Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 14. Kapitel: Jesu Vorhersage über die Zukunft Seiner Lehre.

   01] Sagte darauf Ich: »Das hast du zwar wohl, und Ich weiß es wohl auch, daß es zum größten Teil also gehen wird, aber es macht das im ganzen dennoch nichts aus, denn in Meiner Schöpfung gibt es für die Seelen noch eine Menge Schulhäuser. Wer es in Jerusalem nicht lernt, dem wird es andernorts verkündet werden!
   02] Ja, Ich weiß und sehe es, wie nach Mir eine Menge falscher Lehrer aufstehen und zu den Menschen sagen werden: "Sehet, hier ist Christus!" oder "Dort ist er!"! Aber Ich sage es nun euch, und ihr saget es euren Nächsten und euren Kindern, daß man solchen falschen Lehrern nicht glaube, denn sie werden aus ihren Werken leicht zu erkennen sein!
   03] Wie aber ein rechter Jünger nach Meinem Worte beschaffen sein soll, das hast du gestern zu Emmaus auf dem Berge des Nikodemus bei der Gelegenheit erfahren, als Ich die etlichen siebzig aussandte, daß sie ausbreiteten Meine Lehre.
   04] Wo du demnach Lehrer antreffen wirst, die also nach Meinem Willen die Lehre von der Ankunft des Reiches Gottes unter den Menschen ausbreiten werden, diese halte du und jedermann für echte und vollends wahre Lehrer; wo aber Lehrer zwar auch unter Meinem Namen aus Meiner Lehre ein Geschäft machen werden um Geld und andere Schätze, die halte du für falsche und von Mir niemals berufene Ausbreiter Meiner Lehre! Denn Meine wahren Jünger und Ausbreiter Meiner reinen Lehre werden stets irdisch arm, gleich Mir, aber darum geistig überreich sein; denn sie werden nicht nötig haben, Meine Lehre und Meine Worte von einem Vorgänger gewisserart durch ein langweiliges Erlernen sich zu eigen zu machen, sondern Ich werde ihnen Meine Lehre und Meinen Willen in ihr Herz und in ihren Mund legen.
   05] Aber die falschen werden durch ein langes Lernen von ihren ebenfalls falschen Lehren sich allerlei Lehren, Worte und Sprüche zu eigen machen müssen und werden dann erst, wenn sie alles mühsam werden erlernt haben, von ihren großtuenden und prahlerischen Lehrern und Vorstehern unter allerlei leerer und blinder Zeremonie zu Jüngern geweiht werden, wie solches nun auch geschieht im Tempel bei den Pharisäern, Schriftgelehrten und Ältesten und auch bei euch Heiden, wo der Priesterstand eine ordentliche Kaste bildet, die sich vom Vater auf den Sohn vererbt, und ein Mensch aus dem Volke nur dann aufgenommen wird, wenn irgendein Priester keine Kinder hat, und selbst da nur als ein Kind, das hernach erst zu einem Priester erzogen wird.
   06] Wie sonach ein wahrer von Mir berufener Lehrer und Ausbreiter Meiner reinen Lehre von einem falschen zu unterscheiden sein wird, das habe Ich euch allen nun klar dargetan, und es wird sich da leicht ein jeder vor den falschen Lehrern und Propheten hüten können; wer ihnen aber zugetan sein wird und wird ihnen Glauben schenken, sie ehren und ihnen noch in allem behilflich sein, der wird es nur sich selbst zuzuschreiben haben, so er von ihnen dann verschlungen wird.
   07] Ja es wird sogar geschehen, daß die falschen Propheten sich auf goldene Throne emporschwingen werden und die wahren von Mir Erwählten und Berufenen mit aller Hast verfolgen werden. Wenn aber das eintreffen wird, dann wird auch ihr Gericht und ihr Ende über sie kommen, und Meine Lehre wird dennoch fortbestehen unter gar vielen Menschen auf der Erde; aber sie wird stets nur als ein freies Gut unter den Menschen im stillen glänzen, leuchten und trösten, nie aber als eine Herrscherin über ganze Völker auf einem Herrscherthrone mit Krone, Stab und Zepter gebieten.
   08] Wo das in Meinem Namen der Fall sein wird, da werde Ich Selbst ferne sein, und anstatt Meiner Liebe wird die Habsucht, der Geiz, Neid und Verfolgung aller Art und Gattung unter den Menschen zu Hause sein, und ein Betrug wird dem andern die Hände reichen. Wenn ihr aber solche Früchte Meiner sein sollenden Lehre unter den Menschen sehen werdet, so werdet ihr es ja wohl merken, welches Geistes Kinder die auf den Thronen herrschenden Propheten sind und von wem ihre falschen Lehren stammen!
   09] Wenn du aber allzeit das Rechte und Wahre wirst haben können, wenn du nur ein Verlangen danach haben wirst, so wirst du dein Herz doch wohl nicht dem Falschen zuwenden? Und so wisset ihr nun, daß trotz all der späterhin auftauchenden falschen Propheten und Lehrer im stillen und Prunklosen Meine reine Lehre bis ans Ende der Zeiten unter den Menschen fortbestehen wird.
   10] Daß aber diese Meine Lehre erst nach und nach unter alle Völker der Erde ausgebreitet wird, davon habe Ich euch die Gründe schon mehrfach klar gezeigt; denn wann ein Volk zur Aufnahme Meiner Lehre reif ist, das weiß Ich sicher wohl am besten!
   11] Was aber zur möglich schnellen Ausbreitung Meiner Lehre in alle nur etwas reifen Punkte der Erde geschehen konnte, das ist auch geschehen und wird bald ein viel mehreres noch geschehen; und so können wir dieses Thema nun schon ohne weitere Bemerkungen auf sich beruhen lassen, da wir noch um vieles wichtigere Dinge zu besprechen haben.«
   12] Sagte nun wieder Agrikola: »Das wird schon allerdings also sein, denn Du allein weißt es am besten, was auf dieser leidigen Erde noch alles zu geschehen hat; aber unsereiner, der keinen Blick in die Zukunft machen kann und sehen, wie sich die Sachen noch gestalten werden, dem von Dir aus nur vergönnt ist, sein diesirdisches Freiheitsprobeleben nach Deiner Lehre möglichst glücklich durchzumachen, und der aber dabei noch gar viele Hindernisse auf dem Wege des Lichtes aufgestellt findet, wird dennoch selbst beim besten Wissen und Willen von der Sorge ergriffen und fragt notgedrungen: Was wird mit der Zeit aus allem dem werden?
   13] Wird Deine nun so heilig reine Lehre zu allen Menschen kommen, und wann? Oder wird sie stets nur ein besonderes Gut weniger Erwählter bleiben? Nach Deinen nun erflossenen Worten scheint wohl nur das letzte der Fall zu sein! Nun, auch recht; denn was Dir, o Herr und Meister, recht ist, das muß wohl auch uns Menschen recht sein, da wir die Sache ohne Dich nicht ändern können; aber weil es Dir wohlgefallen hat, uns Menschen. Deinen Geschöpfen, nebst dem freien Willen auch einen ebenso freien Verstand zu geben, so hast Du uns dadurch auch ein freies Urteil eingeräumt, und demzufolge habe ich denn auch also geredet, wie ich geredet habe!
   14] Aber ich habe Deiner Gegenrede entnommen, daß Du denn doch mit den Menschen ganz außerordentliche Pläne und Absichten hast, ansonst Du es nicht zuließest, daß neben Deiner nun einmal gegebenen reinsten Lehre und neben Deinen wohlunterrichteten Jüngern noch andere, falsche aufstehen und die Menschen von neuem wieder in die gottloseste Finsternis verleitet werden; so kann ich freilich für weiterhin nicht mehr reden und werde mich nun wieder ganz aufs Zuhören verlegen.«
   15] Sagte Ich: »Freund, daran wirst du sehr wohl tun! Besser ist das Hören als das Predigen, solange man den rechten Grund dazu noch viel zu wenig kennt.
   16] Glaube es Mir: Welten erschaffen ist ein leichtes; aber freie Menschen also ins Dasein zu rufen und sie aus sich selbst vollenden zu lassen, wobei die göttliche Allmacht vermöge der Ordnung ihrer Liebe und Weisheit schweigen und untätig sein muß, das bleibt am Ende auch für Mich eine Sache, die nicht leicht zu nennen ist! Da hilft Mir nichts als Meine unbegrenzte Geduld und übergroße Sanftmut.
   17] Darum müssen die Menschen durch ihr höchsteigenes Glauben und Tun in allerlei gute und böse Zustände versetzt werden, damit sie erst aus den Folgen ihres Glaubens und ihrer Handlung klug werden und am Ende selbstwillig das rechte Licht zu suchen anfangen.
   18] Wie aber alle Kreatur auf dieser Erde zwischen Tag und Nacht und zwischen Sommer und Winter gedeiht materiell, so auch der Mensch geistig.
   19] Als die Urmenschen dieser Erde geistig am hellen Tage wandelten, da war ihnen am Ende das Licht ordentlich lästig geworden, als aber bei ihnen dann später die geistige Nacht eingetreten war, da erst fingen sie an, den Wert des geistigen Tages zu begreifen und zu schätzen, und die Besseren suchten ängstlich das verlorene Paradies.
   20] Es ward dann wenigen wieder gegeben, zu finden den geistigen Tag, und viele rannten zu den glücklichen Wiederfindern des geistigen Tages und ließen sich leiten zu dessen Lichte hin. Aber auch viele von der Welt Geblendete begriffen nimmer, was da ist ein geistiger Tag, und blieben in ihrer Nacht, durch ihre eigene Trägheit dazu genötigt. Diese genossen dann freilich wohl nichts von dem Glück eines geistigen Tages und befanden sich in einer großen Not; aber diese Not war dennoch ein guter Wächter für die Glücklichen, weil sie wohl sahen, welche Früchte dem Menschen aus seiner geistigen Nacht erwachsen.
   21] Siehe, so denn geschieht es, daß neben den Erleuchteten sich auch stets Unerleuchtete aufhalten und fortpflanzen werden! Aber darum wird es auf dieser Erde an wahrhaft erleuchteten Menschen nie einen Mangel haben, und diesen wird stets die Gelegenheit geboten sein, die Unerleuchteten mit ihrem wahren Lebenslichte zu erleuchten; und welche Erleuchteten das tun werden in Meinem Namen, deren Lohn wird groß sein in Meinem Reiche dereinst!
   22] Selbst erleuchtet sein durch Meine Gnade ist ein großes und unschätzbares Glück für den Menschen; aber noch tausend Male schätzbarer ist es, mit seinem wahren Lebenslichte auch andere, die in der Finsternis wandeln, zu erleuchten, das heißt, wenn sie das Licht annehmen wollen. Aber das sei euch auch zu wiederholten Malen gesagt, daß ihr die Perlen Meiner Lehre nicht den Schweinen von Menschen vorwerfen sollet! - Denn welcher Mensch einmal eine rechte Sau geworden, der bleibt auch eine Sau! Denn wenn so ein Mensch in einer gewissen guten Stunde auch ein wahres und gutes Wort recht wohlgefällig anhört und es auch aufnimmt, so geht er aber dennoch bei der nächsten Gelegenheit seiner alten Pfütze zu und wirft sich mit aller Behaglichkeit in dieselbe und bleibt gleichfort die alte Sau. - Also, solchen Menschen ist kein Evangelium zu predigen, und Ich habe für solche dann schon ein anderes, das ihnen ihre eigene Natur predigen wird unter vielen Schmerzen, Heulen und Zähneknirschen!
   23] Und nun haben wir wieder einen wichtigen Punkt verhandelt und können auf etwas ganz anderes ganz getrost übergehen. Wer von euch noch in irgend etwas einen Zweifel hat, der trete auf und rede; denn Ich will es, daß ihr morgen mit Mir wohlerleuchtet diesen Ölberg verlassen sollet! Darum steht es nun einem jeden von euch frei, zu reden, wie es ihm sein Sinn gibt.«
   24] Sagten darauf die meisten: »Herr, wir fühlen gar keinen Zweifel mehr in uns und sind ganz glücklich darob!«


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