Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes' (Band 1)

Kapitelinhalt 89. Kapitel: Werke der Weisheit und Werke der Liebe.

   01] Und der Adam erhob sich, faltete die Hände, hob die Augen gen Himmel, das Herz zu Mir und sagte in hoher Rührung und vollster Erhebung des Herzens zu Mir: »O Vater, großer, heiliger Vater, o Du ewige Liebe! Wie kann, wie soll ich Dir denn danken?!
   02] Wir waren nicht, - Du ließest uns werden, auf daß wir uns hoch erfreuen über unser so überseliges Dasein in Deiner unendlichen Liebe, Erbarmung und Gnade! Du hast uns also erschaffen, daß wir gleich Dir schon leiblich fast jedes erdenklichen Genusses fähig sind, da wir hören, sehen, riechen, schmecken, empfinden, wahrnehmen und fühlen, ja sogar mit großer Kraft lieben können - Dich über alles und unsere Kinder wie unser eigenes Leben.
   03] Wir können gehen, stehen, liegen, sitzen und können uns wenden nach Belieben und beugen alle unsere Glieder tausendfach und drehen nach allen Seiten den Kopf und die Augen; und unsere Zunge hast Du gesegnet, auf daß sie führe eine lebendige Sprache der Liebe aus Dir zum gegenseitigen Verständnisse! Oh, wer könnte Dir danken nach Würde und Billigkeit; denn unermeßlich sind die großen Liebestaten an uns unendlich kleinen Empfängern!
   04] Oh, wie gar nichts wären wir aus uns; daß wir aber etwas sind, sind wir ja nur aus Deinen Liebestaten, und unser Leben ist Deine Liebe und all unser Wissen Deine Gnade!
   05] O Vater, überguter, großer, heiliger Vater! Unser gedemütigtes Herz, nun voll kindlicher Liebe zu Dir, sieh gnädigst an und nimm es an als den besten Dank, den wir Dir darzubringen vermögen; denn unsere Zunge hängt zu sehr ab von Deinem Segen, wenn sie etwas vollkommen Deiner Würdiges hervorbringen soll. Und bringt sie dann etwas zum Vorscheine, dann ist es nicht mehr unser, sondern allzeit nur Dein Werk; Dein Wort und Werk aber ist Dir ja ohnehin ewig das allergrößte Lob, ob an sich selbst, oder ob an unserer Zunge!
   06] Daher haben wir nichts, das du uns vollkommen zu eigen ließest, als die Liebe und die Sünde.
   07] O Vater! Hätte ich die Liebe nicht, was hätte ich dann denn die Sünde und den Tod? Könnte ich Dich auch in der Sünde loben und im Tode preisen?!
   08] Darum gabst Du mir die Liebe, daß nicht die Sünde und der Tod mein Werk seien allein, sondern auch die Liebe und ihre lebendigen Werke, damit sie seien aus der Liebe pur mein und aus Deiner Gnade und Erbarmung aber ganz allein nur Dein!
   09] O heiliger Vater, da ich allein die Weisheit hatte, konnte ich kein Werk verrichten denn das der Sünde und war genötigt, Dich zu loben und zu preisen mit meinen Sünden! Du nahmst damals das unreine Lob auf, als wäre es ein reines aus Deiner und dadurch auch meiner Liebe, während es doch nur ein unreines Werk der Sünde war!
   10] Ich schied die Kinder durch das gerecht scheinende Urteil meiner von Dir mir eingehauchten Weisheit. Und da ich des Glaubens war, als wäre die Weisheit mir zu eigen, so war mein Werk eine Sünde; und so lobte ich Dich in meiner Sünde und wäre daran zugrunde gegangen. Nun aber gabst Du mir die Liebe und nicht mehr Weisheit, denn soviel derselben die Liebe fassen kann, auf daß ich nicht mehr zerstreuen, sondern sammeln soll. Da in der Zerstreuung der Tod, in der Sammlung aber nur das Leben wohnt, so laß mich nun wieder sammeln in und durch die Liebe alle, die ich zerstreut habe durch die übel angewandte Weisheit.
   11] Ich danke Dir, lobe und preise Dich, heiliger Vater, daß Du den Henoch und den Fremdling uns gegeben hast, auf daß sie uns zuvor blind machten in der Weisheit, damit wir dann erst in der versammelnden Finsternis fähig wurden, das Feuer der Liebe aus Dir, worin allein das Leben waltet in aller Sammlung - wie in der Weisheit der Tod der Sünde durch die Zerstreuung - aufzunehmen! O laß aber nun dieses Feuer zu einem gewaltigen Brande in uns werden, auf daß es verzehren möge alle unsere Torheit und verschlingen alle unsere argen Werke!
   12] Laß uns alle in Deiner Liebe und Erbarmung uns wiederfinden und versammeln in Deiner Erbarmung und Gnade, und laß uns morgen an Deinem heiligen Sabbate eine neue Feier der Liebe begehen, in welcher wir Dir, o heiliger Vater, einen wohlgefälligeren Dank-, Lob- und Preisdienst darzubringen glauben und in aller Liebe hoffen - denn früher in aller unserer vermeintlichen Weisheit und ungerechten Gerechtigkeit.
   13] O überguter, heiliger Vater, laß unsere Einladung den ersten Schritt sein, der uns alle wieder zu Dir führen soll jetzt und ewig! Amen.
   14] Und ihr, Henoch, Asmahael, Seth und Kenan, geht hin zu den Kindern und erweckt sie in der wahren Liebe und wahren Freiung und ladet sie zur Sammlung des Lebens für morgen und tut mit ihnen, was euch die Liebe gebeut; was ihr aber tut, das tut im Namen Jehovas jetzt und allzeit ewig! Amen.«


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