Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 3

Jesus bei den neun Ertrunkenen.

01] Hierauf begaben wir uns schnell zu den neunen hin, und Ich ließ sie mit den Gesichtern nach aufwärts schauend und mit den Häuptern bergan legen. Als sie also gelegt waren, sagte Ich zum Markus: »Gib einem jeden etliche Tropfen Weines in den Mund!« Solches war leicht zu bewerkstelligen, weil alle den Mund offen hatten. Als solches vollzogen ward, sagte Ich zu allen Anwesenden: »Gehet, und prüfe ein jeder Schwachgläubige aus euch, ob die neun nicht vollkommen tot sind!«
02] Es war aber unter den dreißig bekehrten Pharisäern auch ein Arzt, der sich wohl auskannte, ob ein Leib vollkommen tot war oder nicht. Dieser trat hinzu und sagte: »Nicht, als würde ich am Tode dieser Ertrunkenen nur den geringsten Zweifel hegen, trete ich, sie zu untersuchen, hierher, sondern um als ein Sach- und Fachkundiger euch den vollgültigen Beweis zu geben, daß diese neun vollkommen tot sind.« Hierauf befühlte er die neun, besah ihre Augen, die hippokratische Nase als ein sicheres Zeichen des vollkommenen Todes und des vollkommenen Erloschenseins aller physischen Lebensgeister.
03] Als der Arzt nach genauester Besichtigung, wie auch nach dem Mitzeugnisse aller, die seine Erkenntnis für echt und gültig und wahr fanden, dahin laut sein Urteil abgab und noch hinzufügte: »Nicht jetzt, sondern schon gestern, eine Stunde darauf, als sie ins Wasser kamen, waren sie schon so vollkommen tot, als sie jetzt sind! Nach der Nase und nach dem Geruche zu urteilen, hat sich bereits auch schon die Verwesung eingestellt. Keine menschliche Wissenschaft, Kraft und Macht ruft diese neun mehr ins Leben! Das kann nur Dem möglich sein, der am Jüngsten Tage alle Toten aus den Gräbern zum Leben hervorrufen wird!«
04] Sagte Ich: »Auf daß ihr auf dies gültige Zeugnis des Arztes aber ganz wohl erkennet die Herrlichkeit des Vaters im Menschensohne, so rufe Ich laut zum Vater und sage: "Vater, verherrliche Deinen Namen!"
05] Hier vernahmen viele wie eine Stimme vieler Donner: »Ich habe ihn verherrlicht durch Dich, Mein geliebtester Sohn; denn Du bist es, an dem Ich Mein rechtes Wohlgefallen habe! Dich sollen die Menschen hören!«
06] Viele vernahmen diese Worte, viele aber vernahmen nur einen puren Donner und fingen an zu fragen, wie es nun gedonnert habe. Aber jene, die im Donner Worte vernahmen, gaben das Zeugnis von dem, was sie vernommen hatten, und die anderen wunderten sich darob und sagten: »Das ist sonderbar! Wir vernahmen zwar nur den Donner, - aber so ihr zu mehreren die gleichen Worte vernommen habt, so glauben wir solches so gut, als hätten wir sie selbst vernommen. Aber es geht aus dem dennoch hervor, daß dieser Meister hier eigentlich nur der Sohn ist und nicht der heilige, allmächtige Vater, der im Himmel wohnt, und den kein Mensch je sehen, sondern allein nur in geheiligten Momenten sprechen kann. Moses war demnach auch ein Sohn des Allerhöchsten, da auch er übergroße Zeichen gewirkt hat, und die andern Propheten waren es im gleichen Maße; nur dürfte dieser Nazaräer wohl der größte aller Propheten sein, weil er die größten und meisten Zeichen tut.«
07] Sagt Murel, der dies ganz gut angehört hatte: »Nein, da irret ihr euch; dies ist von euch noch ein ganz gewaltiger Unverstand! Wer hat vor Moses einen Moses angekündigt durch den Geist des Herrn, wer einen Elias, wer einen Samuel, wer einen der vier großen Propheten? Sie wurden wie zufällig von Gott erweckt und weissagten! Und von wem weissagten sie am meisten? Eben von Dem, der nun vor uns ist! Die Stimme, die nun wie ein mächtiger Donner zu vernehmen war, war ebensogut Seine höchst eigene wie die, welche Er aus Seinem leiblichen Munde zu uns redet! Der Unterschied besteht nur darin: Mit dem Leibesmunde redet Er als Mensch zu uns, mittels der Donnerstimme aber ließ Er sich als Derjenige vernehmen, der ewig war, ist, und sein wird, - der alles, was da ist, erschaffen hat und auf Sinai dem Volke die Gesetze gab unter beständigen Blitzen und Donnern. Darum auch ist Ihm allein alles möglich, auch das, daß Er aus höchster Liebe zu uns, Seinen Kindern, ein Mensch, wie wir es sind, werden konnte, ansonst Er von Seinen Kindern, die Er über alles liebt, ewig nie gesehen und vollkommen erkannt werden könnte!«


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