Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 3, Seite 128


Kapitelinhalt Kurze Blicke über das Wesen der Eisenbahnen (30.01.1842)

   01] Überdenke die Punkte genau, und du wirst das Arge mit verbundenen Augen sehen und überaus leicht vollends begreifen. - -
   02] Wie groß ist der Unterschied zwischen der armen dürftigen Menschheit und den reichen Prassern, Wucherern, - und dann auch jenen wohl und reich Bemittelten, welche doch noch wenigstens den hundertsten oder manchmal sogar den fünfzigsten Teil ihres Herzens mit der Nächstenliebe ausgefüllt haben? - Ich sage dir, es verhält sich der Unterschied kaum wie Hundert zu Eins! - Sage Mir aber, wer wird denn gewinnen bei diesem großartigen Industriezweige? - Der übergroße Teil der Armut und Dürftigkeit sicher nicht, auch gar nicht der jetzt besser gesinnte Bürger des Landes, sondern einzig nur der eigenliebige, wollüstige, prachtsüchtige Prasser im Festverbande mit dem gewinnsüchtigen Wucherer. - Warum denn also?
   03] Wer die Kuh bezahlt, dem gehört auch die Milch, ist schon ein uraltes Sprichwort. - Wer baut diese Straße? - Du sagst, der Staat mit Hilfe derjenigen, welche vorderhand schon so viel Wucherreichtum besitzen, damit sie eine Summe, welche Ich nicht aussprechen will, dem Staate zu dem Behufe vorstrecken. Gut! - Was muß aber der Staat entgegentun? - Du sagst: Er muß ihnen wohlverzinsbare Schuldscheine ausgeben und nahe auf Leben, Tod, Brand und Mord ihr klingendes Darlehen sichern. - Auch wieder gut. - Wer aber wird endlich das große Darlehen samt den starken Zinsen zurückzahlen? - Oho, zuckst du schon hier mit den Achseln? - Ja, du hast recht, daß du zuckst! Es wird aber dann auch eine Zeit kommen, wo gar viele ungeheuer stark mit den Achseln und endlich mit dem ganzen Leibe zu zucken anfangen. Und ganz besonders wird der Magen bei vielen zu zucken anfangen und wird klagen über seine Leere!
   04] Siehe, darum aber du mit den Achseln zucktest, will Ich dir eine Antwort geben, und sie lautet also: Damit der Staat dann gleich einem Pilatus sich ruhigen Gewissens die Hände waschen kann, wenn gar bald solche Bahnen wurmstichig werden, so wird er sie schon früher bei gesünderem Holze den Händen des Wuchers nahe ganz zu eigen übergeben müssen. - Sage Mir, welche Arme und Dürftige werden da wohl etwas gewinnen, wo der scharfzähnige Wucher heißhungrig am toten Gerippe nagen wird und wird auch nicht für einen hohlen Zahn mehr Fleisch daran finden! Aber du meinst: Anfangs wird diese Kuh gleich soviel Milch geben, daß von deren großem Überflusse auch allen wird geholfen werden können! - Ich aber sage dir und frage dich: Sahst du noch nie, wie man zur Sommerszeit die Fliegen fängt? - Man setzt ihnen ein köstlich duftendes Gericht vor und mischt Gift darunter, da schwärmen dann die armen Fliegen freudig in Massen hin und essen sich voll am köstlichen Gerichte. Was aber gleich darauf ihr Los ist, brauche Ich dir nicht zu sagen.


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers