Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 2. Kapitel: Mängel einer gesetzmäßigen Ausbreitung des Reiches Gottes.

   01] (Jesus:) »Wenn du einen Samen in die Erde legst, so bedarf es ja auch einer Zeit, bevor er zu keimen beginnt und nach und nach zu einer vollreifen Frucht wird. Es ist für den Ackersmann freilich wohl eine Sache der Geduld, so er von der Zeit der Aussaat bis zur Zeit der Ernte doch beinahe ein halbes Jahr lang warten muß; es wäre ihm auch sicher lieber, so er heute säte und morgen schon ernten könnte! Und siehe, wie bei Gott alle Dinge möglich sind, so wäre bei Gott auch das leicht möglich zu bewirken; aber dabei sähe es dann mit der geistigen Bildung des Menschen um vieles schlimmer aus denn so! Da würde der gewinnsüchtige Mensch in einem fort säen und ernten; der träge aber würde in die stets größere Trägheit versinken, was sich von selbst leicht einsehen und begreifen läßt. Darum ist die Ordnung, wie sie in allem auf dieser Erde von Gott aus bestimmt ist, dem Menschen gegenüber schon ohnehin die beste und zum Behufe seiner geistigen Entwicklung die zweckmäßigste.
   02] Was von Zeit zu Zeit schnell entstehen muß, das braucht von der ersten Periode des Entstehungsgrundes bis zu jener des vollen und wirkenden Sachzustandes wahrlich kein halbes Jahr Zeit, zum Beispiel der Wind, der Blitz, der Regen und noch vielerlei derartige Erscheinungen, die, so sie notwendig sind, nach dem Willen Gottes auch sogleich dasein müssen; aber andere Dinge, mit denen sich die Menschen zu beschäftigen haben, haben gleich dem Menschen ihre Zeit, und so auch die Ausbreitung Meiner Lehre, die ausschließlich allein nur für die Menschen von Mir in diese Welt gebracht und gegeben wird in dieser Zeit und ebenso auch in der Zukunft.«
   03] Sagte darauf der Römer: »O Herr und Meister, das sehe ich nun alles ganz klar ein, daß es auf dieser Erde der Menschen wegen schon recht und richtig alles also sein und bestehen muß, wie es ist und besteht; aber so ich bedenke, daß man nur durch den Glauben an Dich und durch das Handeln nach Deiner Lehre das wahre, ewige Leben seiner Seele gewinnen kann, und daß darum Milliarden von Menschen, die von Dir und Deiner Lehre noch gar lange hin nichts vernehmen werden, an ihren Seelen sicher Schaden erleiden werden, so wird mir deshalb bange in meinem Gemüte, und ich habe nur in dieser alleinigen Hinsicht eine möglichst beschleunigte Ausbreitung Deiner Lehre gewünscht!«
   04] Sagte Ich: »Solch ein Wunsch an und für sich macht deinem Herzen eine rechte und wahre Ehre und Meinem Herzen eine rechte Freude! Es ist wohl ganz wahr, daß nur Ich allein die Tür zum ewigen Leben der Seele eines jeden Menschen bin; wer an Mich glaubt und nach Meiner Lehre lebt und handelt, der überkommt das ewige Leben.
   05] Du hast aber gestern auf dem Berge ja die Seele deines Vaters und die Seelen mehrerer deiner Bekannten geschaut und sogar gesprochen und sahst auch das lose Treiben von gar vielen im Jenseits. Ich sage es dir, daß auch ihnen das Evangelium von Meinen zahllos vielen Engeln verkündet wird. Die es anhören, annehmen und sich danach richten, werden auch zur Seligkeit gelangen, doch so leicht und so bald nicht wie auf dieser Erde, auf der der Mensch viele und oft recht schwere Kämpfe mit der Welt, mit seinem Fleische und mit noch gar vielen anderen Dingen - wenn auch kurz dauernd - in aller möglichen Geduld, Selbstverleugnung, Sanftmut und Demut durchzukämpfen hat.
   06] Darum sei dir um niemand im großen Jenseits allzu bange; denn Gottes Liebe und Weisheit und große Erbarmung waltet überall, auch im großen Jenseits. Die sie ergreifen und sich nach ihr fügen und richten werden, die werden nicht verlorengehen; die aber das hier, wie auch jenseits nicht tun werden, bei denen gilt der Satz, wonach demjenigen kein Unrecht geschieht, der das Böse, ihm Schadende selbst will. - Bist du, Freund, mit dieser Meiner ganz klaren Erklärung zufrieden?«
   07] Sagte der Römer: »Ja, Herr und Meister, mit dieser Erklärung bin ich nun vollkommenst zufrieden; denn sie entspricht allen Anforderungen des vernünftigen Menschengemütes und ist voll rechten Trostes für unsere Seelen; Dir darum alle unsere Liebe, Ehre und Anpreisung jetzt und in alle Ewigkeit!«
   08] Mit dem war unser Römer denn auch völlig zufrieden und stellte darauf wenig Fragen in dieser Art mehr an Mich.


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