Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 3, Seite 067


Kapitelinhalt Das Streben der Liebe nach Vereinigung - Bewahrung der Individualität (17. Oktober 1840, nachmittags)

   01] So schreibe noch ein Beiwort, und dieses Beiwort erhelle noch so manchen dunklen Winkel des Südpols. -
   02] Was die anziehenden Kräfte anbelangt, so entsprechen diese der Liebe, die stets hungert nach friedlicher Vereinigung, und was sie einmal ergriffen hat, nicht mehr ausläßt, sondern ihren ergriffenen Gegenstand so lange von allen harten Teilen reinigt, daß sogar das kleinste Stäubchen Sandes hinaus muß vom lieberfaßten Gegenstande, damit der Gegenstand werde weich durch und durch - wie die Liebe selbst, um dadurch der möglichst innigsten Vereinigung fähig zu sein.
   03] Daß sich dieses aber so verhält, könnet ihr ja sehr leicht daraus ersehen, so ihr beachtet ein liebendes Paar, welches sich gegenseitig erfaßt und sich so lange und enge aneinander preßt und drückt, wie es nur immer möglich ist. Und bestünde nicht zwischen beiden die feindliche abstoßende Materie, wie Haut, Fleisch und Knochen, so würden sich die zwei Liebenden bis zu einem Punkte vereinen; und wenn dann erst Liebende sich geistig vollends glichen, so würde die Einswerdung noch nach einer größeren Intimität streben.
   04] Sehet, daher sind von Mir aus stets weise Schranken gesetzt in allem und jedem, damit trotz aller Liebe demungeachtet nie eine Individualität die andere zu sehr verschlinge. Und diese Maßregeln als Schranken sind die abstoßenden Kräfte in allem und jedem. Daher geschieht es selbst bei den Engeln im demutvollsten allerhöchsten Unschuldshimmel, daß ihrer großen Liebe Zustandswechsel zugelassen werden zur stetigen Verwahrung ihrer Individualität; sie haben eine ähnliche Bewandtnis geistig wie die Abspannung und Mattwerdung des Fleisches nach einem Zeugungsakte. Und wäre dieses alles nicht so von Mir eingerichtet, und das alles zwar aus Meiner ewigen Ordnung heraus, so würde endlich alles Fleisch und aller Geist zugrunde gehen. Denn die Liebe für sich hätte kein Ziel und kein Maß, und möge sie schon wie immer geartet sein, welches alles euch erst bei den späteren Enthüllungen der Geisterwelt, des Himmels und der Hölle klar und vollkommen deutlich gezeigt werden wird, und zwar wenn alle schon tiefer werden in sich gedrungen sein, das heißt: bis ins Zentrum ihres Lebens aus Mir. -


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