Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 42. Kapitel: Zeugnis der Witwe und des erweckten Sohnes vor dem Volk.

   01] Da die Witwe aber vernahm, daß Ich am Morgen früh mit Meinen Jüngern abreisen würde, so sorgte sie auch dafür, daß zeitlich zur Genüge ein Morgenmahl bereitet werde. Als wir denn am frühen Morgen vom Nachtlagerzimmer in das Gastzimmer kamen, da war das Morgenmahl auch schon bereitet, und die Witwe trat mit ihrem Sohne zu Mir und bat Mich, daß Ich vor der Abreise mit Meinen Jüngern das Morgenmahl zu Mir nehmen möchte.
   02] Ich aber sah, daß der Griechen Tische noch nicht gedeckt waren, und sagte zur Witwe: »Siehe, auch die Griechen, die an Mich glaubend geworden sind, sollen nicht mit nüchternem Magen heimkehren! Decke auch ihren Tisch, damit sie sehen, daß Ich nicht nur den Juden, sondern auch den Heiden das Brot des Lebens gebe!«
   03] Als die Witwe das vernahm, da eilte sie hinaus in die Küche, um auch für die Griechen ein Morgenmahl zu bereiten.
   04] Als sie aber in die Küche kam, da fand sie schon ein genügendes Morgenmahl vollauf wohlbereitet und fragte ihre Küchenmägde unter großem Staunen, wer denn da das zweite Morgenmahl für die Griechen in so kurzer Zeit bereitet hätte.
   05] Die Mägde aber sagten: »Wir wissen das nicht und haben auch niemanden außer uns in der Küche gesehen; aber was du nun mit großem Staunen ersiehst, das ersahen wir auch mit gleichem Staunen, und es überfällt uns eine Furcht. Der große und mächtige Prophet, der dir gestern den Sohn belebte, wird das veranlaßt haben durch die Macht seines Willens! Ja, ja, es ist unter den Juden ein großer Prophet aufgestanden, und Gott hat in ihm Sein Volk, das Seiner sehr zu vergessen begann, wieder einmal sichtlich heimgesucht, - und auf diese Heimsuchung, so sich die Menschen nicht alsbald bekehren und Buße wirken werden, wird sicher folgen ein großes Gericht und wird vertilgen alle Übeltäter.«
   06] Sagte die Witwe: »Ja wohl, ja wohl, da möget ihr ganz recht haben! Aber, da nun auch auf eine so überaus wundersame Weise das Morgenmahl auch für die Griechen bereitet ist, so traget es sogleich in das Gastzimmer, und setzet es auf den Tisch, an dem die Griechen sitzen; denn also will es der große und mit aller Gottesgeisteskraft erfüllte Prophet!«
   07] Auf diese Worte der Witwe wurde das wundersam bereitete Morgenmahl denn auch sogleich auf den Griechentisch gebracht, und wir begannen denn auch sogleich das wohlbereitete Morgenmahl einzunehmen und waren dabei voll guten Mutes.
   08] Es wollte aber die Witwe den Griechen, die sich über die schnelle Bereitung des für sie von Mir verlangten Morgenmahles sehr wunderten, zu erzählen anfangen, wie es bereitet wurde.
   09] Ich aber sagte zu ihr: »Weib, was du reden willst, dafür wird sich, nachdem Ich abgereist sein werde, noch eine hinreichende Zeit finden lassen; jetzt aber essen und trinken wir, was auf die Tische gesetzt ist!«
   10] Auf diese Meine Ermahnung schwieg die Witwe und aß und trank mit uns.
   11] Nach einer halben Stunde Zeit hatten wir alle das Morgenmahl eingenommen, und Ich erhob Mich mit Meinen Jüngern vom Tische, und wir schickten uns zur Abreise an.
   12] Als wir aber gewisserart schon die Füße in Bewegung setzen wollten, da kamen schon eine Menge Menschen von der Stadt vor das Herbergshaus der Witwe und wollten sich da erkundigen, ob der vom Tode erweckte Sohn der Witwe wohl noch lebe, und ob die Erweckung eine wirkliche oder etwa nur eine scheinbare gewesen sei. Denn es hätten auch schon große Zauberer, die oft aus den fernen Morgenländern nach Judäa herübergekommen seien, tote Menschen wieder lebendig gemacht; aber das Leben wäre nur von kurzer Dauer gewesen, indem es nur ein Schein -, aber kein wirkliches Leben war, und sie möchten darum nun sogleich erfahren, ob der Sohn noch fortlebe, oder ob er das Leben wieder zu verlieren anfange, wie etwa das nach allen zauberischen Wiederbelebungen noch stets der unausbleibliche Fall gewesen sei.
   13] Da fragte Mich die Witwe, was sie den zudringlichen Fragern sagen solle.
   14] Und Ich sagte zu ihr: »Schicke den Sohn hinaus zu den Fragern! So sie ihn ganz frisch und gesund ersehen werden, da wird er selbst die allerbeste Antwort auf alle ihre albernen Fragen sein. Es hat sie der hiesige Rabbi also beredet aus Ärger, weil ihm gestern die Griechen dargetan haben, daß sie den Propheten Jesajas besser verstehen denn er als ein alter Schriftgelehrter. Der Rabbi also hat die Frager über die Zauberer, von denen er selbst nur reden gehört, aber nie einen gesehen hat, also unterrichtet, daß sie nun zweifeln; wenn sie aber den Sohn sehen werden, so werden ihre Zweifel weichen.
   15] Nehmet euch aber in acht vor dem Rabbi und vor den Pharisäern; denn sie werden, um ihrer Behauptung den Glauben und Triumph beim Volke zu erhalten, dem Sohne, so sie ihn gleichfort gesund leben sehen werden, nach dem Leben trachten und werden ihn irgend zu vergiften suchen! Darum ladet sie ja nicht zu Gaste, und lasset euch auch von ihnen niemals zu Gaste laden, und nehmet von ihnen auch keine sonstigen Dinge an, so werden sie euch nichts antun können! Das beachtet, und Ich werde euch vor allen andern Gefahren bewahren! Und nun gehe du mit dem Sohne hinaus, auf daß sie dadurch die einfachste und beste Antwort auf ihre vielen Fragen erhalten!«
   16] Hierauf ging die Witwe mit dem Sohne hinaus zu den vielen Fragern und sagte zu ihnen, mit der Hand deutend: »Sehet, ihr Zweifler alle, dieser mein Sohn lebt und ist frisch und gesund! Er ist somit von dem großen, mit dem Geiste Gottes erfüllten Propheten nicht scheinbar, sondern wirklich vom Tode zum Leben erweckt worden. Gehet hin, und saget das auch dem Rabbi, der euch so töricht unterwiesen hat!«
   17] Hierauf sagte auch der Sohn, den alle wie ein Weltwunder angafften: »Ja, ja, ich lebe, bin auch ganz heiter, frisch und gesund und werde nach der Verheißung Dessen, der mich vom Tode zum Leben erweckt hat, auch fortleben; und so ich Seinen Willen fortan tun und völlig erfüllen werde, da werde ich auch gleichfort leben und keinen Tod je mehr sehen, fühlen und schmecken. Gehet hin und saget auch das dem Rabbi, auf daß möglicherweise auch er gläubig und selig werden möge!«
   18] Als die Frager den ihnen wohlbekannten Sohn also gesehen und gesprochen hatten, da wich aller Zweifel von ihnen, und einige fingen an, darum auf den Rabbi unmutig zu werden, weil er sie hierüber ganz falsch unterrichtet hatte.
   19] Als die Witwe mit ihrem Sohne wieder ins Zimmer kam, dankte sie samt ihrem Sohne Mir für den guten Rat und hatte eine große Freude, daß sie die vielen lästigen Frager so bald und so leicht losgeworden waren.


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