Jakob Lorber: 'Die geistige Sonne' (Band 1)

Kapitelinhalt 46. Kapitel: Im Morgen-Hügelland. Kleine Liebesprüfung - Wie stellt ihr euch Jesus vor?

   01] Nun seht, nach unserer bereits schon gewohnten Schnellreise-Weise sind wir auch schon an Ort und Stelle. Da eben vor uns steht schon ein solches Häuschen. Sieht es nicht beinahe so aus, wie etwa bei euch auf der Erde ein recht niedliches Alpenhaus in der Schweiz? Ihr sagt: Ja, fürwahr, es sieht wirklich so aus; es ist zwar ein großer Unterschied zwischen solch einem Häuschen und einem Palaste oder gar einer großen Stadt dort mehr unten in der früheren Ebene, aber dessen ungeachtet möchten wir es lieber bewohnen als einen solchen Palast.
   02] Nun gut, wir wollen nun in das Innere eines solchen Hauses gehen und seine Einrichtung betrachten und auch dessen allfällige Bewohner. Seht, wir sind schon im Innern des Hauses. Ihr fragt nun: Aber, lieber Freund, wie kommt denn das, daß dieses Haus sich inwendig nicht verändert nach der gewöhnlichen geistigen Art, sondern ein unveränderliches Haus ist, wo das Inwendige genau dem Äußeren entspricht?
   03] Liebe Freunde, solches werdet ihr im Verfolge und im Verkehr mit den Bewohnern dieser Gegend genau kennenlernen, und zwar im Verfolge, wie sich unsere Anschauung nach und nach gestalten wird, und im Verkehr mit den Einwohnern, wie sich diese vor uns zeigen werden:
   04] Bemerkt ihr hier nicht auch allerlei landwirtschaftliche Gerätschaften - Es gibt Sicheln, Hauen, Rechen, Krampen und Pickel; sogar der Pflug mangelt nicht und die Egge, und wenn ihr euch einmal rechts umseht, hinter diesem Hause befinden sich sogar ein kleines Wirtschaftsgebäude und eine Stallung für ein oder zwei Paar Ochsen. Und da seht ihr wieder eine Küche, hier ein Zimmer für Dienstleute und da vorne ein recht geschmackvolles Zimmer für die Eigentümer dieses Hauses. Was sagt ihr zu dem allem?
   05] Es nimmt euch wohl ein wenig wunder, wie ich sehe, denn ihr sagt es in euch: Wahrlich, die Sache kommt uns ganz heimelig vor, und wir möchten wirklich ohne vieles Bedenken hier verbleiben; dessen ungeachtet aber nimmt diese ganze irdische Einrichtung sich in dem offenbaren Himmel ein wenig sonderbar aus.
   06] Meine lieben Freunde, ich habe es mir wohl gedacht, daß euch solches ein wenig befremden wird. Noch mehr aber dürfte solches so manche pikfesten Erzpapisten befremden, welche sich den Himmel unter einem ewigen Müßiggange vorstellen. Wie es jedoch solchen hier ergeht, werden wir im Verlaufe der weiteren Durchwanderung unserer mittägigen Gegend schon noch hinreichend kennenlernen.
   07] Damit ihr aber wißt, warum ihr hier alles landwirtschaftliche Gerät also angetroffen habt wie auf der Erde, so sage ich euch vor der Hand nur so viel, daß auf der Erde solcher Art Gerätschaften unmöglich je wären erfunden worden, wenn sie nicht zuvor in der vollkommen entsprechenden Weise und Form in allen den Himmeln wären vorhanden gewesen.
   08] Alsdann kann es euch nicht wundernehmen, wenn ihr hier im geistigen Reich des Himmels Ureigentümliches findet, denn alle diese Gerätschaften bezeichnen die Liebtätigkeit und stehen hier als Mittel zur Erzeugung des Guten und Ersprießlichen da. - Mehr brauchen wir vor der Hand nicht zu wissen.
   09] Nun seht aber, von einem Acker kommt soeben der Besitzer dieses Hauses daher; wir wollen ihm entgegengehen und ihm unsern Gruß und unser Anliegen darbringen. Er hat uns schon erschaut und eilt uns mit offenen Armen entgegen. Wie gefällt euch sein Anzug? Ihr saget: Lieber Freund, fürwahr gar nicht übel; denn solche Anzüge sind wir zu sehen gewohnt. Er sieht ja aus wie so ein recht gottesfürchtiger, emsiger Landmann auf unserer Erde. Wir sehen an ihm ein gewöhnliches, eben nicht gar zu feines Hemd und dann auch Beinkleider, ebenfalls aus derselben Leinwand verfertigt. Das ist aber auch alles, was wir an diesem guten Manne entdecken. Wenn er nicht um die Mitte einen roten Gürtel hätte, so würde er sich eben nicht zu viel von einem Pantalone (Feldarbeiter) unterscheiden.
   10] Ja, meine lieben Freunde, hier geht es schon nicht mehr so glänzend zu als wie dort in den Palästen. Ihr fragt hier freilich und sagt: Lieber Freund, soll denn das wohl ein höherer Seligkeitsgrad sein denn derjenige da unten in der endlos großen Ebene, die von zahllosen Herrlichkeiten und von einer unaussprechlichen Pracht strotzet? Ich sage euch: Der Seligkeitsgrad hier ist um ebensoviel erhabener, um wieviel er derjenigen Herrlichkeit und Pracht dem Außen nach nachsteht. Wie aber solches, das wird sich euch bald klar dartun. - Seht, unser Mann, ist schon hier, und so wollen wir ihn denn auch sogleich empfangen.
   11] Höret, er spricht: Seid mir tausendmal willkommen, meine geliebten Brüder! Ich sehe, ihr habt eine bedeutende Gesellschaft noch mit euch gebracht; ich weiß es schon, was diese hier sucht. Ich sage es euch aber auch zugleich, es wird diese liebe, gute Gesellschaft noch so manche Anstrengung und Selbstverleugnung kosten, bis sie sich in dieses höhere Leben eingewöhnen wird, und selbst dann wird es sie wieder eine noch weitere Mühe und bedeutende Anstrengung kosten, bis sie sich dieses höhere Leben völlig zu eigen machen wird. Aber du, mein lieber Bruder, weißt es ja, daß durch die Liebe und Geduld alle Schwierigkeiten besiegt werden können.
   12] Und so soll von mir auch nichts verabsäumt werden, was da erforderlich ist zur wahren, ewigen, lebendigen Versorgung dieser lieben Bruder und Schwestern.
   13] Nun, meine lieben Freunde, wollen wir uns ein wenig in meine Wohnung begeben und wollen auch sogleich das Hauptpaar dieser Gesellschaft mitnehmen und mit ihnen übereinkommende Anstalten treffen, damit sie alsobald nach der ewigen Liebeordnung untergebracht werden. Und so laßt uns gehen!
   14] Seht, unser Gastfreund winkt auch schon dem Hauptpaare der Gesellschaft, und dieses begibt sich, gar freudig dem Winke unseres lieben Gastfreundes folgend, mit uns in dessen Wohnung. - Wir sind nun schon im Inwendigen des Zimmers, und so denn habet acht auf alles, was da vor sich gehen wird.
   15] Unser Gastfreund spricht zu dem Paare: Meine lieben Freunde, seid mir in der ganzen Tiefe meiner Liebe willkommen und sagt mir frei und offen, was euch bewogen hat, eure große Herrlichkeit zu verlassen und hier auf den Hügeln, auf denen keine Pracht, kein Reichtum und keine Üppigkeit zu Hause sind, euer ferneres Fortkommen zu suchen.
   16] Der befragte Mann spricht: Himmlischer Freund! Ich kenne dich noch nicht, wer du bist deinem Wesen nach, da du mich aber aus deinem innersten Lebensgrunde um den Beweggrund unserer Unternehmung fragst, so sage ich dir, daß der Herr der alleinige Beweggrund zu dieser meiner und somit unser aller Unternehmung ist.
   17] Der Gastfreund spricht: Solches von euch zu vernehmen ist die einzige Wonne meines Herzens, aber der Herr hat euch ja ohnedies einen unermeßlich großen Lohn beschieden, wollt ihr denn mehr? Denn ich meine, es sollte ja doch genug sein, so der Herr euch alles gegeben hat, was nur immer euer Herz in aller seiner denkenden Tiefe ersinnen mag; und Ich meine, daß demnach eine solche Unternehmung von euch beinahe so aussieht wie Undank.
   18] Der Mann spricht: Lieber Freund, dem Äußern nach möchte es wohl also aussehen, aber nicht unserem Inwendigen nach. Denn siehe, was würdest wohl du tun an meiner Stelle, wenn du noch tausendfach größere Herrlichkeiten der Beschaulichkeit nach besäßest denn ich, so du aber bei all solcher unaussprechlichen Herrlichkeit dennoch nicht solltest je den heiligen Geber wesenhaft zu Gesichte bekommen? Siehe, du würdest sicher bei deiner großen Liebe zum Herrn lieber alles verlassen, um dadurch möglicherweise dem Herrn näher und näher zu kommen.
   19] Der Gastfreund spricht: Liebe Freunde, solches sehe ich wohl gar gut ein und weiß auch, warum du solches zu mir gesprochen hast. Weißt du aber auch ganz gewiß, daß du hier den Herrn wirst zu Gesichte bekommen und wann? Oder weißt du ob diese Gegend unter diejenigen zu zählen ist, in denen der Herr wesenhaft persönlich erscheint?
   20] Der Mann spricht: Lieber Freund! Solches weiß ich freilich nicht; aber so viel weiß ich, daß dem Herrn das Kleine lieber ist denn das Große, indem Er Selbst gesagt hat: »Laßt die Kleinen zu Mir kommen!« Und so glaube ich, auf keinem Irrwege zu sein, wenn ich mich nun hier vor dir befinde, indem ich aus Liebe zum Herrn alle meine Pracht verlassen habe und habe gesucht die Einfachheit und die Niedrigkeit dieser Hügel.
   21] Unser Gastfreund spricht: Mein lieber Freund, du hast mir recht geantwortet, nur meine ich, daß deine Antwort hier nicht am rechten Platze ist; denn siehe, der Herr spricht ja solches nur vor der Welt, indem Er doch offenkundig dargibt, daß alle weltliche Größe vor Ihm ein Greuel ist; und wieder spricht Er: »Wer auf der Welt der Geringste ist, der ist vor Ihm oder in den Himmeln der Größte.« Du bist aber nun nicht mehr auf der Welt, sondern du bist im Himmel. Auf der Welt warst du klein, ja du warst ein unbeachteter Hirte auf den Alpen, der Herr aber hat dich darum in dem Himmel groß gemacht. Frage dich demnach selbst, was du suchest?
   22] Der Mann spricht: Lieber Freund, ich erkenne wohl, daß du mich in der Weisheit aus dem Herrn ums Unendliche übertriffst; aber solches weiß ich auch, daß ich im Verlaufe meiner schon lange andauernden großen Seligkeit den Herrn dennoch nie anderartig denn allein nur in Seiner heiligen Gnadensonne geschaut habe.
   23] Der Gastfreund spricht: Was willst du denn mehr? Hast du denn nie gelesen: »Der Herr Gott Jehova wohnt im unzugänglichen Lichte?« Wie magst du dich denn hernach Ihm mehr, als es dir möglich ist, nahen?
   24] Der Mann spricht: Lieber Freund, solches ist wahr; aber der Herr Gott Jehova war auch ein Mensch auf der Erde, und hat sonach unsere Natur angenommen und als Mensch den Seinigen die Verheißung gemacht, daß sie bei Ihm wohnen werden ewiglich. Er hat ja sogar dem mitgekreuzigten Missetäter gesagt: »Heute noch wirst du bei Mir im Paradiese sein!« Und Paulus, der Apostel, freute sich, zum Herrn zu kommen. Also glaube auch ich, daß es in den Himmeln Gottes auch irgend möglich sein sollte, dem Vater in Christo menschlich zu begegnen, und Ihn mit dem allerliebeerfülltesten Herzen und allerseligst wonnigsten Auge zu erschauen!
   25] Der Gastfreund spricht: Nun gut, weil du also glaubst, so magst du hier verweilen, denn was der Herr gesprochen hat auf der Erde, das ist wahrlich auch im gleichen Maße gesprochen für alle Himmel; und das darum, weil eben alle Himmel aus dem Worte gemacht sind, welches der Herr gesprochen hat auf der Erde. Aber nun, mein lieber Freund, kommt etwas anderes.
   26] Siehe, da unten warst du ein Herr in deinem erhabenen großen Besitztume, und deine ganze Gesellschaft war es gleicher Weise mit dir. Hier aber werdet ihr dienen müssen und werdet müssen euch das Brot und die Nahrung mit eurer Hände Arbeit verdienen. Denn siehe, ich selbst muß auch arbeiten und hier das Erdreich bebauen, damit ich eine Ernte mache und mir somit den Unterhalt verschaffe.
   27] Das Erdreich ist zwar sehr gesegnet vom Herrn und trägt mehr denn hundertfältige Frucht; aber dessen ungeachtet will es dennoch fleißig bearbeitet sein, sonst läßt der Herr Seinen Segen über selbem nicht gedeihen. Somit werdet ihr hier ackern und das Feld bebauen müssen mit allerlei landwirtschaftlichen Werkzeugen, werdet müssen mit den Sicheln auf das Feld gehen, das Getreide schneiden, es in Garben binden, in die Scheuern bringen und dann den Kern aus der Ähre lösen. Und das werdet ihr alles als Diener und nicht als Selbstbesitzer irgendeines Grundes tun müssen. Ja, sogar einen großen Fleiß werdet ihr dabei anwenden müssen, denn man wird es nicht dulden, so da von euch jemand seine Hände möchte müßig im Sacke herumtragen.
   28] Alles dieses überdenkt euch nun wohl, und habt ihr solches für euch als rätlich gefunden, dann bleibt hier; denn an Arbeit gibt es hier keinen Mangel, wohl aber häufig an Arbeitern. Sagen euch aber diese unabänderlichen Bedingungen nicht zu, da möget ihr gar wohl wieder in eure Herrlichkeit zurückkehren.
   29] Der Mann spricht: O lieber Freund! Sorge dich dessen nicht, wir sind zwar seit lange schon an die Weichlichkeit gewöhnt, aber darum doch nicht der gesegneten Arbeit entwöhnt. Denn was wir samt und sämtlich auf der Erde taten und alldort zwar aus Eigenliebe, das werden wir hier sicher nur noch ums Tausendfache lieber aus Liebe zum Herrn tun und aus dieser Liebe heraus auch aus Liebe zu dir, du sicher nicht unbedeutender Freund des Herrn!
   30] Der Gastfreund spricht: Nun, wenn es denn also ist, so bleibt hier! Der Mann spricht: O lieber Freund, wir sind aber unser etliche hundert Köpfe; wie wirst du wohl in diesem deinem bescheidenen Häuschen uns alle unterbringen? Der Gastfreund spricht: Mein lieber Freund, sorge dich dessen nicht! Hast du denn nie gehört, was der Herr als Mensch auf der Erde gesprochen hat, hat Er nicht gesagt: »In Meines Vaters Reiche sind viele Wohnungen!?« Nun, da seht an die Hügel, so weit gegen Morgen hin euer Auge reicht, und seht, wie viele gleiche Wohnhäuser es über denselben gibt; allda werdet ihr wohl alle Platz finden. - Ihr fragt, wem wohl alle diese Wohnungen zu eigen sind? Ich sage euch: Diese Wohnungen gehören samt und sämtlich nur einem Besitzer, und ich will euch daher unterbringen in dieselben und euch allenthalben die Arbeit anweisen. Ihr fragt, ob ich ein befugter Sachwalter des Inhabers aller dieser Wohnungen bin? Meine lieben Freunde, wenn ich es nicht wäre, wie könnte ich hier solches zu euch sprechen? Und wie könnte ich es mir herausnehmen, euch mit dem Willen anderer zur Last zu fallen, so mir das Recht nicht zustände, damit zu verfügen nach meinem rechtlichen und liebewilligen Wohlgefallen?
   31] Dich und dein Weib will ich allhier in meiner Wohnung behalten; deine liebe Gesellschaft aber will ich verteilen in meiner nächsten Nachbarschaft. Und so denn geht hinaus und gebet ihnen solches kund!
   32] Das Ehepaar geht hinaus und gibt liebefreundlichen Angesichtes solches der ängstlich harrenden Gesellschaft kund. Und nun seht, wie die ganze Gesellschaft dankbarst niederfällt und dem Herrn dankt, daß Er ihr also liebegnädig war und sie allesamt hier hat die erfreuliche dienende Unterkunft finden lassen.
   33] Nun geht unser Gastfreund hinaus und legt ihnen allen seine Hände auf, und zeigt ihnen die Wohnungen an, dahin sie sich zu verfügen haben.
   34] Beachtet aber nun auch, wie sich die früheren Formen unserer Gesellschaft nach der Händeauflegung verändert haben. - Ihre früher weiße Farbe ging in eine natürlich gerötete Farbe über, und ihr überaus subtil zartes Wesen hat eine reelle Festigkeit angenommen. Und seht, wie heiter, munter und vergnügt sie nun aussehen, während sie früher in ihrem Ausdrucke einen geheimnisvollen Weisheitsernst zeigten.
   35] Sie gehen auseinander, und bei jeder der ihnen angewiesenen Wohnungen harren ihrer schon die Einwohner mit offenen Armen.
   36] Nun aber kommt unser Gastfreund mit dem Stammelternpaar dieser Gesellschaft wieder herein und fragt dasselbe soeben: Meine lieben Freunde! Wie stellt ihr euch denn so den Herrn vor, damit, wenn Er einmal vor euch käme, ihr Ihn auch erkennen würdet?
   37] Der Mann spricht: O lieber Freund, der du uns im Namen des Herrn so liebreich aufgenommen hast, siehe, das ist eine überaus hart zu beantwortende Frage! Denn in unserer Religion auf der Erde hatten wir uns nie mit einer menschlich bildlichen Form des Herrn beschäftigt, sondern lediglich nur mit Seinem Worte und dachten uns dabei: in dieser Welt wird sich der Herr uns ohnehin sogleich zu erkennen geben, und wir werden Ihn an Seiner Stimme und aus Seinem Worte erkennen. Nun erst sehe ich ein, daß die wahre Liebe zum Herrn nebst Seinem Worte auch Seine gestaltliche Wesenheit ergreifen will; sie hat es aber nicht in sich, weil sie solches nie beachtet, und somit auch nicht in sich aufgenommen hat. - Also wirst wohl du, lieber Freund, auch da die liebevolle Güte haben und uns die Gestalt des Herrn beschreiben.
   38] Der Gastfreund spricht: Nun wohl denn, da ihr solches in eurem Grunde lebendig wünschet, so sage Ich euch: Seht Mich an; denn gerade also, wie Ich aussehe, sieht auch der Herr menschlich gestaltlich aus.
   39] Der Mann spricht: Ach, lieber Freund, solches dient mir wohl zu einem großen Troste und zu einer großen Freude, und ich bin schon überselig, ein so vollkommenes Ebenmaß des Herrn vor mir zu erblicken. Welch eine Seligkeit aber wird mir dann erst werden, wenn ich den Herrn Selbst erschauen werde!
   40] Der Gastfreund spricht: Wahrlich, deine Liebe zum Herrn ist groß geworden; darum freue dich in deinem Vollmaße, denn siehe, Ich bin der Herr! - und du sollst nun bei Mir wohnen ewiglich!
   41] Seht, wie sich alles plötzlich verändert hat, seht, wie nun von der Mittagsgegend nichts mehr zu erschauen ist. Aber die frühere Einfachheit dieser Gegend ist geblieben; und sie ist der allein wahre, ewige, allerhöchste Morgen des Herrn! - Für uns ist es aber noch nicht Zeit, hier zu verweilen, sondern uns nach dem Willen des Herrn noch weiter in den Mittag zu begeben. Also gehen wir wieder weiter!


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