Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 43. Kapitel: Adams Selbsterkenntnis, Reue und Umkehr.

   01] Als der Adam aber die Worte aus dem Munde des Pariholi vernommen hatte, da fing er erst an, über sich nachzudenken, und ersah dann auch vollends die Größe der noch in ihm versteckten Sünde vor Gott, darum Sich der hohe Abedam auch zum Korbe Adams nicht setzen mochte, und ersah auch die große Ungnade, in welche er sich dadurch gestürzt hatte, daß er neben Gott auch selbst als ungeborener Mensch verehrt sein wollte!
   02] Solches sah er nun ein; aber nebst dieser Einsicht fragte er auch sein Herz: Wie werde ich nun diesen meinen allerunsinnigsten Fleck vor des Herrn Augen vertilgen aus meinem Leben?
   03] Wer wird mich nun erretten und wer mich bewahren vor dem Ersticken in dem tiefsten Schlamme der allerunerhörtesten Schande - nun im Angesichte meines Gottes und aller meiner Kinder?!
   04] Nach diesen Gedanken wandte er sich zu dem Boten Pariholi und sagte zu ihm: »Pariholi, du sagtest zuvor gar wohl von der schnellen Umkehr; aber so ich dich fragen möchte: Wie ist solches für den, der sich unaussprechlich weit abgewendet hatte von Gott, so leicht möglich, wie du es dir unerfahrenermaßen vorstellst?
   05] Welche befriedigende Antwort wirst du mir da geben? Aber bedenke wohl die unermeßliche Tiefe meines jetzigen allererbärmlichsten Falles!
   06] O du allerunglückseligster Gedanke und allerschändlichster Gedanke und meines Gottes allerunwürdigster Gedanke!
   07] O du allerelendeste Vorfeuerung, wer hat dich je in mein Herz gesteckt, darum ich dich dann verordnen mußte zu meinem jetzigen Untergange?!
   08] O Sonne, beschleunige deinen Gang, damit deine Strahlen nicht zu lange mehr meine zu große Schande vor aller Erde erleuchten sollen!
   09] O Pariholi, wo hast du nun ein tröstend Wort? Was kannst du mir sagen, das mich je wieder aufrichten könnte vor Gott? Wo ist nun die von dir besprochene mögliche schnelle Umkehr? Was kannst du mir nun sagen und was geben, damit ich nicht vollends vergehe vor der allerübermäßigsten Schande, die mich nun gefangen- hält bis in die allerinnerste Wurzel dieses meines nun überelendesten Lebens?
   10] Pariholi, o rede, rede, jetzt rede, so du kannst, darfst und magst!
   11] Decke zu mit der Stimme deiner Brust mein Angesicht, damit es nicht allzusehr dem Auge Dessen ausgesetzt ist, der da nun unter uns weilt!«
   12] Und der Pariholi erwiderte darauf dem Adam: »O Vater Adam, so höre denn im Namen deines und meines Gottes Jehova, der da ist heilig, überheilig unter uns nun sichtbar dem: Auge eines jeden wenn auch noch so ungewaschenen Kindes:
   13] Wie kannst denn du noch fragen nach der Möglichkeit der schnellen Umkehr, der du doch der erste frei atmende Zeuge Seiner endlosen Erbarmungen warst und kennest da somit die endlose Liebe Jehovas um mehrere Hunderte von Jahren länger denn ich, - und doch noch kannst du darüber fragen?
   14] Siehe, die von dir seit dreihundert Jahren her verordnete, beständig übliche Vorfeuerung zu deiner Beehrung von unserer kindlichen Seite war ja eben eine noch versteckte Torheit deines Herzens vor Gott! Er sah dich schmachten unter dem schweren Drucke solcher Bürde und hat Sich darum nun deiner gewaltig erbarmt und nahm dir diese drückende Last aus dem Herzen und hat dich nun vollends frei gemacht.
   15] Wie kannst du, alter Vater, der du unser aller Urlehrer warst, denn nun noch fragen nach der Möglichkeit einer schnellen Umkehr, so Er dich schon lange vorher umgekehrt hat, als du noch dessen gedachtest, was alles Arges hinter dieser deiner Vorfeuerung stecken möchte?!
   16] Warum wirst du denn darum ärgerlich in deinem Herzen, so der Herr, der heilige Vater, dir ein gewaltiges verborgenes Übel auch gewaltsam auszieht aus deinem Herzen?
   17] Oder meinst du etwa, daß Er dich verderben will, so Er dich eben also gnädigst aufrichtet?
   18] O Vater, - siehe hin an jene heiligste Stelle; siehe an Sein Auge, Seinen Mund, siehe an Seine so väterlich liebefreundlichst weit ausgestreckten Arme! Welche allerhöchste Liebe strahlt aus Seinem allerheiligsten Angesichte zu dir herüber, Vater Adam! Und dennoch kannst du fragen nach der Möglichkeit der schnellen Umkehr!
   19] O Vater, es wäre mir nicht möglich, dir noch mehreres darüber zu sagen in der allerheiligsten Gegenwart Dessen, der dir aus jeglichem Haare Seines Hauptes überlaut zuruft: 20.,Adam, Mein Sohn, warum zögerst du so lange und eilst nicht in die offenen Arme deines ewigen, allerheiligsten Vaters, dessen endlose Liebe sich schon Ewigkeiten mit dir beschäftigte?!
   21] O Vater Adam, verstehst du diese Worte denn etwa noch nicht?'
   22] Der Adam aber sprang nach diesen Worten freudeglühend auf und umarmte den Pariholi; nach dem aber sagte er zu ihm: »O Pariholi, wer gab dir solche Worte zu reden?
   23] Wahrlich, der tiefe Abend hat in dir diese himmlische Frucht nicht zur Reife gebracht!
   24] Daher eilen wir beide hin zu Ihm und umfangen Ihn mit den hellsten Flammen unserer Liebe; denn wahrlich wahr, jetzt hat Er in meinem Herzen das Vor- und Nachfeuer angezündet! Noch nie habe ich solchen Liebedrang empfunden denn eben jetzt; daher lasse uns schnell hineilen zu Ihm, - Ihm, dem liebevollsten, heiligsten Vater! Amen.«


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