Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 33

Eine Prophezeiung Mathaels.

01] (Mathael:) »O Freund, es wird auf dieser Erde noch so arg kommen und einhergehen, daß selbst der Satan sich nimmer getrauen wird, in was immer für einer Gestalt die Gesellschaften der Menschen zu besuchen; aber darunter wird es wieder Menschen geben, die als Blinde mehr sehen und als Taube mehr hören werden als wir nun mit den offensten Augen und Ohren.
02] Es wird dereinst eine Zeit kommen, in der die Menschen die Lebenskraft der Dämpfe im Wasser nach Graden bestimmen werden und werden sie aufzäumen, wie die Araber ihre Rosse, und werden sie verwenden zu aller, unglaublich schwerster Arbeit; auch vor die schwersten Wagen werden sie die im Wasser verborgene Lebenskraft spannen und damit so schnell hinwegfahren, als wie schnell dahinfliegt ein abgeschossener Pfeil.
03] Auch vor die großen Schiffe werden sie die Lebenskraft des Wassers spannen, und sie wird die Schiffe schneller denn ein Sturmwind über des Wassers Wogen hintreiben, ja am Ende sogar jedem Sturme Trotz bieten und ihm durch sein ergrimmtes Gesicht fahren, ohne einen Schaden von Bedeutung zu erleiden; nur Felsen und Sandbänke werden solchen Schnellfahrern noch gleichfort gefahr- und schadenbringend sein.
04] Aber bald nach jener Zeit wird es auf der Erde für das Leben der Menschen sehr übel auszusehen anfangen; denn die Erde wird unfruchtbarer werden, a große Teuerungen, Kriege und Hungersnot werden entstehen, und das Licht des Glaubens an die ewige Wahrheit wird vielfach erlöschen, und das Feuer der Liebe wird verglimmen und erkalten, und es wird dann kommen das letzte Feuergericht über die Erde! (a Matthäus.24,06; = Markus.13,07; = Lukas.21,09;  ⇒ jl.ev07.184,08*;  ⇒ jl.ev07.184,05*)
05] Wohl denen dann, die noch das Lebenswasser in sich nicht also ganz bloß für irdischen Gewinn werden verdampft haben; denn so das große Gerichtsfeuer aus den Himmeln kommen wird, wird es ihnen nichts anhaben können, weil ihr eigenes Lebenswasser sie davor schützen wird.
06] Darauf werden dann erst der wahre Lebensfriede und desselben Gottesordnung einander für immer die Hände reichen, und Zwietracht und Hader wird nicht mehr sein unter denen, die die gereinigte Erde bewohnen werden in Gesellschaft der Engel Gottes. Wenn schon nicht unsere morschen und gebrechlichen Leiber, aber desto mehr werden unsere schauenden und alles ergreifen könnenden Seelen Zeugen von alldem werden, was ich dir nun verkündigt habe.
07] Siehe, ich hätte dir das nicht gesagt; aber ich fühlte einen Drang dazu im Herzen meiner Seele, oder besser meines Ichs. Und dieser Drang rührt wohl von daher, von woher uns fünfen die Heilung geworden ist! - Begreifst du mich nun schon besser?«
08] Sagt Cyrenius: »Oh, nun sind wir schon ganz in der besten Ordnung wieder mit- und untereinander; jetzt erst hoffe ich recht vieles von euch zu erfahren, und ich habe an euch einen gewinnvollsten Fang gemacht! Es bleibt bei meinem Ausspruche; für euer irdisches Bedürfnis soll von mir aus gesorgt sein, ihr aber werdet für meine und meines ganzen großen Hauses seelische Bedürfnisse Sorge tragen.
09] Freilich ist das wohl ein schlechter Ersatz für das Große, das ihr mir und meinem Hause dafür tun werdet; aber wer kann dafür, daß man auf dieser Welt für eine höchste und ewig dauernde Lebensgabe dem Geber mit nichts Besserem vorderhand entgegenkommen kann?! Seid ihr damit zufrieden?«
10] Sagt Mathael: »Oh, wie magst du darum noch fragen? Wo wir jemandem dienen und nützen können, da sind wir auch mehr noch denn vollauf zufrieden! Denn man darf auch eine irdische Gabe, wenn sie aus einem wahrhaft guten Herzen um des Guten und des Wahren wegen kommt, niemals unterschätzen; denn durch den Geber und durch den Grund des Gebens bekommt sie auch einen vollends geistigen Wert und kommt sonach einer rein geistigen Gabe völlig gleich.
11] Denn wo das Materielle das Geistige, wie das Geistige das Materielle unterstützt, da wird am Ende alles geistig und hat dann eines in dem andern in der Fülle den reichlichsten Segen von Gott aus zu gewärtigen.
12] Wo aber irgend sein sollend Geistiges wie im Tempel zu Jerusalem bloß des Materiellen wegen gegeben wird und das Materielle um etwas Geistiges aber auch nur des anzuhoffenden Materiellen wegen, da wird am Ende alles materiell und hat keinen noch so geringen geistigen Wert mehr und kann von Gott aus nie irgend segensreiche Folgen haben!
13] Daher sei du darum ganz unbekümmert darüber, ob deine materielle Gabe für unser dir dargebrachtes Geistiges als zu gering wäre; denn sie wird durch den Geber und durch den wahren Grund des Gebens ja eben auch geistig, und der Segen von oben wird ihr reichlichst folgen geistig und auch materiell; denn der Geist ist auch ein Herr ewig über alle Materie, die im Grunde auch nichts als ein gerichteter, höchst unfreier Geist ist, und muß allzeit blind dem freiesten Lebensgeiste Gottes gehorchen, von dessen endlosester Kraft eigentlich das Gericht aller Materie ausgeht, und Er allein sie wieder beleben kann, wie und wann Er das nur immer will!«
14] Sagt Cyrenius: »Oh, köstlich und vortrefflich! Jetzt erst möchte ich euch auch um kein Reich der Erde mehr aus meinen freundlichen Händen lassen! Wir werden uns hoffentlich stets besser verstehen und uns gegenseitig auch stets unentbehrlicher werden! Nun aber dem einen Herrn allein alles Lob und alle unsere Liebe, daß Er Sich euer erbarmt und euch dadurch mir zugeführt hat; denn ohne Ihn wären wir alle so gut wie für ewig verloren!«
15] Sagen darauf alle die fünf: »Amen, Er ganz allein ist wert aller Ehre, alles Lobes und aller Liebe nicht nur von dieser Erde, sondern von der ganzen Unendlichkeit! Denn Er allein ist es, der nun die ganze Unendlichkeit neu umstaltet! Endlos großheilig ist Sein Name!«


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