Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 69. Kapitel: Das Mittagsmahl und der Abschied Jesu. Jesus in Golan.

   01] Für diese Belehrung dankten Mir alle, und der Bürgeroberste erhob sich darauf vom Tische und wollte hinausgehen, da er sah, daß der Älteste seinen Leuten befahl, die Mittagsspeisen bald auf den Tisch zu bringen. Ich aber behieß ihn zu bleiben und mit uns zu halten das Mittagsmahl; und er blieb und hielt mit uns das Mahl.
   02] Und als er die edlen Fische ersah, da fragte er den Hauptmann, ob und wann er diese Fische etwa aus Genezareth oder Gadara diesen Juden verschaffte.
   03] Der Hauptmann aber sagte: »Freund, nicht ich, sondern auch nur ganz allein der Herr, dem - wie du dich heute schon zur Genüge überzeugt hast - alles zu bewirken möglich ist, - und so sind diese Fische auch ein Zeichen Seiner göttlichen Macht und Herrlichkeit! Iß sie, und stärke dich damit am Leibe und im Herzen der Seele!«
   04] Hierauf nahm der Bürgeroberste einen Fisch und verzehrte ihn bald, da er ihm gar überaus wohl mundete; doch einen zweiten nahm er nicht mehr, da er sich schon mit dem einen Fisch vollkommen gestärkt fühlte.
   05] Es ward aber während des Mahles noch gar manches über die Erscheinungen und Dinge in der Naturwelt besprochen, und der Bürgeroberste hatte darüber eine große Freude.
   06] Es kam auch die Rede auf die Träume, und Ich Selbst erklärte ihnen die innere Welt der Träume und zeigte ihnen dabei die in der Seele noch unentfaltete gottähnliche schöpferische Kraft, die durch das treue Handeln nach Meiner Lehre ihre höchste Ausbildung und Vollendung erreichen kann.
   07] Auch darüber hatte der Grieche, wie auch der Hauptmann, eine große Freude und sagte: »Oh, wie gar nichts wissen doch die Menschen allesamt, und wie gar nichts sind sie gegen Dich, o Herr, Herr!«
   08] Sagte Ich: »Darum bin Ich zu euch in diese Welt gekommen, um euch den Weg zu zeigen, auf dem fortwandelnd ihr eben jene Vollendung in allem erreichen sollet, die Ich von Ewigkeit her besitze unveränderlich und unwandelbar. Ich bin Alles in Allem, und alles ist in Mir und aus Mir! Und also sollet auch ihr als Meine Kinder mit Mir sein!
   09] Ich sage es euch: Kein Auge hat es je gesehen, kein Ohr vernommen, in keines Menschen Sinn ist es je gekommen, welche Seligkeiten für die bereitet sind, die Mich lieben und Meine Gebote treulichst halten! Seid darum nüchtern und in allem Guten und Wahren eifrig und in aller Liebe und Geduld tätig, auf daß Mein Geist in euch erwache und erstehe und euch zeige im klarsten Licht die innere Gotteswelt in eurer Seele Herzen; denn in dem ist eine für den Außenmenschen unentdeckte seligkeitsvollste Unendlichkeit verborgen, und niemand außer Mir kennt den Weg dahin! Ich aber zeigte euch diesen Weg; darum wandelt auf ihm, auf daß ihr in die Götterwelt in euch selbst gelangen möget!«
   10] Nach diesen Meinen Worten sagte der Grieche: »Das ist wohl eine innere tiefste Weisheit; aber ich habe sie nicht völlig begreifen können, da Ich sicher noch in allem ein ganz äußerer Mensch bin. Ich werde daher trachten, diesen äußeren Menschen nach und nach ganz auszuziehen, um dadurch den inneren stets klarer begreifen zu können. O Herr, Herr, Du aber sei und bleibe mir behilflich in dieser schweren Arbeit! Denn nur mit Deiner Hilfe kann der für sich arme und schwache Mensch alles erreichen, ohne sie aber ewig nichts als den Tod, den ein jeder Mensch einmal zu erleiden haben wird, - ein Los, das wahrlich nicht geeignet ist, den tiefer denkenden Menschen heiter und fröhlich zu stimmen, darum uns Diogenianer auch niemals jemand mit einer heiteren Miene hat einhergehen sehen.
   11] Aber von nun an, da ich den Schöpfer und Herrn des Lebens und aller Dinge Selbst gesehen und gesprochen und aus Seinem Munde überzeugend vernommen habe, daß es für den Menschen ewig keinen Tod gibt, so bin ich nun denn auch ganz heiter geworden in meinem Herzen. O Herr, Herr, erhalte mich in dieser Heiterkeit; denn ein trauriger Mensch kann keine Lust zu einer guten Arbeit haben!«
   12] Sagte Ich: »So ihr das Eurige tun werdet, da werde Ich schon auch das Meinige tun! Doch wünschet euch nicht zu viel Lebensheiterkeit, solange ihr noch im Fleische wandelt; denn durch sie verirrt sich die Seele leicht ins Weltliche und Materielle und findet dann den rechten Weg zum Leben sehr schwer mehr in der rechten Vollkommenheit.
   13] Ertraget denn Freud und Leid mit der rechten Geduld und vollen Ergebung in Meinen Willen, so werdet ihr dereinst in Meinem Reiche mit der Krone des Lebens geschmückt werden!
   14] Nun aber ist für diesen Ort Meine Zeit auch herbeigekommen, und Ich werde euch nun verlassen und Mich in einen anderen Ort begeben, in dem es auch viele Tote gibt, die Ich zum Leben erwecken will. Dir, Hauptmann, aber steht es nun frei, Mich nach Golan zu begleiten.«
   15] Sagte der Hauptmann: »O Herr und Meister, ich möchte Dich, so es Dir genehm wäre, wohl noch weiter begleiten - denn ich hätte nun in dieser Herbstzeit auch Muße dazu; doch in die Orte, die unter meiner Macht stehen, begleite ich Dich in jedem Falle, da ich sie ja ohnehin in Augenschein zu nehmen habe. Also gehen auch meine Unterdiener mit, wie auch meine Tochter, und wir können uns denn schon auf den Weg machen!«
   16] Hier kamen auch die Juden dieses Hauses und dankten Mir mit dem gerührtesten Gemüte für die Wundergnaden, die Ich ihnen erwiesen hatte, und baten Mich, daß Ich sie auch fernerhin mit Meiner Hilfe in irgendeiner Not nicht verlassen möchte.
   17] Ich versprach ihnen denn auch, im Geiste bei ihnen zu verbleiben, so sie in Meiner Lehre verbleiben würden, und der Hauptmann versprach ihnen auch, daß er sie schützen werde, und ebenso auch der Bürgeroberste.


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