Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 67. Kapitel: Jesus erweckt einen Knecht vom Tode.

   01] Als Ich dieses laut zu dem Schriftgelehrten sagte, da kam die eine Schwester des Lazarus, die Martha nämlich, nahe außer Atem zu uns auf den Hügel und brachte uns die Nachricht, daß ein Knecht von einem hohen Gerüst, auf dem er etwas zu tun hatte, herabgefallen sei und nun kein Lebenszeichen mehr von sich gebe. Sie bat Mich, daß Ich ihm helfen möchte.
   02] Und Ich sagte: »Nun, so laß ihn durch die andern Knechte hierher bringen, und Ich werde sehen, was Ich tun werde!«
   03] Auf diese Worte eilte die Martha wieder hinab, und der sich zu Tode gefallene Knecht wurde, auf einer Trage liegend, in wenigen Augenblicken vor Mich hingebracht.
   04] Und Ich sagte: »Habe Ich es euch nicht zum voraus gesagt, daß wir ehest etwas anderes zu tun bekommen werden?«
   05] Hierauf sagte Ich zu dem Schriftgelehrten, der seine Augen starr auf den Toten richtete: »Untersuche ihn, weil du in diesem Fache auch Kunde besitzest, ob dieser Knecht wohl völlig tot ist!«
   06] Hierauf besah und befühlte er den Toten vom Kopfe bis zu den Fußzehen und fand ihn vollkommen tot, denn er war vom Gerüst auf den Kopf hinabgestürzt, und es war ihm die Hirnschale eingedrückt und das Genick völlig gebrochen.
   07] Als der Schriftgelehrte solche den Tod sicher bewirkende Beschädigungen an dem Toten fand, da sagte er: »Herr und Meister, den kann nur Gott wieder lebendig machen; für menschliche Hilfe ist er unwiederbelebbar!«
   08] Sagte Ich: »Was dünket dich, was da leichter zu sagen ist, ob: "Deine Sünden sind dir vergeben!", oder zu diesem Toten wirkungsvoll zu sagen: "Stehe mit geheiltem Leibe auf und wandle!"?«
   09] Sagte der Schriftgelehrte: »Herr und Meister, das erste offenbar leichter als wirkungsvoll das zweite! Denn das erste kann ein jeder Mensch zu dem sagen, der an ihm gesündigt hat, und das gilt nach Deiner Lehre dann auch sicher vor Gott; das zweite aber mit Wirkung ist nur Gott allein möglich und vielleicht dem auch, dem Gott dazu die Macht verleihen würde.«
   10] Sagte darauf Ich: »Auf daß du aber siehst und wohl merkest, daß Mir auch die Macht zukommt, dem gebesserten Sünder seine Sünden als für ewig gültig zu vergeben, so sage Ich nun aus Meiner höchsteigenen Macht zu diesem Toten: Sei geheilt, stehe auf und wandle!«
   11] In diesem Augenblick richtete sich der Tote auf, ersah Mich vor sich und dankte Mir inbrünstigst für die Heilung.
   12] Der Schriftgelehrte aber sagte zum nun wieder Lebenden: »Mensch, du warst völlig tot, und der Herr hat dich nicht nur geheilt, sondern Er hat dich auch völlig von neuem wieder belebt; darum danke Ihm auch für dein neues Leben!«
   13] Sagte Ich: »Wer für die Heilung dankt, der dankt auch fürs Leben, und das genügt!«
   14] Hierauf aber wandte Ich Mich wieder an den neubelebten Knecht und sagte zu ihm: »Ein anderes Mal aber sieh dich vor, und besteige kein hohes Gerüst ohne besondere Not! Wenn aber ein solches zu besteigen ist, so überlaß das denen, die darin geübt sind; denn eine jede unnötige Prahlerei straft sich allzeit von selbst, wie es nun auch bei dir der Fall war.
   15] Dazu aber merke dir noch etwas, und das besteht darin: Wolle dich unter deinen Mitknechten niemals durch allerlei Wagestücke hervortun, um von deinem Dienstherrn als ein erster Knecht geachtet zu werden und dann über deine Mitknechte herrschen zu können, sondern sei du nur treu und fleißig in dem, was dir zusteht, so wirst du nie mehr das Unglück haben, hoch herabzufallen und dir das Genick zu brechen, womit des Leibes Tod verbunden ist! Denn wer hoch steigt, der fällt dann auch tief herab.«
   16] Auf diese Meine Worte dankte der Knecht abermals und ging mit seinen Mitknechten, die ihn auf der Trage zu Mir gebracht hatten, wieder hinab mit dem Vorsatz, Meine Worte sein Leben lang zu befolgen.
   17] Hierauf aber sagte Ich noch zum Schriftgelehrten: »Dies Zeichen, das Ich zur Stärkung eures Glaubens nur gewirkt habe, behaltet bei euch, und gebet es niemand anderm vor der rechten Zeit kund! Ich weiß es, warum Ich das also will. Nun aber könnet ihr gehen mit den Jüngern wieder dahin, wohin euch Mein Geist führen wird! Im Tale beim Wirte werdet ihr alle zu essen und zu trinken bekommen.«
   18] Hierauf begaben sich diese wieder von dannen, und wir begaben uns auch zum Mittagsmahle, da es schon ziemlich spät an der Zeit war.
   19] Wir stiegen nun den Hügel hinab und begaben uns ins Haus und darin in den großen Speisesaal, allwo ein gutes Mahl für uns schon bereitet war. Wir setzten uns an die Tische, und Ich berief den Raphael, daß er auch einigen Jungen, die alle in einem andern Hause des Lazarus untergebracht waren, bedeuten solle, sich zu uns zu begeben und an unserem Tische teilzunehmen. Und Raphael ging und brachte zwölf Jünglinge und zwölf Fräulein, die von ausnehmender Schönheit und nun auch schon durch Meinen Einfluß der hebräischen, griechischen und römischen Sprache kundig waren. Diese vierundzwanzig wurden an einem besonderen Tische untergebracht, an dem Raphael präsidierte.
   20] Als Agrikola diese schöne junge Gesellschaft eine Zeitlang mit großem Vergnügen betrachtet hatte, da sagte er ganz gerührt: »O Herr, mit diesem Geschenk hast Du mir wahrlich eine übergroße Freude gemacht; denn auf diese Weise bin ich nun der Vater von vielen Kindern geworden und werde für sie auch so und noch besser besorgt sein wie für meine eigenen! Nur bitte ich Dich um ein noch recht langes und gesundes Leben, damit ich alle, die Du mir anvertraut hast, geistig und auch leiblich bestens versorgen kann; am Willen dazu wird es mir nie mangeln und so auch nicht am Handeln!«
   21] Sagte Ich: »Darüber freue auch Ich Mich, und Ich werde dir auch geben, um was du Mich bitten wirst; aber du wirst daheim wenig Zeit finden, weil du - wie Ich dir schon angezeigt habe - dich bald nach Britannia wirst zu begeben haben und dort viel zu tun bekommen wirst. Was wirst du dann mit den Jungen tun?«
   22] Sagte Agrikola: »Herr, dann, wie allzeit, werde ich Mich im Herzen an Dich wenden, und Du wirst mich nicht ratlos lassen!«
   23] Sagte Ich: »Also hast du ganz wohl dich beraten und Mir auch ganz wohl geantwortet! Wenn du aber nach Britannia gehen wirst, so kannst du diese vierundzwanzig Leutchen mit dir nehmen; sie werden dir gute Dienste tun. Nun aber essen und trinken wir!«
   24] Darauf aßen und tranken wir wohlgemut und besprachen uns über allerlei gute und seltene Dinge.

  • Lukas.10,39] a Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. (a jl.ev08.067,25)
       25] Maria, des Lazarus jüngere Schwester, aber setzte sich auf einen niederen Stuhl neben Mich zu Meinen Füßen und horchte auf Meine Worte, wie sie das auch sonst tat.

  • Lukas.10,40] a Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, daß mich meine Schwester läßt allein dienen? Sage ihr doch, daß sie mir helfen soll! (a jl.ev08.067,26)
       26] Da aber diesmal viele Gäste da waren, und Martha in Sorge kam, allein die vielen und hohen Gäste etwa nicht gut genug bedienen zu können, so kam sie zu Mir und sagte: »Herr, sieh, ich habe viel zu tun; sage doch Du der Schwester, daß sie mir helfe!«

  • Lukas.10,41] a Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. (a jl.ev08.067,27a)
       27a] Da sagte Ich: »Martha, Martha, du bist noch die gleiche, obwohl Ich dir schon ein paarmal aus dem gleichen Grunde Meine Meinung sagte! Du sorgst dich viel um das, was der Welt ist,

  • Lukas.10,42] a Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll heute von ihr genommen werden. a (a Matthäus.06,33; jl.ev08.067,27b)
       27b] aber Maria hat sich den besseren Platz erwählt; darum soll sie auch allda bei Mir verbleiben. Wir aber haben ja ohnehin zu essen und zu trinken in Überfülle. Was sorgst du dich nun noch um ein mehreres?«
       28] Martha aber sah ihren Fehler alsbald ein, beließ die Maria bei Mir und verrichtete allein mit den Dienstleuten leicht die noch übrige Arbeit.


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