Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 11. Kapitel: Jesu Lob für Lazarus.

   01] Ich aber sagte zum nun wieder zu uns zurückgekehrten Lazarus: »Mein Sohn, Mein Freund und Mein Bruder! Du hast deine heutige Aufgabe zu Meiner vollsten Zufriedenheit gelöst; denn es ist nun der letzte Rest der noch klarer denkenden Templer gewonnen, und das ist gut für Meine Sache. Denn auf diese nun Gewonnenen fußte zumeist der Hohe Rat; denn sie haben Kenntnisse und Erfahrungen und haben einen guten Mund. Was nun, wenn auch noch in einer großen Anzahl, im Tempel haust und regiert, ist vollends blind, dumm und böse.
   02] Es sollen aber die nun Gewonnenen dennoch also beim Tempel verbleiben, wie da verbleiben unser Nikodemus und Joseph von Arimathia. Denn würden sie den Tempel ganz verlassen, so würden die andern, voll des bittersten Unmutes, zu wüten und derart zu toben anfangen, daß die Römer noch vor der Zeit zu den Waffen greifen müßten und verderben Volk und Land. So aber diese Ältesten bleiben, da können sie zu unseren Gunsten noch so manches hintanhalten und auf den Grimm der vielen andern beschwichtigend einwirken. Aber es ist dennoch gut, daß sie morgen unter einem klugen Vorwande nach Bethanien kommen, und daß auch ihre sehr bedeutenden irdischen Schätze in die Verwaltungskammer des Lazarus kommen; denn dadurch sind die zehn nicht mehr an den Tempel gebunden und können sich frei von ihm entfernen, wann sie wollen und auf wie lange sie wollen, und dabei dennoch Mitglieder des Tempels verbleiben, auf daß ihre Stellen nicht von argen Heuchlern alsbald besetzt werden.
   03] Der Grund, den sie angeben werden, warum sie längere Zeit vom Rat und Tempel entfernt bleiben werden, ist ganz gut; denn die Templer werden, in die zehn all ihr böses Vertrauen setzend, meinen, sie gehen darauf aus, um Mich ganz bestimmt irgend zu fangen. Aber da werden sie im großen Irrtume sein! Die zehn werden wohl ausgehen, um größere Forschungen nach Mir und über Mich vorzunehmen, aber nicht zugunsten des Tempels, sondern zugunsten ihrer Seelen.
   04] Darum ist das heute ein letzter und guter Fang aus dem Tempel; denn die zehn waren noch die letzten grünen Zweiglein am alten, schon gänzlich verdorrten und totmorschen Baume des Tempels. So sie als noch brauchbare Pfropfreiser auf einen jungen und frischen Stock gesetzt werden, können sie in Kürze noch gar viele und gute Früchte zum Vorschein bringen.
   05] Eines aber will Ich ihnen heute noch tun, und das bestehe darin, daß alle zehn einen ganz für sie höchst denkwürdigen Traum haben sollen. Der wird ihnen morgen und noch lange hin vielen Stoff zum Denken und zum Reden geben. Worin er bestehen wird, das werden sie euch morgen in Bethanien schon kundgeben mit aller ihrer Beredsamkeit.
   06] Nun aber wollen wir uns erst an unser Nachtmahl machen; denn zuvor mußte Ich euch ja alles von Wort zu Wort kundgeben, was draußen mit den Templern vorgenommen und verhandelt worden ist Und so, mein Freund Lazarus, kannst du nun die gutbereiteten Fische, gutes Brot und noch mehr guten Wein auf die Tische setzen lassen! Denn diese Nacht hindurch, die für euch alle eine sehr denkwürdige sein muß, werden wir uns nicht dem Schlafe weihen, sondern wachen und dabei noch gar manches erfahren. Darum tue du, Freund, nun das, was Ich dir gesagt habe!«
   07] Darauf ging Lazarus mit Raphael sogleich hinaus, und es war alles in wenigen Augenblicken bestens besorgt. Wir aßen und tranken nun ganz wohlgemut und besprachen dabei so manches, was zum Nutzen der Menschen dient, wie auch, was die Pharisäer unter sich besprochen und abgemacht haben.
   08] Es hatten aber besonders die Römer, Nikodemus und Joseph von Arimathia eine große Freude daran, daß die zehn ärgsten Pharisäer, die im Hohen Rat stets unbeugsam gegen Mich zu Felde gezogen waren, sich nun doch hatten umstimmen lassen.
   09] Sagte Ich: »Es ist dadurch ein großer Sieg für die gute Sache des Lebens wohl erkämpft worden, aber die Hölle ist darum noch gleichfort überaus tätig, und der Fürst der Lüge und Finsternis ist nun tätiger, daß er verderbe die Aussaat des neuen Lebens aus Mir, als er es je zuvor war, und ihr werdet, bevor von nun an ein Jahr um sein wird, die argen Früchte seiner Tätigkeit schon gar wohl wahrnehmen!«


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