voriges Kapitel Jakob Lorber: 'Der Saturn' nächstes Kapitel

Kapitelinhalt 9. Kapitel: Weiteres über die Schiff-Pflanze. Die Ströme des Saturn und deren gleichmäßiger Fall. Vom Kugelschalenbau des Saturn und aller anderen Weltkörper. Formenreichtum der Schöpfung. Die vier Hauptströme des Saturn.

Originaltext 1. Auflage 1855 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text, Verseinteilung und Überschriften nach 4. Auflage 1969 Lorber-Verlag

01] Da wir nun letzthin die merkwürdige Pflanze dieses Planeten haben kennen gelernt, so bleibt uns nachträglicher Maßen von derselben nur das Wenige noch zu erwähnen übrig, wie häufig sie vorkommt, und wie viel solcher Früchte eine solche Pflanze zum Vorschein bringt.

02] Diese Pflanze kommt bei den Flüssen, Seen, und hauptsächlich an den weitgedehnten Ufern des Meeres außerordentlich häufig vor; und eine solche Pflanze bringt in einem Saturnusjahre zweimal Frucht, und das jede für sich bei 4 bis 500 Stück an der Zahl. Aber Niemand hat auf diesem Planeten, oder vielmehr eigenthümlich in diesem Lande ein verwaltendes Eigentumsrecht auf sie, sondern hier heißt es, wie bei euch ein alter Rechtsspruch lautet: ‚Primo occupanti fiat jus'. Der also einer solchen Pflanze oder mehrerer derselben benöthigt, geht hin und erntet; und soviel er geerntet hat, ist sein Eigentum, und Niemand macht ihm dasselbe streitig, und zwar aus diesem höchst moralischen Grunde, weil sich alldort Jeder für den Geringsten und Kleinsten hält, was noch ferner bei der Darstellung der Menschen näher auseinander gesetzt wird;

03] und so wollen wir nun einen Blick auf das Gewässer dieses Planeten und ganz besonders dieses Landes machen.

04] Es giebt in diesem Lande einige tausend sehr große und breite Ströme, welche fast sammt und sämmtlich in der Mitte des Landes von dem schon besprochenen höchsten Berge desselben ihren gemeinschaftlichen Ursprung nehmen. Um solche Möglichkeit aber einzusehen, müßt ihr euch den Fuß dieses Berges nicht etwa also klein denken, als wie eines auf eurer Erde; sondern ihr müßt euch denken, daß der Fuß dieses Berges nach allen seinen regelmäßigen Richtungen beinahe einen größeren Fleck bedecket, als euer ganzes Europa. Nun möget ihr allenfalls wohl begreifen, wie viel Quellen ein Riese von einem solchen Berge in sich fassen möchte.

05] Da dieser Berg bei aller seiner Höhe und Ausdehnung beinahe einen vollkommenen Kegel bildet, der nur von euch schon bekannt gegebenen hie und da hervorragenden Felsen, und auch von manchen durch die reichlichen Quellen gebildeten Gräben vereinzelt wird, so ist es auch wohl begreiflich, daß da von einem solchen Berge die da entspringenden Quellen nach allen möglichen Richtungen ihren Lauf nehmen müssen, und wenn sie die Tiefe erreicht haben, und dann wie auf eurer Erde von den bedeutend zuströmenden bedeutenden Quellen anderer Berge vergrößert werden, sie dann ruhig zuströmen dem Weltmeere. Der Unterschied zwischen den Flüssen der Erde und denen dieses Planeten besteht für's Erste darinnen, daß sie alle einen gleich schnellen Fluß oder eigentlich Fall haben, welches darinnen seinen Grund hat, weil es dort nirgend ein sogenanntes Hochland giebt; sondern es giebt alldort nur Berge, mehr oder weniger breite Thäler, und auch weitgedehnte Ebenen, welche alle sammt und sämmtlich über den Meeresspiegel fast ganz gleich erhoben sind, und die Steigung der Länder vom Meere angefangen bis zum Mittelberge hin überall gleich nur tausend Klafter ausmacht, vermöge welcher sanften Erhebung auch alle Flüsse einen gleich schnellen Fall haben müssen.

06] Aus all den vielen Flüssen und Strömen will ich euch bloß auf vier aufmerksam machen, und zwar aus dem Grunde, weil diese die größten aus allen diesen Flüssen sind, und ihren Lauf bis zum Meere hin also gerade fortführen, als wenn ihnen das Bett nach der Schnur wäre gezogen worden.

07] Da sie entspringen, sind sie schon größer denn eure Donau, da sie ins Meer mündet, und also nehmen sie denn an der Breite also beständig zu; wenn sie dann zum Meere gelangen, ist ein jeder dieser Flüsse bei 200 eurer Meilen breit; nur darinnen unterscheiden sie sich von den eurigen Flüssen und Strömen, daß ihr Bett durchaus eine gleiche Tiefe hat; darum ein solcher Strom nirgends tiefer ist oder auch seichter, wie er ist alsogleich in seinem ersten Anfange, d. h. da er den Fuß des Berges zu verlassen anfängt; denn wenn er hernach auch mehrere andere Quellen aufnimmt, so wird er dafür nur breiter, aber nie tiefer.

08] Ihr denkt euch jetzt freilich, wie ist das wohl möglich? - Und ich sage, es giebt keine leichtere Möglichkeit, wie diese; denn wenn die Unterlage ein überall durchaus gleich fortlaufender unversehrter Steinboden ist, über welchen eine gleich hohe Erdschichte gelagert ist, welche nach und nach, oder vielmehr von der Ursprünglichkeit her das Wasser hinweggeräumt hat, wie solle denn bei solchen gleichartigen Verhältnissen irgend eine Ungleichheit in der Tiefe des Strombettes Statt finden?

09] Damit ihr aber dieses euch jetzt noch etwas unscheinbare Verhältniß in Hinsicht auf die gleiche Tiefe der Flüsse desto aufmerksamer beachtet und gründlicher versteht, so ist es nöthig, auch eine kleine Erwähnung von dem zu machen, daß dieser Planet bei der allgemeinen euch bekanntgegebenen Weltenzerstörung, welche ihr bei dem Falle Adams habt kennen gelernt, insoweit, was da von ihm noch übrig ist, in seiner Urbeschaffenheit unversehrt geblieben ist, nur war er vor dieser Zeit um vieles größer.


10] Wie groß er aber war, zeigt noch sein gegenwärtiger Ring, denn des äußeren Ringes Oberfläche war zuvor die Oberfläche dieses Planeten, allein in dieser Zeit ist er gewisserart links und rechts, oder südlich und nördlich also abgeschnitten geworden, daß durch solche Abschneidung gewisserart die nördliche und südliche Kappe gleich zweien großen Hohlschalen in den unermeßlichen Weltenraum hinausgeschleudert worden sind, weil auf diesen beiden Theilen die arge Schlange auch einige reichliche böse Brut hingesetzt hat; nur der heiße Mittelstrich ist noch rein geblieben, darum er auch erhalten wurde zu einem immerwährenden Denkzeichen, daß der große Weltenbaumeister auch einen Weltkörper also erhalten kann, wenn derselbe auch nicht mehr in seiner ersten planetarischen Vollkommenheit dasteht.

11] Ihr möchtet nun wohl wissen, woher wohl dieser gegenwärtige viel kleinere Erdkörper innerhalb des Ringes entstanden ist? - Und ich sage euch nun, machet eure Augen und Ohren weit auf, und ihr werdet dadurch einen starken Blick nicht nur allein auf den eben zu besprechenden Planeten, sondern auf alle Weltkörper werfen. Denn dieser gegenwärtige Erdkörper im Ringe war auch schon vor der Abkappung vorhanden, also wie es auch bei eurer Erde, wenn diese auch also abgekappt werden möchte, ein und derselbe Fall wäre; denn auch in eurer Erde steckt noch eine kleinere, und in dieser kleinen noch wieder eine kleinere, welche mit einander nur entweder durch Luft, Wasser oder Feuer in Verbindung stehen; denn dieser Planet Saturnus ist eigentlich schon die Mitte-Kugel, weil der Ring schon zwei darstellt, und zwar allda er vollkommen, sich unberührend, gespalten ist;

12] und so habet ihr bei dem Saturnus gewisserart die Gelegenheit, einen Weltkörper also anzuschauen, als wie beinahe einen Apfel, den ihr bei der Mitte auseinander geschnitten hättet, und die daselbst ersichtlichen Theile zeigen euch die innere mechanische Construction eines Weltkörpers, nur was den gegenwärtigen Planeten selbst anbelangt, so ist dieser freilich nicht sichtbar bis in sein Centrum; aber es bleibt immer ein und dasselbe Verhältnis denn auch dieser sichtbare Planet ist also ferner seinem Inwendigen nachgebildet, und zwar in denselben Verhältnissen, wie sie ersichtlich sind von der Oberfläche des äußersten Ringes bis zum gegenwärtig ersichtlichen Planeten selbst; da, so derselbe wieder abgekappt würde, auf diese Art wieder ein noch kleinerer Ring unter dem größeren zum Vorschein käme, innerhalb dessen sich dann wieder ein vollkommen runder Erdkörper also frei schwebend befinden möchte, wie der jetzige im großen Ringe.

13] So ihr ein wenig nur eure Verstandes- und Gefühlskräfte erhöhet, so wird euch solches mehr und mehr einleuchtend werden; zugleich aber werdet ihr daraus auch erkennen, ein wie Leichtes es Meiner Macht ist, einen solchen Weltkörper, wenn es nöthig ist, entweder zu verkleinern, aber auch zu vergrößern.

14] Könntet ihr all die Weltkörper in dem unendlichen Schöpfungsraume besehen, wahrlich ihr würdet da auf Formen gelangen, welche aufzufassen euer Geist im vollsten Lichte nicht begreiflichermaßen fähig wäre; denn wenn schon ihr Menschen mit euren allerbeschränktesten Geisteskräften euren mühsamen Schöpfungen eine bedeutende Mannigfaltigkeit zu geben vermöget, so werde solches wohl Ich in Meinen großen Schöpfungsräumen auch zu thun im Stande sein, und Meine große Phantasie wird etwa in dieser Hinsicht, wie einige Gelehrte, bei euch meinen, wohl sicherlich nicht von nöthen haben, zu euch in die Schule zu gehen, und etwa gar einen sogenannten ästhetischen Lehrcursus mitzumachen für nothwendig finden.

15] Wie phantasiereich aber euer Schöpfer ist, mögen euch schon all die Pflanzen, Thiere und Mineralien auf euerer Erde, freilich nur den allerkleinsten geringfügigsten und magersten Beweis liefern. Auf unserem Saturnus werdet ihr schon etwas Manigfaltigeres entdecken, und mehr noch, und Ich sage bei weitem mehr noch in einer Sonne; denn sind euch die Dinge im Saturnus überaus wunderbar, was würdet ihr oder was werdet ihr erst sagen, und was für Augen machen, so Ich euch einmal einen Blick in die Sonne zu machen gestatten möchte! Jedoch jetzt sind wir noch auf dem Saturnus, und ist da noch sehr viel zu schauen; und wenn wir uns da werden hinreichend satt gesehen haben, alsdann wird es eurer Phantasie und besseren Einbildung vorerst freigestellt sein, ob sich dieselbe noch zu etwas Höherem zu erheben vermag.

16] Denn wohlgemerkt, wir haben beim Saturnus bei Nro 1 angefangen, und ihr wißt, daß Ich immerwährend den besseren Wein zuletzt auftische; aber nicht also, wie die schlechten Wirthe bei euch, die mit dem ersten Glase der Phantasie die durstigen Gäste berauschen, und ihnen dann zuletzt statt eines besseren Weines stark gewässerten Essig auftischen; daher begreifet wohl, was das von Mir aussagen will, so Ich sage: Wir haben allda bei Nro. 1 angefangen, und darum sage Ich euch: So wir mit unserem Weltkörper werden fertig sein, da wird es in eurer Phantasie und besseren Einbildung sich wohl zeigen, ob sie noch eines höheren Schwunges fähig ist; denn bei Mir nimmt das Höhere und immer Höhere bis ins Unendliche kein Ende; es giebt da nirgends eine dritte Vergleichungsstufe, sondern überall nur die zweite; das heißt, es steht immer eines über das andere, und ist das eine herrlicher wie das andere, und nirgends giebt es ein Allerherrlichstes, auf daß es nimmerdar übertroffen werden möchte von etwas noch Herrlicherem. Denn das Unerreichbarste, Allerhöchste bin nur Ich Selbst. Wenn ihr aber schon so manche Herrlichkeiten der Weltkörper werdet betrachtet haben, alsdann erst wird euch ein allerschwächster Blick in den Himmel gegönnet werden, und dieser Blick wird in seiner Schnelle all' die Herrlichkeiten, die euch auf den Erdkörpern gezeigt wurden, gänzlich zu nichte machen. Denn wenn meine Werke schon von unendlicher Erhabenheit sind in der todten fixirten Materie, wie werden sie erst da sein im Geiste, da Alles Licht und Leben ist!

17] Jedoch für jetzt kehren wir wieder zu unserem Weltkörper zurück, und messen allda die Tiefe der Flüsse und Seen, und auch also die Tiefe der Meere, und wir werden mit einer und derselben Meßschnur, welche da eine Länge von 500 eurer Klaftern hat, überall zur Genüge auskommen; bei 500 Klaftern ist dort das Meer beinahe überall gleich tief, nur wird es regelmäßig etwas seichter und seichter gegen das Land zu. Was aber die Tiefe der Flüsse betrifft, so ist ihr Mittebett überall gleich 10 Klaftern, und wird natürlichermaßen gegen das Land zu seichter und seichter; nur an den Mündungen fallen die Betten also successiv, daß sie sich dann allmählich mit dem allgemeinen Bette des Meeres ausgleichen.

18] Zufolge der Gleichförmigkeit und gleichen Tiefe der Betten der Flüsse und Strome geschieht es dann auch, daß ein jeder Fluß und Strom beinahe eine ganz glatte Spiegelfläche dem erstaunten Auge darbietet, aus welcher sich die benachbarten Gegenden, wie bei euch in einem sehr ruhigen See, auf das Herrlichste abspiegeln, was besonders zur Nachtzeit einen überaus herrrlichen Anblick gewährt, wenn all' die nächtlichen Lichter aus solchen Flüssen einen beinahe ungeschwächten Schein wiederspiegeln.

19] Was die vier benannten Hauptströme noch ferner betrifft, so theilen sie dieses Land von diesem Mittelberge aus in 4 Theile also, daß, wenn Jemand an der Spitze dieses Berges sich befindet, er dann nach dem Laufe dieser 4 Hauptströme auch zugleich die Enden dieses großen Landes erschauen kann. Freilich ihr mit euren Augen würdet solches nicht vermögen; aber die Saturnusmenschen können solches gar wohl, da ihr Auge an und für sich schon besser sieht, als ihr es vermöget durch eure allerbesten Fernröhre, was bei ihnen auch nothwendig ist; denn so Jemand seinen Grund übersehen will, so bedarf er auch tüchtiger Augen, welche ungefähr von einem hohen Berge auf eurer Erde bei allerreinster Luft wohl im Stande wären, so es von irgend einer solchen Höhe möglich wäre, euer ganzes Kaisertum mit einer Leichtigkeit zu überschauen. Denn diese Menschen haben ihre größte Stärke im Auge, ungefähr in dem Verhältnisse, wie sie bei euch ein Adler hat, vermöge welcher er auch von der bedeutendsten Höhe noch jede Blattlaus mit einer Leichtigkeit erschauen kann.

20] Was die fernere Beschaffenheit dieser Flüsse und Seen, wie auch die Meere anbelangt, für ein nächstes Mal und für heute Amen.

01] Da wir nun letztens die merkwürdige Schiff-Pflanze dieses Planeten kennengelernt haben, bleibt uns nachträglich nur noch das Wenige zu erwähnen übrig, wie häufig sie vorkommt und wieviel solcher (Schiff-) Früchte eine solche Pflanze zum Vorschein bringt.

02] Diese Pflanze kommt an den Flüssen, Seen und hauptsächlich an den weitgedehnten Ufern des Meeres außerordentlich häufig vor. Und eine solche Pflanze bringt in einem Saturnjahr zweimal Frucht, und das eine jede für sich bei vier- bis fünfhundert Stück an der Zahl. Aber niemand hat auf diesem Planeten oder vielmehr in diesem Land ein verwaltendes Eigentumsrecht auf sie, sondern hier heißt es, wie bei euch ein alter Rechtsspruch lautet: Primo occupanti jus! Wer also eine solche Pflanze oder mehrere benötigt, geht hin und erntet. Und soviel er geerntet hat, ist sein Eigentum. Niemand macht ihm dasselbe streitig, und zwar aus dem höchst moralischen Grunde, weil sich dort jeder für den Geringsten und Kleinsten hält, was noch ferner bei der Darstellung der Menschen näher auseinandergesetzt wird.

03] Und so wollen wir nun einen Blick auf die Gewässer dieses Planeten und besonders dieses Landes werfen.


04] Es gibt in diesem Land einige tausend sehr große und breite Ströme, welche fast ohne Ausnahme in der Mitte des Landes von dem schon besprochenen höchsten Berg ihren gemeinschaftlichen Ursprung nehmen. Um solche Möglichkeit aber einzusehen, müßt ihr euch den Fuß dieses Berges nicht etwa so klein denken wie den eines Berges auf eurer Erde; sondern der Fuß dieses Berges bedeckt nach allen Richtungen beinahe einen größeren Fleck als euer ganzes Europa. Nun möget ihr allenfalls wohl begreifen, wieviel Quellen ein Riese von einem solchen Berge in sich fassen möchte.

05] Da dieser Berg bei aller seiner Höhe und Ausdehnung beinahe einen vollkommenen Kegel bildet, der nur von den euch schon bekanntgegebenen hie und da hervorragenden Felsen und auch von manchen durch die reichichen Quellen gebildeten Gräben verändert wird, so ist es wohl begreiflich, daß von einem solchen Berg die entspringenden Quellen nach allen möglichen Richtungen ihren Lauf nehmen, und wenn sie die Tiefe erreicht haben und von den zuströmenden bedeutenden Quellen anderer Berge vergrößert werden, dann ruhig dem Weltmeere zuströmen. Der Unterschied zwischen den Flüssen der Erde und denen dieses Planeten besteht darin, daß sie alle einen gleich schnellen Fluß oder eigentlich Fall haben, weil es dort nirgends ein sogenanntes Hochland gibt; sondern nur Berge, mehr oder weniger breite Täler und auch weitgedehnte Ebenen, welche alle ohne Ausnahme über den Meeresspiegel fast ganz gleich hoch erhoben sind. Und da die Steigung der Länder vom Meer angefangen bis zum Mittelberg hin überall gleich nur tausend Klafter ausmacht, so müssen vermöge dieser sanften Erhebung auch alle Flüsse einen gleich schnellen Fall haben.


06] Von all den vielen Flüssen und Strömen will Ich euch bloß auf vier aufmerksam machen, weil diese die größten von allen sind und ihren Lauf bis zum Meere hin so gerade fortführen, wie wenn ihnen das Bett nach der Schnur gezogen worden wäre.

07] Da, wo sie entspringen, sind sie schon breiter denn eure Donau wo diese ins Meer mündet. Und dem entsprechend nehmen sie an Breite ebenso beständig zu. Wenn sie dann zum Meer gelangen, ist ein jeder dieser Flüsse etwa zweihundert eurer Meilen breit. Nur darin unterscheiden sie sich von euren Flüssen und Strömen, daß ihr Bett durchaus eine gleiche Tiefe hat; darum ein solcher Strom nirgends tiefer oder auch seichter ist als gleich in seinem ersten Anfang, das heißt da, wo er den Fuß des Berges verläßt. Denn wenn er hernach auch mehrere andere Quellen aufninmmt, so wird er dafür nur breiter, aber nie tiefer.

08] Ihr denket euch jetzt freilich, wie ist das wohl möglich? - Und Ich sage, es gibt keine leichtere Möglichkeit als diese. Denn wenn die Unterlage ein überall durchaus gleich fortlaufender, unversehrter Steinboden ist, über welchem eine gleich hohe Erdschicht gelagert ist, welche das Wasser nach und nach hinwegräumt, wie soll denn bei solchen gleichartigen Verhältnissen irgendeine Ungleichheit in der Tiefe des Strombettes entstehen?


09] Damit ihr dieses euch jetzt noch unverständliche Verhältnis (betreffend die gleiche Tiefe der Flüsse) desto aufmerksamer beachtet und gründlicher versteht, ist es nötig, euch eine kurze Erwähnung von dem zu machen, daß dieser Planet bei der allgemeinen euch bekanntgegebenen Weltenzerstörung, welche ihr bei dem Falle Adams kennengelernt habt, (s. ,Die Haushaltung Gottes', Bd. 1, Kapitel 9) insoweit, d.h. hinsichtlich dessen, was von ihm noch übrig ist, in seiner Urbeschaffenheit unversehrt geblieben ist - nur daß er vor dieser Zeit um vieles größer war.

10] Wie groß er aber war, zeigt noch sein gegenwärtiger Ring. Denn des äußeren Ringes Oberfläche war zuvor die Oberfläche dieses Planeten. Allein in jener Zeit ist er gleichsam links und rechts (oder südlich und nördlich) so abgeschnitten worden, daß die nördliche und südliche Kappe gleich zwei großen Hohlschalen in den unermeßlichen Weltenraum hinausgeschleudert worden sind, weil auf diesen beiden Teilen die arge Schlange eine reichliche böse Brut ausgesetzt hatte. Nur der heiße Mittelstrich war noch rein geblieben, darum er auch erhalten wurde zu einem immerwährenden Denkzeichen, daß der große Weltenbaumeister einen Weltkörper auch erhalten kann, wenn derselbe nicht mehr in seiner ersten planetarischen Vollkommenheit dasteht.


11] Ihr möchtet nun wohl wissen, woher der gegenwärtige, viel kleinere Erdkörper innerhalb des Ringes entstanden ist? - Und Ich sage euch, machet eure Augen und Ohren weit auf, und ihr werdet dadurch einen starken Blick nicht allein auf den eben zu besprechenden Planeten, sondern auf alle Weltkörper werfen können. Dieser gegenwärtige Erdkörper im Ring war schon vor der Abkappung vorhanden, wie es auch bei eurer Erde, wenn diese so abgekappt werden möchte, ein und derselbe Fall wäre. Denn auch in eurer Erde steckt noch eine kleinere, und in dieser kleinen wieder eine noch kleinere, welche miteinander nur durch Luft, Wasser oder Feuer in Verbindung stehen. Dieser Planet Saturn ist eigentlich schon die dritte Kugel, weil der Ring zwei (Kugeln) darstellt, da er in zwei sich nicht berührende Teile vollkommen gespalten ist.

12] Und so habt ihr bei dem Saturn gegenwärtig die Gelegenheit, einen Weltkörper anzuschauen, beinahe wie einen Apfel, den ihr in der Mitte auseinandergeschnitten hättet. Die daselbst ersichtlichen Teile zeigen euch die innere, mechanische Konstruktion eines Weltkörpers. Nur was den gegenwärtigen Planeten selbst anlangt, so ist dieser freilich nicht sichtbar bis in sein Zentrum. Aber es bleibt immer ein und dasselbe Verhältnis. Denn auch dieser sichtbare Planet ist seinem Inwendigen nach ferner so gebildet, und zwar in denselben Verhältnissen, wie sie ersichtlich sind von der Oberfläche des äußersten Ringes bis zum gegenwärtig ersichtlichen Planeten selbst. So derselbe wieder abgeklappt würde, käme auf diese Art wieder ein noch kleinerer Ring unter dem größeren zum Vorschein, innerhalb dessen sich dann wieder ein vollkommen runder Erdkörper, also frei schwebend befinden würde wie der jetzige im großen Ring.

13] Wenn ihr ein wenig nur eure Verstandes- und Gefühlskräfte erhöht, wird euch solches mehr und mehr einleuchtend werden. Zugleich aber werdet ihr daraus auch erkennen, wie leicht es Meiner Macht ist, einen solchen Weltkörper, wenn es nötig ist, entweder zu verkleinern oder auch zu vergrößern.

14] Könntet ihr all die Weltkörper in dem unendlichen Schöpfungsraume ansehen, wahrlich ihr würdet da auf Formen gelangen, welche euer Geist im vollsten Licht aufzufassen nicht fähig wäre. Denn wenn schon ihr Menschen mit euren beschränkten Geisteskräften euren mühsamen Schöpfungen eine bedeutende Mannigfaltigkeit zu geben vermöget, so werde solches wohl Ich in Meinen großen Schöpfungsräumen auch zu tun imstande sein. Und Meine große Phantasie wird doch in dieser Hinsicht wohl sicherlich nicht, wie einige Gelehrte bei euch meinen, vonnöten haben, zu euch in die Schule zu gehen und etwa gar einen sogenannten ästhetischen Lehrkursus mitzumachen für notwendig finden.

15] Wie phantasiereich aber euer Schöpfer ist - dafür mögen euch schon all die Pflanzen, Tiere und Mineralien auf eurer Erde den freilich nur allerkleinsten, geringfügigsten und magersten Beweis liefern. Auf unserem Saturn werdet ihr schon etwas Mannigfaltigeres entdecken, und Ich sage, bei weitem mehr noch in einer Sonne! Denn sind euch die Dinge im Saturn schon überaus wunderbar, was werdet ihr erst sagen und was für Augen machen, so Ich euch einmal einen Blick in die Sonne zu machen gestatten möchte! Jedoch jetzt sind wir noch auf dem Saturn, und da ist noch sehr viel zu schauen.



16] Denn wohlgemerkt, wir haben beim Saturn bei Nummer eins angefangen, und ihr wißt, daß Ich immer wieder den besseren Wein zuletzt auftische; nicht wie die schlechten Wirte bei euch, die mit dem ersten Glas die Phantasie der durstigen Gäste berauschen und ihnen dann zuletzt, statt eines besseren Weines, stark gewässerten Essig auftischen. Daher begreifet wohl, was das von Mir aus bedeuten will, so Ich sage: Wir haben da bei Nummer eins angefangen! - So wir mit unserem Weltkörper fertig sein werden, wird es in eurer Phantasie und besseren Vorstellung sich wohl zeigen müssen, ob sie noch eines höheren Schwunges fähig ist. Denn bei Mir nimmt das Höhere und immer Höhere bis ins Unendliche kein Ende. Und es gibt da nirgends eine dritte Vergleichungsstufe, sondern überall nur die zweite; das heißt, es steht immer eines über dem andern und ist das eine herrlicher als das andere. - Und nirgends gibt es ein Allerherrlichstes, welches nimmerdar übertroffen werden könnte von etwas noch Herrlicherem; denn das unerreichbar Allerhöchste bin nur Ich selbst. Wenn ihr aber schon so manche Herrlichkeiten der Weltkörper werdet betrachtet haben, dann erst wird euch ein allerschwächster Blick in den Himmel gegönnt werden. Und dieser Blick wird trotz seiner Schnelle die Herrlichkeiten, die euch auf den Erdkörpern gezeigt wurden, gänzlich vergessen machen. Denn wenn Meine Werke schon von unendlicher Erhabenheit sind in der toten, fixierten Materie, wie werden sie erst sein im Geiste, da alles Licht und Leben ist!

17] Jedoch für jetzt kehren wir wieder zu unserem Weltkörper zurück und messen dort die Tiefe der Flüsse und Seen und auch die Tiefe der Meere. Und wir werden mit einer und derselben Meßschnur, welche eine Länge von fünfhundert eurer Klafter hat, überall zur Genüge auskommen. - Denn sehet, das Meer ist dort beinahe überall bei fünfhundert Klafter tief, nur wird es regelmäßig gegen das Land zu etwas seichter und seichter. Was aber die Flüsse betrifft, so ist ihr Mittelbett überall gleich zehn Klafter tief und wird natürlichermaßen gegen das Land zu seichter. Nur an den Mündungen fallen die Bette nach und nach so, daß sie sich allmählich mit dem allgemeinen Bett des Meeres ausgleichen.

18] Zufolge der Gleichförmigkeit und Tiefe der Bette der Flüsse und Ströme geschieht es dann auch, daß ein jeder Fluß und Strom beinahe eine ganz glatte Spiegelfläche dem erstaunten Auge darbietet, auf welcher sich die benachbarten Gegenden, wie bei euch in einem sehr ruhigen See, auf das Herrlichste abspiegeln, was besonders zur Nachtzeit einen überaus prachtvollen Anblick gewährt, wenn all die nächtlichen Lichter aus solchen Flüssen einen beinahe ungeschwächten Schein widerspiegeln.

19] Was die vier genannten Hauptströme noch ferner betrifft, so teilen sie dieses große Land von dem Mittelberge aus in vier Teile, so daß, wenn jemand sich auf der Spitze dieses Berges befindet, er nach dem Lauf dieser vier Hauptströme auch zugleich die Enden dieses großen Landes erschauen kann. Freilich, ihr mit euren Augen würdet solches nicht vermögen. Aber die Saturnmenschen können solches gar wohl, da ihr Auge an und für sich schon besser sieht, als ihr durch eure allerbesten Fernrohre. - Dies ist bei ihnen auch notwendig, denn so da jemand seinen Grund übersehen will, bedarf er tüchtiger Augen, welche ungefähr imstande wären, von einem hohen Berg auf eurer Erde bei allerreinster Luft euer ganzes Land mit Leichtigkeit zu überschauen. Diese Saturn-Menschen haben ihre größte Sinnenstärke im Auge, ungefähr in dem Verhältnis, wie sie bei euch ein Adler hat, welcher auch von der bedeutendsten Höhe noch jedes Kleintier mit Leichtigkeit erschauen kann.

20] Was die fernere Beschaffenheit dieser Flüsse und Seen wie auch der Meere anbelangt, für ein nächstes mal. Und somit für heute Amen.

voriges Kapitel Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers nächstes Kapitel