Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 59. Kapitel: Die wahre Anbetung Gottes.

   01] Als aber das Morgenmahl verzehrt war, da trat eben jener Grieche, der am vergangenen Abend das Wort am meisten führte, heraus zu Lazarus und Raphael und wollte gleich zu reden anfangen; aber er wurde von der Schönheit des Engels so sehr überrascht, daß er wie stumm und versteinert dastand und kein Wort über seine Lippen brachte.
   02] Nach einer Weile des größten Staunens sagte er (der Grieche) so wie in sich hinein: »Ja ja, das ist wahrlich ein Ölymp, auf dem die Götter wohnen! Hättet ihr mich gestern nicht dahin belehrt, daß es nur einen einzigen wahren Gott gibt, so würde ich dich, du wunderholdester Jüngling, unfehlbar für unseren Gott Apollo halten; aber da es nach eurer sicher ganz wahren Aussage nur einen wahren Gott gibt, dessen Kinder ihr offenbar seid, so bist du, allerholdester Jüngling, sicher ein sehr lieber Sohn von Ihm. Und weil ihr denn schon unfehlbar Kinder Gottes und unsterblich seid, wie wir das von den Göttern glauben, so lasset euch von uns sterblichen Menschen anbeten, und nehmet gnädig ein Opfer von uns an!«
   03] Hier griffen die Griechen in ihre mitgebrachten Beutel, zogen römische Goldstücke heraus und wollten sie dem Engel als Opfer zu Füßen legen.
   04] Aber der Engel sagte: »Stecket, ihr lieben Freunde, euer Gold nur alsbald wieder dorthinein, wo ihr es herausgenommen habt! Denn seht und hört, was ich euch nun sagen werde! Die wahren Götter lassen sich von den Menschen weder anbeten, noch nehmen sie von ihnen irgendein materielles Opfer. Der Götter weisester und liebvollster Wille an euch Weltmenschen aber besteht darin, daß ihr nur an einen, allein wahren, ewigen und allmächtigen Gott glauben und Ihn über alles aus allen euren Lebenskräften lieben sollet, eure Nächsten aber wie ein jeder von euch sich selbst, was soviel heißt wie: Was du vernünftig wünschest, das dir dein Nächster tun soll, dasselbe tue du auch ihm!
   05] Wenn ihr das beherziget, glaubet und danach tuet, so betet ihr dadurch den einen wahren Gott würdigst und geziemendst an und bringet Ihm also das Ihm allein wahrhaft wohlgefällige Opfer. Und so ihr Weltmenschen das tun werdet, so wird der eine, wahre Gott euch uns gleich zu Seinen unsterblichen Kindern annehmen, und die Macht und Gewalt des Todes wird weichen von euren Seelen.
   06] Anbetung mit den Lippen und Opfer aller Art und Gattung haben nur die argen und herrschsüchtigen Priester und Könige erfunden. Sie lassen sich überhoch ehren und verlangen übergroße Opfer von den Menschen, denen sie in einem fort in die Ohren schreien, daß sie stets große Sünder seien und darum den Göttern große Opfer bringen sollen, ansonst diese sie mit großen und schweren Plagen heimsuchen würden. Aber das tun die argen Priester ja nicht der Götter wegen, sondern nur um ihrer selbst willen, auf daß sie reich und mächtig werden, um die armen, blinden Menschen desto mehr knechten zu können.
   07] Der wahre Gott aber will nur, daß alle Menschen sich untereinander als Brüder lieben und frei und ungeknechtet auf der Erde wandeln sollen und durch die Gnade des einen und allein wahren Gottes in allen Dingen stets weiser und weiser werden. Da ihr nun aus meinem Munde es offen, treu und wahr vernommen habt, was der allein wahre Gott von den Menschen will, so nehmet euer Gold zurück; denn dieses Erdkotes bedürfen die wahren Menschen und der wahre Gott ewig nicht!«
   08] Hier hoben die Griechen ihr Gold wieder auf und steckten es in ihre Beutel.
   09] Aber der Wortführer sagte mit einer sehr freundlichen Miene: »O du mein der höchsten Liebe würdigster Gottmensch, deine Worte waren wahr, sanft, mild und süß wie Honigseim, und wir werden sie auch befolgen! Aber da du denn schon gar kein Opfer von uns annehmen willst, so begreife ich aber doch nicht, warum ihr von uns Menschen für eure freilich wohl überguten Speisen und Getränke denn doch ein Geld annehmet! Wozu benötiget ihr des Geldes?«
   10] Sagte der Engel lächelnd: »Euch Menschen recht zu tun, ist selbst einem Gott schwer. Wüßtet ihr denn gestern schon, daß wir hier Kinder Gottes sind? Nein, das wußtet ihr nicht und hieltet uns für ganz gewöhnliche Menschen, die sich für ihre Speisen und Getränke und für die Bedienung zahlen lassen. Da wir aber das wohl wußten, so taten wir denn auch, was die Menschen tun, und es hat gestern am Abend viel des Redens und Beweisens gebraucht, bis ihr von uns eine andere Meinung bekommen habt.
   11] Da ihr aber nun wisset, mit wem ihr es hier zu tun habt, so habt ihr nun denn auch gegessen und getrunken, und es hat darum auch noch niemand von euch ein Geld verlangt und wird nun auch niemand eins von euch verlangen.
   12] Sehet, so verhält es sich hier mit dieser Sache! Bei uns zahlen nur die Fremden den Zoll, die Einheimischen sind nach unserem alten Gesetze frei. Fremd aber ist ein jeder, der unseren Gott und Seine Gesetze nicht kennt und ein Götzendiener ist. Wer aber an unseren einen und allein wahren Gott glaubt. Seine Gesetze kennt und an dieselben glaubt und danach lebt, tut und handelt, der ist ein Einheimischer und ist bei uns wahren Juden zoll- und zechfrei.
   13] Freilich gibt es nun bei uns schon gar viele, die zwar auch Juden sind, aber dabei doch an keinen Gott mehr glauben und Seine Gesetze nicht halten, sondern nur nach ihren Gelüsten leben und handeln. Diese verlangen auch Zoll und Zeche von den Einheimischen wie von den Fremden; aber sie werden von uns aus auch nicht mehr als Einheimische, sondern als Fremde angesehen und behandelt. - Bist du darüber nun im klaren?«


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