Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 1


   09] Wenn diese Wesen nach und nach ersehen, daß aus allen ihren Erwartungen, aus falscher Lehre und falschem Glauben, nichts wird, so verlangen sie von den höheren Lehrern weggeführt zu werden, und zwar nirgends anders hin als schnurgerade in den »Himmel«.
   10] Solches wird ihnen alsogleich auch gewährt. Allein, wenn sie da in die Wahrheit des Himmels gelangen, so glauben sie durchaus nicht, daß dies der »Himmel« sei, weil er nicht so aussieht, wie sie sich ihn fälschlich vorgestellt haben.
   11] Denn wenn sie da Menschen antreffen mit allerlei Arbeiten beschäftigt, wie auf der Erde, und zwar aus dem Grunde, weil die Freude des Himmels in nichts anderem besteht, als in einer Liebtätigkeit um die andere und in einem ersprießlichen Wirken nach dem andern - wenn sie dann solches im Himmel ansichtig werden, so fangen sie oft gewaltig über den Himmel loszuziehen an und sagen:
   12] »Das wäre mir ein schöner Himmel, wo ich wieder arbeiten müßte! Solches habe ich auf der Erde zu meinem größten Überdrusse tun müssen, und hab es nur getan des Himmels wegen! Jetzt aber, da ich in den Himmel gekommen bin, sollte ich arbeiten wie zuvor auf der Erde, und das dazu noch ewig! Da ist es ja doch viel gescheiter, ich kehre alsogleich zur Erde zurück und warte auf meinem Grabe bis zum Jüngsten Gerichte, allwann mein Leib gewiß auferstehen wird, weil es also geschrieben steht und mich auch die heilige römische Kirche also zu glauben gelehrt hat!«
   13] Und sobald kehren solche Wesen in allem Ernste wieder zurück. - Wenn sie aber an ihrem gewünschten Orte wieder alsobald angelangt sind, so werden sie von den da Harrenden kreuz und quer ausgefragt, was der heilige Petrus zu ihnen gesagt habe, ob er sie geschwind hineingelassen habe, oder ob sie auf der gewissen Wartebank lange harren mußten, bis es dem Petrus einmal gefällig war, sie hineinzulassen.
   14] Und so lassen sich oft diese Geister über ein langes und breites fragen, bis sie erst mit einer lächerlichen Antwort zum Vorscheine kommen, welche allerlei höhnende Formen annimmt. Als z.B., daß sie sagen: »Der Himmel ist nichts als ein Bauerngrund«. Oder: »Er ist nichts als eine Dienstboten-Wirtschaft«. Oder: »Die himmlischen Freuden bestehen darin, daß man nun von neuem über einen Hausknecht arbeiten soll« - und dergleichen Erklärungen des Himmels eine Menge.


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