ging Jesus mit den Jüngern in das Haus des Lazarus, wo sie übernachteten. Dort in der Stille des abgelegenen Hauses machte Jesus sehr bedeutsame Prophezeiungen über in unserer Zeit hereinbrechende Menschheitskatastrophen größten Ausmaßes. Wir wissen aus der Neuoffenbarung: es ist Endzeit. Nicht daß die Erde zerstört würde, aber für das, was kommen wird, gelten die Worte des Evangeliums, daß es schwer zu ertragen sein wird. Die Anfänge der Katastrophen haben bereits begonnen. Im letzten Kapitel wird über diese Prophetie ausführlich berichtet werden.

        Unglaube trotz aller Lehren und Beweise

        Jesus wußte, daß noch so überzeugende Beweise nicht bewirken können, daß die Menschen glauben, wenn sie nicht glauben wollen oder weil sie sich einem System verschrieben haben, dem sie infolge einer lebenslangen falschen Erziehung nicht zu entrinnen vermögen.
        Er wußte nach den zahlreichen mißglückten Attentaten auf ihn und den vielen Warnungen, die er von befreundeter Seite - insbesondere von dem bestens orientierten Nikodemus - erhielt, daß der jüdische Klerus ihn nie anerkennen würde. Im engen Kreis bemerkte er deshalb: "Die Fische im Meer getraue Ich Mich eher zu bekehren als unsere Rabbis." (jl.ev07.223,20)
        Von gewissen Schichten des Volkes sagte er: "Sie wollen ihren Weltsinn und ihre Weltlehre und ihr unbegrenztes Wohlleben nicht fahren lassen." (jl.ev10.148,04)
        Wie aktuell und modern das klingt! Beide Hinweise, sowohl betreffend die "Rabbis" als auch die im Wohlleben verstrickten Menschen der Industrienationen, werden ihre Geltung haben, wenn es sich um die Annahme oder die Ablehnung der göttlichen Neuoffenbarung handelt.

        Warum kommen Reiche nur schwer ins Himmelreich?

        Auf dem Weg vom Haus des Lazarus in Bethanien nach Jericho sprach ein reicher Mann Jesus an und fragte ihn, was er tun müsse, um selig zu werden. Bedeutsam an diesem Gespräch ist der vom Text des Evangeliums geringfügig abweichende Wortlaut der NO. Es handelt sich zwar nur um ein Wort, das jedoch der Aussage Jesu einen recht bedeutsamen veränderten Sinn gibt. Im Evangelium heißt es: "Wie schwer wird ein Reicher ins Himmelreich kommen." Tatsachlich sagte jedoch Jesus: "Wie schwer werden solch Reiche ins Reich Gottes kommen", und er beschreibt dann den Charakter dieses Mannes. Von seinem großen Vermögen würde er kaum etwas den Armen geben, seine Diener halte er bei arg magerer Kost und den Handwerkern ziehe er oft unberechtigterweise mehr als die Hälfte des Rechnungsbetrages ab. Es war somit ein geldgieriger Geizhals ohne jedes Gefühl für die Mitmenschen. Die Verhältnisse, die ein solcher Mensch, der das oberste Gebot Jesu, die Nächstenliebe, während seines ganzen Lebens mißachtet, im Jenseits antreffen wird, erklärt Jesus den Jüngern wie folgt:
        "Eine jede Seele nimmt nach dem Abfall ihres Leibes nichts mit hinüber als ihre Liebe, der ihre Werke als Produkte ihres Willens nachfolgen. Hängt die Liebe der Seele also an den toten Dingen dieser Welt so sehr, daß sie mit ihnen völlig eins geworden ist, so ist sie auch 'tot'... und das ist, was man die Hölle oder den ewigen Tod nennt. Hütet euch darum vor allem, daß eure Seelen nicht die Liebe zur Welt mit ihren Schätzen und Reizen gefangennehme, denn wen die Welt einmal gefangen genommen hat, der wird sich höchst schwer von ihrer Gewalt losmachen können." (jl.ev08.166,15)

        Marias Aufenthalt in Kis wegen Klerusnachstellungen

        Nachdem zweieinhalb Jahre seit Beginn der Lehrtätigkeit Jesu vergangen waren, begab er sich wieder nach Galiläa, und zwar zunächst nach Kana (in Galiläa), und dann nach Kis, wo jetzt seine Mutter zumeist mit ihren Freundinnen wohnte (jl.ev09.114,19).
        Maria klagt über erneute Drangsale durch den Klerus von Nazareth: "Ich habe in Nazareth vom dortigen Obersten (Oberpriester, d. Vf.) um Deinetwillen viel böse Reden und Urteile zu erdulden gehabt, und habe Mich hauptsachlich deshalb hierher in die Einsamkeit begeben, um vor dem Obersten und seinem Anhang Ruhe zu haben." (jl.ev09.117,14)
        Von Jesus hören wir in der NO, daß Maria "eine strenge Jüdin war und noch auf den Tempel etwas hielt, wenn auch in Meiner Zeit (der Lehrtätigkeit, d. Vf.) nicht mehr soviel wie ehedem" (jl.ev09.130,02).

        Weitere von Jesus besuchte Orte, die in den Evangelien nicht erwähnt sind

        Im Herbst des letzten Jahres der Lehrwanderungen besuchte Jesus nur noch wenige Orte am See, darunter ganz einsam gelegene kleine Fischerdörfer. Maria nahm er mit. Von fast allen Orten, die Jesus besuchte, ist, wie Lorber gesagt wurde, "heute keine Spur mehr zu finden" (jl.ev09.140,22). Seine letzte Lehrtätigkeit gilt der sogenannten Dekapolis, dem Gebiet der zehn Städte. Diese Landschaft war "eine breite und sehr fruchtbare Hochebene" (jl.ev10.036,01). Der Besuch der Städte Pella, Golan, Aphek und Abila wird besonders erwähnt.
        Nach der Rückkehr nach Bethsaida erfolgte die zweite Aussendung der Jünger in die Gebiete "beinahe vom Ursprung des Jordans bis zu seiner Mündung ins Tote Meer".
        "... Es bleiben uns in der Dekapolis noch sieben Großstädte und eine Menge Kleinstädte und andere Orte übrig, und Meine Zeit geht zu Ende. Ich habe nun bei gut zweieinhalb Jahre nahezu allein ohne Ruhe und Rast gearbeitet und will nun hier in Meinem Lieblingsort (Bethsaida) eine Rast von sieben Tagen nehmen." (jl.ev10.133,07) "Nach sieben Tagen sollt ihr wieder hier eintreffen."

        Warum Jesus keinerlei Amtshierarchie will

        Den Jüngern gibt Jesus folgende Mahnung mit auf den Weg: "Ich ganz allein bin der Herr! Ihr alle untereinander aber seid ganz gleiche Brüder, und es soll keiner mehr noch minder sein, denn eine jede noch so geringe Vorsteherei erweckt im Gemüt des Vorstehers die satanische Herrschgier und wird dann auch nur zu bald zum Verderben der reinen Liebe und der lebensvollen Wahrheit aus ihr, wie es sich nun im Tempel zu Jerusalem mehr und mehr und noch klarer erweist. Wer von euch aber schon durchaus ein Erster Meiner Jünger sein will, der sei ein Letzter und Geringster von ihnen und sei ihrer aller Knecht und Diener; denn so besteht die Ordnung in Meinen Himmeln unter Meinen Engeln."
        "Wahrlich Ich sage euch: Alle, die sich auf dieser Erde in einem anderen Sinn werden zu Vorstehern berufen lassen, werden jenseits einen schweren Stand überkommen. Denn die schwerste Lebensaufgabe für einen Hochmütigen - was am Ende beinahe ein jeder Vorsteher wird - ist die Demütigung seines Gemütes." "Darum bleibet alle völlig gleiche Brüder, und keiner wolle vor dem anderen einen noch so geringen Vorzug haben." (jl.ev10.134,06-09)
        Das Vorstehende steht in verkürzter Form genau so im Evangelium Mt.20,25-28, Mk.10,42 und Lk.22,24-26. Zwischen Auftrag und Wirklichkeit entstand dennoch im Laufe der Jahrhunderte eine abgrundtiefe und unüberbrückbare Kluft. Über die stufenweise Abweichung vom Evangelium und den Folgen für die nächste Zukunft wird in einem besonderen Kapitel noch zu reden sein.

        Wollte Jesus Kirchenbauten oder Altäre?

        Außerdem sagte Jesus zu seinen Jüngern: "Suchet nirgends einen irdischen Gewinn um Meines Namens und Wortes willen, noch irgendein weltliches Herrscherreich." "Ihr sollt Mir in der Folge auch nicht irgendwelche Tempel und Altäre erbauen, denn Ich werde nimmerdar wohnen in den von Menschenhänden erbauten Tempeln und Mich nicht ehren lassen auf den Altären. Wer Mich liebt und Mein leichtes Gebot halt, der ist Mein lebendiger Tempel und sein Herz voll Liebe und Geduld ist der wahre und lebendige und Mir allein wohlgefällige Opferaltar zu Meiner Ehre." (jl.ev09.166,08 u. 10)

        Missionsauftrag für die ganze Erde

        Die öffentliche Lehrtätigkeit Jesu ging dem Ende zu, und er wog Erfolg und Mißerfolg gegeneinander ab. In erster Linie war er zu dem Judenvolk gekommen, aber ebenso klar hatte er auch die Verbreitung der Lehre unter den Heiden befohlen. Bereits bei seinem Aufenthalt auf den Höhen links des Jordans hatte er gesagt: "... es soll auch allen Heiden Mein Evangelium, worin die Gründung des Reiches Gottes auf dieser Erde zur Beseligung aller Menschen besteht - gepredigt werden. Denn es werden Zeiten kommen, und sie sind schon da, in denen gar viele Heiden Gott näher stehen werden als gar viele Juden, die Gott mit ihren Lippen loben und preisen, mit ihrem Herzen aber von Ihm sehr ferne sind." (jl.ev10.145,12) "Zählet die Juden, die an Mich glauben - wie klein und gering ist ihre Zahl gegen die, die Mich hassen und allenthalben verfolgen. Zählet aber nun die Heiden, die von nah und fern stets hierher kommen und mit vieler Freude Meine Lehre annehmen und Mich als den, der Ich bin, bald und leicht anerkennen und Mich gleich über alles lieben." (jl.ev09.193,10) "Gehet nach Jerusalem und in viele andere Judenstädte und Orte, und ihr werdet euch über die schnödesten Urteile über Mich nicht genug wundern können. Und doch habe Ich allenthalben die gleiche reinste Lebenswahrheit gelehrt und große Zeichen gewirkt." (jl.ev10.138,03)

        Warum hielt sich Jesus am Schluss von Nazareth fern?

        Meine in Nazareth verbliebenen drei Brüder "hielten auf Mich nicht das, was sie wohl hätten halten können, darum Ich denn solchen Unglaubens wegen Nazareth eben nicht so oft besuchte; und seinen Bewohnern, als sie fragten, woher Mir, dem ihnen wohlbekannten Söhne des Zimmermanns Joseph, solche Weisheit und Macht käme, sagte Ich: Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland! Darauf zog Ich mit Meinen Jüngern von dannen und kam persönlich nicht wieder nach Nazareth." (jl.ev10.031,10)
        Auch die Jünger Jesu verstanden ihn nach zweieinhalb Jahren Lehrzeit immer noch nicht. Petrus hält ihm vor, in seiner Rede sei immer noch "etwas Hartes und Rätselhaftes trotz so mancher Erläuterungen", die er ihnen schon gegeben habe. (jl.ev10.153,03) Petrus bekommt die Antwort, er müsse sie immer noch "mit Milch speisen, weil sie noch keine harte und kräftige Speise zu sich nehmen und zu verdauen imstande" seien. (jl.ev10.153,09)

        Entscheidet allein das Erdenleben über das Schicksal im Jenseits?

        Doch kann nicht verkannt werden, daß sich der einfache und alt gewordene Fischer Petrus, dem keine Denkschulung an einer Universität vermittelt worden war, rechtschaffen bemühte, das, was ihm und den andem Jüngern gesagt worden war, zu erfassen. Daß er sich so manches durch den Kopf gehen ließ, beweist die Frage, die er an den Herrn stellte, was denn eigentlich aus den vielen Menschen im Jenseits werde, die bisher nichts von der Lehre Jesu gehört hätten und wohl auch in Zukunft nichts hören würden. Ob sie denn nur dazu da waren, "den weiten Boden der Erde für ein allfälliges und besseres Menschengeschlecht zu düngen?" (jl.ev10.153,02) Darauf wird ihm bedeutet: "Wie soll Ich denn die Unwissenden und Unschuldigen richten und verdammen?" (jl.ev10.154,02) "In Meines Vaters Hause sind viele Wohnungen ... aber auch sehr viele Korrektionsanstalten ... (jl.ev10.154,10)
        Aus dieser Aussage von Jesus ist die Unsinnigkeit der Lehre der Kirchen, für jeden Menschen dieser Erde entscheide sich sein jenseitiges Schicksal endgültig in diesem Erdenleben, klar ableitbar.


        Lorbers 10 Bände 'Das große Evangelium Johannes' enthalten nicht die gesamte Lehrzeit Jesu, sondern die Schilderung der letzten Monate und der Leidenszeit, Kreuzigung, Tod und Auferstehung Jesu fehlen, weil Lorber 1864 vor der Vollendung des Werkes starb.

        Anmerkungen des Verf.:

        *1) S. Karte von Palästina (im Buch)

        *2) Es gab zwei Orte Kana.

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