Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 9. Kapitel: Sethlahems Dankrede und Preis der Demut.

   01] Nach dieser Bestimmungsrede Abedams dankten die Zehn allerinbrünstigst Ihm, darum sie fürs erste erkannt haben Jehovas unendliche Barmherzigkeit, Liebe, Geduld, Langmut und Sanftmut, und fürs zweite, darum Er ihnen eine so große Gnade erwies, daß Er gerade sie, die sich nun für die Allerunwürdigsten hielten, erwählt hat zu Werkzeugen Seiner großen Erbarmungen.
   02] Und der Sethlahem öffnete endlich seinen Mund und sagte zu allen seinen Miterwählten: »Brüder, jetzt ist meine Weissagung in die herrlichste Erfüllung übergegangen!
   03] Ich habe euch allen ja zu öfteren Malen gesagt, so ihr manchmal behauptet habt, daß der erhabenste, heiligste, große Jehova nur an den erhabenen, großen und glänzenden Dingen Sein Wohlgefallen haben könne, daß solches sicher nicht der Fall sein werde, sondern auf uns bezogen gerade nur im Gegenteile.
   04] Je geringer jemand ist, je ärmer, je demütiger, je furchtsamer vor Ihm und sich zurückziehender von der Welt, je einfältiger in aller seiner Rede und Handlung, je sich geringschätzender denn alle seine Brüder, je dienstfertiger gegen alle, und je weniger um sich selbst besorgt, desto wohlgefälliger wird man ganz sicher Ihm werden; denn also schloß ich:
   05] »Hätte Jehova Sein größtes Wohlgefallen an den großen und glänzenden Dingen, so würde Er auch sicher ihnen Zungen und eine bei weitem größere Sprachvollkommenheit gegeben haben, als wir sie je zu fassen vermöchten; uns aber hätte Er dann stumm gelassen.
   06] Allein, wer hat noch je einen Baum reden hören, wer je einen Berg, wer einen Strom, wer das Meer, wer je die Erde, die Sonne, den Mond und die Sterne?!
   07] Und ich redete weiter, weiter durch die Gnade des Herrn, als ihr mir das Gras und andere kleine sprachlose Dinge entgegenhieltet: ,Das bescheidene Gras, wenn es auch nicht sprechen kann, ist sicher um tausend Male gesegneter denn ein stolzer, hochmütiger Baum; man darf nur die unschätzbare Nützlichkeit desselben betrachten.
   08] Es gibt uns das Brot; es ernährt unsere Kühe, Schafe und Ziegen; wie viele Tiere und Tierchen, die wir gar nicht kennen, leben vom Segen des bescheidenen Grases, während von einer stolzen und hohen Zeder nicht einmal ein hungriger Bär etwas herabreißen kann zur Stillung seines Hungers!'
   09] Und wieder weiter sprach ich zu euch: ,Sehet an die Bäume! Je kleiner sie sind, desto gesegneter und lieblicher und süßer ist auch ihre Frucht, und wir genießen sie mit großer Freude, dankbar dem heiligen Geber.
   10] Wer aber möchte seine Zähne an die harte, ungenießbare Frucht der großen, hohen und überaus majestätischen Eiche setzen und ihren Segen mit den Schweinen teilen? Oder wer mit den Raben um die taube Frucht der Zedern einen eigennützigen Streit eingehen? Und die Zapfen der hohen Tannen, wessen Gaumen möchte diese Kost wohl behagen?!'
   11] Und noch weiter redete ich zu euch: ,Sehet die Gewässer, die Flüsse und die Bäche! Solange sie bescheiden bleiben und recht klein in ihren Betten, so lange auch bleiben sie rein bis auf den Grund, daß es eine wahre Lust ist, sie anzusehen; fangen sie aber an zu wachsen und werden größer und mächtiger, - wie werden sie da auch alsbald trüber! Und was früher das bescheidene reine Bächlein gesegnet hatte, das und noch viel mehr zerstört und verheert hernach der mächtig angeschwollene Bach, Fluß und Strom!
   12] Der segenvolle Regen fällt nur in kleinen Tröpfchen; ist er aber angeschwollen zu großen Tropfen, da kommt er mit großem Sturme und schlägt, was er sonst in seiner Bescheidenheit hätte aufrichten und beleben mögen, nur verderbend zu Boden.'
   13] Und ich hätte euch noch manches gesagt über die stete Armut und Geringfügigkeit; allein damals schwebte in euren Herzen noch ein ganz anderer Geist, und alle eure Gottwohlgefälligkeitsbegriffe prangten entweder auf den höchsten Gebirgsspitzen, wo nicht gar manchmal über allen Sternen!
   14] Allein, was ich selbst damals nur mühsam für mich, für euch und alle meine Kinder der Schöpfung abgelauscht habe, sehet, dasselbe zeigt mir und uns allen jetzt in übergroßer Klarheit der große Abedam Jehova Emanuel Selbst, daß Er nicht ansieht das Ansehen, die Größe, den Glanz und die Pracht der Dinge dieser Welt, und ist Ihm eine Mücke lieber denn ein Mamelhud; denn der Mücke gab Er sogar ein Flügelpaar zum Fliegen, aber das Mamelhud muß sich schwerfällig und mühsam fortschleppen auf der Erde Boden und suchen für seinen großen Bauch die nötige Nahrung.
   15] Also seht nun die Erfüllung meiner Weissagung, o Brüder! Wie herrlich hat es sich nun vor unseren Augen enthüllt!
   16] Der Herr, unser aller allmächtiger Schöpfer, unser heiliger Vater, Jehova der Ewige, der Unendliche in Seiner Liebe und Weisheit, Er, das Licht alles Lichtes, die Kraft aller Kräfte, die ewige Macht aller Mächte, Er Er Selbst hat es uns allen nun gezeigt daß vor Ihm nur die Niedrigkeit der wahren Demut im Verbande mit der reinen Liebe zu ihm etwas gilt, alles andere aber gänzlich ohne Wert ist.
   17] O Brüder, wer faßt da die unendliche Größe Seiner Erbarmung, Liebe und Gnade!
   18] Er hätte uns ja ebenso leicht können zur Gewinnung Seiner Vaterliebe und somit des ewigen Lebens das Hochstreben, den Glanz und alle Prachtsucht zur Bedingung geben! Allein nur äußerlich betrachtet, abgerechnet Seine ewige Ordnung, - wie entsetzlich teuer wäre uns dann Seine Gnade zu stehen gekommen?!
   19] Aber wie leicht ist nun das ewige Leben zu gewinnen! Denn in meiner größten Niedrigkeit kann ich es und jeder erhalten als ein freies Geschenk von Ihm, dem so überguten, heiligen Vater!
   20] O Du lieber Vater Du! Wie überaus freue ich mich nun, daß Dir nur die demütige Niedrigkeit wohlgefällt, und nicht der Glanz, den ich und wir alle uns nie hätten zu eigen machen können!
   21] O nimm dafür den ewigen Dank unserer Herzen gnädigst an; Dir allein sei daher alle Ehre, aller Ruhm und aller Preis von uns allen, daß Du uns angesehen hast in unserer Niedrigkeit und hast uns erwählt zur Dämpfung und Löschung der Hoffart der Welt in Deinem Namen!
   22] Erhalte uns alle aber auch in der beständigen Demut und Liebe zu Dir und allen Brüdern ewig! Amen.«


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