Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 72. Kapitel: Das Wesen des Äthers.

   01] (Raphael:) »Ihr sehet hier die höchst durchsichtige Luft und wähnet, daß sie darum so gut wie beinahe schon gar nichts sei. Wenn aber diese Luft in eine starke Bewegung gesetzt wird, daß sie durch ihre sturmwindige Gewalt die mächtigsten Zedern entwurzelt und das Meer in eine solche Unruhe versetzt, daß es sich zu bergehohen, schäumenden Wogen erhebt, so müsset ihr dann doch bekennen, daß die Luft wohl ein ganz bedeutend mächtiges Etwas ist. Ja, die Luft ist somit schon ein Körper und enthält auch alle erdenklichen Stoffe und Körper in einem noch mehr und mehr ungebundenen Urzustande in sich.
   02] Das Wasser, besonders das Regen- und Quellwasser, ist dasselbe, was die Luft ist, aber nur in einem mehr gebundenen Zustande. Das Salzwasser der Meere ist natürlich noch dichter, gebundener.
   03] Aber steigen wir nun höher, so ungefähr zehn Stunden hoch über die Erde hinaus, so werden wir gar keine Luft, wie sie uns hier umgibt, mehr antreffen, sondern den reinsten Äther, der für eure Augen wie ein so gänzliches Nichts wäre, daß ihr euch etwas so Nichtiges nicht leicht vorstellen könnet. Denn sehet ihr über die Erde in eine Ferne von mehreren Stunden Weges hin, so wird die noch so reine Luft, die den Raum zwischen euch und den fernen Bergen erfüllt, eben vor den Bergen als blauer Dunst erscheinen; aber wenn diesen Raum nur der reine Äther erfüllte, so würdet ihr die Berge nicht blau, sondern in ihrer ganz ungetrübten Färbung ersehen. Ja seht zwischen der Erde und der Sonne ist eine so große Entfernung, daß ich nur wahrlich nicht imstande bin, euch auf dieser Erde dafür ein begreifliches und richtiges Maß anzugeben, - wie euch solches auch der Herr Selbst schon erklärt hat! Und dieser für eure Begriffe ganz entsetzlich weite Raum ist mit solchem für eure Sinne völlig nichtigen Äther erfüllt.
   04] Aber dieser Äther ist trotz seiner scheinbar völligen Nichtigkeit durchaus nicht so nichtig, wie seine Erscheinlichkeit euch das zeigt; denn in ihm sind alle die zahllosen Stoffe und Elemente in einem noch ungebundeneren Zustande als in der allerreinsten atmosphärischen Luft dieser Erde. Aber sie sind da noch mehr freie Kräfte und sind dem Urfeuer und Urlichte um vieles näher und verwandter und nähren die Luft der Erde, diese dann das Wasser und das Wasser die Erde und alles, was auf ihr lebt, webt und strebt. Wenn aber solches alles schon im Äther sich vorfindet, so ist er ein ganz tüchtiges Etwas und kein Nichts, wenn er auch euren Sinnen also vorkommt.
   05] Aber der Äther ist noch lange kein Reingeistiges, sondern er hat mehr innere Ähnlichkeit mit der Substanz der Seele, aber nur insoweit, als er ein räumliches Medium ist, durch das zahllose Urkräfte aus Gott sich begegnen, sich verbinden und endlich wie ganz gemeinsam wirken.
   06] Du wirst mich nun freilich wieder fragen und sagen: "Ja, wie ist denn bei so verschiedenen Kräften irgendein homogenes (gleichartiges) Wirken möglich?" Und ich sage es dir: Nichts natürlicher und leichter als das!
   07] Siehe, wir haben auf der Erde des Herrn, unter ihren Meeren und anderen Gewässern doch eine solche für euch auch ganz unbegreiflich große Anzahl von Arten der Pflanzen, Gesträuche, Bäume und ebenso der Tiere und also auch von Mineralien, daß dieselben selbst der berühmteste Gelehrte dieser Zeit nicht aufzuzeichnen und auszusprechen imstande wäre! Sie machen mit der ganzen Erde ein vereintes Ganzes aus und wirken alle zu dem einen Hauptzwecke, und doch sind sie hier auf der Erde und in der Erde so verschieden geartet und geordnet, daß du sie auf der Stelle beim ersten Anblick unmöglich also wirst verwechseln können, daß du am Ende einen Feigenbaum nicht von einem Distelstrauch, einen Ochsen nicht von einem Löwen, eine Schwalbe nicht von einer Henne, einen Fisch nicht von einer Schildkröte und das Blei nicht vom Golde unterscheiden könntest.
   08] Auf der Erde aber merkst du derlei Unterschiede leicht; doch im Äther, in der Luft und im Wasser kannst du sie nicht merken, und das weder durch dein Gesicht noch durch dein Gehör, noch durch deinen Geruch und Geschmack, noch durch dein gesamtes Nervengefühl, obschon all die zahllosen verschiedenen Arten der Kräfte und der von ihnen produzierten Urstoffe und Elemente im Äther, im Wasser und in dieser Luft noch entschiedener voneinander abgesondert sind, als dir solche Unterschiede die Dinge auf der materiellen Erde kundtun.
   09] Also hinter der Substanz des Äthers ist das deinen Sinnen nicht sichtbare Geistfeuer eine ewig waltende Kraft, die, von Gott ausgehend, ewig den unendlichen Raum erfüllt und in einem fort wirkt und schafft. Gott Selbst aber ist der ewige Urgeist und der ewige Urmensch in Seinem Zentrum und erfüllt die ewig aus Ihm hervorgehende Unendlichkeit mit Seinen großen Gedanken und Ideen, die durch Seine Liebe erfüllt zu einem Ihm gleichen Lebensfeuer, durch Seine Weisheit zu geordneten Formen und durch Seinen Willen zu voneinander abgesonderten und wie für sich bestehenden Wesen werden, in welche die Fähigkeit gelegt wird, sich selbst als solche ewig fortzupflanzen, fortzubilden und auf der Stufenleiter der ewigen Ordnung Gottes sich mit der Zeit zu einen und zur Gottähnlichkeit emporzusteigen.«


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