Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 41


Wesen, Bedeutung und Folge wahrer Liebe zu Jesus. Wichtigkeit des Bekenntnisses zu Ihm.

01] Sagt die überaus schöne und liebenswerteste Sarah: »Ja, jetzt bin ich schon mehr im klaren, aber da haben dann ja alle Töchter Evas dasselbe Recht auf Dich wie ich!?«
02] Sage Ich: »Allerdings, wenn sie sind, wie du nun bist; sind sie aber nicht so, da können sie wohl Meine Mägde, auch Bräute, aber dennoch nicht völlig Meine Weiber werden. Hatte aber Meines Leibes Urvater David doch auch viele Weiber gehabt und war ein Mann nach dem Herzen Gottes; warum sollte Mir das nicht freistehen, viele Weiber zu haben, da Ich doch mehr bin denn David? Und Ich sage dir noch dazu, daß Ich das Vermögen habe, so viele Weiber allerseligst zu erhalten, als es da gibt des Sandes im Meer und des Grases auf der Erde, und daß eine jede also versorgt sein wird, daß sie ewig nie einen Wunsch wird haben können, der ihr nicht aufs zuvorkommendste befriedigt würde. Wenn aber so, kann dich das dann etwa genieren, wenn Ich vielen das Glück geben will, das Ich dir in Überfülle gebe?«
03] Sagt die Sarah: »Du bist ja allein der Herr und bist die unbegrenzteste Liebe und Weisheit Selbst, und was Du tust, ist weise getan; aber ich kann dennoch nicht dafür, daß ich Dich gar so sterbensmächtig liebe und Dich darum wie allein besitzen möchte! Du mußt aber das meinem kindlichen Herren schon nachsehen, das in der Liebe noch so blöde ist!«
04] Sage Ich: »Das ist gerade recht, sage Ich dir. Wer Mich nicht wie du völlig eifersüchtig liebt und Mich in seinem Herzen wie nahe ausschließend allein besitzen will, der hat noch keine wahre, lebendige Liebe zu Mir! Hat er aber diese nicht, so hat er auch die Fülle des Lebens nicht in sich; denn Ich bin ja das eigentlichste Leben im Menschen durch die Liebe in seiner Seele zu Mir, und diese Liebe ist Mein Geist in jedem Menschen.
05] Wer also die Liebe zu Mir erweckt, der erweckt seinen von Mir ihm gegebenen Geist, und da dieser Geist Ich Selbst bin und sein muß, weil es außer Mir ewig keinen andern Lebensgeist gibt, so erweckt er dadurch eben Mich Selbst in sich und ist dadurch ins ewige Leben vollauf eingeboren und kann dann hinfort ewig nimmer sterben und ewig nimmer vernichtet werden - auch durch Meine Allmacht nicht, weil er mit Mir eins ist. Ich aber kann Mich Selbst auch nicht vernichten, weil Mein unendliches Sein sich ewig nie ins Nichtsein umgestalten kann. Darum denke ja nicht, daß deine Liebe zu Mir blöde ist, sondern sie ist gerade so, wie sie sein muß! Beharre darin, so wirst du ewig keinen Tod weder sehen noch fühlen oder schmecken!«
06] Diese Meine Erklärung an die Sarah machte sie so ganz glücklich, daß sie Mich mit aller Kraft umarmte und gar überaus zärtlich zu kosen begann.
07] Die Mutter Sarahs verwies ihr das und sagte: »Aber liebe Sarah, das schickt sich ja nicht! Geh, du bist wohl recht unartig!«
08] Sagt die Sarah: »Ei was, schicken oder nicht schicken! Es schickt sich auch nicht zu sterben und dann fein tot zu sein; aber wenn dann der Herr kommt und den Toten erweckt und aus dem Grabe zieht, was auch gewiß ganz höchst ungewöhnlich ist, wie schickt sich dann so etwas vor der Welt? O Mutter, den Herrn lieben vor aller Welt über alles, das schickt sich für jeden Menschen sicher am allerbesten! - Nicht wahr, Herr Jesus, ich habe recht geurteilt?!«
09] Sage Ich: Ganz rechtens und vollauf wahr! Wer in der Welt sich geniert, Mich offen über alles zu lieben, da geniere dann auch Ich Mich, ihn vor allen Himmeln zu lieben und ihn zu erwecken zum ewigen Leben am jüngsten Tage!«


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 2   |   Werke Lorbers