Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 60. Kapitel: Griechen auf dem Wege zum allein wahren Gott.

   01] Sagte der Grieche: »Ah, jetzt schon, - und ich muß offen bekennen, daß das eine wahrhaft göttlich herrliche Einrichtung ist! Aber da wir nun denn schon reden, so möchten wir uns von euch wahren Gottesmenschen darüber nun einen Aufschluß erbitten, was denn doch die nächtlichen Lichterscheinungen für eine Bedeutung haben dürften. Es ist darüber noch heute die ganze Stadt in einer großen Aufregung, und es haben die meisten fremden Kaufleute schon zur Nachtzeit mit ihrem Warenvorrate die Stadt verlassen, da sie nicht wissen konnten, was diese Erscheinung etwa schon in jüngster Zeit für Folgen haben könnte. Zudem kauft auch niemand etwas, und alles ist voll Furcht in der Erwartung der schrecklichen Dinge, die - besonders infolge der zweiten Erscheinung - über diese Stadt und über das ganze Judenland hereinbrechen können. Ja, selbst wir, so wir nicht gestern euch näher kennengelernt hätten, wären schon lange über Berg und Tal. Aber wir gedachten euer und trösteten uns damit, daß wir heute sicher von euch darüber irgend einen genügenden Aufschluß erhalten würden. Und so denn bitten wir euch darum!«
   02] Sagte der Engel: »Sehet uns an und alle die andern Leute, die hier sind, und ihr werdet nirgends irgend eine Furcht oder Gemütsaufregung ersehen! Warum aber das? Weil wir es nur zu wohl wissen und kennen, was diese Erscheinung bedeutet. Und wir wissen und kennen das leicht, weil wir im Lichte Gottes hellsehend sind; die da unten aber sind blind und sehen und verstehen darum nichts, und ihre große Furcht ist aber eben deshalb auch schon eine ganz gerechte Züchtigung für ihre eigenwillige Blind- und Bosheit.
   03] Die Erscheinungen aber bedeuten für die Guten nur Gutes, aber für die Bösen auch Böses, und so haben nach den Erscheinungen die Guten Gutes zu erwarten und können dabei leicht guten Mutes und heiteren Sinnes sein. Werdet nur auch ihr nach meiner euch heute gegebenen Lehre gute Menschen, so werdet auch ihr nur Gutes zu erwarten haben hier und jenseits! Habt ihr aber das wohl aufgefaßt, so könnet ihr auch jetzt schon frohen Mutes und Sinnes sein, und eines Weiteren bedürfet ihr vorderhand nicht; denn was ich euch hier sagte, ist eine vollste Wahrheit.«
   04] Sagte der Redeführer: »Holdester und zugleich weisester junger Freund! Wir danken dir alle unter meinem Worte; denn du und der freundliche Wirt, der wahrscheinlich dein Vater oder sonst ein dir sehr naher Anverwandter ist, habt uns gestern abend treu versprochen, uns heute mit dem allein wahren Gott näher bekannt zu machen, und ihr habt das nun redlich getan, und wir sind darob denn nun auch gar heiter und fröhlich und danken euch nochmals von ganzem Herzen dafür, und wir versprechen euch auch auf das teuerste, daß wir diese Lehre auch befolgen werden, und das auf das möglich genaueste.
   05] Doch nun hätten wir noch eine Frage, und wir wollen dann ganz ruhig von hier ziehen. Da unten habt ihr ja einen Tempel, in welchem auch, wie wir's vernommen haben, der eine, allein wahre Gott der Juden verehrt wird. Was ist mit diesem Gott? Ist da wohl auch etwas daran? Ist daß derselbe Gott, den du uns nun näher kennen lehrtest, oder ist das auch nur so ein toter Götze, wie wir deren eine übergroße Menge haben?«
   06] Sagte Raphael: »Einst ward in diesem Tempel wohl der allein wahre Gott verehrt, und den Menschen wurden Seine Gebote vorgepredigt, und den Dawiderhandelnden wurde von den Gotteslehrern bedeutet, daß sie sich bessern und Buße wirken sollen und sich wieder zu Gott kehren, von dem sie sich durch ihre Sünden abgewendet hatten. Darauf taten die Sünder das, und Gottes Gnade und Liebe kehrte wieder bei ihnen ein, und die das nicht taten, die wurden von Gott aus gezüchtigt dadurch, daß sie Seine Gnade entbehren mußten, - oft ihr Leben lang. Sie hatten viele Leiden zu bestehen, und wenn am Ende der Tod über sie kam, da hatten sie keinen Trost und starben in großem Schmerz, in großer Angst und unter großen Schrecken. Die aber Gottes Gebote hielten, verloren die Gnade Gottes nie, hatten ein stets gesundes und in Gott heiteres Leben, und des Leibes Tod hatte für sie nichts Schmerzhaftes; keine Angst und keine Schrecken begleiteten ihn.
   07] Aber wie es damals war, also ist es jetzt nicht mehr. Die Gotteslehrer sind zu puren Weltmenschen geworden. Sie führen den Namen des einen, wahren Gottes wohl noch im Munde, aber im Herzen haben sie dennoch keinen Funken Glauben an Ihn und ebenso keinen Funken Liebe zu Ihm und sind darum nun samt ihrem Tempel voll der finsteren Gottlosigkeit. Darum ward ihnen in dieser Nacht von Gott aus auch angezeigt, was sie für ihre gänzliche Gottlosigkeit zu erwarten haben. Und ich habe es euch darum zuvor gesagt, daß aus diesen Erscheinungen die Guten nur Gutes und nur die bösen und gottlosen Menschen Böses zu erwarten haben.
   08] Da unten, wie im ganzen Lande, leben zwar der Geburt nach auch Juden; aber in ihrem Glauben und Wandel sind sie ärger denn die allerfinstersten Heiden, und es wird ihnen darum alle Gnade und alles Lebenslicht Gottes genommen und den Heiden gegeben werden. Darum sagte ich euch nun schon so einiges von dem allein wahren Gott, und ihr möget das auch daheim euren Anverwandten und Freunden sagen, was ihr gehört und gesehen habt. In wenigen Jahren aber werden von uns aus schon Boten zu euch gesandt werden, die euch im größten Umfange die licht- und machtvollsten Wahrheiten aus Gott werden kennen lehren.
   09] Und da ihr nun solches von mir als auch einem Boten Gottes vernommen habt, so möget ihr nun denn im Namen des einen, allein wahren Gottes in Frieden ziehen in euer Land, und solltet ihr auf dem Meere einen Sturm haben, so rufet den einen, allein wahren Gott um Hilfe an, und es wird sich der Sturm alsbald legen, und ihr werdet darauf auf der ganzen weiten Reise kein Ungemach mehr zu bestehen haben! Und das soll euch auch zu einem Zeugnisse dienen, daß der allein wahre, eine Gott mit der Macht und Kraft Seines Geistes überall als Herr über alle Natur und über alle Elemente gegenwärtig ist und alle Kräfte der Natur in Seiner allmächtigen Willensmacht zu Hause sind.«
   10] Hier dankten die Griechen dem Engel sehr für diese Belehrung und Verheißung.
   11] Doch bevor sie sich noch zur Weiterreise anschickten, fragte der Redner, sagend: »Liebster und der Kraft Gottes vollster junger Freund! Wird aber der eine, allein wahre Gott, der Sich irgend hier unter euch sicher in der Person eines Menschen, dir gleich, befindet, wohl irgend darauf merken (achten), wenn wir uns weit von aller Länder Ufern mitten auf dem großen Meere in der Bedrängnis der bösen Stürme befinden werden?«
   12] Sagte der Engel: »Wenn schon ich darum wissen werde, um wieviel mehr der allhöchste Geist Gottes! Siehe, ich als nun ein vor dir stehender Jude war in dieser meiner Persönlichkeit wohl noch niemals in Athen, wo ihr zu Hause seid, und dennoch weiß ich in meinem Geiste um gar alles, was sich in eurer ganzen großen Stadt befindet, und um alles, was sich namentlich in deinem Hause vorfindet und zu jeder Zeit in selbem geschieht! - Glaubst du mir das?«
   13] Sagte der Grieche etwas verlegen: »O ja, ich will dir das schon glauben, daß du vermöge deiner inneren, wunderbarsten Kraft wohl um alles das wissen kannst; aber unter meinem großen Hause befindet sich -«
   14] Sagte der Engel das Weitere: »- eine Katakombe, und in der hast du viel Gold, Silber und Edelsteine aufbewahrt, was deine mutigen und sehr pfiffigen Kaperer vor sieben Jahren einem römischen Handelsschiffe abgenommen haben. Nach unserem Gesetze wäre solch eine Tat eine übergroße Sünde vor Gott; denn du sollst dem Nebenmenschen nicht tun, was du sicher nie wollen wirst, daß dir dasselbe dein Nebenmensch tun möchte! Aber da kanntest du unser Gottesgesetz noch nicht und brachtest für den glücklich gelungenen Raub deinem Gott Merkur ein Opfer dar und konntest dich gegen unser Gottesgesetz darum nicht versündigen, weil es dir völlig unbekannt war.
   15] Aber in der Zukunft sollst du, wie auch ihr alle, solch ein Gewerbe nicht mehr betreiben; denn so ihr das nun wieder betreiben würdet, so würde die Gnade des allein wahren Gottes nimmerdar euer Anteil werden. Zugleich aber steht ihr ja auch unter den recht weisen Staatsgesetzen Roms, die Raub und Diebstahl strengstens verbieten. So ihr euch halten werdet nach den römischen Staatsgesetzen, so werdet ihr euch auch gegen die Gebote Gottes nicht leichtlich versündigen. - Verstehst du das?«
   16] Sagte der Grieche: »Ich sehe nun schon, daß euch wahren Kindern des einen, wahren Gottes nichts unbekannt ist; und wäre ich damals, so wie jetzt, mit euren rein göttlichen Gesetzen so bekannt gewesen wie nun, so wäre solch ein Raub auch nie begangen worden, wie er auch nie wieder begangen wird. Aber da kein Mensch auf dieser Erde das einmal Geschehene ungeschehen machen kann, so frage ich dich nun, was ich mit den geraubten Schätzen machen soll.«
   17] Sagte der Engel: »Der, dem du die Schätze geraubt hast, ist ohnedies um vieles reicher denn du, er bedarf sonach dieser Schätze nicht; aber ihr habt der Armen eine übergroße Anzahl in eurem Lande, denen ihr Gutes tun könnet. Denn es spricht Gott der Herr also: "Was ihr den Armen tut, das habt ihr Mir getan, und Ich werde es euch vergelten schon hier und hundertfältig in Meinem Reiche!" Verwertet sonach eure überflüssigen Schätze und beteilet die euch bekannten Armen, und ihr werdet dadurch sühnen eure Sünden vor Gott und den Menschen! - Und nun möget ihr im Frieden von hier abziehen!«
   18] Hierauf dankten die Griechen noch einmal und fingen an abzugehen.


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