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Kapitelinhalt 27. Kapitel: Die Saturn-Antilope Zigst oder Spitzfuß. Ihr Daseinszweck -Schöpfungswinke. Wozu Jagd auf das Zigst? Geheimmittelschwindel.

Originaltext 1. Auflage 1855 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text, Verseinteilung und Überschriften nach 4. Auflage 1969 Lorber-Verlag

01] Zigst oder nach eurer Erdsprache, die ihr sprechet, Spitz- oder Stechfuß, ist dasjenige Thier, das wir so eben betrachten wollen, und das nur diesem Planeten ganz allein eigenthümlich ist. Dieses Thier steht in diesem Planeten Saturnus ungefähr auf derjenigen Stufe, als die Antilope auf eurer Erde; denn es bewohnt auch dieses Zigst im Saturnus nur die höchsten Gebirge.

02] Warum wird es denn eigentlich der Spitzfuß genannt? Ihr müßt euch nicht denken, als hätte dieses Thier etwa gar vier spitzige Spieße an der Stelle der eigentlichen gegliederten Füße; sondern darum wird es der Spitzfuß genannt, weil die Vorderfüße dieses Thieres in der Gegend des gewöhnlichen Gliedes über den Klauen gar kein Glied haben, - sondern ein gerade ausgehendes Horn, welches nach unten zu ziemlich zugespitzt ist, gehet alsogleich als eine ganze feste Klaue von der Kniegegend fort aus, die Hinterbeine aber hat es regelmäßig gleich einem andern Thiere; nur sind die Klauen nicht gespalten und ebenfalls ziemlich spitzig.

03] Das wäre nun die Ursache des Namens dieses Thieres. Wie sieht es denn sonst aus? Auf eurer Erde giebt es unter den größeren Thieren durchaus kein ähnliches Exemplar, wohl aber unter den kleineren. Sonach ist der Mittelleib vollkommen dem Leibe einer euch wohlbekannten Fischotter ähnlich. Der Schweif dieses Thieres aber wieder dem Schweife des Ochsen; der Hals und der Kopf haben eine ziemliche Ähnlichkeit mit dem Halse und Kopfe eines Tigers, nur ist das Gebiß nicht dem Gebisse eines Tigers, sondern dem der grasfressenden Thiere ähnlich.

04] Auf dem Scheitel des Kopfes aber hat es ein einzelnes etwas nach rückwärts gebogenes Horn; und also wäre die Gestalt dieses Thieres bis auf seine Größe und Farbe dargethan.

05] Wie groß ist aber dieses Thier? Wenn ihr dessen Größe nach irdischem Maßstabe bemessen würdet, da hätte die Erde wirklich nicht ein Beispiel von einem Thiere aufzuweisen, das diesem Spitzfuße an der Größe gleich käme; aber auf unserem Planeten, allda alle Verhältnisse um's Hundertfache, und manchesmal um sehr Vieles darüber gesteigert sind, gehöret unser Spitzfuß nur den kleineren Thieren dieses Planeten an; denn es hat in Allem kaum 1/3 der Größe von dem vorgehenden Thiere, das wir als den Löwen dieses Planeten haben kennen gelernt. Aus dem Grunde ist es auch jedem Saturnusbewohner ein Leichtes, ein solches Thier, wenn er es gefangen hat, auf seinem Rücken nach Hause zu tragen.

06] Was hat es denn für eine Farbe? Die Hauptfarbe ist blendend weiß, vom Kopfe aber angefangen bis zum Schweife hin zieht sich ein hellblauer verhältnißmäßig breiter Streifen, gegen den Bauch hin ist dieses Thier goldgelb, die Füße gehen nahe ins Röthliche über, - bis auf die Spitzklauen, welche ganz vollkommen schwarz sind, also wie auch das Horn auf dem Kopfe. Der Hals, d. h. der untere Theil desselben, aber ist vom Unterkiefer angefangen bis zur Brust hin gestreift, und zwar mit Streifen von dunkelrother Farbe.

07] Jetzt habt ihr die ganze Gestalt dieses Thieres, welches in dieser Art und Form auf keinem Planeten wieder vorkommt. Was ist aber die Tauglichkeit dieses Thieres? Was ist dessen Nahrung, und wird es auch häufig gefangen von den Saturnusbewohnern?

08] Was die Tauglichkeit betrifft, so ist diese für den Saturnusbewohner eben so wenig von einem Anbelange, als die Tauglichkeit einer Gemse oder einer Antilope bei euch Erdbewohnern. Dessen ungeachtet aber hat es dennoch in der Ordnung der Dinge seinen gehörigen Platz, den es unbewußt nutzwirkend ausfüllet. Wer aber sieht die Tauglichkeit einer Gemse bei euch ein; wer kann da einen Grund aufstellen, warum dieses Thier auf den Felsenspitzen herumspringt? Wer es aber glauben will, dem will Ich auch den Grund kundgeben.

09] Ihr wißt, daß auf den hohen Gebirgen eurer Erde zur Auflösung des Gesteins allerlei Moos und Pflanzen wachsen; ihr wißt auch, daß sowohl die Moos- als die Pflanzengattungen nichts als Produkte geistiger Potenzen und geistiger Intelligenzen sind. Wenn sie aber solche Produkte sind, so ist es ja auch ersichtlich klar, daß sich in ihnen irgend ein intelligentes Leben hat zu äußeren angefangen. Wenn sich aber ein Leben einmal äußert, so äußert es sich nicht, um wieder in den Tod zurückzusinken, sondern nur darum, daß es sich in einer Form ausbildend kräftige, um dann die Form zu verlassen und in eine höhere Form überzugehen;

10] welche Leben äußernde Form aber stehet da auf einer Alpe über die klein belebten Formen des Mooses, des Grases und der sonstigen Alpenpflanzen? - Hier sehet unsere Alpenthiere an; das sind die höheren lebendigen Formen, in welche das Pflanzenleben solcher Hochgebirge übergeht.

11] Daß dieses eine vollkommene Richtigkeit ist, könnt ihr ja daraus leicht ersehen, daß das Leben von diesen Thieren eben dadurch erhalten wird, so sie das Leben der Pflanzen in sich aufnehmen; und demnach heißt: nähren von einer dem Wesen des Thieres zusagenden Kost nichts anderes, als das zerstreute Leben der kleineren unteren Potenzen in sich aufnehmen und vereinigen zu einem vollkommneren Leben, oder für euch noch verständlicher gesprochen:

12] Sich nähren heißt, das von Mir immerwährend ausgehende Leben als in ein Gefäß ansammelnd aufnehmen, damit es von Stufe zu Stufe intensiver und vollkommener wird auf dem Rückwege zur Urquelle, da es dereinst ausgegangen ist.

13] Wenn ihr nun dieses bereits Gesagte nur einiger Maßen begreifet, so geht mit diesem Begriffe auch ganz ungehindert auf unser Saturnusthier über; übertraget auf diesen Spitzfuß dieselbe Tauglichkeit, und ihr habt dann alles, was ihr zu wissen braucht, über diesen Punkt nämlich, was die Tauglichkeit dieses Thieres betrifft.

14] Nun hätten wir noch eine Frage zu beantworten übrig, nämlich, ob dieses Thier von den Saturnusbewohnern auch gefangen wird? Darauf sage Ich, daß sehr kühne Saturnusbewohner wohl nicht selten auf die Jagd dieses Thieres ausgehen, aber nur höchst selten eines fangen; denn dieses Thier ist so geschickt in Erklimmung der höchsten Felsenspitzen dieses Planeten, daß da kein Saturnusbewohner einem solchen Thiere nachzukommen mehr im Stande ist. Vermöge seiner zugespitzten Klauen kann dieses Thier auf einer eurer flachen Hand gleich großen Fläche vollkommen stehen; wo aber einmal die Felsen in solche zu schroffe Spitzen zusammenlaufen, da höret für unsere großen Saturnusmenschen auch alle Möglichkeit auf, ihre Jagd auf ein solches Thier weiter fortzusetzen.

15] Wenn sich, was höchst selten der Fall ist, ein solches Thier von einer hohen und steilen Felsenspitze herabstürzt, und zufolge dieses Sturzes einen unglücklichen Fall macht, und dazu auf einen solchen Platz fällt, den noch ein Saturnusbewohner erreichen kann, so ist der Fang eines solchen Thieres, aber natürlicher Weise nur im todten Zustande, möglich. Lebend aber hat noch nie ein Saturnusbewohner ein solches Thier gefangen.

16] Ihr werdet da wohl auch selbst fragen: Ja, wenn dieses Thier so schwer zu fangen ist, warum geben sich denn die Saturnusbewohner so viele Mühe, um eines solchen habhaft zu werden? Sehet, dazu treibt die Saturnusbewohner eine Art Aberglaube, aber dieser Aberglaube gehört nach eueren Begriffen in das sogenannte quacksalberische medicinische Fach; denn die Saturnusbewohner sind der Meinung: Weil dieses Thier die allerkräftigsten und wohlriechendsten Kräuter genießt, so ist dessen Fleisch also etwas Gesundes, daß derjenige, der davon nur etwas Weniges genossen hat, nimmermehr zu sterben vermöchte. Das also ist der Grund, warum dieses Thier so fleißig gejagt, aber nur höchst selten gefangen wird oder werden kann;

17] es geht aber den Saturnusbewohnern mit diesem medicinischen Glauben nicht viel besser, als so manchen Menschen auf dieser Erde, welche auch allerlei Mittel kennen, wodurch sie das Leben des Leibes zu verewigen glauben; die Erfahrung aber belehret sie doch tagtäglich, daß der Tod der der Materie durchaus nicht abgehalten werden kann. -

18] Was thuen aber solche Menschen trotz der täglichen Erfahrung, die ihre Mittel fortwährend zu schanden macht? Sie thun ein solches Mittel in ein außerordentlich geheimnißvolles Fach ihrer belebenden Wissenschaft und sagen: Dieses Mittel muß genau um Mitternacht eingenommen werden, und zwar in der höchst genau vorgeschriebenen Portion; ein tausendstel Gran darunter oder darüber macht das Mittel unwirksam.

19] Reicht dieser medicinisch pfiffige Weisheitskniff nicht aus, so wird, um die Sache noch verwickelter und schwerer zu treffen zu machen, zum Einflusse der Gestirne die Zuflucht genommen. Wo dann ein solcher mystischer Lebensmediciner mit großer, höchst unverständiger Beredtsamkeit darthut, wie da der Mond stehen, in welchem Viertel, in welchem Zeichen die Sonne übergehen muß, und das zwar gerade um die Mitternacht. Wenn z. B. die Sonne gerade um Mitternacht nicht in das Zeichen des Löwen und der Mond nicht in das Zeichen des Steiubocks, ein anderer Planet nicht in dieses, oder wieder ein anderer Planet nicht in ein anderes Zeichen zur nämlichen Zeit übergeht, so ist das ewige Lebensmittel ohne Kraft und Wirkung.

20] Leichtgläubige Menschen glauben dann solchen mystischen Weisheitspredigern, und kaufen sich stets zu einem hohen Preise ein solches ewiges Lebensmittel, und schauen sich hernach im Besitze dieses Mittels in den Kalendern fast zu Tode, wenn der Mond, die Sonne und alle übrigen Planeten gerade um die Mitternacht in die vorbestimmten Zeichen übergehen würden. Da aber, was ihr auch ohne tiefe mathematische Kenntnisse leicht einsehet, diese astronomischen und astrologischen Zeichenstand- und Uebergangs-Verhältnisse wohl entweder gar nie, oder vielleicht höchstens nur in einer oder mehreren Millionen von Jahren einmal annähernd eintreffen können, so sieht sich nach der mystisch-klugen Speculation eines solchen ewigen Lebensbringers die Wirkung solcher außerordentlicher Mittel so gut wie von selbst aus; er aber bleibt unverantwortlich, weil er immer sagen kann, es sind ja nicht alle Umstände eingetroffen.

21] Sehet, gerade also wird in unserem Saturnus das Fleisch dieses Thieres benützt; nur sagen da die Saturnus-Lebensärzte: Wenn ein solches Mittel nicht die bedungene Wirkung hervorgebracht hat, daß von dem Menschen, der ein solches Mittel gebraucht hat, eine große Unvorsichtigkeit dadurch begangen wurde, wenn er das Mittel etwa nicht in der Schattenzeit des Ringes, sondern im Sonnenlichte eingenommen habe; bei welcher Gelegenheit es dann ohne Wirkung sein muß.

22] Sagt aber ein Verwandter des Verstorbenen einem solchen Lebensbringer, daß der Verstorbene das Mittel wohl unter dem Schatten des Ringes eingenommen habe, so fragt ihn der Mediciner gleich, wie bei dieser Gelegenheit die Monde gestanden sind? Kann der Befragte darüber die Auskunft ertheilen, so wird natürlich der Stand der Monde vom Lebensbringer allzeit als seinem Mittel höchst nachtheilig mit großer Beredtsamkeit erklärt. Weiß aber der Befragte darüber keinen Bescheid zu geben, so ist das ohnehin das beste Wasser auf die Mühle unsers ewigen Lebensbringers.

23] Manchsmal geschieht es aber auch, daß ein Verwandter eines solchen an einem ewigen Lebensmittel verstorbenen Menschen zu einem andern ewigen Lebensbringer fragen geht, warum dieses Mittel schon wieder fehlgeschlagen habe? Da könnt ihr euch schon von selbst denken, welche Auskunft ihm dieser andere Lebensbringer über das verunglückte Heilmittel seines Collegen ertheilen wird; nämlich keine andere, als daß er sagt: Warum seid ihr nicht zu mir gekommen? Denn es ist ja bekannt, daß sich dieser Mensch mit falschen Mitteln abgiebt; und um den andern zu überzeugen, daß das Mittel sicher muß falsch gewesen sein, zeigt er ihm sogleich ein anderes gefärbtes Mittel, und das ist für den Fragesteller genug, um einzusehen, warum das Mittel des andern nichts gefruchtet habe.

24] Bei solchen Gelegenheiten geht dann ein solcher Verwandter des Verstorbenen nicht selten auch wieder zu demjenigen Lebensbringer zurück, den er als einen Betrüger ansieht. Wie zieht sich aber dann dieser aus der Schlinge? Der führt unseren Rechenschaftsforderer alsogleich zu einem gleichgesinnten und gleichunterrichteten Nachbarn, und sagt dann zu ihm, nämlich zu dem Rechenschaftsforderer: Siehe, dieser und dieser und dieser haben mein Mittel gerecht gebraucht, frage sie, wie alt sie schon sind. Wenn nun der also Aufgeforderte einen oder den andern um sein Alter fragt, so bekommt er gewöhnlich eine also hochalterliche Antwort, daß ihm darob das Hören und Sehen vergeht. Gewöhnlich aber sagen solche nach dem Alter Gefragte nie die Zahl der Jahre an, sondern sie führen gewöhnlich außerordentliche Facta, die sie alle schon erlebt hatten, als Beweis ihres Alters an. So sagt z. B. Einer, er wisse noch gar gut, daß dieser oder jener hohe Berg noch gar nicht bestanden ist. Ein Anderer zeigt wieder auf den lichten weißen Streifen über dem Himmel und und sagt, er habe gesehen, wie dieser Ring von dem großen Geiste ist über das Firmament gespannt worden. Ein Dritter weiß noch die Zeit gar gut, wo noch kein Mond am Firmamente sich befand; und so weiß Einer um den Andern einen bessern Grund seines Alters, denn sein Vorgänger anzugeben. Wenn dann unser Rechenschaftsforderer mehrere solche Aussagen vernommen hatte, dann giebt er sich gewöhnlich zufrieden, und kauft noch oben darauf vom Doctor, der nicht jünger ist, als seine Nachbarn, ein solches Mittel und geht damit vergnügt nach Hause.

25] Sehet, das ist nun Alles, was sich bei der Gelegenheit der Betrachtung dieses Thieres kundgeben läßt. Daher wollen wir uns auch von diesem Thiere zu noch einem nicht zahmen Thiere dieses Weltkörpers wenden, und sodann auf einige zahme Haustiere übergehen.

01] Zigst, oder nach eurer Erdsprache der Spitz- oder Stechfuß, heißt das Tier, das wir nunmehr betrachten wollen und das nur diesem Planeten ganz allein eigentümlich ist. Dieses Tier steht in dem Planeten Saturn ungefähr auf derselben Stufe wie die Antilope auf eurer Erde. Es bewohnt im Saturn nur die höchsten Gebirge.


02] Warum wird es eigentlich der »Spitzfuß« genannt? Ihr müßt euch nicht denken, als hätte dieses Tier etwa vier spitzige Spieße an der Stelle der eigentlichen gegliederten Füße. Es wird darum der »Spitzfuß« genannt, weil die Vorderfüße in der Gegend des gewöhnlichen Gliedes über den Klauen gar kein Glied haben, sondern ein geradeausgehendes Horn, welches nach unten zu ziemlich zugespitzt ist. Dieses geht sogleich als eine ganz feste Klaue von der Kniegegend aus. Die Hinterbeine aber hat das Zigst regelmäßig gleich einem andern Tier; nur sind die Klauen nicht gespalten sondern ebenfalls ziemlich spitzig.

03] Das wäre nun der Grund des Namens dieses Tieres. Wie sieht es denn sonst aus? Auf eurer Erde gibt es unter den größeren Tieren durchaus kein ähnliches Exemplar, wohl aber unter den kleineren. So ist der Mittelleib vollkommen dem Leibe einer euch wohlbekannten Fischotter ähnlich; der Schweif dieses Tieres aber dem Schweif eines Ochsen. Der Hals und der Kopf haben eine ziemliche Ähnlichkeit mit dem eines Tigers; nur ist das Gebiß nicht dem Gebiß eines Tigers, sondern dem der grasfressenden Tiere ähnlich.


04] Auf dem Scheitel des Kopfes hat es ein einzelnes, etwas nach rückwärts gebogenes Horn. Und so wäre die Gestalt dieses Tieres bis auf seine Größe und Farbe beschrieben.

05] Wie groß ist aber dieses Tier? Wenn ihr dessen Größe nach irdischem Maßstab bemessen würdet, dann hätte die Erde wirklich kein Beispiel eines Tieres aufzuweisen, das diesem Spitzfuß gleich käme. Aber auf unserem Saturn, wo alle Verhältnisse ums Hundertfache und manchmal um sehr vieles darüber gesteigert sind, gehört unser Spitzfuß nur zu den kleineren Tieren dieses Planeten; denn es hat in allem kaum ein Drittel der Größe des vorhergehenden Tieres, das wir als den Löwen dieses Planeten kennengelernt haben. Aus diesem Grunde ist es auch jedem Saturnbewohner ein leichtes, ein solches Tier, wenn er es gefangen hat, auf seinem Rücken nach Hause zu tragen.

06] Was hat es denn für eine Farbe? Die Hauptfarbe ist blendend weiß, aber vom Kopf angefangen bis zum Schweif hin zieht sich ein hellblauer, verhältnismäßig breiter Streifen. Gegen den Bauch hin ist dieses Tier goldgelb, die Füße gehen nahe ins Rötliche über bis auf die Spitzklauen, welche ganz vollkommen schwarz sind, so wie auch das Horn auf dem Kopf. Der Hals, das heißt der untere Teil desselben, ist vom Unterkiefer angefangen bis zur Brust hin gestreift, und zwar mit Streifen von dunkelroter Farbe.

07] Jetzt habt ihr die ganze Gestalt dieses Tieres, welches in dieser Art und Form auf keinem Planeten wieder vorkommt. Was ist aber die Tauglichkeit dieses Tieres? Was ist dessen Nahrung? Und wird es auch häufig gefangen von den Saturnbewohnern?

08] Was die Tauglichkeit betrifft, so ist diese für den Saturnbewohner ebensowenig von Belang wie die einer Gemse oder einer Antilope bei euch Erdbewohnern. Dessenungeachtet aber hat es dennoch in der Ordnung der Dinge seinen gehörigen Platz, den es unbewußt nutzwirkend ausfüllt. Wer sieht die Tauglichkeit einer Gemse bei euch ein; wer kann einen Grund aufzeigen, warum dieses Tier auf den Felsenspitzen herumsteigt? Wer es aber glauben will, dem will Ich den Grund kundgeben.

09] Ihr wisset, daß auf den hohen Gebirgen eurer Erde zur Auflösung des Gesteins allerlei Moos und Pflanzen wachsen. Ihr wisset auch, daß sowohl die Moos- als die Pflanzengattungen nichts als Produkte geistiger Potenzen und geistiger Intelligenzen sind. Wenn sie aber solche Produkte sind, so ist es ja auch ersichtlich klar, daß sich in ihnen irgendein intelligentes Leben zu äußern angefangen hat. Wenn sich aber ein Leben einmal äußert, so äußert es sich nicht, um wieder in den Tod zurückzusinken, sondern nur darum, daß es sich in einer Form ausbildend kräftige, um dann die Form zu verlassen und in eine höhere überzugehen.

10] Welche lebenäußernde Form aber steht da auf einer Alpe über den kleinbelebten Formen des Mooses, des Grases und der sonstigen Alpenpflanzen? Hier seht unsere Alpentiere an! Das sind die höheren lebendigen Formen; in welche das Pflanzenleben solcher Hochgebirge übergeht.

11] Daß dieses seine vollkommene Richtigkeit hat, könnt ihr ja daraus leicht ersehen, daß das Leben dieser Tiere eben dadurch erhalten wird, daß sie das Leben der Pflanzen in sich aufnehmen. Und demnach heißt: Sich nähren von einer dem Wesen des Tieres zusagenden Kost nichts anderes, als das zerstreute Leben der kleineren, unteren Potenzen in sich aufnehmen und es vereinigen zu einem vollkommeneren Leben. Oder für euch noch verständlicher gesprochen :

12] Sich nähren heißt, das von Mir immerwährend ausgehende Leben in ein Gefäß ansammeln und aufnehmen, damit es von Stufe zu Stufe kräftiger und vollkommener werde auf dem Rückweg zur Urquelle, von da es dereinst ausgegangen ist.

13] Wenn ihr nun dieses Gesagte nur einigermaßen begreifet, so geht mit diesem Begriff auch ganz ungehindert auf unser Saturntier über! Übertraget auf diesen »Spitzfuß« dieselbe Tauglichkeit und ihr habt dann alles, was ihr über diesen Punkt zu wissen braucht.

14] Nun hätten wir noch eine Frage zu beantworten, nämlich ob dieses Tier von den Saturnbewohnern auch gefangen wird? Darauf sage Ich, daß sehr kühne Saturnbewohner wohl des öfteren auf die Jagd dieses Tieres ausgehen, aber nur höchst selten eines fangen. Denn dieses Tier ist so geschickt in der Erklimmung der höchsten Felsenspitzen dieses Planeten, daß kein Saturnbewohner einem solchen Tier nachzukommen imstande ist. Vermöge seiner zugespitzten Klauen kann es auf einer handgroßen Fläche vollkommen stehen. Wo aber einmal die Felsen in solche zu schroffe Spitzen zusammenlaufen, da hört für unsere großen Saturnmenschen auch alle Möglichkeit auf, ihre Jagd auf ein solches Tier weiter fortzusetzen.


15] Wenn ein solches Tier, was höchst selten der Fall ist, von einer hohen und steilen Felsenspitze herabstürzt und einen unglücklichen Fall macht auf einen Platz, den noch ein Saturnbewohner erreichen kann, so ist der Fang eines solchen Tieres, aber natürlicherweise nur im toten Zustand, möglich. Lebend aber hat noch nie ein Saturnbewohner einen solchen »Spitzfuß« gefangen.

16] Ihr werdet da wohl fragen: Ja, wenn dieses Tier so schwer zu fangen ist, warum geben sich denn die Saturnbewohner so viele Mühe, eines solchen habhaft zu werden? Sehet, dazu treibt die Saturnbewohner eine Art Aberglaube. Aber dieser Aberglaube gehört nach euren Begriffen in das sogenannte quacksalberische medizinische Fach. Die Saturnbewohner sind der Meinung: Weil dieses Tier die allerkräftigsten und wohlriechendsten Kräuter genießt, so ist dessen Fleisch etwas so Gesundes, daß derjenige, der davon nur etwas weniges genossen hat, nimmermehr zu sterben vermöchte.


17] Es geht aber den Saturnbewohnern mit diesem medizinischen Glauben nicht viel besser als so manchen Menschen auf dieser Erde, welche auch allerlei Mittel kennen, wodurch sie das Leben des Leibes zu verewigen glauben; die Erfahrung aber belehrt sie doch tagtäglich, daß der Tod des Körpers durchaus nicht aufgehalten werden kann.

18] Was tun aber solche Menschen trotz der täglichen Erfahrung die ihre Mittel fortwährend wirkungslos zeigt? Sie tun ein solches Mittel in ein außerordentlich geheimnisvolles Fach ihrer belebenden Wissenschaft und sagen: Dieses Mittel muß genau um Mitternacht eingenommen werden, und zwar in der höchst genau vorgeschriebenen Portion. Ein tausendstel Gran darunter oder darüber macht das Mittel unwirksam.

19] Reicht dieser pfiffige medizinische Weisheitskniff nicht aus so wird, um die Sache noch verwickelter zu machen, zum Einfluß der Gestirne die Zuflucht genommen. Da tut dann ein solcher mystischer Lebensmediziner mit großer, höchstunverständlicher Beredsamkeit dar, wie dabei der Mond stehen, in welchem Viertel, in welches Zeichen die Sonne übergehen muß, und das zwar gerade um die Mitternacht. Wenn z.B. die Sonne gerade um Mitternacht nicht in das Zeichen des Löwen und der Mond nicht in das Zeichen des Steinbocks, ein anderer Planet nicht in dieses oder wieder ein anderer Planet nicht in ein anderes Zeichen zur nämlichen Zeit übergeht so ist das Ewige Lebensmittel ohne Kraft und Wirkung.

20] Leichtgläubige Menschen glauben dann solchen mystischen Weisheitspredigern und kaufen sich stets zu einem hohen Preis ein solches ewiges Lebensmittel. Im Besitz dieses Mittels schauen sie sich hernach in den Kalendern fast zu Tode, wann der Mond, die Sonne und alle übrigen Planeten gerade um die Mitternacht in die vorbestimmten Zeichen übergehen würden. Da aber, was ihr auch ohne tiefe mathematische Kenntnisse leicht einsehet, diese astronomischen und astrologischen Zeichenstands- und Übergangsverhältnisse wohl entweder gar nie oder vielleicht höchstens nur in einer oder mehreren Millionen von Jahren einmal annähernd eintreffen können, so hebt sich nach der mystisch-klugen Spekulation eines solchen ewigen Lebensbringers die Wirkung solcher außerordentlicher Mittel so gut wie von selbst auf. Der Verkäufer aber bleibt unverantwortlich, weil er immer sagen kann, es sind ja nicht alle Umstände eingetroffen.

21] Gerade also wird in unserem Saturn das Fleisch dieses Tieres benützt. Nur sagen da die Saturn-Lebensärzte, wenn ein solches Mittel nicht die bedungene Wirkung hervorgebracht hat, daß von dem Menschen, der ein solches Mittel gebraucht hat, eine große Unvorsichtigkeit dadurch begangen worden sei, daß er das Mittel etwa nicht in der Schattenzeit des Ringes, sondern im Sonnenlichte eingenommen habe, bei welchem Umstand es ohne Wirkung sein müsse.

22] Sagt aber ein Verwandter des Verstorbenen einem solchen Lebensbringer, daß der Verstorbene das Mittel wohl unter dem Schatten des Ringes eingenommen habe, so fragt ihn der Mediziner gleich, wie bei dieser Gelegenheit die Monde gestanden sind? Kann der Befragte darüber die Auskunft erteilen, so wird natürlich der Stand der Monde vom Lebensbringer allzeit als seinem Mittel höchst nachteilig mit großer Beredsamkeit erklärt. Weiß aber der Befragte darüber keinen Bescheid zu geben, so ist das ohnehin das beste Wasser auf die Mühle unseres ewiges Lebensbringers.

23] Manchmal geschieht es aber auch, daß ein Verwandter eines solchen an einem ewigen Lebensmittel verstorbenen Menschen zu einem andern ewigen Lebensbringer fragen geht, warum dieses Mittel schon wieder fehlgeschlagen habe? Da könnt ihr euch schon von selbst denken, welche Auskunft ihm dieser andere Lebensbringer über das untaugliche Heilmittel seines Kollegen erteilen wird; nämlich keine andere, als daß er sagt: »Warum seid ihr nicht zu mir gekommen? Denn es ist ja bekannt, daß sich dieser Mensch mit falschen Mitteln abgibt!« Und um den andern zu überzeugen, daß das Mittel sicher falsch gewesen sein muß, zeigt er ihm sogleich ein anders gefärbtes Mittel, und das ist für den Fragesteller genug, um einzusehen, warum das Mittel des andern nichts gefruchtet habe.

24] Bei diesen Gelegenheiten geht dann ein solcher Verwandter des Verstorbenen nicht selten auch wieder zu demjenigen Lebensbringer zurück, den er nun als einen Betrüger ansieht. Wie zieht sich aber dann dieser aus der Schlinge? Der führt unseren Rechenschaftsforderer sogleich zu einem gleichgesinnten und gleichunterrichteten Nachbarn und sagt zu dem Rechenschaftsforderer: »Siehe, dieser und dieser haben mein Mittel gerecht gebraucht, frage sie, wie alt sie schon sind!« Wenn nun der also Aufgeforderte einen oder den andern um sein Alter fragt, so bekommt er gewöhnlich eine so »hochalterliche« Antwort, daß ihm darob das Hören und Sehen vergeht. Gewöhnlich aber sagen solche nach dem Alter Gefragte nie die Zahl der Jahre, sondern sie führen außerordentliche Fakta, die sie alle schon erlebt haben, als Beweis ihres Alters an. So sagt z.B. einer, er wisse noch gar gut, daß dieser oder jener hohe Berg noch gar nicht bestanden habe. Ein anderer zeigt wieder auf den lichten weißen Streifen über dem Himmel und sagt, er habe gesehen, wie dieser Ring von dem Großen Geist über das Firmament gespannt worden sei. Ein Dritter weiß noch die Zeit gar gut, wo noch kein Mond sich am Firmament befand. Und so weiß einer um den andern einen bessern Grund seines Alters als sein Vorgänger anzugeben. Wenn dann unser Rechenschaftsforderer mehrere solche Aussagen vernommen hat, dann gibt er sich gewöhnlich zufrieden und kauft noch obendrauf vom Doktor, der nicht jünger ist als seine Nachbarn, ein solches Mittel und geht damit vergnügt nach Hause.

25] Sehet, das ist nun alles, was sich bei Gelegenheit der Betrachtung dieses Tieres kundgeben läßt. Daher wollen wir uns auch von diesem Tier noch zu einem andern nichtzahmen Tier dieses Weltkörpers wenden und sodann auf einige zahme Haustiere übergehen.

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