Leopold Engel (1858-1931): 'Das große Evangelium Johannes', angeblicher 'Band 11', Achtung! krit. Anmerkungen

Kapitelinhalt 033. Kapitel

Lage Bethaniens; Person des Lazarus; Ursache seines Todes

   01] Wir aber schritten nun schnell vorwärts, damit der Weg bald zurückgelegt werden möge, der uns nach Bethanien führte.
   02] Um nach diesem Orte zu gelangen, mußten wir einen Umweg machen, da Ich Jerusalem nicht zu berühren beabsichtigte, sondern ungesehen nach dem Wohnorte des Lazarus gelangen wollte, der nach jüdischem Maße a fünfzehn Feldwege entfernt war. Bethanien lag aber nicht an der Stelle des jetzigen Dorfes el Azarije, sondern noch mehr ostwärts, so daß wir dahin nicht von der Westseite des Ölberges, sondern der Ostseite her gelangten. (a Johannes.11,18*)
   03] Die Entfernung von fünfzehn Feldwegen wurde bemessen von dem Tempelvorhofe aus, wo eine Säule als römischer Meilenmesser aufgestellt war, ähnlich wie ihr solche Marksteine auch noch jetzt in den kleineren Ortschaften vorfindet. Man ging diese fünfzehn Feldwege in gemächlichem Schritt in anderthalb Stunden, bis man Bethanien von dem eben genannten Punkte aus erreichte.
   04] Daraus kann an Ort und Stelle ein etwaiger Altertumsforscher nun schon etwas genauer finden, wo das echte Bethanien gestanden haben mag. Aber außer einer wilden Gegend, außer Steinen und Gestrüpp wird er heutigentags nichts mehr vorfinden von dem Ort, wo Ich das letzte und vor den Juden öffentlich größte Werk vollbrachte.

Ärger mit Tempel als Ursache des Todes von Lazarus

   05] Wie schon bekannt, war Lazarus einer der reichsten Männer von ganz Judäa, und da er ohne Leibeserben gestorben war, so gehörte nach dem Tempelgesetz ein Drittel seines gesamten Vermögens dem Tempel an, während seine Schwestern, die ohne männlichen Familienschutz - Lazarus hatte keine weiteren nahen Verwandten - waren, der Oberhoheit des Tempels unterstanden, der eine höchst unbequeme Vormundschaft in solchen Fällen ausübte. Die Pharisäer und Tempeljuden waren schon längst sehr begierig auf den reichen Besitz des Lazarus und hatten, wie bekannt, schon allerhand Schliche und Ränke ersonnen, den Lazarus in ihre Finger zu bekommen, um möglichst das gesamte reiche Erbe sicher in ihre Hände zu bringen. Mit den beiden Schwestern fertig zu werden, schien ihnen nicht allzu schwer.
   06] Lazarus hatte aber alle keck vorgebrachten Ansprüche und Anerbietungen zurückgewiesen und ärgerte sich wegen der Zudringlichkeit des Tempelgeschmeißes oft so sehr, daß Ich ihn warnte, seine Hitze abzulegen, da dieses böse Folgen für ihn haben könne. Er befolgte auch Meinen Rat nach Kräften und wurde, seit Ich ihm die bewußten Hunde (früheres Ereignis, als Jesus Lazarus große Hunde zum Schutz gegen die Pharisäer schenkte, d. Hrsg.) zugeführt, wegen Mangels an Belästigung auch bei weitem ruhiger.
   07] Jetzt jedoch, kurz vor seinem Tode, hatte er wieder einen Strauß mit den Tempelmitgliedern, indem diese ihn angeklagt hatten, er ließe es an der nötigen Achtung des Tempels fehlen, was so weit ginge, daß er die Mitglieder desselben, die in der besten Absicht der Seelsorge zu ihm kämen, mit Gewalt vertreibe und seine Leute sogar von dem Besuche des Tempels und von den notwendigen Buß- und Reinigungsopfern abhalte.
   08] Wußten auch die Templer, daß diese und ähnliche Lügen, sowie das Bemühen, ihn als Freund des Volksaufwieglers Jesus auch den Römern verdächtig zu machen, hinfällig waren, so rechneten sie doch auf die bekannte Hitze seines Charakters, wodurch er vielleicht bei etwaigen Verhören unvorsichtig sich Blößen gäbe, durch die es möglich sei, ihn an den Tempel zu fesseln, so daß er, um freizukommen, mindestens große Versprechungen, die auf das Erbe Bezug hatten, hätte machen müssen.
   09] Lazarus durchschaute diese geschickten Pläne sehr wohl, wies die Anklagen, die gegen ihn erhoben wurden, vor dem römischen Statthalter gewichtig zurück, so daß er frei ausging, ohne dabei äußerlich sichtliche Erregung gezeigt zu haben.
   10] Um so mehr kochte es jedoch in ihm, so daß er in ein hitziges Gallenfieber verfiel, das ihm in kürzester Zeit den Tod brachte. Das war schon durch die Antwort angedeutet, die Ich dem Knechte gab, und auch durch die Worte an Meine Jünger.

Krit. Anmerkungen zur Person und den Werken von Leopold Engel


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