Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

Kapitelinhalt 40. Kapitel: Lazarus und Raphael bedienen die Fremden.

   01] Als Ich Mich wieder an den Tisch gesetzt hatte, da berief Ich den Raphael und den Lazarus und zeigte beiden an, daß die Fremden aus der Stadt bereits im Anzuge seien und sie darum Sorge tragen sollten, daß diese in ihren Zelten untergebracht und versorgt würden und nicht in die Gemächer des Hauses kämen.
   02] Da fragte Lazarus, sagend: »Herr, es wird schon dunkel, weil die Sonne untergegangen ist. Wie werden wir da mit der Beleuchtung auskommen? Im Hause haben wir der Lichter schon in gerechter Anzahl; aber in den Zelten haben wir bis jetzt noch keine Lampen, und da möchte ich Dich, o Herr, wohl bitten, mir da zu helfen. Denn wenn die Zelte finster sind, so gehen uns die Fremden ins Haus, wo sie ein Licht sehen werden.«
   03] Sagte Ich: »Darum gebe Ich dir ja den Raphael mit; der wird dir schon tun, was da nötig ist, wie er dir solches um die Mittagszeit getan hat. Und also kannst du schon ganz getrost hinausgehen. Gehet aber nun, da die Fremden schon ankommen!«
   04] Da ging Lazarus mit Raphael und mit seinem Wirte hinaus und fand zu seinem großen Staunen die Zelte alle hell erleuchtet und die Tische alle mit Wein und allerlei Speisen bestens besetzt. Da kamen aber auch des Hauses Diener und Mägde und fragten den Lazarus und den Wirt, woher sie die Speisen und den Wein genommen hätten, da sie als Diener des Hauses nichts davon wüßten.
   05] Da sagte Lazarus: »Seid ihr ja doch auch Menschen! Warum bekümmert ihr euch also so wenig um das, was nun in meinem Hause ist und geschieht?! Wir wissen das schon gar wohl, woher diese Zelte, die Tische, das Tischgerät, der Wein und die Speisen sind. Hättet ihr selbst euch mehr darum bekümmert, so wüßtet ihr das auch. Aber euch kümmert das wenig, und so wisset ihr denn auch wenig oder gar nichts! Wer ist denn Derjenige, der mit Seinen Jüngern nun schon bei vier Tage lang hier in meinem Hause wohnt?«
   06] Sagten die Köche und einige Diener: »Ah, nun wissen wir es schon! Das ist der große Prophet aus Galiläa! Es ist uns aber nun sehr zu verzeihen, so wir bis jetzt davon wenig wußten und noch weniger verstanden, was es da mit dem Propheten für eine Bewandtnis hat; denn wir waren stets vollauf mit unserer Arbeit beschäftigt und hatten bis heute nachmittag wahrlich wenig Zeit, uns um derlei Dinge umzusehen, und es hätte sich für uns auch gar nicht geschickt, um eines oder anderes zu fragen, wenn uns auch hie und da so manches aufgefallen ist. Doch von nun an werden wir uns schon um alles mehr bekümmern, da wir ja auch Menschen sind - wie du selbst es gesagt hast -, denen es auch nicht schaden kann, so sie etwas mehr wissen, als sie bis jetzt gewußt und erfahren haben. Nicht wahr, Herr des Hauses und deiner vielen anderen Güter, wir dürfen das?«
   07] Sagte Lazarus: »O allerdings, doch jetzt gehe ein jeder an seine Arbeit, damit für die vielen Gäste im Hause ein gutes und hinreichendes Abendmahl bereitet wird! Und ihr Diener gehet zu den Zelten, weiset den Fremden die Plätze an, und nehmet von ihnen wie am Mittage, wenn sie gegessen und getrunken haben werden, das Geld! Gehet nun; denn die Gäste kommen schon!«
   08] Da ging ein jeder an seine Arbeit; Lazarus mit dem Wirte aber bewillkommnete die nun auf einmal massenhaft ankommenden Gäste.
   09] Einer der Fremden aber fragte den Lazarus doch, wie er denn so genau wissen konnte, daß der fremden Gäste eben so viele ankommen würden, als er Zelte, Bänke, Tische und Speisen und Weine vorbereitet habe. Denn es falle ihm das sehr auf, daß er als ein Wirt das so ganz genau zu erraten vermocht habe. In andern Herbergen sei das beinahe gar nie der Fall; denn da treffe es sich meistens, daß die Herbergswirte entweder zuviel oder zuwenig für die ankommenden Gäste vorbereitet hielten.
   10] Auf diese Frage sagte Lazarus vorderhand, weil sie ihn ein wenig überrascht hatte, nichts als das nur, daß sich der geehrte Gast nun nur in das nächste Zelt begeben und essen und trinken solle, und er werde ihm dann schon, so er noch darauf bestehe, den nötigen Aufschluß geben.
   11] Damit stellte sich der Gast denn auch zufrieden, ging in sein Gezelt, setzte sich zu Tische, aß und trank ganz wacker darauflos und konnte den Wohlgeschmack der Speisen und Getränke nicht genug loben.
   12] Ein anderer Gast im selben Zelte sagte: »Wahrlich, diese Speisen müssen von Göttern zubereitet worden sein, da sie gar so fabelhaft wohlschmeckend sind! Und der Wein ist ein echter Nektar, der für die Götter taugte!«
   13] Und es wurden noch eine Menge solcher Bemerkungen von diesen griechischen Kaufleuten gemacht. Einer wollte viel Geldes hergeben, so er das Geheimnis solch eines ausgezeichneten Kochens erfahren könnte.
   14] Da Lazarus derlei Bemerkungen wohl vernommen hatte und nicht so recht wußte, was er darauf sagen sollte, so besprach er sich mit dem Engel, was er sagen solle, so er etwa um derlei Dinge befragt werden würde.
   15] Sagte Raphael: »Laß du diese Sache nur ganz gut sein, das werde schon ich mit diesen Menschen abmachen; denn du könntest da ein wenig irre werden und diesen Menschen entweder zuviel oder zuwenig sagen, und beides wäre da eben nicht am rechten Platze! Und so, wie gesagt, lasse du die Sache nur ganz gut sein; denn alles das werde schon ich machen!«
   16] Damit war denn Lazarus auch ganz vollkommen zufrieden und ließ die Gäste ganz wohlgemut ihre Bemerkungen machen.
   17] Doch es kam nun die Zeit, daß die Gäste vollauf gesättigt waren, ihre Zeche zahlten und anfingen, sich auf den Weg in die Stadt zu machen, wo sie gewöhnlich in ihren Verkaufshütten die Nacht zubrachten.
   18] Doch die Kaufleute von der bewußten ersten und nächsten Zelthütte, die unseren Lazarus schon gleich anfangs in Verlegenheit gebracht hatten, fingen von vorne an, ihn mit ihrer Neugier zu plagen.
   19] Aber er wies sie nun ganz keckweg an Raphael und sagte (Lazarus): »Wisset ihr was? Daß ihr sicher nicht leicht irgend besser bewirtet werdet als eben hier bei mir, das scheint aus euren Fragen ganz klar hervorzuleuchten; doch es hat ein jeder ehrliche Wirt seine eigenen Geheimnisse, die er um gar keinen Preis dahin veröffentlicht wissen möchte, daß auch andere Kenntnis davon besitzen sollen. Aber dieser herrliche junge Mensch kann euch ganz gar das sagen, was euch davon zu wissen allenfalls nötig sein kann, und so wendet euch an ihn, - er wird euch den rechten Bescheid dann schon geben!«


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