Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 053. Kapitel: Jesu Reise nach Bethania.

   01] Schließlich fragte Mich noch Agrikola, ob er nicht eines von den Goldgeschirren, die wunderbar für den Tisch der Römer geschaffen worden waren, zum Gedächtnisse mitnehmen dürfe gegen Erlegung eines ausgesprochenen Geldwertes.
   02] Und Ich sagte zu ihm: »Was für euch geschaffen ward, das gehört euch auch, und ihr könnet es daher auch ohne Erlegung eines Geldbetrages mit euch nehmen. Zudem wirst du ohnehin der Armen genug von hier mit dir nach Rom nehmen und sie dort wohl versorgen, und so sind in der materiellen Hinsicht diese Gefäße wohl nur ein ganz geringer Lohn für das, was du Mir zuliebe tust. Darum nimm nur alles, was sich irdisch Kostbares auf eurem Tische befindet! Aber betrachte das nicht etwa als einen wirklichen Lohn für alles das, was du aus Liebe zu Mir den vielen Armen und Bedrängten tust; denn dein Lohn dafür wird ein ganz anders gestalteter sein auf Erden schon, und über alles jenseits in Meinem Reiche.
   03] Sorge daheim aber ernst und gut für die, welche Ich dir zur Pflege übergeben habe! Du wirst nach einem Jahre nach dem äußersten Westen Europas in Regierungsangelegenheiten eine Reise machen müssen mit einem Sohne von dir, und du wirst dort lange und viel zu tun haben. In der Zeit aber bestelle dein Haus wohl, damit alle die, welche Ich dir anvertraut habe, ja keine Not weder leiblich und noch weniger seelisch zu erleiden haben sollen!«
   04] Sagte Agrikola, von der Liebe zu Mir ganz zu Tränen gerührt: »O Herr und Meister, das wird wohl meine erste und größte Sorge sein, und ich hoffe, daß mir mit Deiner Hilfe alles wohl und bestens gelingen wird! Aber verlasse ja Du mich niemals, und lasse keine zu starken Versuchungen über mich und mein Haus kommen! Ich kenne wohl nun ganz gut meine von Dir mir geschenkte Stärke; aber ich kenne auch meine alten, höchsteigenen Schwächen. Sollte mich dann und wann eine oder die andere gemahnen zu einem Falle, - o Herr, da ergreife mich und stärke meinen Willen, auf daß ich mich aufrecht erhalte und nicht falle!«
   05] Sagte Ich: »Wahrlich, um was du den Vater, den du nun kennst, bitten wirst in Meinem Namen, das wird dir auch gegeben werden! Darum sei du stets voll Trostes und voll der wahrsten und lebendigsten Zuversicht; denn Ich werde, so du im lebendigen Glauben und in der Liebe zu Mir verharrst, stets bei dir sein und werde dich führen und leiten, wie auch jeden, der deines Glaubens und deiner Liebe sein wird!«
   06] Hierauf dankten Mir alle Römer und auch alle die, welche die Römer in ihre Sorge und Pflege aufnahmen.
   07] Wir waren nun reisefertig und begaben uns hinab auf die Straße, die nach Bethanien führte.
   08] Als wir an der Mauer der Stadt vorüberzogen, da sagte der Wirt im Tale, der auch mit uns heimzog, wie auch der an der großen Heerstraße unweit Bethlehem: »Herr, sieh doch diese furchtbar starken Mauern der Stadt an! Wie wohl werden die mit menschlichen Kräften zerstört werden können?«
   09] Sagte Ich: »Was Menschenhände schufen, das können sie auch zerstören. Denn es sind die Menschen überhaupt geschickter im Zerstören als im Schaffen, und so werden sie zur rechten Zeit auch Meister dieser starken Mauern werden. Ich sage euch: Nicht ein Stein wird auf dem andern gelassen werden! In ein paar Jahrhunderten werden die Menschen die Stelle suchen, auf welcher nun noch der Tempel steht, und werden sie nicht finden.
   10] Wie war es denn zu den Zeiten Noahs vor der großen Flut? Ich habe euch das gezeigt vor einigen Tagen! Konnten die Menschen jener Zeit sogar Berge zerstören, wodurch die inneren Gewässer der Erde zum Ausbruch kamen und die Frevler ersäuften, also werden die Menschen desto leichter mit dieser Mauer fertig werden zur rechten Zeit!«
   11] Mit diesem Bescheide waren die beiden zufrieden, und wir zogen auf der Straße weiter und kamen bald an ein Mauthaus.


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