Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


   05] Da der Geist aber ganz in seiner Materie steckt, so geschieht es denn auch, daß er aus seiner Materie manchmal witzig und scheinbar scharfsinnig redet, welche Rede dann eine weltklugheitsvolle ist. - Aber jetzt erst kommt das große Aber! Jetzt sollst du ganz was Neues hören!
   06] Aber wenn solcher Menschen Materie also verzehrt hat ihren Geist, wie ein brennender Docht das Öl in der Lampe (bei welcher Gelegenheit dann die matte Flamme erlischt) - da wird ebenalso auch für alle ewige Zeiten der Zeiten ihr Geist erlöschen. Denn siehe, das sind eben diejenigen Menschenlarven, welche weder kalt noch warm:, sondern lau sind - das heißt, sie sind weder böse noch gut, sondern tot wie die Materie selbst. Daher werden sie auch ausgespien aus Meinem Munde - oder mit anderen Worten: sie hören nach diesem Leben für ewig auf zu sein. Denn einer belebenden Züchtigung sind sie ebensowenig fähig wie ein toter Stein. Daher sie auch unverwesbar sind.
   07] Wo aber kein Leben mehr denkbar ist, an was soll da ein Lohn übergehen, der an und für sich nur das allereigentlichste ewige Leben ist?! - Daher auch ist gesagt, daß es einem Kamele leichter ist, durch ein Nadelöhr zu gehen, als einem geisttoten Reichen zum Leben! - Wahrlich sage Ich dir: Wenn der Reiche nicht tun wird, wie Ich es geraten habe dereinst dem reichen Jünglinge, so wird er das Leben nicht überkommen.
   08] Wer da aber sagt: »Ich spare für meine Kinder, um sie dereinst versorgen zu können und unabhängig zu stellen« - auch dem wollen wir seine Freude nicht mißgönnen und wollen ihm auch ungestört das ewige Totengrab für seine Kinder bereiten lassen. - Meinst du, Mir liege etwas an solchen Menschen? - Ich sage dir: Ein fauler Apfel steht bei Mir höher als solche Menschen!
   09] Daher brauchst du dich auch nicht zu kränken, noch zu sorgen, sondern ihnen freudig zu gönnen diese kurze Glückseligkeit, also wie Ich es tue. - Denn so sie das alte Evangelium verachten und Mich Selbst einen »armen Schlucker« nennen, so werden sie vor dir doch sicher nicht anders tun, da du nur von Mir zeugest, von Mir, dem Verachteten und Verspotteten, von Mir, dem Gekreuzigten.
   10] Ich sage dir aber: Hätte dein Wort den Beifall der Welt, so wäre es nicht aus Mir! Die Verachtung der Welt aber ist allzeit das größte Zeugnis dessen, was aus Mir kommt.


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