Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 13. Kapitel: Ansehen und Führeramt.

   01] Und nachdem diese drei auch entlassen worden sind, wendete sich Abedam der Hohe zu Abedam, dem bekannten, und fragte ihn:
   02] »Abedam, sage Mir, was soll Ich denn aus dir machen? Siehe, die Kinder im Abende haben noch keinen Führer; wie wär's denn, so Ich dich ihnen gäbe?«
   03] Und der andere Abedam entgegnete: »O du bester Vater! Fürs erste kann ich Dir auf diese Deine lebenvollste Frage nichts anderes zur Antwort geben als: Es geschehe Dein heiliger Wille! Denn Du weißt es ja ohnehin, daß ich allzeit bereit bin, für Dich ins Feuer zu gehen und mich in alles aus endloser Liebe zu Dir umgestalten zu lassen, was nur immer Dein heiliger Wille aus mir machen möchte!
   04] Jedoch, weil dieses Führeramt denn doch immer mit einem gewissen Grade von Ansehen notwendig verbunden ist (vergib mir, wenn ich gewohntermaßen von der Leber geradeheraus sage), welches, ich glaube es fest, auch Du Selbst nicht so ganz und gar vom Amte trennen kannst, solange der Führer das sein und bleiben solle, wozu Du ihn allergnädigst erwählt hast, so möchte ich Dich bloß darum bitten, zuliebe meiner schon alten Demut, die mich eigentlich zu Dir geführt hat, mich samt meiner großen Dummheit mit diesem heiligen Amte zu verschonen. Siehe, es sind da der Kinder in der großen Menge; es werden sich sicher noch mehrere Kisehels darunter finden lassen!
   05] Du weißt es ja, daß ich schon von jeher nur meine größte Freude an der möglichst geringsten Stellung hatte, daß ich allzeit um ganze tausend Male lieber gehorchte, als irgendeinem andern ein Geschäft gab; darum also verschone mich mit diesem Amte!
   06] Ja, so es Dir recht wäre, - so ganz im unbemerkten Stillen möchte ich wohl Deinen heiligen Namen verkünden; aber nur möchte ich dabei von niemandem als etwas beachtet werden!
   07] Ich weiß zwar wohl von Dir aus, daß dann selbst die Demut aufhört, eine eigentliche Tugend zu sein, so man sie nur darum beachtet, weil man sich gewisserart eigenliebig in ihr am wohlsten befindet, - allein, o Du bester Vater, Du siehst ja mein Herz, daß solches bei mir ganz und gar nicht der Fall ist, sondern daß ich nur aus Liebe und allerhöchster Achtung zu Dir demütig und aus diesem Grunde aber auch gegen alle meine Brüder überaus gerne dienstfertig bin, was da solches alles ist meine alleinig größte Freude! Darum verschone mich mit diesem Amte; jedoch Dein heiliger Wille jetzt, wie allzeit! Amen.«
   08] Und der hohe Abedam fragte ihn abermals, sagend nämlich: »Also möchtest du wahrhaft kein Führer sein darum, da an diesem Amte irgendein Ansehen haftet, welches du mit dem Amte unzertrennlich glaubst, ohne so recht zu bedenken, daß Ich vielleicht das dir lästige Ansehen vom Amte doch zu trennen vermöchte?'
   09] Und der bekannte Abedam erwiderte: »Ja, Herr und Vater Abedam, wenn solches möglich ist, dann magst Du mich zum Führer der Tiger, Hyänen, Löwen, Bären, Wölfe, Luchse, Füchse erwählen, so will ich Dir folgen bis ans Ende der Welt! Wenn Du mich senden möchtest in die Tiefen der Meere, so will ich gehen und dort vollziehen Deinen heiligen Willen, - aber nur das Ansehen hinweg!
   10] Ich für mich kann weder die Kraft, noch die Macht und noch die Gewalt gebrauchen, sondern allein Deine Liebe in meinem Herzen; denn so ich gleich den übrigen die Kraft, Macht und Gewalt hätte, wer möchte mich da beschützen vor des Amtes Ansehen?!
   11] So ich aber nur Deine Liebe habe in meiner untersten Geringheit, da kann ich jedermann dienen nach der Kraft Deiner Liebe in mir in der allerseligsten Demut meines Lebens!
   12] So demnach Dein heiliger Wille es wäre, möchte ich ja wohl ein unbeachteter Führer in Deinem heiligen Namen sein. Amen. »
   13] Und der hohe Abedam, sagte darauf zu ihm: »Höre, Abedam, dein Sinn ist gerecht und ganz würdig, sich Meines großen Wohlgefallens zu erfreuen; allein dein Erkennen in Meiner Ordnung der Dinge steht deinem reinen Sinne noch recht weit nach. Denn siehe, es kann ja doch in der Ordnung aller Dinge kein Amt irgend geben, das da nicht mit einem erforderlichen Grade von Ansehen verbunden sein sollte; denn ohne solches Ansehen wäre ja das Amt kein Amt, sondern es wäre bloß eine lose Freistätte des Widerspruches darin jedweder möchte lieber für seine eigene Torheit streiten, denn der Weisheit seines Bruders folgen.
   14] Wenn aber das Amt versehen ist mit dem gehörigen Grade von Ansehen, welches da besteht in der erforderlichen Kraft, Macht und Gewalt, so wird der Frevler ja dadurch abgehalten, zu spotten des Amtes und Meiner Ordnung, und wird endlich genötigt, des Amtes Regel zu ergreifen, diese Regel dann wenigstens so lange gezwungen zu beachten, bis er sich dieser Regel also vollends bemächtigt hat, daß sie ihm zur Richtschnur des eigenen Lebens, wie aus ihm selbst hervorgegangen, eigen, fertig und geläufig wird.
   15] Siehe nun du, Mein geliebter Abedam, solches kann das Amt ohne einen gerechten Grad des Ansehens nimmer bewirken!
   16] Willst du daher Mir ein Diener sein, da mußt du Meinen Willen ganz erfassen und darnach dich verhalten und getreu handeln, und es darf nichts von deinem Willen dabei sein als nur allein der willige Gehorsam, welcher da ist der Same der wahren, inneren Demut.
   17] Das Ansehen aber haftet ja ohnehin nicht an der amtshandelnden Person, sondern nur am Amte selbst, welches aber nichts anderes darstellt als Mich Selbst in Meiner Liebe, Gnade und Erbarmung, so es von Mir aus angeordnet und bestimmt wird samt denen, welche da das Amt zu führen haben. Möchtest du Mir daher das Ansehen Meiner Heiligkeit streitig machen?!
   18] Es wird zwar in der Zeit der Dinge der Welt wohl noch gar verschiedene Ämter geben, und die Menschen werden sich bis zum Tode abmühen, um ein solches Amt irgend zu erhaschen; diese Ämter werden dann freilich wohl schwerlich von Mir sein, und alle ihre Kraft, Macht und Gewalt wird sein eine euch allen noch fremde Weltmacht!
   19] Doch also verhält es sich nicht mit dem Amte, das Ich dir hier auferlege! Dieses Amt erhältst du ja nur zufolge deiner großen Demut; daher nimm es an also, wie es alle anderen angenommen haben, und handle danach, so wirst du wahrhaft leben ein vollkommenes Leben aus und in Mir!
   20] Und so empfange denn auch du Meinen Segen, und sei darum ein wahrer, getreuer und lebendiger Führer aller der Kinder des Abends.
   21] Dem du aber die Hände auflegen wirst in Meinem Namen, der soll dir gleich ein Führer den Brüdern werden in aller Liebeweisheit aus Mir.
   22] Und also nimm hin Meinen Segen, und wie du führest Meinen Namen, also sollst du auch fürder führen Mein Wort, Meine Liebe, Meine Gnade und Meine Erbarmung in aller Kraft, Macht und Gewalt! Amen.«


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