Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 7 Index

19. Kapitel: Die Kriege Jehovas.

   01] (Raphael:) »Wie die sieben Geister oder besonderen Eigenschaften in Gott dahin gleichsam in einem fortwährenden Kampfe stehen, daß die eine stets auch die andere zur Tätigkeit herausfordert, also kannst du den gleichen Kampf mehr oder weniger auch in allen Geschöpfen Gottes ganz und gar leicht erkennen.
   02] Die Liebe für sich ist blind, und ihr Bestreben ist, alles an sich zu ziehen. Aber in diesem Bestreben entzündet sie sich, und es wird Licht und somit Verständnis und Erkenntnis in ihr
   03] Siehst du nun nicht, wie das Licht gegen das vereinzelte Bestreben der puren Liebe kämpft und sie zur Ordnung und Besinnung bringt?!
   04] Aus diesem Kampf oder Krieg aber erwacht zu gleicher Zeit der Wille als der tätige Arm der Liebe und ihres Lichtes, der das, was das Licht weise geordnet hat, ins Werk setzt.
   05] Aber da wird aus der Erkenntnis der Liebe durch ihr Licht und durch die Kraft der beiden eben auch gleichzeitig die Ordnung hervorgerufen, und diese kämpft fort wider alles Unordentliche durch das Licht und durch den Willen der Liebe, und du hast darin wieder einen ewig beständigen Krieg Jehovas in Ihm sowie in allen Geschöpfen.
   06] Das wäre nun aber schon alles recht also, wenn man nur dafür gutstehen könnte, daß das, was die vier Geister noch so schön geordnet ins Werk setzten, damit schon einen Bestand hätte. Aber alle die noch so herrlichen Werke der ersten vier Geister gleichen noch sehr den Spielwerken der Kinder, die zwar mit großer Lust und Freude so manches ganz meisterlich geordnet ins Werk setzen, doch kurze Zeit darauf an ihrem Produkte keine Freude mehr haben und es dann noch eifriger wieder zerstören, als sie es ehedem ins Dasein gesetzt haben. Und wahrlich, Freund, da sähe es mit dem Bestande all des Geschaffenen noch sehr übel aus!
   07] Um aber das zu verhüten, erhebt sich aus den vier Geistern, und zwar infolge des großen Wohlgefallens an der vollendeten Gelungenheit der Werke, der Ernst als ein fünfter Geist in Gott sowie in Seinen Geschöpfen, und dieser Geist kämpft dann gleichfort wider die Zerstörung und Vernichtung der einmal hervorgebrachten Werke, gleichwie auch ein verständig ernst gewordener Mensch, der sich zum Beispiel ein Haus erbaut hat und einen Weinberg angelegt, alles auf die Erhaltung und Nutzung des Hauses und des Weinberges verwenden wird, nicht aber etwa auf die baldige Wiederzerstörung des Hauses und des Weinberges, wie ich dir solches ehedem bei den hervorgebrachten Werken der Kinder gezeigt habe. Und siehe, das ist - wie schon gesagt - schon wieder ein Krieg Jehovas!
   08] Aber das erbaute Haus zeigt mit der Zeit dennoch Mängel, und der Weinberg will noch immer nicht die erwünschte Ernte bringen, und der Erbauer fühlt Reue wegen seiner Mühe und wegen seines Ernstes in seinem Tätigkeitseifer, und er möchte darum das Werk auch gleichwohl zerstören und dafür ein ganz anderes und neues errichten; aber da tritt dann der sechste Geist solchem Ernste entgegen und heißt - wie schon gezeigt - die Geduld. Und siehe, die erhält dann das Haus und den Weinberg! Und das ist schon wieder ein neuer Krieg Jehovas!
   09] Nun, die Geduld für sich, wie auch mit den früheren Geistern vereint, würde aber weder am Hause noch am Weinberge besondere Verbesserungen vornehmen, sondern so hübsch alles gehen und stehen lassen; aber da kommt der siebente Geist, nämlich die Barmherzigkeit, die in sich enthält die Sanftmut, die Besorgtheit, den Fleiß, die Liebtätigkeit und Freigebigkeit. Und siehe, der Mensch bessert dann sein Haus so gut aus, daß dann an ihm keine Mängel von nur irgendeiner Bedeutung mehr vorhanden sind, und gräbt und düngt den Weinberg, so daß er ihm bald eine reiche Ernte abwirft! Und sieh nun abermals, das ist dann wieder ein Kampf oder ein Krieg Jehovas im Menschen gleichwie in Gott und im Engel!
   10] Und also ist das wahre, vollkommene Leben in Gott, im Engel und im Menschen gleichfort ein Kampf der dir nun gezeigten sieben Geister. Aber dieser Kampf ist in Gott wie im Engel kein solcher, als wäre in einem oder dem andern der sieben Geister ein Bestreben, die anderen Geister zu unterdrücken und untätig zu machen, sondern der Kampf geht ewig dahinaus, daß ein Geist den andern gleichfort nach aller seiner Kraft und Macht unterstützt und sonach ein jeder Geist in dem andern vollkommen enthalten ist. Es ist also die Liebe in allen den anderen sechs Geistern und ebenso das Licht oder die Weisheit in der Liebe und in den anderen fünf Geistern und also fort, so daß in jedem einzelnen Geiste auch alle anderen ganz vollauf wirken und stets wirkend gegenwärtig sind und sich fort und fort im schönsten Ebenmaße unterstützen.«


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 7  |   Werke Lorbers