Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 53. Kapitel: Auf dem Wege zur Höhe. Besediels stille Naturbetrachtungen und seine Äußerungen über das Menschwesentliche des Herrn. Garbiels gute Erwiderung.

   01] Und alsbald erhoben sich alle, voll der allerhöchsten Ehrfurcht, und folgten dem Abedam und dem Adam, am ganzen Leibe zitternd, teils aus zu großer Wonne, teils wieder aus zu großer Furcht vor der Heiligkeit, Macht, Kraft und Gewalt Gottes, und teils aber auch von der sich stets mehr meldenden Liebe in ihrem Herzen zum heiligen Vater genötigt, auf die schon bekannte Höhe.
   02] Ein Bruder des Garbiel aber ging hinter ihm her und sagte ganz leise zum Garbiel: »Höre, Bruder! Wenn ich jetzt diesen mit also überzahllosen Sternen übersäten Himmel anblicke, und wir wissen nun bereits alle von Seth, Enos und auch gar helle vom Henoch aus, daß diese Sterne lauter unbegreiflich größte leuchtende Weltkörper sind, - Bruder, und wenn mir der Gedanke vorleuchtend sagt: ,Besediel, siehe, da vorne geht aller dieser Wunder ohne Zahl und groß ohne Maß der Schöpfer, der allmächtig Überheilige! Ein heiliger Gedanke von Ihm, und der endloseste Raum wird alsbald leer dastehen, begraben in seine eigene ewige, unendliche Nacht; und wieder ein heiliger Gedanke von Ihm, der da vorne geht, und neue überherrliche Schöpfungen werden erglänzen durch die große Unendlichkeit!', - o Bruder, welch ein unaussprechliches Gefühl bemächtigt sich da meines Herzens!
   03] Du hast zwar früher gesagt, ob wir noch nicht merkten, wer der Fremdling ist.
   04] Oh, ich sage dir, daß ich es schon bei Seiner ersten Ankunft gemerkt habe, und es ward mir klar, daß hinter Ihm etwas Unaussprechliches müsse verborgen sein; denn solches verkündigten mir Seine Augen und Sein Mund, bevor Er noch ein überheiliges Wort an uns gerichtet hatte.
   05] Oder hast du je solche Augen gesehen und einen solchen Mund?!
   06] Welche Würde, welche Heiligkeit, welche Stärke, welche Macht, Kraft und Gewalt spricht sich da nicht auf das allerklarste aus; und wer möchte da nicht alsbald vor Wonne vergehen, so Er einen in der Nähe ansieht; und wie höchst liebevollst einladend ist Sein Antlitz in einer geringen Entfernung!
   07] Und entfernt man sich aber mehr und mehr von Ihm, so wird aber Sein Antlitz auch stets heilig ernster und gewinnt stets mehr an etwas, das da unbeschreiblich ist.
   08] Ich weiß es kaum, ob es in einem Herzen mehr eine heilige, allerhöchste Ehrfurcht erregt oder ob mehr die tiefste Reue und die stärkste Sehnsucht, sich Ihm wieder stets mehr und mehr zu nahen, ja so es möglich wäre, sich mit Ihm gänzlich zu vereinen!
   09] Und kommt man Ihm dann näher und näher, wie schleunig verschwindet da alles Ferngefühl, und eine früher nie empfundene heilige Liebe fängt da das Herz an dessen Stelle an anzuwehen, daß in ihr das Leben und die Vernichtung sich gleich endlos wonnig aussprechen!
   10] O Bruder, nun frage ich dich, der du um vieles weiser bist denn ich, hast du solches nicht auch gefunden?
   11] Da du mir schon so vieles gesagt hast, möchtest du mir denn nun nicht auch kund eben, inwiefern ich meinem Gefühle trauen soll, oder inwiefern es vielleicht doch noch mit Irrtümlichem untermengt sein dürfte? So du etwas weißt, da gib es mir alsbald kund!«
   12] Und der Garbiel sagte zu seinem Bruder Besediel: »O Bruder! Glaube deinem Gefühle, glaube aber auch, daß solches nicht aus dir, sondern heilig aus Dem in dein Herz strömt, der da vorne uns alle führt der heiligen Höhe zu, ja, Bruder Besediel, zu einer Höhe, die da nicht ist eine Höhe der Erde nur, sondern endlos viel mehr: eine Höhe des inneren ewigen Lebens aus Ihm! Solches ahne ich!
   13] O Bruder und ihr Brüder alle, erweitert alsbald eure Herzen, und werfet alles unnütze irdische Zeug hinaus, damit es in selbem desto räumlicher und freier wird, um aufzunehmen all die großen Schätze, die da schon über uns reichlichst ausgeschüttet worden sind, und die noch ganz sicher über uns ausgeschüttet werden!
   14] Lasse aber, liebster Bruder, vorderhand deine zu großen Gedanken; denn wahrlich wahr, mir kommt es vor, als wäre das zu endlos Große auch zu endlos heilig für unsere noch ungefegten Herzen!
   15] So aber jemand von uns allen in seinem Herzen mit etwas beschäftigt ist oder sein will, der reinige es auf das tätigste durch wahre Reue und Liebe zu Dem, der uns da führt!
   16] Denn sehet, wir alle sind dem Ziele nahe; die Väter fallen schon alle auf ihre Angesichter nieder beim Anblicke Dessen, der uns führt!
   17] O sehet, sehet, wie werden sie nun alle von einem heiligen Lichte umflossen; wie erglänzt nun die Höhe!
   18] O Brüder, weinet und betet; denn heilig, heilig, heilig ist es hier!
   19] O du mein armes, sündiges Herz, - wirst du wohl ertragen die bevorstehende Enthüllung, das Licht des ewigen Gottes, des heiligen Vaters?!«


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