Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 52. Kapitel: Wunderbare Herbeischaffung von Edelfischen durch Jesus.

   01] Sagte Ich: »Nun gut denn, Ich will sehen, ob Ich dir etwas Rechtes und Wahres über deinen großen Mann werde zu erzählen imstande sein, - und so höre denn!
   02] Siehe, soweit Ich den Mann kenne, so ist Er nach Meinem Erkennen eben derselbe Jehova, der schon mit Adam, Noah, mit dem Abraham, Isaak und Jakob, mit Moses und mit noch vielen andern Propheten geredet hat. Der Unterschied zwischen damals und jetzt besteht nur darin, daß Er, als der ewige Herr aller Kreatur, damals nur als der reinste Geist voll Liebe, Leben, voll der höchsten Weisheit, Macht, Kraft und Gewalt mit dem geweckten Geiste der Menschen geredet und Sich ihnen also geoffenbart hat. In dieser Zeit aber - wie Er das auch zu gar öfteren Malen durch den Mund der Propheten verheißen hat - hat es Ihm wohlgefallen, aus größter Liebe zu den Menschen dieser Erde, die Er zu Seinen Kindern erschaffen hat und ihnen auch schon zu Adams Zeit Selbst diesen Namen gab, Selbst das Fleisch anzuziehen und sie als ein sichtbarer Vater für Sich zu erziehen, auf daß sie ewig dort bei Ihm sein, leben, und wohnen sollen, wo Er Selbst Sich ewig befindet und schafft und regiert die Unendlichkeit.
   03] Darum heißt es ja: Im Anfang war das pure Wort, und Gott war das Wort im Munde der Urväter der Erde, aller wahrhaft Weisen und Propheten. Das ewige Wort, also Gott Selbst, ist aber nun Fleisch geworden, also ein Mensch, und so kam der Vater zu Seinen Kindern, aber diese erkennen Ihn nicht. Er kam also in Sein Eigentum, und man will Ihn nicht als den alleinig wahren und ewigen Vater anerkennen. Aber es gibt dennoch auch viele, die Ihn als Den, der Er ist, anerkennen und mit aller Liebe sich an Ihn allein halten, und das Juden und Heiden, und zwar die Heiden mehr denn die Juden; darum aber wird auch nach Seinem Worte das Licht den Juden genommen und den Heiden gegeben werden.
   04] Wenn du das, was Ich dir nun von dem großen Manne gesagt habe, zu würdigen verstehst, so wirst du daraus wohl auch entnehmen, daß Ich den großen Mann gewiß sehr wohl kenne!«
   05] Sagte der Wirt voll Freuden: »Oh, oh, oh, überaus wohl und ausgezeichnet also! Das ist auch unser Glaube! Ich hätte euch das schon lange gerne bekannt; aber weil ihr keine Samariter seid, so mußte ich klug zu Werke gehen, um mich nicht - wie mir das schon einige Male begegnet ist - gewissen unnötigen Grobheiten auszusetzen. Denn das Heiligste gehört nach meiner Ansicht nicht vor die Schweine, die in aufgeblähter Menschengestalt vor uns einhergehen und uns für gar vieles minder halten, als was sie sich zu sein dünken.
   06] Weil ihr aber solches von dem Gottmenschen haltet, so seid ihr denn auch meine freien Gäste, wie lange ihr auch immer bei mir bleiben wollet. Ich bin zwar kein reicher Wirt, aber so viel habe ich schon noch im Vorrat, daß wir es in einem Jahre nicht aufzehren werden. O Freude und übergroße Freude, daß ich in euch so tief erleuchtete Freunde und treue Bekenner des allein wahren Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs gefunden habe! Aber jetzt nur gleich mehr und besten Weines her, und zu den wenigen Fischen, die sämtlich kleiner Art waren, und da ich an Fischen nur noch einen ganz geringen Vorrat haben dürfte, vier Lämmer geschlachtet und schnell bestens zubereitet; denn solch wahre Gottesfreunde dürfen in meinem Hause keinen Hunger und Durst leiden!«
   07] Sagte Ich zum Wirte: »Lasse die Lämmer für heute noch am Leben, sieh aber dafür in deinem größeren Fischbehälter nach; denn Mir kommt es vor, als befänden sich darin noch eine Menge großer und edler Fische aus dem See Genezareth! Wenn sich welche vorfinden, so lasse sie, etwa vierzig Stück, für uns zubereiten!«
   08] Sagte der Wirt, mit den Achseln zuckend: »Darin waren sie wohl vor ein paar Wochen; ob sich aber nach deiner mir ganz unerklärlich scharfsinnigen Wahrnehmung jetzt auch noch welche darin befinden, das getraue ich mir nicht zu behaupten! Ich bin zwar bei dem Ausfischen meines größeren Fischbehälters nicht zugegen gewesen, und so wäre es allerdings möglich, daß da einige zurückgeblieben sind. Aber von vierzig Stück wird da wohl schwerlich die Rede sein können! Ja, im großen Behälter, der aber ein paar Feldwege von hier entfernt ist, da habe ich wohl noch einen ziemlichen Vorrat von allerlei Fischen, aber von den Edelfischen wird wenig darunter rein; denn der Edelfisch ist ein Raubfisch, und so man ihn unter die andern Fische gibt, so macht er einen großen Schaden unter ihnen.
   09] Aber ich will auf dein Wort, weil du mir durch dein Bekenntnis eine so große Freude gemacht hast, denn doch nachsehen gehen, wie es mit den Edelfischen aussieht. Sollte es mit ihnen merkwürdigerweise etwa auch so stehen wie mit den Broten, über deren Vermehrung und Veredlung ich noch lange nicht im klaren bin, dann müßte ich beinahe zu denken anfangen: du selbst bist auch so ein schon bevollmächtigter Gesandter des großen Mannes, meines einzigen Herrn und Gottes! Und ich glaube, daß ich nicht weit fehlen werde, so ich euch alle als das begrüße. Aber jetzt zu den Edelfischen!«
   10] Auf das eilte der Wirt schnell hinaus zu seinem in der Küche für das Hausgesinde noch beschäftigten Weibe und sagte ihr das.
   11] Das Weib aber sagte: »Ei du gar zu leichtgläubiger Mann, woher denn vierzig Edelfische? Auch nicht einen mehr wirst du darin finden! Ich habe sie ja alle vor fünf Tagen dem Arzte, der eine große Mahlzeit gab, verkauft und das schöne Geld in deinen Kasten gelegt, und er wird uns für die ihm erwiesene Gefälligkeit durch jemanden, der schweigen muß, mit dem Königsbrote unsere Brotkammer angefüllt haben!«
   12] Sagte der Wirt: »Höre, du stets etwas hartgläubiges Weib! Das mag also, aber eher auch nicht also sein; aber deine alte Hartgläubigkeit wird mich nicht abhalten, den größeren Fischbehälter in Augenschein zu nehmen. Ob du mit- oder auch nicht mitgehen willst, das wird mir eines sein!«
   13] Auf diese Worte des Wirtes ging das Weib denn doch mit dem Wirte, - und wie sehr staunten beide, als sie den Behälter so voll der edelsten Fische fanden, daß sie darob ein ordentliches Grauen überfiel.
   14] Der Wirt berief abermals alle seine Dienstleute zusammen und befragte sie ernstlich, ob sie nicht wüßten, wie diese vielen und sehr kostbaren Edelfische in den Fischbehälter gekommen seien. Aber alle schworen beim Himmel, daß sie das nicht wüßten.
   15] Da sagte der Wirt: »Wahrlich, da geht es nicht mit natürlichen Dingen zu! Das hat einer der am Abend angekommenen Gäste, die alle etwas Rätselhaftes an sich haben, getan.«
   16] Zum Weibe und zu der Küchendienerschaft sich wendend, sagte er: »Kurz, die Fische sind wundersamsterweise einmal da zu vielen Hunderten, - so nehmet nun denn statt vierzig gleich fünfzig! Machet ein größeres Feuer, und bereitet sie nach bester Art; denn von diesen werde ich selbst ein paar verzehren!«
   17] Darauf griffen die Knechte gleich zu und hoben die verlangten Fische alsbald aus dem Behälter. Und ehe eine Stunde Zeit verrann, standen die schönen Edelfische schon bestbereitet vor uns auf dem Tische.


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