Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 23. Kapitel: Wege zur Überwindung des heidnischen Priestertums.

   01] Hier trat der zu Emmaus wohnende Römer Agrippa mit seinem Gefährten Laius zu Mir und sagte: »Herr und Meister! Du hast uns nun wahrlich übergroße und herrliche Dinge kundgetan, und uns sind dabei wie schwere Steine von unserer Brust hinweggetan worden; aber etwas, das unser Freund Agrikola auch als eine große Gegensache bei der Ausbreitung Deiner Lehre dargestellt hat, hast Du nun doch noch nicht besonders berührt, und das ist die schwer mögliche Besiegung des über alle Maßen hartnäckigen heidnischen Priestertums.
   02] Es geht schon hier mit den Judenpriestern, die doch einen Begriff von dem einen, wahren Gott haben, schwer, um wie vieles schwerer wird sich das denn erst bei den materiellst verknöcherten Heidenpriestern machen, die von einem wahren Gott gar keine Ahnung haben und ihre Götter, die sie vor dem Volke anbeten, und denen das Volk opfern muß, aus der oft gröbsten Materie, wie Stein, Erz und Holz - bei den Bildnern anfertigen lassen. Da wäre es demnach wohl auch gut, so Du uns darüber etwas sagen würdest.«
   03] Sagte Ich: »Auch darum sollet ihr euch keine leere und eitle Sorge machen! Denn fürs erste sage Ich euch, daß ihr eher hundert heidnischer Priester für Meine Lehre gewinnen werdet denn einen Pharisäer. Denn erstens haben die heidnischen Priester durch die griechischen und auch nach ihnen gebildeten römischen Weltweisen ungeheuer viel an ihrem alten Ansehen verloren; und zweitens ist durch die vielen umherziehenden Magier, die von allen Orten der Erde nach Rom kamen, auch ihr Wunderwirken in einen großen Mißkredit beim Volke gekommen. Es macht des gewissen Anstandes und Ansehens wegen wohl noch so manches mit und schaut des Zeitvertreibes wegen die Spektakel an; aber es hat keinen besonderen Glauben mehr daran. Und es wird sonach auch geschehen, daß im Volke bald gar keine heidnischer Priester mehr bestehen, während das Pharisäertum der Juden sich noch gar lange fort erhalten wird. Und was aber noch ärger als das alte Pharisäertum sein wird, das wird leider darin bestehen, daß sich unter Meinem Namen ein neues Pharisäertum bilden wird, das viel ärger denn das gegenwärtige sein wird!
   04] Als Ich euch die zwei Kapitel des Propheten Jesajas erklärt habe, da habe Ich euch auch das neue Pharisäertum gezeigt und brauche es euch nun nicht noch einmal zu zeigen und zu enthüllen.
   05] Was aber nun die heidnischen Priester betrifft, so fängt sie ihre eigene Finsternis bereits schon selbst sehr zu drücken an, und es sehnen sich viele nach einem möglich besseren und wahren Lichte. Viele ziehen darum von Zeit zu Zeit nach Ägypten, um dort von irgendeinem Weisen über die Bestimmung des Menschen ein höheres Licht zu bekommen, und es steht darum im geheimen mit dem heidnischen Priestertum eben nicht so sehr schlecht, wie ihr es euch vorstellt, und Ich habe darum dieses Umstandes wegen keine besondere Erwähnung tun wollen; weil ihr euch aber darunter eine gar so unübersteigbare Klippe vorgestellt habt, so war es denn auch nötig, euch eines Bessern zu belehren.
   06] Ich sage euch allen nur ganz besonders das und lege es euch lebendig ans Herz, daß ihr aus Meiner Lehre ja unter gar keiner Bedingung ein Mußgesetz für die Menschen machet, damit sie doch wenigstens unter wenigen in ihrer freien Reinheit verbleibe bis ans Ende der Zeiten dieser Erde und Ich darum auch im Geiste stets gleichwirkend unter euch.
   07] Es werden mit der Zeit wohl sicher eine Menge halb und ganz falscher Propheten in Meinem Namen vorgeblich aufstehen, und es werden die einen dies und die andern jenes behaupten; die Sehenden in der reinen Lehre werden ihnen aber sicher in aller Sanftmut und Geduld entgegenarbeiten und am Ende den Sieg auf ihrer Seite haben.
   08] Aber es wird der ganz Reinen Zahl gegen die der Unreinen stets nur eine geringe sein; und sehet, das kann Ich nicht verhüten - außer Ich mache alle freien Menschen durch Mein Machtwort zu Tiermaschinen, und ihr werdet das im allgemeinen um so weniger imstande sein!
   09] Hätte Ich aber das bei den Menschen durch Meinen allmächtigen Willen verhüten wollen, so hätte Ich wahrlich nicht nötig gehabt, je ins Fleisch dieser Erde zu treten; denn alle andere Kreatur hätte Ich auch ewig fort von Meinen Himmeln aus pur durch Meinen allmächtigen Willen lenken und regieren können, wie Ich das auch jetzt tue und ihr darum an aller Kreatur sicher keine noch so geringe Veränderung zu merken vermöget. Denn der Steine, der Pflanzen und der Tiere wegen bin Ich wahrlich nicht als nun Selbst ein leibhaftiger Mensch auf diese Erde gekommen, sondern nur des in seinem Willen und Erkennen völlig freien Menschen wegen! Und da kann Ich Selbst ihm kein göttliches Muß, sondern nur die vollste göttliche Freiheit als ein wahres Evangelium aus den Himmeln geben und danach den Menschen frei wählen und handeln lassen.
   10] Daß aber auch dafür gesorgt ist, daß nach Meiner Ordnung die Nichtbeachtung Meiner Lehre auch stets die alten bösen Folgen nach sich ziehen wird, dessen könnet ihr völlig versichert sein, und das ist genug zur Bändigung jener Menschen, die von Meiner reinen Lehre eine gute Kunde erhielten, sich aber dann doch wieder zur Welt kehrten.
   11] Zu einer gewissen Zeit aber werde Ich, wenn die Trübsal zu groß wird, die Erde vom alten Unflate schon zu reinigen verstehen! Solches aber habe Ich euch schon gezeigt, was da sind die bösen Folgen der Sünde leiblich und moralisch für die Seele; der Körper wird verfallen in allerlei böse Krankheiten, und die Seele in allerlei Zweifel durch den Unglauben oder falschen Glauben und in aus diesem hervorgehende dumme und böse Handlungen.
   12] An allem dem aber wird der, der im reinen Lichte des Lebens steht, bald und leicht erkennen, in welchem Geisteslichte die physisch und moralisch geplagten Menschen sich befinden. Wo ihr solche sehen werdet, da gehet hin und saget zu ihnen: 'Der Friede sei mit euch! Ihr wandelt auf Irrwegen, und wir sind zu euch gekommen, vom Geiste des Herrn geführt, um euch zu verkünden das wahre Evangelium, die Wege zum Lichte des Lebens, welches ist das wahre Heil der Seele in Gott!'
   13] So man euch dann aufnehmen wird, so bleibet, lehret sie erkennen die Wahrheit und handeln nach ihren leicht zu fassenden Grundsätzen! Haben sie diese freudig angenommen und haben auch alsbald danach zu handeln bereitwillig angefangen, so betet über sie, leget den Kranken die Hände auf, damit sie geheilt werden von ihren Übeln, und taufet sie dann auf die Weise wahrhaft, wie Ich sie euch zuvor gezeigt habe, und ihr werdet dadurch nach Meinem Willen ein Mir wohlgefälliges Werk ausgerichtet haben, und euer Lohn im Himmel wird dadurch um vieles vergrößert werden. (lk.10,09)
   14] Wo und wann ihr irgendeine solche Gemeinde bekehrt, sie geheilt und in Meinem Namen gefestet habt, so stellet dann aus ihrer Mitte den kundigsten und getreuesten Mitbürger zu einem freundlichen Hüter und Aufseher über die Gemeinde. Erteilet ihm besonders die Gaben des Heiligen Geistes, auf daß er ein wahrer Wohltäter der ihm anvertrauten Gemeinde werden und sein kann. Aber bindet ihn auch nicht mit einem Mußgesetz, was auch er gegen die Glieder der Gemeinde zu beachten haben soll, mit Ausnahme der Kinder, wie Ich euch dafür schon eine Weisung gegeben habe.
   15] Aber obwohl ein solcher Hüter von euch bestellt wird in Meinem Namen, so soll er aber dennoch darum keinen irdischen Rang haben, sondern er soll sein gleich euch ein demütigster und wie ein geringster Diener der ihm anvertrauten Brüder und Schwestern und soll sich von ihnen nicht ehren oder von ihnen für seine ihnen geleisteten Dienste gar belohnen lassen; denn was er umsonst erhalten hat, das soll er umsonst wieder geben in aller Liebe zu seinen irgend schwächer begabten Brüdern und Schwestern.
   16] Was ihm aber die freie Liebe seiner Gemeinde bieten wird, das soll er auch annehmen gleich also, wie Ich solches auch euch gestattet habe; denn wer einem von Mir Gesandten etwas Gutes tun wird, der wird auch den Lohn eines Gesandten ernten. Und somit wisset ihr nun alles, was euch vor allem zu wissen nötig war; vieles andere werdet ihr zur rechten Zeit überkommen.«


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