Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


Häusliche Seelenpflege - Ein Wort zum Namenstag (19.11.1842)

   00] O Du lieber, guter Vater, der Du heilig bist, überheilig! Wäre es Dir denn nicht wohlgefällig, mir ein kleines Wörtlein nur für die Gemahlin des Ans.H.-W. zu geben? - Sie hat sich sicher schon lange darauf gefreut und wird sich heute vielleicht um so mehr freuen, da sie gewiß etwas erwartet am Tage ihres Namens! - Wie Du meine Bitte um etwas in Deinem allerheiligsten Namen noch allzeit erhört hast, also hoffe ich auch diesmal mit Zuversicht, daß Du, o heiliger Vater, mich erhören wirst. - Doch wie allezeit, also geschehe auch diesmal Dein allerheiligster Wille! Amen.
   01] Was willst du denn für ein Wörtlein, ein süßes, ein feines, ein artiges, ein französisches; oder ein sanftes, ein weiches, ein schmeichelndes, ein lebendes; oder eine Liebeserklärung, eine Bestellung, eine Botschaft, eine Wahrheit, einen Wünschelbrief? - Siehe, das sind lauter Wörtlein! Erkläre dich daher bestimmter, was du willst! Denn Ich sehe in deinem Geiste keine Bestimmtheit.
   02] Was soll Ich dir denn geben, wenn du dich nicht aussprichst in dir, was du möchtest? - Wer kein Brot hat, der bitte ums Brot, und er wird es überkommen. Wer ein Weib möchte, der bitte um ein Weib, und es soll ihm werden. Wer die Weisheit will, der bitte um die Weisheit, und sie soll ihm werden. Und um was da jemand bittet, volltrauend, ganz bestimmten Herzens, es solle ihm werden, so es nicht törichter oder unordentlicher Art ist.
   03] So du aber um ein unbestimmtes Wörtlein bittest, was soll Ich dir da für eines geben? - Du sagst: Es wird jegliches das Beste sein, was Ich dir nur immer gebe! - Das ist wahr - aber das Beste ist nicht immer angenehm zu hören. Also ist auch von Mir aus ein Tadel besser als eine einschläfernde Tröstung. Und doch will jeder lieber eine süße Tröstung als einen etwas herberen Tadel vernehmen! - Daher erkläre dich nun bestimmter, was du willst, sonst gebe Ich dir nichts!
   04] Nun gut, du willst beides! - So will Ich dir auch beides geben. - Und so sage denn in Meinem Namen dem Weibe des Ans.H.-W., daß Ich ihr sagen lasse an ihrem Tage:
   05] Geistige Beschäftigungen, als etwa Betrachtungen über Meine Liebeführungen der Menschen und über Meine väterliche Fürsorge, sind besser und bei weitem viel mehr wert als eine ununterbrochene häusliche Zwirnindustrie!
   06] Aus dem Grunde wäre es Mir auch lieber, wenn sich Meine liebe Elise H. manchmal vornehmen möchte, ihre Töchter auch ebenso emsig anzuhalten, für Mich ein paar geistige Socken und Strümpfe, Hemden, Chemisetten, Kleider und dergleichen zu verfertigen - wie sie dieselben manchmal recht strenge anhält, ein materielles Kleid oder sonst etwas dergleichen zu verfertigen!


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