Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 28. Kapitel: Der vom König Lamech angelegte Waldbrand.

   01] Da der Lamel aber alsbald sah den Henoch rasch auf sich zugehen und nicht minder rasch neben ihm den hohen Abedam, so ließ er alsbald die beiden los und fiel vor den zwei Entgegenkommenden zur Erde nieder und lobte, pries und dankte dem hohen Abedam für diese große Erbarmung und Liebe, die Er seinem Bruder Hored und dessen Weibe Naeme zukommen ließ, und dann aber auch für die große Gnade, die Er ihm dadurch erwies, daß Er ihn als einen wohlbemächtigten Retter für die beiden erkoren hatte.
   02] Als aber der hohe Abedam mit dem Henoch vollends zu den dreien gekommen war, da hieß Er alsbald den Lamel erstehen vom Boden und sagte darauf zu ihm:
   03] »Lamel, du kennst Mich und den Henoch, - dein geretteter Bruder kennt Mich nicht, sondern allein den Henoch nur, und sein Weib weder dich, noch den Henoch und am allerwenigsten Mich; daher lasse uns vorher schweigen von uns, wer alles und lauter wir sind, und auf einem anderen Wege die Morgenhöhe Adams erreichen und dann daselbst erst zu einer inneren Erkenntnis schreiten! Amen.«
   04] Als der hohe Abedam aber kaum noch diese Rede beendet hatte, siehe, da stieg alsbald hinter dem Morgen und Mittage ein gewaltiger Rauch auf, als wäre nahezu ein ganzer Vierteil der Erde in Brand geraten!
   05] Der Henoch aber wandte sich alsbald heimlich an den Abedam und sagte zu Ihm: »Heiliger Vater! Siehe dort, ein gewaltiger Qualm entsteigt der Tiefe! Was soll dies?«
   06] Und der Abedam entgegnete ihm: »Gedulde dich nur über ein kurzes, und du wirst dich von der großen verwegenen Bosheit des Lamech gar bald überzeugen!
   07] Siehe, darum (weil) der gestrige Sturm ganz besonders große Verheerungen in den Gärten Lamechs und unter seinen reichen Herden großen Schaden angerichtet hatte, also schickte er nun bewaffnete Knechte aus und versah sie mit brennenden Fackeln, damit sie all die Wälder anzünden sollen und somit in die Asche legen die Berge samt ihren Urbewohnern! Siehe, das steckt hinter dem Qualme!
   08] Gehet aber mit Mir dahin zum großen weißen Fels, und wir wollen die Brandleger noch auf frischer Tat einholen! Amen.«
   09] Und alsbald begaben sich die sämtlichen mit dem Abedam hier anwesenden fünf Personen dahin zum großen weißen Felsen.
   10] Als sie da nach kurzem anlangten, so zeigte auch alsbald der hohe Abedam dem Henoch über einen großen und hohen Steinwandvorsprung hinab in die Tiefe die Brandleger.
   11] Als der Henoch solches ersah, da ergriff ihn ein großer Eifer, so zwar, daß er alsbald zu dem Abedam mit starker Stimme rief:
   12] »O Du, den nur mein Herz nennt! Hast Du gestern denn all die Blitze verbraucht?! Siehe, hier wären nun einige Tausende ja überaus gut zu gebrauchen gegen diese Frevler!
   13] Der Wurm will sich gegen Gott auflehnen! O Herr! Jetzt möchte ich wahrhaft einen kleinen Gebrauch von Deiner mir verliehenen Kraft, Macht und Gewalt machen!
   14] O Sonne, du leuchtende große Werkstätte der großen Blitze des Herrn, - jetzt, jetzt lasse schnell einige Tausende herab zur Erde sehr stark krachend zucken, und ein unerhörter Donner solle jeden begleiten, so daß darob die Erde erbeben solle bis zu ihrer inneren Grundfeste!«
   15] Und der hohe Abedam ergriff des Henoch Hand und sagte zu ihm: »Halt, halt, Mein geliebter Henoch. So hitzig, wie die da unten angefangen haben, wollen wir die Sache durchaus nicht angehen!
   16] Lassen wir die Blitze für diesmal nur ruhen; denn siehe, wir feiern ja heute den Sabbat, und dieser ist kein Tag des Gerichtes, sondern ein Tag der Ruhe, des Friedens und der Liebe, der Gnade, der Erbarmung aus ihr und alles Segens aus Gott dem Herrn und Schöpfer aller Dinge und Vater aller Engel und Menschen!
   17] Wehe aber aller Kreatur, so der Sabbat je sollte zu einem Tage des Fluches werden!
   18] Daher erlassen wir auch heute diesen stockblinden Frevlern das Feuergericht und lassen dafür einen recht reichlichen Regen über das Werk der blindesten Tor- und Bosheit den Wolken entstürzen, - und du kannst versichert sein, daß da ein jeder Tropfen einem brennenden Baume besser zustatten kommen wird als tausend Blitze an der Stelle eines jeden einzelnen Tropfens.
   19] Siehe für jetzt wollen wir das Feuer noch mit Wasser dämpfen, denn die Zeit des Feuers fürs Feuer ist noch ferne; wann sie aber kommen wird, wehe dann den Bergen, Bäumen, Sträuchen und dem Grase der Erde.
   20] Doch nun nichts mehr weiter vom Feuer; du, Henoch, aber strecke nun in Meinem Namen deine Hände aus, und gebiete den Wolken, daß sie sich ansammeln sollen zu einem reichlichen Regen über diesen schon recht weit ausgedehnten Wälderbrand! Doch die Höhen sollen frei bleiben für heute, morgen und übermorgen; denn das ist die bestimmte Zeit Meiner sichtbaren Gegenwart für alle. Und somit erfülle Meinen Willen in dir! Amen.«


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