Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 3, Kapitel 21

Die Heilung der fünf besessenen Raubmörder.

01] Als wir bei den fünf ankommen, so erheben diese ein gräßliches Geschrei und Gebrülle und fangen an, alles zu verfluchen, das sich ihnen naht.
02] Ich aber lasse endlich die Soldaten, den Julius und den Cyrenius etwas mehr zurücktreten und sage zu den einigen Soldaten: »Bindet sie nun los; denn in solchem Zustande läßt sich mit ihnen nichts anfangen!«
03] Die Soldaten aber bemerken, daß das hier nicht geheuer sein dürfte, da die fünf zu stark und zu wütend wären; es wäre Ärgeres mit ihrer Freilassung zu befürchten, als so man irgend zwanzig Tiger unter die Menschen freiließe!
04] Sage Ich nun gebietend: »Ich gebiete es euch, das schnell zu tun, was Ich euch anbefehle; durch die Nichterfüllung Meines Verlangens könntet ihr ehestens in ein großes Unglück gestürzt werden!«
05] Nach solcher Meiner Androhung tun die Soldaten endlich doch, aber mit großer Vorsicht, was Ich ihnen geboten habe für den Augenblick.
06] Als die fünf nun frei sind, stürzen sie vor Mich hin, fallen auf ihre Angesichter und rufen: »O Du allmächtiger Sohn Davids, da Du uns schon so weit errettet hast, o so errette uns ganz vom ewigen Verderben! Des Leibes Tod fürchten wir nicht, aber wohl das ewige Verderben! Denn in dieser Nacht hatten wir bei aller unserer schrecklichen Leibesqual auch noch die Gesichte der Qual der verdammten Geister in der Hölle! Und wir bitten Dich darum, daß Du für unsere Verbrechen uns mit allen denkbaren Übeln quälest hundert Jahre lang auf dieser Erde in unsern argen Leibern, - nur verschone uns mit den zu erschrecklichen ewigen Qualen und Peinen der Hölle, die zu unbeschreiblich erschrecklich sind!«
07] Das war die Sprache der wirklichen Seelen dieser fünf im Ruhemomente ihrer ihre Leiber besitzenden Teufel, die ihnen auch ihre Hölle also in ihrer gräßlichsten Nacktheit zeigen mußten; aber gleich darauf tun sich die Argen in den Leibern der fünf hervor und reden wie tausendstimmig aus dem Munde der fünf: »Was willst du elender Mückenbändiger hier? Willst du dich etwa gar in einen Kampf mit uns allmächtigen Göttern einlassen? Versuche es nur, und du sollst wohl zum letzten Male gekämpft haben! Tritt zurück, du Elender, sonst zerreißen wir dich in die kleinsten Staubteile und geben dich dann allen Winden preis!«
08] Sage darauf Ich: »Mit welchem Rechte plaget ihr diese fünf Menschen schon seit etlichen Jahren? Wer gab euch dazu eine Befugnis? Wisset, daß nun eure letzte Stunde verronnen ist! Der Mückenbändiger aber gebietet euch nun, im Augenblick diese fünf Menschen für immer zu verlassen und euch sofort zu begeben in die allertiefste eurer Höllen!«
09] Die Teufel aber brüllen und sagen unter gräßlichstem Geheule: »Wenn deine Macht uns zwingen kann, so laß uns lieber fahren unter die weißen Ameisen in Afrika; denn es ist besser, unter ihnen zu sein denn in unserer Hölle!«
10] »Nein«, sage Ich, »für euch und euresgleichen habe Ich kein Erbarmen in Meinem Herzen, weil ihr keines gehabt habt mit jenen, die ihr trotz ihrer heißesten Bitten auf das martervollste ums Leben gebracht habt; deshalb nun ohne alle Gnade und Erbarmen hinaus mit euch!«
11] Auf dies Mein mächtiges Gebot fahren die bösen Geister hinaus und reißen die fünf furchtbar zur Erde.
12] Ich aber sage: »Weichet, ihr Elenden! Hinab zur Hölle mit euch, und euch geschehe dort der vergeltende Riß!«
13] Die Geister aber verbleiben noch und bitten um Gnade und Erbarmen; denn es läge in ihnen, daß sie so böse wären.
14] Ich sage: »Aber es liegt auch in euch, gut zu sein, denn ihr habt Erkenntnis des Guten und des Bösen; aber euer hochmütiger Wille ist böse und unbändig, und es kann euch darum keine Gnade und keine Erbarmung zuteil werden! Ihr selbst wollt leiden und wollet gepeinigt sein, darum leidet und werdet gepeinigt nach eurem Willen ewig! Denn Meine Ordnung währet ewig und ist unabänderlich, das wißt ihr wohl. Ihr wißt aber auch, was ihr zu tun habt, um euch die ewige Ordnung zunutze zu machen; weil ihr sie aber zu eurem Schaden verkehrt, also genießet auch den Schaden, und somit fort mit euch von Meinem Angesichte!«
15] Hier geschieht ein mächtiger Knall, Rauch und Feuer fahrt aus der Erde, und eine schnell entstandene Kluft verschlingt das elende Gewürm. Denn die ausgetriebenen Geister zeigten sich den Anwesenden als kohlschwarze Schlangen, die nun sämtlich von der flammenden Kluft der Erde verschlungen wurden, worüber sich alle Anwesenden derart entsetzten, daß sie zu fiebern anfingen.
16] Ich aber wandte Mich nun an den Markus, der schon mit Brot, Wein und Salz in Bereitschaft stand, und sagte zu ihm: »Reiche nun den fünfen schnell etwas Wein, dann etwas Brot mit Salz!«
17] Nun hoben die Söhne des Markus die fünf auf der Erde Liegenden auf und gossen ihnen etwas Wein in den offenstehenden Mund. Darauf kamen sie schnell zur Besinnung und wußten nicht, was da mit ihnen vorgegangen sei.
18] Ich aber sagte zu ihnen: »Nehmet nun etwas Brot mit Salz und dann abermals etwas Wein, und ihr werdet dadurch zur Kraft und zur vollen Besinnung wieder gelangen!«
19] Darauf nehmen sie Brot und Salz und, wie befohlen, nach einer kurzen Weile abermals etwas Wein, und sie erheben sich darauf in wenigen Augenblicken völlig, nur sehen sie natürlich noch sehr schlecht, bleich und mager aus.
20] Und Cyrenius fragt Mich ganz schüchtern, was nun mit den fünfen wird weiter zu unternehmen sein, ob sie ganz freigelassen, oder ob sie in irgendeinem öffentlichen Pflegehause untergebracht werden sollen.
21] Sage Ich: »Laß diese Sorge für heute; morgen aber wird sich dann schon zeigen, was mit ihnen für die Zukunft zu tun sein wird! Wenn sie heute bei uns ordentlich gepflegt sein werden, so werden sie auch ehest besser aussehen. Aber nun müssen wir sie hier eine kurze Zeit ruhen lassen, und du Markus laß noch etwas Öl herbeibringen! Die fest gebundenen Ketten und Stricke haben ihre Haut mit Wunden und Beulen bedeckt, diese sollen mit Öl und Wein eingerieben werden, auf daß sie heilen in Kürze!«
22] Markus schafft nun auch sogleich Öl herbei, und seine Söhne reiben ihnen solche Salbe ein, was den fünfen sehr wohl bekommt; denn sie gestehen auf diese Behandlung, daß sie ihnen sehr gut zustatten käme, und es versucht darauf einer um den andern, sich auf die Füße zu machen, was im Anfange mit noch mancher Anstrengung verbunden ist, aber sich nach und nach immer besser macht.
23] Als sich die fünf Geretteten nach einer kleinen Stunde schon so ziemlich besser befinden, fangen sie erst an zu fragen, wo sie seien, und was da mit ihnen vorgegangen sei.
24] Und der Markus, der sich nun mit seinen Söhnen natürlich in der fünf Gesundgemachten nächster Nähe befindet, sagt zu ihnen: »Ihr waret sehr krank und seid als solche gestern nachmittag hierhergebracht worden; hier aber befindet sich soeben der berühmte Heiland aus Nazareth, der allen Menschen, mit was für Krankheiten sie auch behaftet sind, die sicherste Hilfe bringt und gibt, und dieser Heiland hat euch auch nun hier geholfen. Ihr werdet Ihn später schon noch näher kennenlernen.«


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