Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 6. Kapitel: Zuriel als Schutzgeist der Neuvermählten. Prüfung der Liebe des neuen Ehepaares.

   01] Als aber alle, die da anwesend waren, sahen, was da geschehen war, ergriff sie eine große Angst, und sie fürchteten sich sehr ob dieser Tat, und keiner getraute sich, den hohen Abedam um etwas zu fragen. Allein die Ghemela sammelte sich nach kurzer Zeit und ging hin zum Abedam, fiel vor Ihm nieder und bat Ihn in der Tiefe ihres Herzens um die gnädigste Erlaubnis, Ihn um etwas fragen zu dürfen.
   02] Und der Abedam aber erwiderte ihr zuvorkommend: »Meine überaus geliebte Ghemela, ist dir nicht ein wenig bange um deinen Zuriel, der da war der Vater deines Leibes?«
   03] Und die Ghemela bejahte diese Frage im Herzen und gab äußerlich mit ihrem unschuldigsten Kopfnicken das wohlerratene Anliegen ihres Herzens zu verstehen.
   04] Und der Abedam aber sagte zu ihr, sie tröstend: »Meine überaus geliebte Ghemela, meinst du etwa, der Zuriel ist darum aus dem Dasein verschwunden, dieweil du ihn nicht mehr mit deinen Augen sehen kannst?
   05] O sei darüber völlig getröstet: du wirst ihn noch öfter zu sehen bekommen und mit ihm von noch viel herrlicheren Dingen reden können, als du bis jetzt je gesprochen hast mit ihm!
   06] Daß er aber hier im Angesichte aller solche große Gnade empfing, geschah vorerst deinetwegen, damit er dir und deinem Manne ein treuer Wächter und Beschützer werden solle gegen alle Versuchungen der Welt; und so Ich zu euch je und je kommen werde, soll er Mich euch allzeit vorher getreulichst ankündigen.
   07] Und zum zweiten aber soll er nun auch aller der Kinder aus dem Mittage ein allgemeiner geheimer Leiter sein, darum er durchschauen wird alleihre Herzen inwendig und wird sie nach Meinem Willen auch gewaltigst erschüttern können, so er in ihnen irgend eine Untreue entdecken oder gewahren wird; und sie werden dann leichtlicher wieder zu Mir kehren und hören dann in ihrem eigenen Herzen Meinen Vaterruf, wie auch gar wohl verstehen den inneren Donner Gottes.
   08] Und endlich werden heute noch mehrere vom Mittage her zugerichtet werden, um hinabzusteigen in die Tiefe zu der großen Weltstadt Hanoch, um auch dort den Kindern der Welt, deren ein Teil ist voll der höchsten Greuel, ein Teil aber unter der härtesten Knechtschaft und niedrigsten Sklaverei blutet, Meinen Namen zu verkünden und ihnen zu predigen ernste Buße und wahre Besserung und unverzügliche Rückkehr zu Dem, der schon so lange langmütigst, geduldigst und barmherzigst ihrer Rückkehr harrt!
   09] Doch diese Erbarmung wird die letzte sein den Kindern der Schlange!
   10] Siehe nun, du Meine allerliebste Ghemela, solches Geschäft wird nun die große Treue Zuriels in Anspruch nehmen; und also habe Ich seiner vonnöten, damit an ihm der Drache merke, daß ein Kleiner von Mir aus größer und stärker ist denn er mit all seinen zahllosen argen bösen Rotten!«
   11] Und die Ghemela ward voll Freuden in ihrem liebevollsten und dankbarsten Herzen und fiel dem Abedam wieder zu Füßen.
   12] Aber der Abedam hob sie alsbald wieder auf und setzte sie wieder auf Seinen Arm und fragte sie, ob sie nun noch ein Anliegen habe.
   13] Sie aber konnte nicht reden vor zu großer Freude, weil sie jetzt sah, daß sie ihr Jehova in der Ehe mit dem Lamech ebenso liebhat wie zuvor, da sie noch keinen Mann an ihrer Seite hatte.
   14] Der Abedam aber drückte sie ans Herz und rief den Lamech herbei und fragte ihn: »Lamech, wie bist du zufrieden mit der Ghemela? Siehe, sie vergißt deiner auf Meiner Hand! Was sagt dir dazu dein Herz«?
   15] Und der Lamech antwortete, sich an die Brust Abedams werfend: »O Vater, Du heiliger lieber Vater! So Du mein Herz jetzt nicht zusammenhältst, so vernichtet es eine nie empfundene endlos große Liebe zu Dir.
   16] (Weinend:) O Vater, als Du mir diese überhimmlisch reine Ghemela zuerkanntest und gegeben hast aus Deiner heiligen Hand, da dachte ich: Wie werde ich Dich lieben können wie zuvor, so ich meine Liebsorge allein zu Dir werde teilen müssen mit der Ghemela?
   17] Und als ich sie dann erhob, da fürchtete ich mich, daß meine Hand sie verunreinigt haben möchte, darum sie dann nimmer so rein und Dir so lieb sein möchte, wie sie ehedem war.
   18] Allein, da ich sie, die Du mir zur Verwahrung und Beschützung übergabst, nun wieder auf deiner Hand sitzend erschaue, - o Vater, Du lieber, heiliger Vater! - siehe, so ist's nunvöllig aus mit meinem Herzen!
   19] So Du mich nicht erhältst, so sterbe und vergehe ich vor zu großer, über alles dankbarster Liebe zu Dir, o Du mein, mein, mein überheiliger, überguter Vater!«
   20] Und der Abedam beugte sich nieder zum Lamech und sagte zu ihm: »Geliebter Lamech! Siehe, der Vater hat noch eine freie Hand; setze auch du dich darauf und erfahre, wie sehr Ich euer aller Vater bin!«
   21] Und der Lamech getraute sich nicht, denn er hielt sich für viel zu unwürdig; aber der Abedam ermutigte ihn, - und alsbald erhob der Abedam auch ihn und drückte ihn an die heiligste Brust und sagte dann zu beiden:
   22]« Wie ihr jetzt seid, also bleibt fortan, so werdet ihr dieses heiligen Platzes nie, ja ewig nie verlustig werden!
   23] Ihr seid das erste Kindleinpaar, die Ewigkeiten her Ich auf Meinen Händen trage erschaulich; solches aber soll ein ewiges Gedenkzeichen für alle nachfolgenden Kinder bleiben, daß nur diejenigen wahrhaft Meine Kinder sein und werden werden, welche sich von Mir werden ergreifen, ziehen und also wie ihr auf Meinen Händen tragen lassen.
   24] Welche aber nicht euerm Beispiele nachfolgen werden, diese werden auch wenig Liebe und noch viel weniger Lebens von Mir empfangen.
   25] Nun aber siehe du, Mein Lamech, die Seele Meiner und deiner Ghemela an!«
   26] Hier blies Abedam dem Lamech in die Augen; und der Lamech ersah die Ghemela in einer also glänzendst lichten Gestalt, deren Glanz unvergleichlich heller war als das Zentrallicht aller Sonnen.
   27] Er fuhr bei diesem Anblicke zusammen; als er aus dieser Betäubung sich nach und nach erholte, da erst fing er an zu weinen und wußte sich vor Liebe zu Mir nicht zu helfen.
   28] Der Abedam aber sagte zur Ghemela: »Ghemela, siehe, der reine Lamech weint vor Liebe zu Mir! Trockne mit deinen Haaren ihm die herrlichen Tränen aus den Augen, und solche Tat soll allzeit dir und allen deinen Nachfolgerinnen zukommen!«
   29] Und die Ghemela umarmte zum ersten Male mit ihren zartesten, weichesten und wahrhaft himmlisch schönsten Armen den Lamech; mit ihrer Stirne und mit ihren überzarten Wangen aber trocknete sie Lamechs herrliche Tränen aus seinen Augen, da beide der heilige Vater in diesem Momente noch auf Seinen Händen trug.
   30] Darauf aber trug Er sie hin zu den Vätern, küßte sie beide und gab sie dann segnend wieder den Vätern mit der Bemerkung:
   31] »So rein, wie diese hier sind, sollen Mir alle geborenen Kinder wiedergegeben werden! Ich bin ihr Ursprung; zu diesem Ursprungsollen sie also wiederkommen für ewig. Amen.«

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