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Kapitelinhalt 16. Kapitel: Die riesenhafte, leuchtende Strahlenschnecke. Ihr Auftauchen bei Meeresstürmen.

Originaltext 1. Auflage 1855 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text, Verseinteilung und Überschriften nach 4. Auflage 1969 Lorber-Verlag

01] Was die Schnecke Nr. 5 betrifft, so ist das die letzte der Schneckenordnung nach, zugleich auch die größte und in einer Hinsicht die merkwürdigste. Diese Schnecke hat den Namen: die Strahlenschnecke; sie ist die größte aus all' den Schnecken, welche auf diesem Planeten vorkommen, aber zugleich auch die seltenste; denn sie wird von den Bewohnern dieses Planeten nur vor den größten, euch schon bekannt gegebenen Seestürmen gesehen. Ihre Gestalt ist an und für sich das Großartigste, was ihr euch denken könnet. Auf euerem Erdkörper gibt es wohl nichts Aehnliches, um damit eine annähernde Vergleichung machen zu können.

02] Um euch aber doch einen Begriff davon zu machen, so denket euch ungefähr einen großen geschliffenen Brillanten; denn also kantig ist diese Schnecke auf der Oberfläche flacher, und auf dem untern Theile zugespitzter. Die Kanten, deren die Oberfläche allein mehrere Tausende in der schönsten Ordnung sich in lauter Dreiecken durchziehend besitzt, sehen aus, als wie halbklafterweite polirt goldene Streifen, welche allzeit eine vollkommen regelmäßig dreieckige Fläche einschließen oder vielmehr einfassen. Die dreieckige Tafel ist so groß, daß eine jede Seite bei 3 Klafter mißt, und ist keine größer und keine kleiner; nur zu oberst der Schnecke befindet sich eine größere Fläche, welche aber nicht mehr dreieckig, sondern 32eckig ist, und vollkommen ähnlich sieht einer sogenannten Windrose bei euch, welche in ihren äußeren Enden eben auch mit den breiten Goldstreifen umfasset ist. Diese Tafeln sind also durchsichtig, wie ein geschliffener Diamant bei euch, und auch nicht minder fest. Der Unterschied besteht nur darinnen, daß alle diese Flächen das Vermögen haben, das Licht der Sonne und der Gestirne einzusaugen, und es dann in den verschiedensten Strahlenbrechungen zur dunkler gewordenen Nachtzeit wiederstrahlen zu lassen.

03] Wie groß ist denn eigentlich diese Schnecke? - Wenn sie auf dem Meere daherschwimmt, so wäre auf ihrer Oberfläche wohl Raum genug, um alle Häuser eurer Hauptstadt auf dieselbe zu setzen, mit dem Beibehalte der Gassen und Plätze. Die Schale ist durchgehends bei 10 Klafter dick, und hat von der Oberfläche bis zur untern Spitze einen Durchmesser von 300 Klaftern; was aber den Durchmesser der Breite dieser Schnecke anbelangt, so beträgt derselbe nicht selten über eine deutsche Meile. Die Mündung dieser Schnecke, welche etwas länglicht rund ist, hat einen Durchmesser von 70 Klaftern; durch diese Mündung streckt diese Schnecke ihren massiven Kopf, der dem Kopfe eines Wallrosses nicht unähnlich ist, oft alsoweit über die Meeresoberfläche heraus, und zwar meistens bei Stürmen schnurgerade in die Höhe, daß sie auf eurer Erde mit großer Leichtigkeit über hohe Berge dahinsehen könnte.

04] Aber bei aller ihrer riesenhaften Größe ist diese Schnecke dessenungeachtet sehr sanfter Natur, und thut Niemanden etwas zu Leide. + Ihre Nahrung besteht in drei verschiedenen Arten. Die erste Art sind ebenfalls noch sehr große und sehr häufig im Meere vorkommende Kräuter, die zweite Art ihrer Nahrung sind große Seewürmer, und die dritte Art ihrer Nahrung sind mitunter auch Seevögel, welche zugleich ein Leckerbissen für sie sind; diese letztere Nahrung nimmt sie aber jedoch nur bei großen Stürmen zu sich, denn bei ruhigem Wetter befindet sich dieses Riesenthier gewöhnlich in der Tiefe des Meeres.

05] Diese Schnecke wird von den Saturnusbewohnern nicht gefangen; für's Erste, weil sie bei ruhiger Zeit nie an die Oberfläche des Meeres kommt, für's Zweite aber auch, weil die Schale zu schwer wäre, sie irgendwohin zu irgend einem Zwecke auf's Land bringen zu können. Diese Schnecke erlangt auch gewöhnlich ein hohes Alter, und lebt nicht selten 30 Jahre, d. h. Saturnusjahre. Wenn sie stirbt, so geht dann bald auch ihr ganzes Gehäuse aus den Fugen, und zerfällt und verwest dann mit der Zeit Alles zusammen. Das Fleisch verzehren gewöhnlich eine Art Fische, die den Haifischen in euren Meeren nicht unähnlich sind, aber noch größere Ähnlichkeit haben mit euren Krokodillen.

06] In einer dunkelen Sturmesnacht verbreitet eine solche auftauchende Schnecke nicht selten ein so starkes Licht, daß davon eine ganze Meeresgegend in einem Bereiche von 100 Quadratmeilen ganz stark erleuchtet wird. Nehmet jetzt bei einem solchen Meeressturme die vielen himmelanragenden Wasserberge, und denket euch von einer Höhe die Aussicht von mehreren 1000 Quadratmeilen über die Oberfläche des Meeres, aus welchem hie und da solche Strahlenschnecken auftauchen, so könnet ihr euch einen kleinen Begriff machen, welches Wunderschauspiel das auf diesem Planeten gewährt. Besonders imposant wird es dann, wenn mehrere solcher Schnecken gruppenweise auftauchen, ihre langen Hälse über die Oberfläche des Meeres erheben, und mit denselben nach den häufig herumfliegenden Sturmvögeln jagen; alsdann wird ein solcher Anblick für euch, und nach eurer Weise zu reden, grauenhaft-fürchterlich schön.

07] Das ist nun Alles von dieser Schnecke. Erwecket auch hier wieder ein wenig eure innere Phantasie, und ihr werdet mit Hülfe dieser getreuen Bekanntgebuug euch in eine ziemlich lebhafte Anschauung versetzen können.

08] Für ein nächstes Mal wollen wir dann zu der 3ten Gattung der Schalthiere übergehen und das zwar zu den Schildkröten, wobei ihr euch noch mehr verwundern werdet, denn bei der Darstellung und Beschreibung der Muscheln und Schnecken; und darum für diesmal Amen.

01] Was die Schnecke Nummer fünf betrifft, so ist das die letzte der Schneckenordnung nach, zugleich auch die größte und in einer Hinsicht die merkwürdigste. Diese Schnecke hat den Namen: die Strahlenschnecke. Sie wird von den Bewohnern dieses Planeten nur vor den größten, euch schon bekanntgegebenen Seestürmen gesehen. Ihre Gestalt ist das Großartigste, was ihr euch denken könnt. Auf eurem Erdkörper gibt es nichts Ähnliches, um damit einen annähernden Vergleich machen zu können.


02] Um euch aber doch einen Begriff davon zu geben, so denket euch einen großen geschliffenen Brillanten; denn so kantig ist diese Schnecke, auf der Oberfläche flacher und an dem untern Teile zugespitzter. Die Kanten, deren die Oberfläche allein mehrere Tausende in der schönsten Ordnung sich in lauter Dreiecken durchziehend besitzt, sehen aus wie halbklafterbreite, polierte, goldene Streifen, welche überall eine vollkommen regelmäßig dreieckige Fläche einschließen oder vielmehr einfassen. Die dreieckige Tafel ist so groß, daß eine jede Seite bei drei Klaftern mißt, und keine ist größer und keine kleiner. Nur zuoberst der Schnecke befindet sich eine größere Fläche, welche aber nicht mehr dreieckig, sondern zweiunddreißigeckig ist (und vollkommen ähnlich sieht einer sogenannten Windrose bei euch), welche in ihren äußeren Enden ebenfalls mit den breiten Goldstreifen umfaßt ist. Diese Tafeln sind so durchsichtig wie ein geschliffener Diamant und auch nicht minder fest. Der Unterschied besteht nur darin, daß alle diese Flächen das Vermögen haben, das Licht der Sonne und der Gestirne einzusaugen und es dann in den verschiedensten Strahlenbrechungen zur dunkler gewordenen Nachtzeit wieder ausstrahlen zu lassen.

03] Wie groß ist denn eigentlich diese Schnecke? - Wenn sie auf dem Meer daherschwimmt, wäre auf ihrer Oberfläche wohl Raum genug, um alle Häuser eurer Hauptstadt auf diese zu setzen, unter dem Beibehalt der Gassen und Plätze. Die Schale ist durchgehend bei zehn Klafter dick und hat von der Oberfläche bis zur untern Spitze einen Durchmesser von dreihundert Klaftern. Was aber den Durchmesser der Breite dieser Schnecke anbelangt, so beträgt derselbe nicht selten über eine deutsche Meile. Die Mündung dieser Schnecke, welche etwas länglichrund ist, hat einen Durchmesser von siebzig Klaftern. Durch die Öffnung streckt diese Schnecke ihren massiven Kopf, der dem Kopf eines Walrosses nicht unähnlich ist, oft so weit über die Meeresoberfläche heraus, und zwar meistens bei Stürmen schnurgerade in die Höhe, daß sie auf eurer Erde mit großer Leichtigkeit über hohe Berge hinwegsehen könnte.

04] Aber bei aller riesenhaften Größe ist diese Schnecke dessenungeachtet sehr sanfter Natur und tut niemandem etwas zuleide. - Ihre Nahrung besteht in drei verschiedenen Arten von Speisen. Die erste Art sind ebenfalls sehr große und sehr häufig im Meer vorkommende Kräuter. Die zweite Art ihrer Nahrung sind große Seewürmer. Und die dritte Art ihrer Nahrung sind mitunter auch Seevögel, welche zugleich ein Leckerbissen für sie sind. Diese letztere Nahrung nimmt sie jedoch nur bei großen Stürmen zu sich, denn bei ruhigem Wetter befindet sich dieses Riesentier gewöhnlich in der Tiefe des Meeres.

05] In einer dunklen Sturmesnacht verbreitet eine solche auftauchende Schnecke nicht selten ein so starkes Licht, daß davon eine ganze Meeresgegend in einem Bereiche von hundert Quadratmeilen ganz stark erleuchtet wird. Nehmet jetzt bei einem solchen Meeressturm die vielen himmelanragenden Wasserberge und denket euch von einer Höhe die Aussicht von mehreren tausend Quadratmeilen über die Oberfläche des Meeres, auf welcher hie und da solche Strahlenschnecken auftauchen - so könnet ihr euch einen kleinen Begriff machen, welches Wunderschauspiel das auf diesem Planeten gewährt. Besonders imposant wird es dann, wenn mehrere solcher Schnecken gruppenweise auftauchen, ihre langen Hälse über die Oberfläche des Meeres erheben und mit denselben nach den häufig herumfliegenden Sturmvögeln jagen. Alsdann wird ein solcher Anblick für euch - nach eurer Weise zu reden - grausig, fürchterlich-schön.

06] Diese Schnecke wird von den Saturnbewohnern nicht gefangen. Fürs erste, weil sie bei ruhiger Zeit nie an die Oberfläche des Meeres kommt. Fürs zweite aber auch, weil die Schale zu schwer wäre, sie irgendwohin zu einem Zweck aufs Land bringen zu können. Diese Schnecke erlangt auch gewöhnlich ein hohes Alter und lebt nicht selten dreißig Jahre, d.h. Saturnjahre. Wenn sie stirbt, geht bald auch ihr ganzes Gehäuse aus den Fugen und zerfällt und verwest mit der Zeit alles zusammen. Das Fleisch verzehren gewöhnlich eine Art Fische, die den Haifischen in euren Meeren nicht unähnlich sind, aber noch größere Ähnlichkeit haben mit euren Krokodilen.


07] Das ist nun alles von dieser Schnecke. - Erweckt auch hier wieder ein wenig eure Vorstellungskraft, und ihr werdet mit Hilfe dieser getreuen Bekanntgebung euch in eine ziemlich treffende Anschauung versetzen können.

08] Für ein nächstes Mal wollen wir dann zu der dritten Gruppe der Schaltiere übergehen, und zunächst zu den Schildkröten, [Die diesbezügliche Eröffnung ist in der vorhandenen Urschrift leider nicht enthalten, d. Ed.] wobei ihr euch noch viel mehr verwundern werdet als bei der Darstellung und Beschreibung der Muscheln und Schnecken. Und darum für diesmal Amen.

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