Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 55. Kapitel: Garbiels Lob der Mahlzeit. Abedams Rede vom übertriebenen Dank.

   01] Als die zwölfe aber nun aufgestanden sind von den Körben, nachdem sie sich hinreichend gesättigt und gestärkt hatten, gingen sie alsogleich hin zum Abedam, zum Adam und zum Seth und dankten allerinbrünstigst für die so große Gnade, wie sie es sagten, darum sie sich sogar an dem Speisekorbe Adams hatten also mit den allerwohlschmeckendsten Speisen sättigen dürfen.
   02] Und der Garbiel sagte darauf zu den übrigen laut: »Brüder! Ich glaube, daß wir fast alle einen Gaumen haben; so ihr es aber empfunden habt, wie ich es mit meinem Gaumen empfunden habe, so müßtet ihr alle samt und sämtlich mit mir stimmen und sagen:
   03] Soweit wir der sonst nur mageren Erde Boden kennen, so bringt er keine solchen Früchte zum Vorscheine, deren herrliche Form fürs erste schon alles bisher Gesehene also weit übertrifft, wie das Licht der Sonne jenes sparsame des Mondes, wann er entweder zu leuchten beginnt oder endlich wieder zu leuchten aufhört.
   04] Was aber den Wohlgeruch und den Wohlgeschmack betrifft, dafür hat die ganze Erde meines Erachtens kein vergleichbar treffendes Bild mehr, außer so ich den Sinn der Worte Dessen, der da nun unter uns ist (der allerheiligste liebevollste Vater!), mit dem Sinne meiner leeren Zungenwetzerei vergleichen dürfte, welcher Unterschied endlos ist und ist für jede geschaffene Zunge unaussprechlich.
   05] Demnach also, liebe Brüder und Freunde, zu urteilen, haben diese Früchte sicher einen ganz unbegreiflich höheren Ursprung, als den wir alle nur schon zu gut für den gewöhnlichen kennen.
   06] Da aber solches nimmer zu verneinen ist, was folgt dann als ewiger Pflichtteil für uns?
   07] Sehet hierher auf mich: Dieses Herz, das da schlägt in meiner Brust, will ich dafür dem allerhöchsten Geber solcher Gaben zu einem ewigen Dankopfer von der höchstmöglichen Liebe erbrennen lassen und, soviel es mir nur immer möglich tunlich sein wird, den heiligen Vater loben und preisen Tag für Tag, Stunde für Stunde, und alle Augenblicke für Augenblicke.
   08] Denn übersüß waren diese Früchte und überherrlich ihr Wohlgeschmack! Darum wollen wir loben und preisen den heiligen Vater unser Leben lang; denn Er ist ja über und über gut und ist voll der allerhöchsten Liebe, Gnade und Erbarmung. Und solches alles währt bei Ihm ewiglich; darum sei auch ewig hochgelobt und gepriesen Sein heiliger Name! Amen.«
   09] Und alle respondierten, sagend: »Ja, ewig überhoch gelobt und über alles gepriesen sei unseres großen heiligen Vaters überheiliger Name! Amen.«
   10] Darauf erst fielen sie vor Abedam nieder und lobten und priesen Ihn über alle die Maßen aus dem allerinnersten Grunde ihres Herzens.
   11] Der hohe Abedam aber hieß sie alsbald wieder erstehen, und als sie sich alle wieder nach und nach aufgerichtet hatten, sagte Er zu ihnen:
   12] »Kinder, es hat ein Vater wohl recht viele und große Freude an dankbaren Kindern, und an Kindern, die ihre Herzen füllen stets mehr und mehr mit wahrer kindlicher Liebe zum Vater.
   13] Aber was dünkt euch in dem Falle: So da irgendein Vater gäbe einem Kinde einen kleinen reifen Apfel, das Kind aber dann über diese Gabe sofort also ergriffen würde und bliebe, daß es darob den Vater nimmerdar aufhören möchte zu loben Tag und Nacht; und so es der gute Vater auch beruhigen wollte, das Kind aber dessenungeachtet den Vater in einem Atem doch fort und fort loben möchte, solange es nur noch irgendeiner Stimme fähig wäre, und täte dem Lobe erst durch die gänzliche Unfähigkeit einen Einhalt. - Also, was dünkt euch in dem Falle?
   14] Wie wird es dem guten Vater bei einer nächsten Gabe schwer werden ums Herz, so er schon im voraus ersehen wird, welcher Dankmarter er dadurch sein liebes Kind wieder preisgeben wird!
   15] Und was Schmerzhaftes aber wird ihm sein Herz erst sagen, wann er daran gedenken wird, seinem Kinde eine höhere Gabe zukommen zu lassen, da es schon eine also geringe Gabe vor lauter Dankbarkeit beinahe um das Leben bringt!
   16] Und wird das Kind mit der Zeit wirklich mit einer höheren Gabe belehnt werden, wie wird es aber für dieselbe gebührend zu danken imstande sein, so es sich schon erschöpft hatte in der Dankbarkeit für die frühere, kaum beachtenswerte Kleinigkeit!
   17] So ihr nun Mir für einen euch dargereichten Flügel einer Mücke und für ein Härchen an eurem Leibe mit der euch nur immer möglich allerhöchsten Liebe danken, ja ewig danken wollt, da möchte Ich denn hernach doch auch von euch erfahren, wie und wie lange ihr Mir danken werdet, so Ich euch allen bescheren werde das allerhöchste Gut, welches ist das allerseligste und allerwonnevollste ewige Leben!
   18] Oder, so ihr Mir für eine Nuß schon wollt die ganze Erde, den Mond, die Sonne und alle die Sterne zum Dankopfer bringen, was werdet ihr Mir dann erst hernach für die Gabe, die da besteht in einer ganzen Erde, bieten?!
   19] Seht daher, Meine überaus geliebten Kinder, also muß auch der Dank ein gerechter Dank sein, indem er ist eine liebevolle Bestätigung dessen, was jemand empfängt!
   20] So aber jemand dankt für einen Strohhalm wie für eine Zeder, der ist dann ja entweder ein Tor, oder er stellt aus seinem Herzen eine lügenhafte Bestätigung über etwas aus, das er noch nie empfangen hatte.
   21] Daher macht auch ihr ein Ende eurem Loben, und bereitet eure Herzen dafür lieber zum Empfange dessen aus Meiner Hand vor, was da endlos hoch über alle diese Früchte erhaben ist!
   22] Gehet aber zuvor in eure Herzen, und seht euch da ein wenig um; was ihr aber da finden werdet, das gebet Mir dann alle einstimmig kund! Amen.«


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