Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 15. Kapitel: Die zukünftige Bevölkerungsdichte der Erde. Die Beschwerden des Alters.

   01] Aber einer der indischen Magier, die auch noch bei uns waren, sagte: »Großer Herr und Meister, ich hätte noch so manches, worüber mir ein helleres Licht nicht schaden könnte! Wenn ich Dich sonach um etwas fragen würde, würdest Du mich dann wohl einer Antwort aus Deinem Munde würdigen?«
   02] Sagte Ich: »Du bist nicht minder ein Mensch als irgendein anderer, und das ist genug! Und so frage denn, um was du nur immer willst, und Ich werde dir antworten!«
   03] Hierauf besann sich der Magier ein wenig, ob die Frage wohl etwa nicht eine zu alberne und gemeine wäre; aber er ermannte sich dennoch bald und sagte: »Herr, etwas finde ich nach meinen gemachten Erfahrungen auf dieser Erde denn doch eben nicht besonders zum Behufe des Fortbestandes der Menschen eingerichtet! Wenn diese Sache von Dir aus nicht in etwas abgeändert und gewisserart verbessert wird, so wird es mit dem Fortbestande der Menschen mit der Länge der Zeit seine entschiedene Not haben.
   04] Siehe, Menschen und Tiere vermehren sich von Tag zu Tag und benötigen auch stets mehr Nahrung; aber der Boden der Erde bekommt nirgends einen Zuwachs und irgendeine Vergrößerung! Wenn die Sache noch ein paar Tausende von Jahren also zugehen wird, so wird es mit dem Fortbestande der Menschen seine entschiedene Not haben müssen. - Was sagst Du, o Herr, zu dieser meiner Meinung und Ansicht?«
   05] Sagte Ich: »Mein lieber Freund, diese Sorge hättest du dir aus mehrfachen Gründen ganz und gar ersparen können; denn wie viele Menschen der nun bewohnbare Teil der Erde gar wohl fassen kann, das ist schon seit ewigen Zeiten von Mir wohlst berechnet gewesen. Wenn die Erde - was bis jetzt nur von ihr zur Beherbergung der Menschen trockengelegt ist - also noch zehntausend Jahre fortbesteht und das Menschengeschlecht alle Jahre sich verdoppeln oder auch verdreifachen wird, so werden auf dieser Erde noch zehnmal so viele Menschen, wie sie nun bestehen, recht wohl fortbestehen können. Und sollten denn mit der Zeit im Ernste so viele Menschen auf dieser Erde zum wirklichen Vorschein kommen, daß der jetzige große und trockengelegte Boden der Erde sie nimmer ernähren könnte, nun, so haben wir noch eine Menge Mittel im Vorrat, um in einem Augenblick noch für hunderttausendmal so viele Menschen, als deren jetzt auf der Erde wohnen, aus dem Meere ganze Weltteile herauszuheben! Was sonach diesen dir so bedenklichen Punkt betrifft, da kannst du völlig außer aller Sorge sein!
   06] Es wohnen jetzt auf der Erde eine so große Anzahl von Menschen, daß du nun gar keine so große Ziffer kennst, mit der du die Zahl bezeichnen könntest, und dennoch gibt es auf der Erde noch so große Strecken völlig unbewohnten Bodens, daß ein Mensch, der sie bereisen und besichtigen wollte, in tausend Jahren noch kaum alle durchgemacht hätte. Und doch besitzen gewisse reiche Menschen für sich ganze große Landteile, die für ihr Nährbedürfnis wahrlich mehr als hundertfach zu groß ausgemessen sind! Nimm du mit der Zeit eine etwas gleichere Verteilung des Erdbodens an, und alle Menschen - wären ihrer noch hundertfach so viele wie jetzt - werden noch eine hinreichende Nahrung und Unterkunft für ihren Leib finden, und dann schon ganz besonders leicht, wenn sie nach Meiner Lehre leben werden! - Bist du mit dieser Meiner Erklärung nun wohl zufrieden?«
   07] Sagte der Magier: »Herr und Meister, ganz vollkommen, und es ist mir nun um ein großes leichter ums Herz! Aber ich hätte nun noch eines, worüber ich von Dir noch um ein kleines mehr Licht haben möchte, als ich es mir bis jetzt in Deiner erhabensten Gesellschaft habe zu eigen machen können. Es ist zwar davon schon die Rede geführt worden, und es sind aus Deinem Munde auch Erklärungen erflossen, die mir viel Licht gegeben haben; aber einiges ist mir dabei dennoch dunkel geblieben. Weil ich mit meinen Gefährten nun schon einmal an der Urquelle des Lichtes stehe, so möchte ich denn auch in allem, was mir noch dunkel ist, ein wenig nur noch mehr erleuchtet sein, als das bis jetzt hat geschehen können.
   08] Siehe, Herr und Meister, es ist wahrlich ein großes und überherrliches Ding um das Sein und Leben eines Menschen! Er wird gezeugt, geboren und von da an von seinen Alten erzogen zu einem Menschen, der denken, reden und handeln kann nach den Begriffen, die ihm durch die Erziehung beigebracht worden sind, wie auch nach denen, die er als ein denkender Mann durch seine Vernunft und durch seinen auf dem Wege der Erfahrungen gebildeten Verstand selbst gefunden hat.
   09] Wenn dann ein Mensch von gutem Willen seine geistigen Kräfte unter mancher großen Mühe und oftmals bitteren Erfahrungen auf eine für ihn möglichst höchste Stufe gebracht hat, so fangen seine physischen und auch geistigen Kräfte zu schwinden an, der Leib wird mühselig, alt und gebrechlich, wird krank und stirbt dann auch unter zumeist großen Schmerzen und unter großer Angst und Furcht vor dem Tode.
   10] Nun weiß ich wohl aus Deinem Munde, daß für die Menschen der Tod gar nichts Schreckliches hätte und auch völlig schmerzlos wäre, wenn sie in der ihnen geoffenbarten Ordnung geblieben wären und fortgelebt und - gehandelt hätten; nun ist aber das ein Umstand, der für die Menschen von einer höchst bedauerlichen Art ist, daß so viele ohne ihr Verschulden von einer in den Urzeiten geoffenbarten Menschenlebensordnung unmöglich etwas wissen können, daher auch in einer vollsten Widerordnung zu leben genötigt sind. Sie sind sonach durchaus nicht schuld an ihrer Lebensunordnung; aber sie müssen dennoch die argen Folgen davon so gut tragen, als ob sie dieselben durch ihre Schuld verdient hätten. Nun, das finde ich, aufrichtig gesprochen, von Dir aus für eine sehr sonderbare Einrichtung im Mechanismus des menschlichen Leibes!
   11] Es ist das Gesetz ganz gut, daß der, der einen Menschen tötet, auch mit dem Tode soll bestraft werden zum warnenden Beispiel für andere, denen vielleicht auch irgendein Mensch für ihre argen Gelüste im Wege steht. Aber ein Gesetz, daß zum Beispiel auch ein Mensch, der vom Dache fiel und durch seinen Fall einem gerade unten stehenden Menschen das Leben nahm, auch mit dem Tode bestraft werden soll, wäre doch so ungerecht, wie es schon nichts Ungerechteres in der Welt geben könnte! Und siehe, geradeso kommt mir auch die soeben angeregte göttliche Verfügung hinsichtlich der Krankheiten und des qualvollsten Leibestodes der meisten Menschen vor; sie erleiden damit eine Strafe, die sie im Grunde nie als verschuldet verdient haben! Das könntest Du für die Folge etwa doch anders einrichten!
   12] Es sind zwar eben die Indier, die oft die größten Schmerzen viele Jahre lang mit der größten Standhaftigkeit erdulden, weil unsere Gotteslehre ihnen sagt, daß Gott an denen sein größtes Wohlgefallen habe, die die größten Schmerzen langehin mit der größten Geduld und Standhaftigkeit ertragen. Aber bei dem Anblick solcher oft gräßlichsten Leiden und Schmerzen sträubt sich das Gemüt eines Menschenfreundes von unbefangenem und vorurteilsfreiem Gemüte und fragt den Schöpfer der Erde und der Menschen: "Allmächtiger und sicher höchst weiser Gott! Kannst Du an den unsäglichen Qualen und Schmerzen Deiner Geschöpfe denn wohl im Ernste ein Wohlgefallen haben? Sind die Menschen verrückt in ihrer Vernunft und in ihrem Verstande, so hast Du ja doch der Mittel zur Genüge, sie allzeit von neuem wieder also zu erleuchten, wie Du die erstgeschaffenen Menschen dieser Erde erleuchtet hast!
   13] Warum lässest Du aber zu, daß sich Tausende von Geschlechtern zuvor auch Tausende von Jahren blutigst durchquälen müssen, bevor nur ein Fünklein Deines Lichtes unter sie ausgestreut wird?"
   14] Sieh, Herr, das ist eine gar gewichtige Frage von unserer höchst geplagten menschlichen Seite an Dich, den Herrn und Schöpfer der Erde und der Menschen! Gib uns darüber ein wahres Licht!«


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