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Kapitelinhalt 37. Kapitel: Webstofferzeugung. - Unverkünstelte Verwendung der Naturerzeugnisse. - Bekleidungsordnung.

Originaltext 1. Auflage 1855 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text, Verseinteilung und Überschriften nach 4. Auflage 1969 Lorber-Verlag

01] Da wir diese Menschen so eben als Schmiede haben kennen gelernt, und wie sie im Nothfalle ihre Gerätschaften oder Fabrikate an einen andern Bruder verkaufen, so wollen wir sie denn auch noch als Zeugemacher kennen lernen.

02] Da wir schon sowohl bei der Darstellung des Pflanzenreiches, wie bei der Darstellung des Thierreiches gesehen haben, daß es im Saturnus Pflanzen giebt, die eine Art sehr langer Haare, namentlich aus ihren Blüthen und auch Blättern von sich treiben, und haben gesehen, daß sehr viele Thiere außerordentlich wollereich sind, und haben manche bedeutend reichliche und lange Mähnen, so ist es auch andrerseits sicher klar, daß dieses alles von den Saturnusmenschen wohl benützt wird.

03] Wie aber werden diese Stoffe benützt? - Sehet, da ist nicht viel Unterschied zwischen euch und den Bewohnern dieses Planeten. Die Stoffe werden in Fäden gesponnen, welche freilich wohl etwas stärker sind, als so manche bedeutende Stricke bei euch; dessen ungeachtet aber sind sie im Verhältnisse dennoch fein genug, um für diese großen Menschen gar wohl tragbare Stoffe daraus zu weben.

04] Wer spinnt und webt denn die Fäden? - Sehet, solches thuen im Saturnus nur allein die Weiber; aber nicht auf die Art, wie da ihr webet die Zeuge in Weberstühlen, sondern ungefähr also, wie da euer Weibervolk mittelst der sogenannten Stricknadeln die Strümpfe verfertiget. Sonach werden alldort schon ganze Kleidungsstücke gestrickt, und das zwar mit Hülfe zweier langen allzeit hölzernen Stifte. Die Saturnusweiber haben darinnen eine große Fertigkeit, so zwar, daß da ein Weib in einem Tage einen nach eurem Maße mehr denn 100 Ellen langen und 5 bis 6 Ellen breiten Streifen verfertiget.

05] Werden solche Stoffe auch gefärbt? Solches thut Niemand in diesem Planeten; denn hier besteht schon wieder ein häuslich politisches Gesetz, welches also lautet wegen so mancher Eitelkeit in der Tiefe:

06] Wie ist der Mensch doch ein Frevler, wenn er etwas besser, schöner und vollkommener machen will, als es gemacht hat der große Geist! Wehe dir, so du möchtest roth machen das, was der große Geist weiß gegeben hatte; wehe dir, so du möchtest gerade machen das, was der große Geist krumm gestaltet hatte; wehe dir, so du möchtest geschmackvoller machen eine Speise, als sie für dich bereitet hatte der große Geist!

07] Wer da zuwiderhandeln wird darin, wie es nicht ist nach dem Willen des großen Geistes, so wird ihn dieser zornig ansehen, und wird über seinen Leib schicken ein Uebel um das andere, wie er es allzeit zu thun pflegt in der Tiefe; darum alldort die Menschen nicht achten auf das, daß der große Geist Alles überaus weise und gut eingerichtet hat, darum der Mensch nicht nöthig hat, etwas daran zu ändern, sondern dankbarst also anzunehmen, wie es ihm giebt die milde Hand des großen Geistes. Wir sind nur da, um das zu benützen, was uns der große Geist giebt; nicht aber, daß wir seine Gabe eher verbessern und verschönern sollen, bis wir sie erst gebrauchen möchten.

08] Nur ein Ding, und das ist das Metall, hat der große Geist in die Erde roh gelegt, und wir müssen es früher backen, bevor wir es nützlich gebrauchen können; und solches können wir thun darum, weil es uns der große Geist selbst gelehret hatte. Also können wir auch nach seinem Willen einige Früchte am Feuer zum leichteren Genüsse erweichen, und können die Aeste der Bäume behauen zu unseren Wirtschaftsgebäuden. Solches alles lehrte Er uns selbst.

09] Aber daß wir einem Dinge eine andere Farbe geben sollen und anderen Glanz, solches hat er uns nie gelehrt. Daher ist es auch ein großer Frevel für den gegen den großen Geist, der da möchte das Weiße roth, das Grüne schwarz und das Blaue gelb, und also auch umgekehrt färben.

10] Wir aber sind unter einander nichts, denn einerlei Brüder und Schwestern im großen Geiste; da aber darinnen kein Unterschied ist, und wir alle gleich sind vor Ihm, warum sollen wir uns da unterscheiden in der Farbe unseres Gewandes?

11] Also sei die Gürteljacke um unsere Lenden, welche bis an die Knie reichet, allzeit blau, wie die Wolle von Natur aus blau ist, die wir dazu verwenden; unser Oberleibmantel aber sei roth, wie da ist die Mähne des Thieres, daraus er verfertiget wird, und unsere Kniemäntel seien allzeit grün, wie da die Wolle des Baumes und der Pflanzen ist, aus der sie verfertiget werden.

12] Die Weiber aber sollen ebenfalls unwandelbar verbleiben bei ihrem weiten blauen Hemde, und sollen fortwährend zu ihren Oberkleidern benützen die schönen Blätter unseres Wohnbaumes, und können gebrauchen zu ihrer Zierde noch so Manches, was der große Geist für sie sowohl auf den Bäumen, aus den Gesträuchen und auf den Thieren wachsen läßt. Ferne jedoch von ihnen sei die übertriebene Prachtliebe der Weiber, die da wohnen an großen Flüssen und Seen, und haben eine große Freude daran, daß sie ihren verweichlichten Leib behängen mit allerlei Flitterwerk.

13] Unsere Pflicht auf den geheiligten Bergen aber sei, daß wir in Allem standhaft sind, und treu dem Willen des großen Geistes.

14] Sehet, das ist eine der längsten Hausregeln bezüglich der Verfertigung der Kleiderstoffe, aus ihnen der Kleider selbst, und wie dieselben zu tragen sind.

15] Auch mit diesen Kleiderstoffen sind die Gebirgsbewohner gleicherweise freigebig, wie mit allem Uebrigen; kommt da von irgend woher ein nahe ganz nackter Mensch, so gilt dessen Nacktheit schon für ein sicheres Zeugniß des großen Geistes, daß Jeder, der da hat vorräthige Kleider, ihn, den Nackten nämlich, alsogleich zu bekleiden hat. Wer sich solches zu thun weigern würde, dem steht, wie auf kein anderes Vergehen, eine Verbannung auf ein, zwei bis drei Jahre bevor, damit er in solcher Einsamkeit erkennen lerne, wie weh es thut, wenn man nackt herumirren muß.

16] Ihr werdet euch vielleicht denken: wie kann denn allda ein Mensch in ein, zwei oder drei Jahren seine Kleider bis zur Nacktheit verreißen? Da erinnere Ich euch nur daran, daß ein Saturnusjahr nahe 30 Erdjahre dauert; wenn ihr das bei der obbenannten ein-, zwei- oder dreijährigen Verbannung mit in den Anschlag bringet, so dürfte es euch wohl klar sein, daß in solcher Zeit ein Kleidungsstück nicht eben mehr sehr gesund aussehen dürfte, wann es Tag und Nacht getragen wird.

01] Da wir diese Menschen soeben als Schmiede kennengelernt und vernommen haben, wie sie im Notfall ihre Gerätschaften oder Fabrikate an einen andern Bruder »verkaufen«, so wollen wir sie nun auch noch als Zeugmacher kennenlernen.

02] Wir haben schon bei der Darstellung des Pflanzenreiches wie bei der des Tierreiches gesehen, daß es im Saturn Pflanzen gibt, die eine Art sehr langer Haare namentlich aus ihren Blüten und auch Blättern von sich treiben, und haben belesen, daß sehr viele Tiere außerordentlich wollereich sind und manche bedeutend reichliche und lange Mähnen haben, so ist es euch anderseits sicher klar, daß dieses alles von den Saturnmenschen wohl benützt wird.

03] Wie aber werden diese Stoffe benützt? Da ist nicht viel Unterschied zwischen euch und den Bewohnern dieses Planeten. Die Stoffe werden zu Fäden gesponnen, welche freilich wohl etwas stärker sind als so manche handfeste Stricke bei euch. Dessenungeachtet aber sind sie im Verhältnis dennoch fein genug, um für diese großen Menschen gar wohl tragbare Stoffe daraus zu weben.

04] Wer spinnt und webt denn die Fäden? Solches tun im Saturn nur allein die Frauen; aber nicht auf die Art, wie ihr die Stoffe auf Webstühlen webet, sondern ungefähr so, wie eure Frauensleute mittels der sogenannten Stricknadel die Strümpfe verfertigen. So werden dort ganze Kleidungsstücke gestrickt, und zwar mit Hilfe zweier langer, allzeit hölzerner Stifte. Die Saturnfrauen haben darin eine große Fertigkeit, so daß eine Frau an einem Tag einen nach eurem Maße mehr denn hundert Ellen langen und fünf bis sechs Ellen breiten Streifen verfertigt.


05] Werden solche Stoffe auch gefärbt? Das tut niemand auf diesem Planeten. Denn hier besteht schon wieder ein häusliches Gesetz, welches wegen so mancher Eitelkeit in der Tiefe also lautet:

06] Wie ist der Mensch doch ein Frevler, wenn er etwas besser, schöner und vollkommener machen will, als es der Große Geist gemacht hat! Wehe dir, so du möchtest rot machen, was der Große Geist weiß gegeben hat! Wehe dir, so du möchtest gerade machen, was der Große Geist krumm gestaltet hat! Wehe dir, so du möchtest geschmackvoller machen eine Speise, als sie für dich bereitet hat der Große Geist!

07] Wer darin zuwiderhandeln wird dem Willen des Großen Geistes, den wird dieser zornig ansehen und wird über seinen Leib schicken ein Übel um das andere, wie Er es zu tun pflegt in der Tiefe, da dort die Menschen nicht auf das achten, daß der Große Geist alles überaus weise und gut eingerichtet hat und der Mensch darum nicht nötig hat, etwas daran zu ändern, sondern dankbarst also anzunehmen, wie es ihm die milde Hand des Großen Geistes gibt. Wir sind nur da, um das zu benützen, was uns der Große Geist gibt; nicht aber, daß wir seine Gabe eher verbessern und verschönern, bis wir sie gebrauchen möchten.


08] Nur ein Ding, und das ist das Metall, hat der Große Geist in die Erde roh gelegt, und wir müssen es zuvor backen, bevor wir es nützlich gebrauchen können. Und solches dürfen wir darum tun, weil es uns der Große Geist selbst gelehrt hat. Ebenso können wir auch nach seinem Willen einige Früchte am Feuer zum leichteren Genusse erweichen und dürfen die Äste der Bäume behauen zu unseren Wirtschaftsgebäuden solches alles lehrte Er uns selbst.

09] Aber daß wir einem Ding eine andere Farbe geben sollen und anderen Glanz, solches hat Er uns nie gelehrt. Daher ist es auch für den ein großer Frevel gegen den Großen Geist, der das Weiße möchte rot, das Grüne schwarz und das Blaue gelb und also auch umgekehrt färben.

10] Wir aber sind untereinander nichts denn einerlei Brüder und Schwestern im Großen Geiste; da darin kein Unterschied ist und wir alle gleich sind vor ihm, warum sollen wir uns unterscheiden in der Farbe unseres Gewandes?

11] Also sei die Gürteljacke um unsere Lenden, welche bis an die Knie reicht, allzeit blau, wie die Wolle von Natur aus blau ist, die wir dazu verwenden. Unser Oberleibmantel aber sei rot, wie da ist die Mähne des Tieres, daraus er verfertigt wird. Unser Hut habe die Farbe des Strohes, daraus er verfertigt wird. Und unsere Kniemäntel seien allzeit grün, wie die Wolle des Baumes und der Pflanzen ist, aus der sie verfertigt werden.

12] Die Frauen aber sollen ebenfalls unwandelbar verbleiben bei ihrem weiten blauen Hemde und sollen fortwährend zu ihren Oberkleidern die schönen Blätter unseres Wohnbaumes benützen und können gebrauchen zu ihrer Zierde noch so manches, was der Große Geist für sie sowohl auf Bäumen, als auch auf Gesträuchen und auf den Tieren wachsen läßt. Ferne jedoch sei von ihnen die übertriebene Prachtliebe der Frauen, die an großen Flüssen und Seen wohnen und eine große Freude daran haben, daß sie ihren verweichlichten Leib mit allerlei Flitterwerk behängen.

13] Unsere Pflicht auf den geheiligten Bergen sei, daß wir in allein standhaft sind und treu dem Willen des Großen Geistes.«

14] Sehet, das ist eine der längsten Hausregeln bezüglich der Verfertigung der Kleiderstoffe und der Kleider selbst, sowie bezüglich der Art, wie dieselben zu tragen sind.

15] Auch mit diesen Kleiderstoffen sind die Gebirgsbewohner gleicherweise freigebig wie mit allem Übrigen. Kommt von irgendwoher ein fast ganz nackter Mensch, so gilt dessen Nacktheit schon für ein sicheres Zeugnis des Großen Geistes, daß jeder, der vorrätige Kleider hat, den Nackten sogleich zu bekleiden hat. Wer sich solches zu tun weigern würde, dem steht, wie auf kein anderes Vergehen, eine Verbannung auf ein, zwei bis drei Jahre bevor, damit er in solcher Einsamkeit erkennen lerne, wie weh es tut, wenn man nackt herumirren muß.


16] Ihr werdet euch vielleicht denken, wie kann da ein Mensch in ein, zwei oder drei Jahren seine Kleider bis zur Nacktheit zerreißen? Da erinnere Ich euch nur daran, daß ein Saturnjahr nahe dreißig Erdjahre dauert. Wenn ihr das bei der obengenannten ein, zwei- oder dreijährigen Verbannung mit in den Anschlag bringet, so dürfte es euch wohl klar sein, daß in solcher Zeit ein Kleidungsstück nicht mehr heil und schön aussehen dürfte, wenn es Tag und Nacht getragen wird.

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