Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 1, Seite 49


KapitelinhaltVon Bällen und Vergnügungsstätten (17.07.1840)

   01] Das sage Ich dir, als Meinem faulen Knechte, um dir die Ursache der Anwiderung anzuzeigen, welche dich befällt, so du vom Tanze, der »Redoute«, der »Reunion«, dem »Balle«, »Casino«, und so auch jetzt ganz besonders von der schlechten Fundation der sogenannten bürgerlichen »Ressource« (Geschlossene Vergnügungsgesellschaft, wörtlich: Erholungsquell) irgend etwas vernimmst.
   02] Die Anwiderung ist sehr gerecht, da sie vom Geiste herrührt. Denn es ist eine Tanzunterhaltung, eine »Reunion« und ein »Ball« ein offenes Grab voller Unrat. Das »Casino« ist ein Aas(-haufen) von großen toten Amphibien. Und eine solche »Ressource« ist ein Abgrund, da in der untersten Tiefe der Satan ein (blumengeziertes) Faß aufgestellt hat, damit man den hie und da doch mancher geistig empfindlichen Nase sich bemerklich machenden groben, verführenden Gestank seines Unrates nicht merken solle.
   03] Wenn der Weisheit schon weniges genügt, so habe Ich dir mit diesen kurzen Worten alles gesagt. Aber es sollen auch deine Freunde sich davon ein Notabene nehmen. Und so ist es noch nötig, ihrer beschränkteren Einsicht wegen, noch ein paar Worte hinzuzufügen.
   04] Der Satan nämlich hat mit Leidwesen und vielem Ärger gesehen, daß (in dieser Stadt) mehrere bessere Familien sich seinen belustigenden Verführungen, des Gestankes wegen, nicht haben fügen wollen. Darum hat er (nun) ein Mittel erfunden, nämlich in einem unendlich tiefen Abgrunde, da hat er zuunterst ein großes, wohverschlossenes Faß aufgestellt; den Abgrund der Hölle aber hat er wohlverdeckt mit schönen, sehr glatten Brettern und den Abtritt geziert mit sehr wohlriechenden Blumen der Welt - damit ja niemand etwas Arges auch nur ahnen solle!
   05] »Denn«, sagte er bei sich selbst, »hier will ich mir eine gute Mahlzeit bereiten und will vom zarten Fleische der Kinder zu leben anfangen und nicht immer das zähe Fleisch der ausgemergelten Huren fressen; die sollen in der Zukunft meine (Höllen-)Engel verkauen und verdauen. Ich werde mich hinter den wohlriechenden, anlockend schönen Blümchen verborgen halten, da mich niemand bemerken soll. Und so dann die blumensüchtigen Kindlein hinströmen, werde ich sie ergreifen, verschlingen, verdauen und sie als feinen Unrat hinunterlassen ins Faß im Abgrunde. Da sollen dann die Eltern sehen, wie sie dieselben von da wieder herausbekommen, so wahr ich, Satan, der Mächtigste bin! Einen Fixstern vom hohen Himmel zu reißen, soll ihnen leichter sein, als da heraus auch nur ein Haar eines Kindes, sei's eines Fräuleins oder auch Jünglings, zu retten!«


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