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Prophet Jakob Lorber

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    • War Jesus ein Sozialrevolutionär?


      Die These vom Rebellenführer Jesus ist durch eine neue Zeitströ­mung in den Hintergrund gedrängt worden. Mehr „in" ist heute die „Theologie der sozialen Revolution". Viele junge Pfarrer beider Kon­fessionen, Theologiestudenten, aber auch die studentische Jugend über­haupt, sehen weithin in Jesus einen Sozialrevolutionär, der das Schwergewicht seiner Tätigkeit auf die Umwandlung der Gesellschaft gelegt habe und dessen Zielsetzung in erster Linie die Verbesserung der Lage der Armen gewesen sei.
      Auch diese Theorie ist durchaus nicht neu. Der Sozialist Kautsky hat bereits im Jahre 1908 in seinem Buch Ursprung des Christentums Jesus als einen Systemüberwinder angesehen.
      Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bemühten sich in den USA gleich mehrere Autoren, Jesus in einen „Propheten einer idealen Sozialordnung" umzustilisieren. So z. B. W. Rauschenbusch, Shailer, Mathuos und F. G. Pedbody. 90

      Immer wenn die sozialen Verhältnisse bedrückend waren, glaubten Theologen, vereinzelt in der Predigt von Jesus Spuren sozialkritisch-revolutionärer Tendenzen feststellen zu können. Heute finden diese Vermutungen besonders Nahrung durch die große Armut in den un­terentwickelten Ländern, denen im krassen Gegensatz der Reichtum der Wegwerfgesellschaft in den Industrieländern gegenübersteht. Die Namen des Arztes Che Guevara, des Priesters Camillo Tores und des ev. Pfarrers Martin Luther King, die ihren Kampf für eine größere Gerechtigkeit mit ihrem Leben bezahlten, sind in aller Welt ein Be­griff geworden. Ebenso hat die Aktivität des brasilianischen Erzbi­schofs Dom Helder Camara in weitesten Kreisen Anerkennung und Bewunderung gefunden.

      Die Theologie der sozialen Revolution ist nicht zuletzt eine Reak­tion auf die Verhaltensweise der Kirchen, vor allem der katholischen Kirche in der Vergangenheit. Der katholische Moraltheologe Bernhard Häring stellt die Sachlage wirklichkeitsgetreu dar, wenn er feststellt: „Die Tatsache, daß die hörigen Bauern und Lohnarbeiter im Mittel­alter schlechter behandelt wurden als die Sklaven in alten Zeiten, ist ein Beweis dafür, daß die christliche Kult-, Glaubens- und Liebesge­meinschaft schon damals nicht mehr lebendig war." 91 Als die Lage der Bauern im 16. Jahrhundert unerträglich geworden war, steckten die Bauern während der Bauernaufstände rund tausend Klöster und Burgen in Brand, ein deutlicher Hinweis, wo ihre Ausbeuter zu suchen waren. 92 Religiöse Motive hatte der Bauernaufstand nicht. Im 19. Jahrhundert überließ die Kirche die verelendeten Arbeitermassen der Verzweiflung, und gegen die Schrecken der Kinderarbeit, insbeson­dere in den Bergwerken, rührte sie keine Hand. Die Bischöfe ent­stammten bis zum 19. Jahrhundert ausschließlich der Schicht der rei­chen Feudalherren. Noch in unseren Tagen stehen sie in Spanien und in Südamerika zum großen Teil auf der Seite der alles beherrschenden dünnen Oberschicht. Erzbischof Dom Helder Camara wird von ihnen ebenso mit scheelen Augen angesehen wie im 16. Jahrhundert der Mönch Las Casas, der dem Papst über das Elend der versklavten und geschundenen Indios berichtet hatte. Nur vereinzelte Heilige, die sich der Armen annahmen, leuchten wie Sterne in der dunklen Nacht einer lieblosen Kirche. Nicht ohne Grund heißt es in der Neuoffenbarung von der katholischen Kirche: „Deine Liebe ist ein kalter Ofen." (jl.him2.193,06)

      Aber die Führer der protestantischen Kirche waren damals genauso verständnislos. Luther schrieb, der gemeine Mann müsse mit Bürden beladen werden, sonst werde er zu mutwillig. Melanchthon sagte: „Daß die Bauern nicht mehr leibeigen sein und die bisherigen Zinsen nicht mehr geben wollen, ist ein großer Frevel." 93

      Die jungen Theologen haben erkannt, daß die Kirche den in der Botschaft Jesu vorgezeichneten Weg verlassen hat, aber es besteht die Gefahr, daß sie ins andere Extrem verfallen. Die in der theologischen Literatur zu findenden Ansichten lassen das befürchten. Die Aktions­richtung Jesu wird völlig falsch gesehen, wenn manche Theologen fol­gendes meinen: „Der einzelne wird von Jesus nicht auf ein zukünfti­ges totaliter aliter ( = Jenseits, d. Vf.) vertröstet, das er dann gar nicht mehr erlebt. Das gegenwärtige Leben wird nicht der Zukunft des Reiches geopfert." „Der von Jesus gebrauchte Begriff der ,Gottesherrschaft' verspricht eine aktive Überwindung der gegenwärtigen Unrechtszustände." 94

      Hinweise auf das ewige Leben bezeichnet H. G. Link als „Vertröstungsideologie". In dieser neuen Theologie sieht dieser Autor „die Aufgabe einer grundlegenden Erneuerung des Chri­stentums"! Die Abkehr vom wahren Sinngehalt der Botschaft Jesu, wie sie aus der Neuoffenbarung klar und deutlich wird, bedeutet keine Erneuerung, sondern eine Zerstörung des christlichen Glaubens. Jesus hat - wie aus der NO hervorgeht - weder einen Klassenkampf noch ein Paradies auf Erden verkündet. Seine Predigt hatte keinen sozial­ethischen, sondern theozentrischen Charakter.
      Es ist auch nicht zutreffend, wenn andere Theologen meinen, daß „Jesus niemals mit den Reichen und Mächtigen dieser Erde in Berüh­rung gekommen ist" 95 . Lazarus, Nikodemus und Josef von Arimathia zählten zu den reichsten Männern Palästinas. Jesus hatte auch nach den Kundgaben der NO engen Kontakt mit einflußreichen römi­schen Militärpersonen bis zu den höchsten Rängen. (jl.ev08.157,07)

      Worauf es Jesus allein ankam, das ist im Evangelium und in der Neuoffenbarung ganz unmißverständlich ausgesprochen. In der Neu­offenbarung sagt der Herr: „Ich kann nur das geistige Fortschreiten, aber nicht das weltliche Wohlleben jedes einzelnen als Hauptzweck seines Erdenlebens im Auge haben." (gm.pred.024,26)

      Was der Herr von der Verbiegung seiner Lehre in die gegenteilige materialistische Denkungsart hält, ist in der NO auch ganz konkret ausgeführt: „Eine solche Denkungsweise war schon seit Entstehung des Menschen immer bei einzelnen die Basis ihrer Handlungen, und in jetziger Zeit predigen eure gelehrten Materialisten ohne Scheu und finden ein großes Publikum, welches ihren Ansichten beistimmt und ihnen Beifall klatscht." (gm.pred.043,10)

      Wie aktuell ist doch diese Kundgabe und wie präzise ist sie auf die heutigen theologischen Zeitströmungen zugeschnitten!

      Und noch einmal wird an anderer Stelle der NO unüberhörbar klargestellt: „Diese Erde hat nun einmal die Bestimmung, daß auf ihr für die ganze Unendlichkeit Kinder des Geistes Gottes erzogen werden, und es ist darum nötig, daß der Boden stets mehr mager als zu locker und zu fett gehalten wird." (jl.ev02.205,09) „Es ist die Ar­mut zwar eine große Plage für die Menschen, aber sie trägt den edlen Keim der Demut und der wahren Bescheidenheit in sich und wird darum auch stets unter den Menschen verbleiben. Dennoch sollen die Reichen die Armut nicht mächtig werden lassen, ansonsten sie sehr gefährdet werden, hier und dereinst im Jenseits." (jl.ev04.179,03)

      Die Armut ist - wie hier aus der Neuoffenbarung ganz klar er­kennbar wird - ein Teil des Heilsplanes Gottes. Die Voraussage im Evangelium, „Arme werdet ihr allezeit bei euch haben", hat ihre Be­deutung, auch wenn sie offensichtlich von den Theologen, die Jesus als einen Sozialreformer ansehen und die humanitäre Seite einseitig betonen, nicht erkannt wird.

      Die Lehre Jesu ist primär keinesfalls eine soziale Botschaft und schon gar kein Aufruf zum Klassenkampf und zum Umsturz beste hender Verhältnisse. Er sagte kein Wort gegen die Sklaverei, auf der das damalige Wirtschaftssystem aufgebaut war. Der Gewaltverzicht ist schon aus den in den vorangegangenen Kapiteln zitierten Aussagen der NO erhärtet worden. Das geht auch gleichermaßen aus Lk.06,27-36, Mt 05,38-48 hervor.

      Jesus hat das Problem der Armut mit seinen Jüngern ausführlich besprochen. Aus der NO erfahren wir hierzu folgendes: „Daß die Güter dieser Erde sehr ungleich verteilt sind, so daß es Reiche und Arme gibt, ist der weise Wille Gottes. Denn dadurch, daß Gott die Menschen mit verschiedenen Gütern, Gaben und Fähigkeiten ausge­stattet hat, ist ein Mensch dem anderen ein unerläßliches Bedürfnis." (jl.ev07.037,01) „Aber die Unbilligkeit und Ungerechtigkeit unter den Menschen auf Erden ist das größte Übel, das auf der Welt die Brüder und Schwestern entzweit und Feindschaften stiftet. Wo aber diese einmal bestehen, da gibt es kein Heil mehr unter den Menschen, son­dern Neid, Haß, Raub, Totschlägerei, Mord und Kriege." (jl.ev07.179,02)

      „Der zu selbstsüchtige Wucher und die zu große Herrsch- und Glanzsucht der Menschen ist der eigentliche Satan, ein Fürst dieser Welt, die, weil ohne alles Lebenslicht aus den Himmeln, vollkom­men die Hölle selbst ist." (jl.ev09.101,07-08) „Wenn die Menschen alle so miteinander lebten und nach dem ihnen schon oft geoffenbar­ten Willen und Rate Gottes handelten, so würden niemals Not, Be­drängnis und Trübsal unter ihnen entstehen. Alles Elend bereiten sich die Menschen selbst durch ihren bösen Wuchergeist." (jl.ev09.101,05)

      Der Reichtum als solcher wird also von Gott nicht verurteilt. Ent­scheidend ist, wie er verwendet wird. Aber in dieser Hinsicht weicht zweifellos die Mehrheit der Reichen von der Forderung, wie sie als Voraussetzung für die Anerkennung des Reichtums gestellt wird, ab. Hierzu wird in der NO gesagt: „Ich bin nicht nur ein Freund der Armen, sondern auch ein Freund der Reichen, wenn sie ihren Reich­tum nach der wahren Absicht Gottes gebrauchen. Wer reich ist, der tue also, und er wird leben." (jl.ev06.227,10)

      Auf die Frage eines reichen Pharisäers: „Herr und Meister, siehe Deine Freunde Lazarus, Nikodemus und Joseph von Arimathia sind doch um vieles reicher als wir. Warum verlangst du von ihnen nicht das, was Du von uns verlangst?" (Aufgeben aller irdischen Güter, d. Vf.) antwortet ihnen Jesus: „Zwischen ihnen und euren Gütern ist ein himmelgroßer Unterschied! Ihre Güter sind streng gerechte Stammgüter, und die darin enthaltenen königlichen Schätze sind das Ergebnis eines wahren, uneigennützigen Fleißes und des Segens aus den Himmeln Gottes. Zugleich sind die drei Genannten nun fast die einzigen Unterstützer der vielen Tausenden, die durch euer gottloses Treiben und Gebaren arm und elend geworden sind." „Ist das auch mit euren zusammengeraubten Gütern der Fall?" (jl.ev07.157,08 ff.)

      „Reich sein auf dieser Erde und nur soviel für sich verwenden, wie man zur Erhaltung seiner selbst nötig braucht, also karg sein gegen sich selbst, um desto freigebiger gegen die Armen sein zu kön­nen, dies ist die größte Gottähnlichkeit schon im Fleische auf dieser Erde." (jl.ev03.192,11) „Wer für den Leib mehr tut als für die Seele oder gar für den Leib allein sorgt und für die unsterbliche Seele gar nicht, der ist wahrhaft ein Narr." (jl.ev07.222,15)

      Bei der Erörterung des Problems der Armut in der Neuoffenba­rung wird kein Zweifel darüber gelassen, daß dieser seit Jahrtausen­den bestehende Zustand seinen gottgewollten Sinn hat, wenn auch viele die Tiefenschichten des Heilsgeschehens nicht zu erkennen ver­mögen und glauben, alles Geschehen an den Maßstäben der mensch­lichen Vernunft messen zu können. In der NO wird nicht ohne Grund mit Nachdruck betont: „Diese Worte, die Ich nun zu euch rede, sind Leben, Licht und Wahrheit, deren Realität jeder einsehen muß, der sich danach kehren wird." (jl.ev04.079,09)

      Auch weist der Herr in diesem Zusammenhang mit Nachdruck darauf hin, daß es in der Welt viele Gefahren für die Seele gibt, die ihrer Vervollkommnung und Reife für das Reich Gottes entgegen­wirken. Die größte Gefahr ist das luziferische Element des Hochmu­tes, dem entsprechend dem Heilsplan Gottes ständig Gegenkräfte entgegengesetzt werden müssen. In jeder Seele lebt ein Hoheitsgefühl und darin der Keim zum Hochmut. Daraus wird in der Neuoffen­barung die Schlußfolgerung gezogen, d. h. um eben diesen hieraus re­sultierenden Gefahren begegnen zu können, wird ein Damm gebaut: „Darum ist auf dieser Erde die Armut vor der Wohlhabenheit der Menschen so überwiegend groß, um dadurch den Hochmut stets am scharfen Zügel zu halten. - Setze einem Bettler eine Königskrone auf, und du wirst dich überzeugen, wie seine frühere Demut und Geduld alsbald verdampft." (jl.ev04.083,01)

      „Die Not des Lebens ist ein Gefäß des Lebens, in welchem dieses gefestet wird gleich einem Diamanten." „Daher nehme jeder sein Kreuz auf seine Schulter und folge Mir in aller Liebe nach, so wird er sein Leben erhalten ewig." (jl.him1.335) „Armut und Not entschul­digen den Diebstahl und den Raub nicht, und noch weniger den Tot­schlag eines Beraubten." (jl.ev04.079,02)

      „Ich weiß gar wohl, warum Ich über ein oder das andere Volk dies oder jenes kommen lasse. Euch aber genüge es zu wissen, daß von Mir, dem Vater aller Menschen, keine bösen Gaben den Kin­dern, wie diese auch beschaffen sein mögen, gereicht werden, am we­nigsten denen, die Mich suchen, erkennen und lieben." (jl.him2.296,14)

      „Es ist für den im Geist Erweckten aber besser, in den Gütern der Himmel zu schwelgen, aber dabei sich an den Gütern dieser Erde eine kleine Not gefallen zu lassen." (jl.ev09.209,10) „Alles, was zugelas­sen einmal da ist, muß da sein als ein Triebkeil zum Besserwerden der Menschen." (jl.ev05.158,01)

      Für Völker, die völlig entarten und ihr von Gott gesetztes Ziel vollständig aus dem Auge verlieren und keinem Mahnruf mehr zu­gängig sind, „gibt es allerdings keine andere Schule als die des Elends. Das spricht Der, der alle Völker der Erde kennt" (jl.him2.319,10).

      Eine zu große Not wird allerdings für die Seele eher schädlich als nützlich sein. Das bringt Thomas von Aquin treffend zum Aus­druck, wenn er sagt: „Gratia supponit naturam", d. h. „die Gnade setzt die Natur voraus". Die Gnade kann bei Menschen, die ständig von größter Not und Sorge belastet sind, nicht wirksam wer­den. Das besagen auch die Kundgaben der Neuoffenbarung, und das Urteil, das über diejenigen gefällt wird, die für die übergroße Not verantwortlich sind, ist vernichtend. „Die Not ist ein übles Ding und verleitet den Menschen zu oft grö­ßeren Lastern als der Reichtum." (jl.ev02.068,04)

      „Wenn die Reichen und Mächtigen alles an sich ziehen, so müssen dadurch dann ja auch gar viele tiefst verarmen und in allem Elend und großer Not ihr Leben hinbringen, weil alles nur den wenigen Reichen und Mächtigen, den Armen aber nichts gehört - außer das, was ihnen die Reichen und Mächtigen für die für sie verrichtete schwere Arbeit kärglichst geben wollen." (jl.ev08.182,08)

      „...die Not und die Armut unter den Menschen auf dieser Erde erzeugt einzig und allein ihre gegenseitige Lieblosigkeit . . ." (jl.ev09.210,04)
      „Ihr wisset es, daß ein Mensch, der an irdischen Gütern reich ge­worden ist, zumeist auch in seinem Herzen zu einem Stein von Ge fühl- und Lieblosigkeit wird." „Wo steht aber ein solcher Mensch dann in der inneren Lebenssphäre? Ich sage es euch: auf dem Punkt des ewigen Gerichtes und dessen Todes . . ." (jl.ev08.182,01)
      „. . . es ist das (sich von materiellen Dingen abzuwenden, d. Vf.) für eine einmal mit der Weltliebe erfüllte Seele wahrlich keine leichte Arbeit, und es gibt gar viele Reiche und Mächtige in der Welt, für die es schwerer ist, sich von der Materie und ihrem eingebildeten Wert zu trennen - als wie schwer es für ein Kamel wäre, durch ein Nadelöhr zu gehen." (jl.ev08.183,05)
      „Aber was nützte es dem Menschen, wenn er auch der Besitzer aller Schätze der Erde wäre und sich damit alle erdenklichen Lustbarkei­ten verschaffen könnte, aber dadurch an seiner Seele Schaden litte?" (jl.ev08.183,09)

      Wer denkt beim Lesen des oben zitierten Verses, „wenn die Rei­chen alles an sich ziehen", nicht an die Latifundienbesitzer und Klöster, die jahrhundertelang in Europa und anderswo die armen Bauern aussaugten, wer denkt nicht an Südamerika, Äthiopien, Pakistan, In­dien usw., wo heute noch einige wenige den größten Teil des acker­baufähigen Landes besitzen, und wer weiß nicht, wie den die Roh­stoffe liefernden armen Ländern seit Jahrzehnten von den Industrie­ländern Preise diktiert wurden, die nicht einmal das Existenzmini­mum dieser Völker ermöglichten, während die Industrienationen ihren Wohlstand rapid erhöhten? Die Latifundienbesitzer und die Industriellen sind in der Neu­offenbarung vom Herrn namentlich angesprochen worden. Jesus sagt, daß die „sogenannten Gutsherren dereinst eine harte Rechnung ab­zulegen haben und sie sich über den letzten Heller vollkommen wer­den ausweisen müssen, wofür sie ihn verwendet haben. Wehe denen, die ihre Einnahmen verpraßt, vergeudet und verhurt haben" (jl.him1.358).

      „Die Großen und Mächtigen sind durch ihren Wuchersinn und durch ihre große Herrschsucht Diebe und Räuber der Völker und haben auch von Mir zur rechten Zeit den verdienten Lohn zu gewär­tigen." (jl.ev09.101,06)
      Jahrhunderte hindurch wurden die Völker in Europa und anders­wo von absolutistisch herrschenden Mächtigen des Staates, von Groß­grundbesitzern und von Industriellen bis zum Weißbluten ausgebeutet. Nur wer die Geschichte kennt, ahnt, welches Elend und welches Leid sich hinter dieser Feststellung verbirgt. Die farbigen Völker wurden durch die überlegenen Feuerwaffen der Europäer unterdrückt und aus­gebeutet. Später genügte die Macht des Geldes, um Länder wie Mit­tel- und Südamerika in wirtschaftlicher Abhängigkeit zu halten. In der Neuoffenbarung wird ausdrücklich gesagt, daß die „Industrie dem Hauptgebot der Liebe schnurstracks entgegenstrebt". „Blicket nur nach Amerika, England usw." (jl.him1.347)

      Auch in Palästina war zur Zeit Jesu die Ausbeutung der Sklaven und auch des einfachen Volkes an der Tagesordnung. Dennoch hat Jesus auf Gewaltanwendung und Terror zur Veränderung der Welt grundsätzlich verzichtet und auch gleichzeitig eindringlich darauf hin­gewiesen, daß der Sinn des Lebens nicht die Erzielung eines höchst­möglichen Lebensstandards sei. Die folgenden Kundgaben der NO machen deutlich, daß die marxistische Ideologie vom Paradies auf Erden eine Utopie ist.

      „Jeder von euch denke daran, daß die Erde unmöglich ein Paradies sein kann, weil sie ein Prüfungsboden für jeden, in das schwere Fleisch des Menschen gelegten Geist für alle Zeiten verbleiben muß, ohne den kein Geist ein vollkommenes, ewiges Leben erreichen könnte." (VdH I 83, 3)

      „Meint ihr denn, Ich wüßte nicht, was die Welt tut, und sei etwa zu lau, um die Welt für ihre Untaten zu züchtigen? Ich sage euch: Glaubet etwas anderes und lasset die Leitung der Welt Mir!"
      „Wer das Schwert zieht, der kommt auch durch das Schwert um. Mit offener Gewalt wird nie jemand etwas ausrichten gegen die Welt, denn wo die Welt Gewalt sieht, da begegnet sie derselben wie­der mit Gewalt, und auf diese Weise würgt fortwährend ein Volk das andere."

      „Wer die Welt bekämpfen will, der muß sie mit heimlichen Waf­fen bekämpfen, und diese Waffen sind Meine Liebe und Mein Friede in euch! Jeder aber muß zuerst mit diesen Waffen die eigene Welt in sich besiegen, dann erst wird er eben diese Waffen allzeit siegreich gegen die Außenwelt gebrauchen können."
      „Wahrlich, wer nicht innerlich ein Meister der Welt ist, der wird es äußerlich um so weniger werden! Jeder aber, der in sich noch einen fluchähnlichen Feuereifer verspürt, der ist noch nicht fertig mit seiner eigenen Welt." „Mein Geist und Mein Friede eifern nicht, sondern wirken mächtig im stillen nur und gänzlich unbemerkt von aller Welt und haben kein anderes Außenschild als die Werke der Liebe und in der Erscheinlichkeit die Demut." (jl.schr.035,20-24)

      Das sind klare Aussagen, an denen es nichts zu deuteln gibt. Die theologischen Systemveränderer, die sich marxistische Gedanken­gänge zu eigen machen, haben kein Recht, sich auf Jesus zu berufen und von „Erneuerung des Christentums" zu reden. Es gibt heute in der Welt allzuviele Systemveränderer, denen das Herzstück der Bot­schaft Jesu nichts bedeutet, ihre Herzen sind im Gegenteil oft von Haß und Neid erfüllt. Von ihnen sagt Nietzsche, auf der ersten Stufe verlange man Gerechtigkeit von seiten derer, die die Macht haben, auf der letzten Stufe habe man dann schließlich die Macht allein. 96 Die Forderungen nach Gleichheit und Freiheit sind oft nur maskierte Arten des Willens zur Macht.

      Jesus hat es vorausgesagt, daß bei Gewaltanwendung auf die Dauer keine glücklichen Zustände herbeigeführt werden. Wie wir inzwi­schen durch die Erfahrung wissen, hat sich die im Osten angestrebte Einheit im Despotismus verwirklicht. Der zaristische Terror wurde von einem anderen abgelöst. Zugleich begannen die Religionsver­folgungen durch den militanten Atheismus. Was durch die gewalt­same Systemveränderung zustande kam, sagen uns zwei prominente Zeugen. Nach Angaben von Alexander Solschenizyn in seinem Brief an die kommunistische Partei der UdSSR vom September 1973 wur­den in Sowjetrußland seit dem Jahre 1917 66 Millionen Menschen aus politischen, wirtschaftlichen und klassenkämpferischen Gründen ausgerottet. 97 Jahrzehntelang waren zur Zeit Stalins 10 bis 12 Mil­lionen Menschen in Straflagern, was unendliches Leid über diese und deren Familien brachte. 98

      Prof. Andrej Sacharow, der „Vater der sowjetischen Wasserstoff­bombe", sagte in einem Interview, das er dem schwedischen Rund­funk gab, es herrsche in Sowjetrußland Zynismus, Apathie und Er­schöpfung, Heuchelei, Verfall der Moral und Schöpferkraft, worunter vor allem die geistige-Schicht seines Landes leide. Wörtlich sagte er: „Die Geschichte unseres Landes muß den Ländern des Westens und der Dritten Welt als Warnung dienen, damit sie die historischen Ent­wicklungsfehler vermeiden, denen sich unser Land schuldig gemacht hat." 99
      Der bedeutende Soziologe Max Weber (1864-1920) hat bereits vor einem halben Jahrhundert festgestellt, daß die Gewalttätigkeit immer aus ihrem Schoß die Gewalttätigkeit erzeuge, daß die Gewalt­tätigkeit gegen die Ungerechtigkeit am Ende nicht zum Siege einer höheren Gerechtigkeit führe. 100

      Alle philosophischen und politischen Utopien führen in die Tyran­nei, weil alle Systemveränderer nach einem Wort Hugo Balls negativ operieren: „Keiner protestiert nach innen, immer nur nach außen."

      Ohne die Verwirklichung der Botschaft Jesu in den Herzen der Menschen ist kein wahrer Humanismus denkbar.

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