Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 038. Kapitel: Jesus über Gebete für Verstorbene.

   01] (Der Herr:) »Also derlei Geister eben auch nicht guter und reiner Art können einem Menschen nicht gefährlich werden, und es ist gut, für solche Seelen zu beten. Denn das Gebet einer mit wahrer Liebe und Erbarmung erfüllten Seele im vollen Liebevertrauen auf Mich hat eine gute Wirkung auf solche wahrlich armen Seelen im Jenseits, denn es bildet um sie einen gewissen Lebensätherstoff, in dem sie wie in einem Spiegel ihre Mängel und Gebrechen erkennen, sich bessern und dadurch leichter zum Lebenslichte emporkommen.
   02] Und Ich Selbst biete euch diese Gelegenheit, damit ihr auch euren abgeschiedenen Brüdern und Schwestern wahrhaft nützlich werden könnet.
   03] Aber wie sollet ihr für sie denn beten?
   04] Das geht ganz leicht! Ihr sollet bei euren Gebeten nicht etwa der Meinung sein, als möchtet ihr Mich dadurch zu einer größeren Erbarmung bewegen, da Ich wahrlich Selbst endlos barmherziger bin denn alle besten und liebevollsten Menschen der ganzen Welt zusammengenommen, sondern traget ihnen gläubig und aus dem wahren Liebegrunde eures Herzens, eben im Herzen, das Evangelium vor, und sie werden es vernehmen und sich auch danach richten! Und auf diese Weise werdet ihr auch den wahrhaft Armen im Geiste das Evangelium predigen, das ihnen von großem Nutzen sein wird.
   05] Alles andere Beten und Plärren aber nutzt keiner abgeschiedenen Seele auch nur im geringsten, sondern schadet ihr vielmehr, weil sie sich, so sie derlei inne wird, nur ärgert, weil dergleichen Gebete für die Seelen der Verstorbenen, wie das bei den Pharisäern vor allem sogar gesetzlich gang und gäbe ist, mit großen Opfern bezahlt werden müssen.
   06] Die Art und Weise, wie Ich euch nun gezeigt habe, für die Verstorbenen zu beten und für ihre geistige Armut zu sorgen, ist sicher ein fruchtbarer Segen für sie; dagegen ist ein hochbezahltes Gebet der Pharisäer ihnen ein Fluch, den sie sehr fliehen und tiefst verachten.
   07] Dieses möget ihr euch auch als einen guten Rat, euch von Mir gegeben, wohl merken und ihn auch sehr wohl beachten; denn dadurch werdet ihr euch wahre, große, mächtige und sehr dankbare Freunde im großen Jenseits schaffen, die euch, so ihr in irgendeine Not gerietet, nicht verlassen werden weder dies- noch jenseits! Solche Freunde werden dann eure wahren Schutzgeister sein und sich allzeit um das Wohl ihrer Wohltäter kümmern.
   08] Aber ihr könnet euch diese nur erwerben, wenn ihr für sie auf die euch von Mir angezeigte Weise bekümmert und besorgt seid. Ihr brauchet da aber eben nicht auf alte Burgen und Meierhöfe zu warten, sondern das könnet ihr allzeit tun so vielen abgeschiedenen Seelen, als ihr euch solche nur immer vorstellen möget; denn euer Glaube, eure wahre Liebe und Erbarmung und die Wahrheit aus Mir reichen noch endlos weit über die großen Sphären des euch gezeigten großen Weltenmenschen hinaus. Denn ihr seid nicht Meine Geschöpfe nur, sondern ihr seid Mir, eurem Vater, gleich endlos mehr, und der Große Schöpfungsmensch ist nicht einmal ein fühlbarer Daseinspunkt im kleinsten Lebensnerv eures kleinen Fußzehens, - freilich alles das nur geistig oder vom Standpunkte der tiefsten Wahrheit aus betrachtet.
   09] Wahrlich sage Ich euch: Euch ist ein endlos großer Wirkungskreis zugemittelt, dessen Größe ihr selbst aber erst dann vollendeter erschauen werdet, wenn ihr dereinst in Meinem ewigen Reiche in einem Vaterhause mit Mir wohnen und wirken werdet! Denn jetzt ist euch das alles nur noch so ein wunderlicher Traum, wie das auch oft bei guten Kindern frommer Eltern der Fall ist; aber was Ich euch hier sage, ist tiefe und göttliche Wahrheit.
   10] Wie Mir Selbst alle Macht und Gewalt im Himmel und auf dieser winzigen Erde eigen ist, ebenso soll sie auch euch allen, die ihr an Mich glaubet und Mich über alles liebet, vollends eigen werden; denn die Kinder eines Vaters dürfen nicht minder vollkommen sein, als wie endlos vollkommen da ist ihr Vater.
   11] Bei den Menschen auf dieser Erde sieht das zumeist wohl anders aus, besonders wo der Vater seine irdischen Kinder zu sehr verhätschelt; aber das ist bei Mir wahrlich nicht und niemals der Fall, denn Ich weiß es von Ewigkeit her, was da Meinen Kindern not tut.
   12] Nun, Ich habe euch jetzt so einen kleinen Vorgeschmack gegeben, damit ihr daraus entnehmen sollet, wer Ich bin, und wer ihr seid und eigentlich noch viel mehr werden sollet. Darum tuet überall und allzeit nach Meinem Worte, und ihr werdet das auch mit einer Leichtigkeit erreichen, was ihr nach Meinen Vaterworten zu erreichen habt; denn einen sichereren und mächtigeren Bürgen, als Ich Selbst es bin, hat die ganze Ewigkeit und Unendlichkeit nicht. Aber, wie gesagt, merket euch das ja wohl im tiefsten Grunde eures Lebens, ansonst Ich umsonst solches zu euch geredet hätte!
   13] Suchet für eure Mir dargebrachten kleinen Opfer nicht Entschädigungen in dieser Welt - denn wahrlich, da wäret ihr Meine Kinder nicht, sondern Kinder dieser Welt und Erde, die da ist ein schlechter Fußschemel Meiner Liebe und Meines Ernstes, sondern tut alles, was ihr tut, aus wahrer, lebendigster Liebe zu Mir, eurem Vater, und Ich werde dann schon etwa auch wissen, womit Ich Meinen lieben Kindern eine wahre Gegenfreude werde zu machen haben!
   14] Wahrlich, wahrlich sage Ich euch: Keines Menschen Auge hat es je geschaut, keines Menschen Ohr gehört und keines Menschen Sinn je gefühlt, was Ich für jene Meiner Kinder in der Bereitschaft halte, die Mich als ihren Vater wahrhaft mit einfältigem Herzen lieben!
   15] Aber das sage Ich euch allen auch: Neben der Welt her lasse Ich Mich durchaus nicht schleppen! Denn entweder alles her oder auch alles hin; aber die gewisse Halbheit ist ein Ding der finsteren Heiden und trägt ihnen denn auch schlechte Früchte.
   16] Was kann es denn einem Menschen nützen, so er besäße alle Schätze der Welt, aber dabei großen Schaden litte an seiner Seele? Darum a kümmert euch allzeit nur um Schätze, die die Motten nicht verzehren und der Rost nicht zerfressen kann, so werdet ihr auch allzeit bestens daran sein! (a Matthäus.06,20Matthäus.19,21; = Lukas.12,33-34;  Lukas.18,22Markus.10,21Kolosser.03,01-02jl.ev02.102,04jl.ev07.001,13jl.ev08.038,16jl.ev08.122,04jl.ev09.210,01-02)
   17] Also, diesen Rat merket euch auch wieder und befolget ihn, so werdet ihr ein gutes Sein auch schon auf dieser Erde haben und die andern Menschen, die an euch glauben werden, mit euch; alles andere aber soll schmachten, damit sein Fleisch nicht zu hochmütig werde! Denn nur Ich ganz allein bin der Herr und tue nach Meiner ewigen Weisheit allzeit, was Ich will! Die Welt möge da Zeter schreien, wie stark und mächtig sie das nur immer will und mag, und das bald über dieses und jenes, und Ich werde niemals horchen auf ihr eitles Geplärr!
   18] Aber was Mir Meine wahren Kinder und Freunde vortragen werden, auf das werde Ich auch horchen und dem Übel leicht und bald abhelfen; doch alles, was Welt heißt und ist, soll von nun an ums hundertfache mehr gezüchtigt werden, als es je vom Anfange der Welt her der Fall war! Das ist auch Mein Wort, und die Zeiten werden es die Menschen lehren, daß Ich nun diese Worte nicht vergeblich ausgesprochen habe.
   19] Wehe allen Weltsüchtigen und Meinem Willen Widerspenstigen! Denn diese Erde ist eine Wiege für Meine Kinder, und diese werden nicht tüchtig ohne die Zuchtrute; und helfen da sanftere Mahnstreiche nichts, so werden dann schon schärfere und sehr ernste in die volle Anwendung gebracht werden, was da Meine Sorge sein wird. Doch nun haben wir noch den einen Teil deiner Frage zu berichtigen!«


Home  |    Index Band 8  |   Werke Lorbers