voriges Kapitel Jakob Lorber: 'Der Saturn' nächstes Kapitel

Kapitelinhalt 4. Kapitel: Trichterbaum, Pyramidenbaum und Spiegelbaum.

Originaltext 1. Auflage 1855 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text, Verseinteilung und Überschriften nach 4. Auflage 1969 Lorber-Verlag

01] In der 6ten Ordnung dieser Bäume ist zu bemerken, der sogenannte Trichterbaum, Kibra genannt. Dieser Baum hat einen bei drei Klaftern im Durchmesser dicken Stamm, mit einer ebenfalls sehr glatten Rinde, die von bläulicher Farbe ist. Am Ende des bei zwanzig Klaftern hohen und durchaus gleich dicken Stammes breiten sich nach allen Seiten nach eurer Rechnung in einem Winkel zu 45 Graden bei 10 Klaftern lange, gerade Aeste aus. Diese Aeste haben nach links und rechts in paralleler Richtung, gleich den Fichtenzweiglein bei euch, parallele Ausläufer, die, je weiter sie vom Stamme entfernt sind, auch desto länger und breiter werden. Diese Ausläufer sind eigentlich nichts als Zweige und Blätter dieses Baumes zugleich. Am Ende der Aeste sitzt die Blüthe und hernach auch die Frucht, und da hat ein solcher Baum nicht mehr Früchte, als gerade so viel, als er solcher Aeste hat.

02] Das Merkwürdige bei diesem Baume ist seine Blüthezeit; denn bevor er die Blüthe getrieben hat, wird er am Ende eines jeden Astes aus sich selbst brennend; jedoch nur mit einem kalten Feuer, welches dem der Leuchtwürmer und dem des faulen Holzes gleicht, nur mit dem Unterschiede, daß dieses Vorblüthefeuer bei weitem heller leuchtet, denn das auf eurer Erde erwähnte vorkommende; vorzugsweise ein herrliches Lichtschauspiel gewährt ein ganzer Wald von diesen Trichterbäumen und zwar besonders dadurch, weil auch alldort die Bäume nicht in einer und derselben Stunde zu blühen anfangen; also auch das Vorblüthefeuer bei einigen früher, bei einigen später vorkommt. Da dieses Feuer allezeit sieben Tage lang vor der Blüthe zum Vorschein kommt, und von da an auch immer mit stetem Farbenwechsel brennt, daß es durch die sieben Tage auch alle sieben Hauptfarben nebst allen ihren Uebergängen durchgemacht hat.

03] Nun denket euch nur einen solchen blühenden Baum, da nicht einmal auf einem Baume all die Aeste an einem Tage zu blühen anfangen, und somit hernach auch das Vorblüthefeuer schon an einem und demselben Baume mehrfarbig ist; wenn denn auf diese Art ein ganzer Wald von diesen Trichterbäumen also zu blühen anfängt, so könnet ihr euch auch schon mit einem Quintel Phantasie einen so ziemlichen Begriff machen, wie herrlich sich von irgend einer Höhe ein solcher blühender oder eigentlich verblühender Wald, der manchmal eine Ausdehnung von mehreren hundert Quadratmeilen hat, ausnehmen mag.

04] Nach diesem Vorblüthenbrande dieses Trichterbaumes kommt dessen merkwürdige Blüthe zum Vorschein. Wahrlich, bei euch würde sie nicht in allen Staaten geduldet sein! - Denn also sieht sie aus: Aus einem zwei bis drei Klafter langen goldgelben und über Mannsarm dicken Stiele wird also ein bei zwei Klaftern breites dreifarbiges Band bis zu einer sechs Klafter langen Weite hinausgetrieben, und dieses Band hat drei regelmäßige Farben als hellroth, hellblau und schneeweiß, und so viele Blüthen ein solcher Baum da hat, eben so viele Bänderfarben flattern da um ihn.

05] Nun könnet ihr euch wieder einen kleinen Begriff von der Pracht der Blüthe dieses Baumes machen. Wenn die Blüthezeit vorüber ist, alsdann fallen Fahne und Stiel von dem Baume, und werden da die schönsten Exemplare von den Menschen auch gesammelt. Ihr Gebrauch ist weiter kein anderer, da sie im trocknen Zustande sehr viel von ihrer Pracht verlieren, als daß die dortigen Menschen sie zusammenrollen, auf einen Haufen dann zusammentragen und so lange sie noch frisch und weich sind, zur Stärkung ihrer Glieder darauf liegen. Wenn sie aber dann trockner und fester geworden sind, werden sie angezündet, allwann sie dann einen sehr lieblich riechenden Rauch von sich geben, und das Erdreich durch ihre silberweiße Asche ungemein düngen. Was aber die unansehnlichen Exemplare dieser Blüthen betrifft, so werden sie unter dem Baume liegen gelassen, allwo sie dann verfaulen und dadurch ebenfalls die Erde düngen.

06] Das Prachtvollste bei diesem Baume aber ist die bald nach der Blüthe zum Vorscheine kommende Frucht; diese gleicht der Figur nach ungefähr eueren Zug- oder Flaschenkürbissen, nur mit dem Unterschiede, daß das eigentliche Rohr nicht selten eine Länge von 4 bis 5 Klaftern erreichet, und einen Durchmesser von zwei Schuhen hat. Der Kopf an diesem Rohre aber bildet allzeit eine vollkommene Kugel im Durchmesser von 1 1/2, oft 2 Klaftern. Die äußere Rinde dieser Frucht hat streng genommen das Aussehen, wie gediegenes polirtes Gold. Nun fraget wieder ein wenig eure Fantasie, wie sich ein Wald von solchen Bäumen beim Sonnenlichte ausnehmen dürfte?

07] Nun möchtet ihr wohl auch wissen, wozu alldort diese Frucht gebraucht wird? Die Antwort ist sehr leicht, gerade auch dazu, als ihr eure Zug- und Flaschenkürbisse braucht; theils um Flüssigkeiten aus irgend einer kleinen Tiefe zu heben, theils aber auch als Gefäße, um Säfte, aus verschiedenen Pflanzen gepreßt, darin aufzubewahren. Diese Frucht wird auch auf diesem Planeten als ein Tauschhandelsartikel so viel als möglich sorgfältig gesammelt, und fiir den Tauschhandel aufbewahrt.

08] Ihr möchtet vielleicht auch wissen, warum dieser Baum gerade auch eine solche Trichterform hat? Diese Trichterform ist diesem Baume darum eigen, damit er für's erste in diesem seinen Trichter das Licht von der Sonne um desto wirkender aufnehmen kann, und so auch das electromagnetische Fluidum; in der Mitte des Trichters aber hat er eine Markröhre, welche besonders zur Nachtzeit einen förmlichen Nebel ausdünstet. Dieser Nebel aber ist für die andere Vegetation, wie auch für die Menschen, wenn sie ihn einathmeten, von etwas giftiger und zerstörender Art, so lange nicht das Licht der Sonne ihn zertheilt; aber dieser Trichter ist so beschaffen, daß er diesen Nebel nicht anders durchsickern läßt, und auch nicht mehr, als nur gerade zur Befruchtung des Baumes durch die Nacht nöthig ist, und das zwar nur solange, als die Frucht nicht zur halben Reife gelanget ist; alsdann sich diese Markröhre in dem Trichter verschließet, und dieser Dunst dann hinausgetrieben wird zur regelmäßigen Aufblähung der Frucht, allwann dieser Trichter eine solche nährende Lebensluft enthält, daß da viele Menschen auf gewissen Leitern da hinaufsteigen, und sich in diesen Trichtern ein Lager errichten und da längere Zeit übernachten.

09] Sehet, das ist alsdann das ganze Denkwürdige dieses Trichterbaumes. Zum Genusse für den Leib hat er außer seiner Lebensluft nichts, und die Samenkörner, die da euren Kürbißkernen nicht unähnlich sind, werden nur von den Hausthieren verzehret.

10] Und somit gehen wir noch zu der 7ten Gattung über. Da ist zu bemerken der sogenannte Pyramidenbaum Uhurba genannt.

11] Dieser Baum ist wohl der höchste auf diesem Weltkörper, und ist ungefähr von der Eigenschaft euerer Edelfichten, die da haben einen weißen Stamm. Er wächst nicht selten zu einer Höhe, daß ihr auf eurer Erde kaum einen Berg habet, der sich mit diesem Baume messen könnte. Auch dieser Baum hat nur einen Stamm, welcher zu unterst an der Wurzel nicht selten einen Durchmesser von 80 bis 90 und 100 Klafter hat. Seine Aeste gehen schon an der Erde vom Stamme nach allen möglichen Richtungen aus, und die untersten haben bei einem vollkommen ausgewachsenen Pyramidenbaume nicht selten eine Länge von tausend Klaftern, und werden gegen die Spitze regelmäßig immer länger, alsozwar, daß ein solcher Baum dann eine förmliche große Pyramide in runder Kegelform bildet, gegen welche eure großen egyptischen Pyramiden wahre Schneckenhäuser sind; denn so es möglich wäre, euch körperlich dahin zu versetzen, ihr glauben würdet, die höchsten Berge vor euch zu erblicken.

12] Dieser Baum gehört zum Nadelholze, und seine Blätter gleichen freilich im sehr vergrößerten Maßstabe so ziemlich den Nadelblättern eurer Fichten; nur die Farbe ist nicht grün, sondern blau. Die Nützlichkeit dieses Baumes ist in Hinsicht auf die Reinigung der Luft, und Erfüllung derselben mit Lebensstoffen also außerordentlich, daß die heilende Kraft aus den Wipfeln und Zweigen dieses Baumes sogar bis auf eure Erde hinabreicht, und vorzüglich beziehen eure balsamisch duftenden Nadelhölzer ihren ätherischen Stoff daher.

13] Diese Bäume werden auch sorgfältig allenthalben, angepflanzt, und es braucht da nichts mehr, als nur einen Reiser von diesem Baume zu nehmen, und selben irgendwo in gute Erde zu stecken, so wächst er alsobald fort und wird binnen wenigen Saturnusjahren schon ein sehr ansehnlicher Baum, und wächst da fort und fort und kann ein Alter von mehreren 100 Saturnusjahren erreichen. Wenn ein solcher Baum hernach aber abstirbt, da wird er an der Wurzel zuerst ganz morsch und zehrt sich von sich selbst bis auf den äußersten Wipfel zusammen; allwo da irgend ein solcher Baum also sich verzehrend abgestanden ist, wird von den Bewohnern allsogleich magere Erde darübergestreuet, woraus dann in wenigen Jahren der fruchtbarste Grund zum Anbau ihrer beliebten Saftkräuter bereitet wird. - Auch hier könnet ihr eure Phantasie zu Lehen nehmen, und einige solche Bäume hintereinander betrachten, so wird euch eure Erdengröße wohl ein wenig abgekühlt werden.

14] Auch von diesem Baume wißt ihr bereits das Allerwesentlichste, und so können wir noch zu der 8ten Gattung eines für euch gewiß höchst merkwürdigen Baumes übergehen; denn von deßgleichen findet sich wieder auf eurer Erde nicht die allerleiseste Spur,

15] und als solcher Baum ist für die 8te Gattung bemerkenswert der sogenannte Glas- oder Spiegelbaum, alldort Ubra genannt. Dieser Baum hat einen ganz regelmäßig viereckigen Stamm, welcher also durchsichtig ist, als wie bei euch ein etwas grünlichtes Glas. Der Stamm geht zugespitzt bis zu einer Höhe von 20 bis 30 Klaftern empor, hat durchaus keine Aeste, sondern über die Hälfte dieses Glas- oder Spiegelbaumstammes schießen wie bei eurem Cactus große hängende Blumen hervor, welche ungefähr die Gestalt haben, nur in sehr vergrößertem Maßstabe, als euere Lilien; nur mit dem Unterschiede der Farbe, welche bei dieser Blüthe also beschaffen ist, daß ein jedes Blatt, deren es zehn bei jeder Blume giebt, von einer andern Farbe ist. Wenn dieser Baum nach einem halben Jahre abgeblüht hat, alsdann kommt auf einem krystallartig knorrigen Stiele eine für euch gewiß höchst merkwürdige Frucht zum Vorscheine. Diese Frucht besteht im Anfange in nichts anderem, als in einem sehr durchsichtigen Wasserbeutel, der nach und nach immer größer und größer wird, und in seiner Reife einem Ballon in einem Durchmesser von 1 bis 1 1/2 Klaftern gleicht.

16] Wenn diese Frucht zu dieser ersten Reife gelangt ist, alsdann fängt an die Flüssigkeit in diesem Beutel sich so zu verdichten, daß dann der Beutel zusammenschrumpft und nach und nach von der verdichteten Flüssigkeit sich losschälet. Diese verdichtete Flüssigkeit fällt dann oft sammt dem Stiele auf den Boden herab; alsdann kommen die Bewohner und klauben diesen harten Saft auf, und beschneiden denselben auf allen Seiten regelmäßig, und bilden dann daraus ganz eigene regelmäßig viereckige Tafeln, und gebrauchen diese ungefähr dazu, als ihr auf euerer Erde eure Spiegel. Keinen weiteren Gebrauch machen sie gerade von diesem Baume nicht, als bloß einen solchen, den ihr von gewissen Bäumen macht zur Zierde eurer Gärten; denn wenn eine Reihe von solchen Bäumen angesetzt ist, so bildet das für die Bewohner dieses Planeten eine Prachtallee, und sie thun dieses mit diesem Baume auch darum sehr gerne, weil er sich ebenfalls wie der Pyramidenbaum sehr leicht verpflanzen läßt, nur nicht vermittelst der Reiser, da er durchaus keine Aeste hat, sondern vermittelst des Samens, welchen er aber nicht in der Frucht, sondern in der Blüthe trägt.

17] Die Durchsichtigkeit dieses Baumes rührt daher, weil sein Organismus, so wie er selbst, aus lauter viereckigen Röhrchen besteht, durch welche der ihm dienliche Saft emporsteigt; denn sind die Organe rund, so kann da kein Strahl durchdringen, weil er in der runden Form so oft gebrochen wird; allein in dieser viereckigen Form erleidet der Strahl nur eine sehr geringe Brechung, und kann daher fast auch ungehindert durchstrahlen. Und da all die Bäume dieses Planeten und vorzugsweise in diesem Lande, eine ganz glatt polirte Rinde haben, so glänzt die Fläche dieses für euch merkwürdigen Baumes also, als wie bei euch ein Spiegelglas; daher sich auch jeder Vorübergehende vom Kopfscheitel bis zur Sohlenspitze vollkommen besehen kann.

18] Das ist nun wieder alles von diesem Baum. - Erwecket auch da ein wenig eure Phantasie, so werdet ihr nicht gar zu schwer einzusehen anfangen, wie Ich auch ohne Städte und Palläste aus Menschenhänden verfertiget, eine Welt gar wohl zu schmücken verstehe, und somit lasset es für heute gut sein. Alles Uebrige von den Bäumen für ein nächstes Mal, Amen. -

01] Als sechste Art der Bäume auf dem Saturn ist zu benennen der sogenannte Trichterbaum, Kibra genannt. - Dieser Baum hat einen bei drei Klafter im Durchmesser dicken Stamm mit einer ebenfalls sehr glatten Rinde, die von bläulicher Farbe ist. Am Ende des bei zwanzig Klafter hohen und durchweg gleich dicken Stammes breiten sich nach allen Seiten, nach eurer Rechnung in einem Winkel von 45 Graden, bei zehn Klafter lange, gerade Äste aus. Diese haben nach links und rechts, gleich den Fichtenzweiglein bei euch, parallele Ausläufer, die, je weiter sie vom Stamm entfernt sind, auch desto länger und breiter werden. Diese Ausläufer sind eigentlich nichts als Zweige und zugleich Blätter dieses Baumes. Am Ende der Äste sitzt die Blüte und hernach auch die Frucht. Und da hat ein solcher Baum nicht mehr Früchte als gerade so viel, wie er Äste hat.


02] Das Merkwürdige bei diesem Baum ist seine Blütezeit. Denn bevor er die Blüte getrieben hat, wird er am Ende aus sich selbst brennend, jedoch nur mit einem kalten Feuer, welches dem der Leuchtwürmer und dem des faulen Holzes gleicht, nur mit dem Unterschied, daß dieses Vorblütefeuer bei weitem heller leuchtet denn das erwähnte, auf eurer Erde vorkommende. Ein besonderes herrliches Lichtschauspiel gewährt ein ganzer Wald von diesen Trichterbäumen; weil auch dort die Bäume nicht in einer und derselben Stunde zu blühen anfangen, also auch das Vorblütefeuer bei einigen früher, bei einigen später vorkommt. Da dieses Feuer allezeit sieben Tage lang vor der Blüte zum Vorschein kommt und von da an immer mit stetem Farbenwechsel brennt, so geschieht es, daß das Lichtschauspiel des Trichterbaumes durch die sieben Tage auch alle sieben Hauptfarben nebst allen ihren Übergängen durchmacht.

03] Nun denket euch nur einen solchen blühenden Baum, da nicht einmal auf einem Baume all die Aste an einem Tage zu blühen anfangen und somit hernach auch das Vorblütefeuer schon an einem und demselben Baum mehrfarbig ist! Wenn dann auf diese Art ein ganzer Wald von solchen Trichterbäumen zu blühen anfängt, so könnt ihr euch schon mit einem Quentel Phantasie einen ziemlichen Begriff machen, wie herrlich sich von irgendeiner Höhe ein solcher blühender oder eigentlich vorblüte-brennender Wald, der manchmal eine Ausdehnung von mehreren hundert Quadratmeilen hat, ausnehmen mag.

04] Nach diesem Vorblütenbrand des Trichterbaumes kommt dessen merkwürdige Blüte zum Vorschein. Wahrlich, bei euch würde sie nicht in allen Staaten geduldet sein! Denn : Auf einem zwei bis drei Klafter langen, goldgelben und über Mannsarm dicken Stiel wird ein bei zwei Klafter breites dreifarbiges Band bis zu einer sechs Klafter langen Weite hinausgetrieben. Und dieses Band hat drei regelmäßige Farben, nämlich hellrot, hellblau und schneeweiß. - Und so viele Blüten ein solcher Baum hat, ebensoviel Bänderfahnen flattern da um ihn.


05] Nun könnt ihr euch wieder einen kleinen Begriff von der Pracht der Blüte dieses Baumes machen. Wenn die Blütezeit vorüber ist, fallen Fahne und Stiel von dem Baum und werden da die schönsten Exemplare von den Menschen auch gesammelt. Ihr Gebrauch ist, da sie im trockenen Zustand sehr viel von ihrer Pracht verlieren, weiter kein anderer, als daß die dortigen Menschen sie zusammenrollen, auf einen Haufen zusammentragen und, solange sie noch frisch und weich sind, zur Stärkung ihrer Glieder darauf liegen. Wenn sie aber trockner und fester geworden sind, werden sie angezündet, wobei sie einen sehr lieblich riechenden Rauch von sich geben und das Erdreich durch ihre silberweiße Asche ungemein düngen. Die unansehnlichen Exemplare dieser Blüten werden unter dem Baum liegen gelassen, wo sie verfaulen und dadurch ebenfalls die Erde düngen.


06] Das Prachtvollste bei diesem Baum aber ist die bald nach der Blüte zum Vorschein kommende Frucht. Diese gleicht der Figur nach ungefähr euren Zug- oder Flaschenkürbissen, nur mit dem Unterschied, daß das eigentliche Rohr nicht selten eine Länge von vier bis fünf Klaftern erreicht und einen Durchmesser von zwei Schuhen hat. Der Kopf an diesem Rohre bildet allzeit eine vollkommene Kugel, im Durchmesser von eineinhalb, oft auch zwei Klaftern. Die äußere Rinde dieser Frucht hat, streng genommen, das Aussehen wie gediegenes, poliertes Gold. Nun fraget wieder ein wenig eure Phantasie, wie sich ein Wald von solchen Bäumen beim Sonnenlicht ausnehmen dürfte?

07] Ihr möchtet wohl auch wissen, wozu dort diese Frucht gebraucht wird? Die Antwort ist sehr leicht. Gerade auch dazu, wozu ihr eure Zug- und Flaschenkürbisse gebraucht: teils um Flüssigkeiten aus irgendeiner kleinen Tiefe zu heben, teils aber auch als Gefäße, um Säfte, aus verschiedenen Pflanzen gepreßt, darin aufzubewahren. Diese Frucht wird auf diesem Planeten auch als ein Tauschhandelsartikel so sorgfältig wie möglich gesammelt und für den Tauschhandel aufbewahrt.

08] Vielleicht möchtet ihr auch wissen, warum dieser Baum gerade eine solche Trichterform hat? - Die Trichterform ist diesem Baum darum eigen, damit er in diesen seinen Trichter das Licht der Sonne und so auch das elektromagnetische Fluidum desto wirksamer aufnehmen kann. In der Mitte des Trichters hat er eine Markröhre, welche besonders zur Nachtzeit einen förmlichen Nebel ausdünstet. Dieser Nebel ist für die andere Vegetation wie auch für die Menschen, wenn sie ihn einatmen, von etwas giftiger und zerstörender Art, solange nicht das Licht der Sonne ihn zerteilt. Aber der Trichter ist so beschaffen, daß er diesen Nebel nicht anders durchsickern läßt und davon auch nicht mehr, als nur gerade zur Befruchtung des Baumes die Nacht hindurch nötig ist, und das nur so lange, als die Frucht noch nicht zur halben Reife gelangt ist. Alsdann bei eintretender Reife verschließt sich diese Markröhre in dem Trichter und wird der Dunst dann hinausgetrieben zur regelmäßigen Aufblähung der Frucht, wodurch dieser Trichter eine solche nährende Lebensluft enthält, daß die Menschen auf geeigneten Leitern hinaufsteigen, sich in diesen Trichtern ein Lager errichten und da längere Zeit übernachten.

09] Sehet, das ist alsdann das Denkwürdige dieses Trichterbaumes! - Zum Genusse für den Leib hat er außer seiner Lebensluft nichts. Die Samenkörner, die euren Kürbiskernen nicht unähnlich sind, werden nur von den Haustieren verzehrt.

10] Und somit gehen wir nun noch zu der siebenten Baumart über. - Da ist zu bemerken der sogenannte Pyramidenbaum, Uhurba genannt.

11] Dieser Baum ist wohl der höchste auf diesem Weltkörper und ist ungefähr von der Eigenschaft eurer Edelfichten, die einen weißen Stamm haben. Er wächst nicht seiten zu einer Höhe, daß ihr auf eurer Erde kaum einen Berg habt, der sich mit diesem Baum messen könnte. Auch dieser Baum hat nur einen Stamm, welcher zuunterst, an der Wurzel, nicht selten einen Durchmesser von achtzig bis neunzig und einhundert Klaftern hat. Seine Äste gehen schon an der Erde vom Stamm nach allen möglichen Richtungen aus und die untersten haben bei einem vollkommen ausgewachsenen Pyramidenbaum nicht selten eine Länge von tausend Klaftern und werden gegen die Spitze regelmäßig immer kürzer, und zwar so, daß ein solcher Baum dann eine mächtige, große Pyramide in runder Kegelform bildet, gegen welche eure stolzen ägyptischen Pyramiden wahre Schneckenhäuser sind. Denn so es möglich wäre, euch körperlich dahin zu versetzen, würdet ihr glauben, die höchsten Berge vor euch zu erblicken.

12] Dieser Baum gehört zum Nadelholz, und seine Blätter gleichen, freilich in sehr vergrößertem Maßstab, so ziemlich den Nadelblättern eurer Fichten; nur die Farbe ist nicht grün sondern blau. Die Nützlichkeit dieses Baumes ist in Hinsicht auf die Reinigung der Luft und Erfüllung derselben mit Lebensstoffen so außerordentlich, daß die heilende Kraft aus den Wipfeln und Zweigen dieses Baumes sogar bis auf eure Erde hinabreicht. Und vorzüglich beziehen eure balsamisch duftenden Nadelhölzer ihren ätherischen Stoff dorther.

13] Diese Bäume werden auch sorgfältig allenthalben angepflanzt, und es braucht da nichts mehr, als nur ein Reis von diesem Baum zu nehmen und dasselbe irgendwo in gute Erde zu stecken, so wächst es alsbald fort, wird binnen wenigen Saturnjahren schon ein sehr ansehnlicher Baum und kann ein Alter von mehreren hundert Saturnjahren erreichen. Wenn ein solcher Baum hernach aber abstirbt, wird er an der Wurzel zuerst ganz morsch und zehrt sich von selbst bis auf den äußersten Wipfel zusammen. Wo irgend ein solcher Baum sich also verzehrend abgestanden ist, wird von den Bewohnern sogleich magere Erde darüber gestreut, woraus dann in wenigen Jahren der fruchtbarste Grund zum Anbau ihrer beliebten Saftkräuter bereitet wird. - Auch hier könnt ihr eure Phantasie zu Lehen (Hilfe) nehmen und einige solche Bäume hintereinander betrachten, so wird euch eure Erdengröße wohl ein wenig abgekühlt werden.

14] Von diesem Baum wißt ihr nun bereits das Allerwesentlichste und so können wir noch zu der achten Baumart, einem für euch gewiß höchst merkwürdigen Baume, übergehen. Denn von desgleichen findet sich wieder auf eurer Erde nicht die allerleiseste Spur.

15] Als solcher Baum der achten Baumart ist bemerkenswert der sogenannte Glas- oder Spiegelbaum, dort Ubra genannt. - Dieser Baum hat einen ganz regelmäßig viereckigen Stamm, welcher so durchsichtig ist wie bei euch ein etwas grünes Glas. Der Stamm geht zugespitzt bis zu einer Höhe von zwanzig bis dreißig Klaftern empor. Er hat durchaus keine Äste, sondern über die Hälfte dieses Glas- und Spiegelbaumstammes ist wie bei euren Kaktusarten mit großen hängenden Blumen geschmückt, welche ungefähr dieselbe Gestalt haben wie eure Lilien, nur in sehr vergrößertem Maßstab und mit dem Unterschied, daß hier ein jedes Blatt, deren es zehn bei jeder Blume gibt, von einer andern Farbe ist. Wenn dieser Baum nach einem halben Jahr abgeblüht hat, kommt auf einem kristallartig knorrigen Stiel eine für euch gewiß höchst merkwürdige Frucht zum Vorschein. Diese Frucht besteht im Anfang in nichts anderem als in einem sehr durchsichtigen Wasserbeutel, der nach und nach immer größer und größer wird und in seiner Reife einem Ballon mit einem Durchmesser von ein bis eineinhalb Klaftern gleicht.

16] Wenn diese Frucht zu dieser ersten Reife gelangt ist, fängt die Flüssigkeit in diesem Beutel sich so zu verdichten an, daß der Beutel zusammenschrumpft und nach und nach von der verdichteten Flüssigkeit sich losschält. Die verdichtete Flüssigkeit fällt dann oft samt dem Stiel auf den Boden herab. Alsdann kommen die Bewohner und klauben (sammeln) diesen harten Saft auf, beschneiden denselben auf allen Seiten regelmäßig, bilden daraus eigenartige, regelmäßige viereckige Tafeln und gebrauchen diese ungefähr so wie ihr auf eurer Erde eure Spiegel. Einen weiteren Gebrauch machen sie von diesem Baum gerade nicht als nur einen solchen, den ihr von gewissen Bäumen zur Zierde eurer Gärten macht. Denn wenn eine Reihe von solchen Bäumen gepflanzt ist, bildet das für die Bewohner dieses Planeten eine Prachtallee. Und sie tun das mit diesem Baum auch darum gerne, weil er sich ebenfalls, wie der Pyramidenbaum, sehr leicht verpflanzen läßt, nur nicht vermittelst der Reiser, da er überhaupt keine Äste hat, sondern vermittelst des Samens, welchen er aber nicht in der Frucht, sondern in der Blüte trägt.

17] Die Durchsichtigkeit dieses Baumes rührt daher, weil sein Organismus aus lauter viereckigen Röhrchen besteht, durch welche der ihm dienliche Saft emporsteigt. Denn sind die Organe rund, so kann da kein Strahl durchdringen, weil er in der runden Form zu oft gebrochen wird; allein in dieser viereckigen Form erleidet der Strahl nur eine sehr geringe Brechung und kann daher auch fast ungehindert durchstrahlen. Und da all die Bäume dieses Planeten und vorzugsweise in diesem Land eine ganz glatt polierte Rinde haben, so glänzt die Fläche dieses für euch merkwürdigen Baumes so wie bei euch ein Spiegelglas; so daß sich jeder Vorübergehende vom Scheitel bis zur Sohle darin vollkommen beschauen kann.

18] Das ist nun wieder alles von diesem Baum! - Erweckt auch da ein wenig eure Phantasie, so werdet ihr nicht gar zu schwer einsehen, wie Ich auch ohne Städte und Paläste aus Menschenhänden verfertigt, eine Welt gar wohl zu schmücken verstehe. Und somit lasset es für heute gut sein. Alles übrige von den Bäumen für ein nächstes Mal! - Amen.

voriges Kapitel Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers nächstes Kapitel