Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 1, Seite 53


KapitelinhaltVom geistigen Schauen und Vernehmen (24.07.1840)

   01] Seht, es steht noch so manches Geheimnis hinter Meinem Rücken und so manches Wort in Meiner heiligen Brust voll Lebens und voll Kraft, voll Liebe, voll Erbarmung und voll Gnade, wovon ihr noch keine Ahnung je gehabt habt, und weshalb ihr sagen würdet: »Was ich nicht weiß, macht mir nicht heiß!« - O ja, das ist wohl ganz richtig und (solch eine Bemerkung) wäre bei weltlichen Wißtümlichkeiten wohl recht gut anzuwenden - aber nicht bezüglich Meiner großen Gnade, in der Unendliches für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten zu eurem stets sich mehrenden und wachsenden Wohle in der tiefsten Verborgenheit vorhanden ist.
   02] O Freunde, glaubt Mir, daß Ich es bin, der euch dieses alles sagt! Und glaubt - so auch eine Ewigkeit um die andere verrinnt - daß ihr noch werdet sagen müssen: »Gibt es denn keine so geringe Zahl, auch in der gebrochensten Potenz, nach welcher wir unsere Erkenntnisse zu Gott in irgendein mögliches Verhältnis zu bringen imstande wären?« - Und da wird eine Stimme aus eurer Brust euch antworten, und diese Stimme wird kommen von Meinem Herzen und wird sagen: »Es gibt keine solche Zahl! - Immer und ewig seid ihr nichts in all eurer Weisheit! Ich aber bin alles in allem! Und ihr könnt alles sein in und durch Mich - in und durch euch selbst aber ewig nichts!«
   03] Seht, daher habe Ich euch noch gar vieles zu sagen, was Ich Selbst den Aposteln zu sagen vorenthalten habe, da sie es nicht ertragen hätten, indem sie nur notzeitige Früchte waren, reifgemacht durch Meine nötigende, sichtbare Gegenwart. Allein da ihr ohne Meine Sichtbarkeit liebt und glaubet, seid ihr auch fähig, Größeres zu ertragen. Und so sollt ihr nun wieder etwas erfahren, was euren Geist unaussprechlich stutzen und staunen machen wird. - Daher merkt wohl, was Ich euch hier in der Kürze mitteilen werde, und faßt es tief in eurem Herzen!
   04] Sehet, alles, was ihr euch nur immer gedacht und geträumt habt, jetzt denkt und träumet und noch in alle Zukunft denken und träumen werden, geht ewig nicht verloren. So, wie es in euch vorging - geradeso werdet ihr es einst getreu wesenhaft wiederfinden und es alsogleich als das Eurige erkennen und euch daran erfreuen oder betrüben. Das ist zu berühren nötig gewesen, um das Künftige eurem Verständnisse näherzuführen. Denn wer da nicht weiß und sieht, daß in ihm die ganze Schöpfung kreiset, lebt und webt, der kann auch nicht den Grund seiner Triebe, Begierden und Gedanken fassen.


Home  |    Inhaltsverzeichnis 'Himmelsgaben' Band 1  |   Werke Lorbers