Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 21. Kapitel: Uranion preist den hl. Vater. Gottes Antwort: Sprachlose, stille Zerknirschung ist das gottwohlgefälligste Lob.

   01] Als nun auch der Uranion sah, wer der mächtige Mensch ist, fiel er alsbald auf sein Angesicht nieder und schrie laut: »O der unaussprechlichen Gnade, - o der unaussprechlichen, höchsten Gnade! O der unaussprechlichen, allerhöchsten, überheiligen Gnade! - Wer von uns allen hätte sich so etwas je zu denken getraut.
   02] Der Herr Gott Jehova Zebaoth der Himmel und Erde und alles, was da ist in, auf und über den Himmeln, und in, auf und über der Erde, ja alles, was da lebt, strebt und sich bewegt in der Erde, auf der Erde und über der Erde und in allen den Gewässern und ebenso, was da alles erfüllt die ewig unendlichen Räume, erschaffen hat der überheilige, liebevollste himmlische Vater - ist als ein Mensch unseresgleichen zu uns armseligen Menschenkindern von Seiner unendlichen Höhe herab zur tiefst untersten, finsteren Erde gekommen!
   03] Sonne - wie magst, wie getraust du dich, nun deine Strahlen noch herabzusenden zur Erde, da sie dein Schöpfer, unser aller Vater, heilig, überheilig betritt! Weiche mit deinem uns gleich unwürdigsten Glanze zurück; denn hier erglänzt ein Sand stäubchen, das Er mit Seinen allerheiligsten Füßen berührt mehr nun in einem Augenblick als all dein Glanz von langen Ewigkeiten her zusammengenommen! Darum schäme dich, so du jetzt noch zu glänzen vermagst!
   04] Und du, unwirtliche Erde, du kalte Mutter des Todes, wie magst du noch bestehen?! Löse dich auf in den feierlichsten Lobgesang; treibe hervor die schönsten Blumen mit den herrlichsten Wohlgerüchen!
   05] Ihr Berge alle, wandelt euch um zu leuchtenden Opferaltären; und ihr Bäume, und du auch, alles Gras, helft mir loben und preisen den heiligen Vater!
   06] Denn Er nur allein ist würdig, zu nehmen alles Lob, allen Preis, alle Ehre, allen Ruhm, alle Liebe, allen Dank, alle Anbetung!
   07] Fallt herab von den hohen Himmeln, ihr Sterne alle, und du, Mond werde finster und stürze dich zur Erde herab, und betet alle an, - hier betet an denn Gott, Gott, - ein ewiger, heiliger Gott ist es, - der Vater, der überheilige, liebevollste himmlische Vater aller Engel und Menschen ist es! - Hier vor uns allen ist Er! Ja mitten unter uns ist Er! Auf der Erde steht und redet Er mit uns, und lehrt aufrecht gehen uns Würmer im Staube!
   08] Darum betet an, betet Ihn an, ihr, alle Ewigkeiten! Und du, Unendlichkeit, werde zu einem würdigeren großen Lobgesange des überheiligen Vaters, als das matte Lallen meiner wurmstichigen Zunge es ist!
   09] Wo seid denn ihr Donner und Blitze nun, und ihr Winde alle, wo weilt ihr?
   10] Hat euch nicht, wie mich, dieser überheilige, liebevollste, allmächtige Vater erschaffen?! Wo seid ihr denn nun zu seinem Lobe? - Oder hält euch die gebührende, höchste Ehrfurcht endlos bescheiden zurück!
   11] Dann ist es würdig und recht, daß ihr stumm seid geworden wie eine Maus in der Erde, so sie über sich die Katze wittert!
   12] O mein Herz, du armseliges Herz, möchtest nun loben und preisen Ihn, Ihn, - den Heiligen, - den Erhabensten, - und hast nicht einmal Raum, um aufzunehmen auch nur ein kleinstes Fünklein Seiner endlosen, allmächtigen Vaterliebe! Daher schweige lieber davon, was auszusprechen dir unmöglich ist!
   13] Und du auch, matteste, wurmstichige Zunge, - verstumme; denn heilig, heilig, heilig ist nun selbst die Luft, welche dies mein unwürdiges und unlauteres Geplärr erfüllt!
   14] O Du heiliger, Du überheiliger, Du dreimal über-, über-, überheiliger Vater, - sei mir endlos nichtigem Wurme im Staube vor Dir gnädig und barmherzig!«
   15] Und alsbald trat der hohe Abedam hin zum Uranion, der noch zitternd mit dem Angesichte auf der Erde lag, beugte Sich zu ihm zur Erde nieder, erhob ihn, richtete ihn auf, und sagte dann zu ihm:
   16] »O höre nun du, Mein geliebter Uranion, du hast Mir zwar das größte Lob dargebracht und hast mutig die Sonne geputzt, die Sterne herabgearbeitet von all den Himmeln, - hast auch nicht verschont die Erde und hast gebührend gelobt und ausgezeichnet das winzige Sandkörnchen unter meinen Füßen, - hast nicht vergessen der Berge, der Bäume und des Grases, und den Blitzen, dem Donner und den Winden hast du ein rechtes Wort gegeben und hast nicht minder redlich besehen dein Herz!
   17] Siehe, gerecht war darum dein großes Lob; aber eines sage ich dir: Mehr als dein Lob enthielt das Lob, welches Mir die Purista und ihre Alten dargebracht haben in gänzlicher, sprachloser, zerknirschter Stille ihrer Herzen!
   18] Siehe, wer noch reden kann in Meiner Gegenwart, der ist noch ein Herr seines Herzens; wer aber in Meiner Liebe Gegenwart nicht mehr reden kann, dessen Herzens bin Ich ein Herr geworden und erfülle es dann mit Meiner Liebe und mit dem ewigen Leben aus ihr!
   19] Du aber lebest nun auch, da du mit deinem Lobe alles von dir warfst, was dir unnütze war vor Mir:
   20] Deine eigene Weltsonne, welche da ist deine alte Liebeweisheit; deine Sterne, welche sind deine Erkenntnisse; deinen Mond, welcher ist der Menschheit oft wachsende, oft wieder abnehmende Eigenliebe.
   21] Du bezwangst deine Berge; deine Erde löstest du auf in dir zu Meinem Lobe, und all die Bäume deiner Wünsche und all das Gras deiner Begierden brachtest du Mir zum Opfer; die Winde deiner redlichen Bestrebungen riefst du herbei, und alle Blitze deines Weltlichtes und den Donner deines Ernstes brachtest du Mir zum Lobe und hast nicht verschont deines ewigen Geistes aus Mir und deiner Seele, die da ist ein lebendiges Gefäß für ein unendliches Leben aus Mir, und hast dadurch frei gemacht dein Herz, damit Ich ein Herr des Lebens in selbem würde.
   22] Siehe nun, da du darum stumm wurdest in deinem Herzen, ward Ich erst ein Herr im selben, und also hast du wahrhaft das ewige, unvergängliche Leben überkommen, und Ich werde dir fürder und fürder und fürder kein fremder und unbekannter Vater mehr sein, sondern stets ein wohlbekannter, dir stets gegenwärtiger, in dir allzeit ein stets wohlvernehmbarer, starker, mächtiger und allgewaltiger Vater werde Ich sein und leiten durch dich all deine Kinder; wie aber Ich dir sein werde und nun schon bin, also will Ich auch sein deinen sechs Brüdern und nach ihnen aber allen, die da wie du aller Welt den gerechten Abschied geben werden!
   23] Doch beim Gabiel will Ich Mir eine neue Hütte erbauen, wo Ich nicht selten einsprechen werde; denn einen reineren und festeren Platz hat die Erde nicht für Mich!
   24] Gabiel, - siehe, Ich segne nun auch dich und dein Kind! Sie wird von Mir dereinst einen rechten Mann bekommen; dieser wird ihr geben eine Tochter, diese aber soll werden die Mutter eines neuen Volkes dieser Erde. Und der Lamech wird ihr einen Mann geben, der da wird wohnen allzeit bei Mir in Meinem großen Hause!
   25] Und also empfangt alle Meinen Segen, und seid fröhlich und voll guten Mutes! Amen.«


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers