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Prophet Jakob Lorber

Wissenschaftl. Echtheitsbeweise der Offenbarungen

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    • Die bibelkritischen Forschungsergebnisse im Lichte der Neuoffenbarung

      Der Einfluß des Säkularismus und Materialismus auf die wissenschaftliche Forschung



      Die heutige Christenheit ist weithin nur noch dem Namen nach christlich. Die Glaubenslosigkeit und das Desinteresse an religiösen Fragen ist weit verbreitet. Diese Entwicklung hat mehrfache Ursachen. Es erscheint uns eine Aufgabe von Belang zu sein, die Ursachen der Glaubenslosigkeit und der Gleichgültigkeit gegenüber den Grundfra­gen des Lebens einer Analyse zu unterziehen.
      Als eine dieser Ursachen ist der Rationalismus*1) und Intellektualismus*2), die in der bibelkritischen Forschung ihren Niederschlag gefun­den haben, anzusehen. Die vielen Schriften der liberalen Theologen über Jesus und über den Ursprung des Christentums haben in früherer Zeit zunächst in Kreisen der Gebildeten zu einer zunehmenden Glau­benslosigkeit geführt. Im Laufe der Zeit sind die destruktiven Theo­rien durch die Massenmedien auch in die übrigen Schichten des Volkes eingedrungen. Insbesondere bei der jungen Generation wurden Zwei­fel gesät oder die Vorstellung, das Christentum sei lediglich ein My­thos, mehr und mehr gefestigt.
      Wer sich die Frage stellt: Wie konnte die christliche Denkweise und Haltung in unserer Zeit in einem so rasanten Tempo zerbrechen?, kann die Antwort nicht finden, wenn er nicht weiß, daß in längeren Zeit­räumen eine geistesgeschichtliche Entwicklung stattgefunden hat, die, von wenigen beobachtet, die Aufnahmefähigkeit für das derzeitige Denken der Menschen vorbereitet hat. Die Veränderung der geistigen Grundhaltung hat Wurzeln, die tiefer in die europäische Geistesge­schichte hinunterreichen.

      Der Vorgang erstreckt sich über dreihundert Jahre. Zum Verständ­nis der Entwicklung der geistigen Strömungen, die abseits vom Kir­chenvolk vor sich gingen, muß die Sonde etwas tiefer angelegt wer­den. Auch der Leser, der mit Erörterungen, wie sie nun fol­gen, bisher noch nicht konfrontiert worden ist, möge die geringe Mühe nicht scheuen, den nachstehenden Ausführungen, die nur einen kurzen, skizzenhaften Abriß der fast unübersehbar gewordenen Ma­terie darstellen, zu folgen. Insbesondere wenden wir uns aber an die, durch die fragliche Literatur verunsicherten und die Wahrheit su­chenden Menschen, um ihnen durch Vorlage von Fakten einen Denk­anstoß zu geben.
      In der Zeit der Säkularisation (oder Säkularisierung) wurde die Losschälung des Menschen von allen religiösen, übernatürlichen Bin­dungen und von aller metaphysischer und göttlicher Bezogenheit an­gestrebt und eingeleitet. Ausgangspunkt war nicht, wie vielfach an­genommen wird, die Naturwissenschaft, sondern die Philosophie.
      Der Philosoph Descartes (gest. 1650), der in völliger Einsamkeit lebte, hat die Grundlage für die Entstehung des Rationalismus voll­zogen. Die erkenntnis-theoretischen Fragen traten nun beherrschend in die Mitte des Philosophierens. Der Rationalismus nahm alles unter die Lupe der Vernunft. Bedeutsamen Einfluß auf die Entwicklung nahm dann Auguste Comte (gest. 1857); er war der Begründer des Positivismus *3). Hierbei haben wir es mit einer der Metaphysik *4) ) entgegengesetzten philosophischen Richtung (Empirismus *5) zu tun, die nur gelten läßt, was durch die Erfahrung gesichert ist. Damit war die Grundlage für die materialistische Weltanschauung geschaffen, die sich über die ganze Erde ausgebreitet hat.

      Der Materialismus *6) läßt in seiner Lehre für Gott keinen Raum. Das wurde bereits im Anfang des 19. Jahrhunderts deutlich, als der Astronom und Mathematiker Laplace (gest. 1827) auf die Frage Na­poleons, wo Gott in seiner Theorie bleibe, antwortete: „Sire, diese Hypothese benötige ich nicht. Die Natur ist mit sich allein." 31

      Durch die Atomphysik ist zwar inzwischen nachgewiesen worden, daß der sogenannte Determinismus *7) , der das Fundament der ma­terialistischen Weltanschauung bildet, gar nicht allgemein zutrifft.

      Bis neue geistige Ideen in die Masse des Volkes eindringen, braucht es lange Zeit. Als Descartes, Comte, Hegel und Feuerbach ihre Ge­danken niederschrieben, ahnte die Umwelt noch lange Zeit danach nicht, welche Brisanz in diesen Ideen lag und daß sie die Welt - nicht zum Guten - verändern würden.
      Ideen springen über wie Funken und entzünden oft an anderem Ort ein geistiges Feuer. Der Philosoph Ludwig Feuerbach fand wenig Resonanz und geriet bald in Vergessenheit, aber Marx und Engels griffen seine Gedanken auf, und so hat Feuerbach letzten Endes doch die „entscheidende säkularisierende Wende vollzogen". 32
      Auch des Philosophen G. W. F. Hegel Gedanken wurden von Karl Marx ver­wertet, allerdings bog er sie in seinem Sinne um und füllte sie mit an­deren Inhalten an.
      Die weitere Entwicklung führte dazu, daß dem dialektischen Ma­terialismus die Parteilichkeit der Wissenschaft als Sondergut zu eigen geworden ist. Im Westen hat die Wissenschaftsgläubigkeit auf andere Weise weithin zur Anerkennung des Materialismus als Weltanschau­ung geführt.
      In den angeführten philosophischen Ideen lag eine ungeahnte Sprengkraft. Die Schübe, mit denen die Glaubenslosigkeit zunächst bei den Intellektuellen und schließlich auch bei weiteren Volkskreisen zunahm, lassen sich historisch verfolgen. Wenn heute die Menschen vor den immer stärker in Erscheinung tretenden chaotischen Kräften Furcht empfinden, so ahnen nur wenige, daß das geistige Fundament dieser Verhältnisse in der Säkularisation der früheren Jahrhunderte liegt.
      Nachdem in diesen Lehren Gott keine Existenzberechtigung mehr hat und es ein Leben der Seele nach dem Tode nicht geben soll, blieb letzten Endes nur - wie dies der Philosoph Martin Heidegger dar­stellt - Nihilismus als Sinn des Lebens übrig, nämlich heroische Verzweiflung. Da die Welt immer mehr aus den Fugen gerät und das Ge­rede vom Humanismus im Hinblick auf die zunehmend brutale Ge­walt in jeder Form sich nicht als tragfähige Grundlage erweist, macht sich allerorten die Daseinsangst mehr und mehr breit. Es läßt den Menschen erschaudern, in die Abgründe des Nichts schauen zu müssen. Der Mensch hat die Freiheit, Gott anzuerkennen oder ihn zu leug­nen und sich an seine Stelle zu setzen. Und letzteres hat er im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder versucht. Wo die Antriebs­kräfte des Atheismus *8) zu suchen sind, ist nicht schwer zu ergründen. Es ist der uralte luziferische Haß und Trieb des Geschöpfes, sich an die Stelle des Schöpfers zu setzen. Man braucht nur bei Karl Marx nachzulesen, um zu erkennen, worauf sich Marxismus und Materia­lismus gründen. Marx schreibt: „Die Philosophie verheimlicht es nicht. Das Bekenntnis des Prometheus, ,ich habe, in einem Wort, Haß genug für alle Götter', ist ihr eigenes Bekenntnis, ihr eigener Spruch gegen alle himmlischen und irdischen Götter, die das menschliche Selbstbe­wußtsein, nicht die oberste Gottheit anerkennen." 33 (!)


      Anmerkungen des Verf.:

      *1) In der Theologie versteht man unter Rationalismus, namentlich seit der Auf­klärung, die Kritik an der überlieferten Glaubenslehre vom Standpunkt der Vernunft. Descartes verstand darunter, daß es lediglich eine aus der Vernunft zu schöpfende Erkenntnis gibt.
      *2) Intellektualismus - philosophische Ansicht, daß nur dem Verstand die Erkennt­nis des Wahren zuzuschreiben sei. Der Verstand wird unter Vernachlässigung des Irrationalen und der Intuition einseitig betont.
      *3) Positivismus = eine der Metaphysik entgegengesetzte philosophische Richtung des Empirismus. Sinnvoll sind danach nur auf Erfahrung beruhende Aussagen, sinnlos alle metaphysischen Sätze. Der P. ist Grundlage der materialistischen Weltanschauung.
      *4) Die Metaphysik ist die Wissenschaft vom Gesamtwirklichen, d. h. auch von dem, was jenseits des Physischen, d. h. des Erfahrbaren liegt, z. B. Gott, der alles Erfahrbare übersteigt.
      *5) Empirismus ist die Lehre, die allein die Erfahrung als Erkenntnisquelle gelten läßt.
      *6) Materialismus ist die Weltanschauung, die in der Materie (Stoff) den Grund und die Substanz aller Wirklichkeit sieht; die seelische und geistige Wirklich­keit nur als Funktion der stofflichen. Der praktische Materialismus ist die Le­bensweise, die Macht, Besitz und Genuß geistigen Werten vorzieht.
      *7) Determinismus = philos. Lehre, die eine durchgängige Bestimmtheit alles Ge­schehens in der Welt (mit Einschluß des menschlichen Willens) nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung annimmt.
      *8) Atheismus = Leugnung einer göttlichen Weltordnung oder überhaupt das Da­sein Gottes. Atheist = Gottesleugner. **) Die Aufklärung ist in der Philosophie eine europäische Geistesbewegung, die die Unmündigkeit durch Bedienung des Verstandes zu überwinden gedenkt. Die Aufklärung fordert die individuelle Freiheit des Menschen als Maßstab für das Leben und die Wissenschaft, sie richtet sich in erster Linie gegen die kirchliche Bevormundung.

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