Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 38


Engel erklären die Herkunft ihrer Macht und Schönheit. Anleitung, wie Menschen dasselbe erreichen. Jesus kann sich als Schöpfergott oder Mensch zeigen.

01] Cyrenius wendet sich nun sogleich an die beiden Engel und fragt sie, wie da doch solches möglich wäre. Diese aber weisen allerehrfurchtsvollst mit ihren himmlisch schönsten Händen auf Mich hin und sagen mit einer höchst reinen und wohlklingenden Stimme: »Sein Wille ist unser Sein, unsere Kraft und unsere Schnelligkeit! Aus uns selbst vermögen wir nichts; so Er aber will, da nehmen wir Seinen Willen in uns auf und vermögen dann alles durch denselben. Unsere Schönheit aber, die nun dein Auge blendet, ist unsere Liebe zu Ihm, und diese Liebe ist wieder nichts als Sein Wille in uns! Wollt ihr uns aber gleich werden, so nehmet Sein lebendiges Wort auf in euer Herz und tut freiwillig danach, so werdet ihr dadurch auch gleich uns solches Seines Wortes allmächtige Kraft und Stärke in euch haben; und so Er euch dann berufen wird, zu handeln in Seinem Willen, da werden euch alle Dinge möglich sein, und ihr werdet mehr tun können denn wir, da ihr pur aus Seiner Liebe seid, während wir nur mehr Seiner Weisheit entstammen. - Nun weißt du, wie uns das, was dich in Erstaunen setzte, gar leicht möglich ist. Handle in der Zukunft vollends nach Seinem Worte, so werden dir auch gar wunderbare Dinge möglich sein!«
02] Cyrenius macht hier große Augen und sagt: »Also habe ich denn doch recht, so ich Jesus für den alleinigen Gott und Schöpfer der ganzen Welt halte!?
03] Sagen die Engel: »Da hast du wohl recht; aber nur rede davon nicht zu laut! Und so du an Ihm Menschliches erschauest, da ärgere dich nicht; denn alles Menschliche wäre kein Menschliches, wenn es nicht von Ewigkeit zuvor Göttliches gewesen wäre. So Er Sich daher zuweilen in dir bekannten und angewöhnten Formen bewegt, so bewegt Er Sich aber dennoch in keinen Seiner unwürdigen Formen; denn jede Form, jeder Gedanke war zuvor in Ihm, ehe sie durch Seinen Willen einen außer Ihm bestehenden, freien Willen auszumachen und zu bestimmen anfingen. In der Unendlichkeit gibt es kein Ding und kein Wesen, das nicht aus Ihm hervorgegangen wäre. Diese Erde und alles, was in ihr und auf ihr lebt, ist nichts als Sein ewig gleich festgehaltener Gedanke, der durch Sein Wort zur Wahrheit ward. So Er nun, was Ihm ganz überleicht möglich wäre, diesen wesenhaften Gedanken in Seinem Gemüte und Willen fallen ließe, so wäre auch in demselben Augenblick keine Erde mehr, und alles, was sie enthält und trägt, würde ihr vernichtendes Los teilen.
04] Aber des Herrn Wille ist nicht wie der eines Menschen, der schlecht genug heute so und morgen anders will. Des Herrn Wille ist ewig ein und derselbe, und nichts kann diesen beugen in der von Ewigkeit her festgestellten Ordnung; aber innerhalb dieser Ordnung herrscht dennoch die größte Freiheit, und der Herr kann tun, was Er will, gleichwie auch jeder Engel und Mensch. Daß aber das also ist, kannst du an deinem höchst eigenen Wesen und an tausend andern Erscheinungen ersehen.
05] Du kannst in deiner persönlich wesenhaften Form tun, was du willst; daran kann dich nichts als allein dein Wille hindern. Aber die persönlich wesenhafte Form läßt durchaus keine Veränderung zu, weil sie sich unter der festen göttlichen Ordnung befindet.
06] Also kannst du das Äußere der Erde wohl sehr bedeutend verändern; du kannst Berge abgraben lassen, kannst den Strömen einen neuen Weg vorzeichnen; du kannst Seen austrocknen und für neue Seen Bette graben lassen; kannst über Meere Brücken bauen und die Wüste in ein gesegnetes und fruchtbares Land durch Fleiß und Mühe umgestalten, kurz, du kannst auf der Erde eine Unzahl Veränderungen zuwege bringen; - aber du kannst den Tag nicht um ein Haar länger und die Nacht nicht um ein Haar kürzer machen und kannst den Winden und Stürmen nicht gebieten.
07] Den Winter mußt du ertragen und dulden des Sommers Hitze, und aller Kreatur kannst du bei all deinem Willen keine andere Gestalt und Beschaffenheit geben. Aus dem Lamme wirst du ewig keinen Löwen und aus dem Löwen ewig kein Lamm ziehen, und siehe, das ist wieder Gottes feste Ordnung, innerhalb welcher dir zwar eine große Freiheit zu handeln gegeben ist, während du die eigentliche Gottesordnung nicht um ein Haar breit zu verrücken imstande bist.
08] Hier vor dir aber ist Der, der solche Ordnung von Ewigkeit her gegründet hat und sie allein wieder auflösen kann, wenn Er will. Wie aber du in solcher gefesteten Gottesordnung, die zuerst dein Sein und das Sein alles dessen, was dich umgibt, bedingt, dennoch frei bist im Denken, Willen und Handeln, also ist der Herr um so mehr frei und kann tun, was Er will.
09] Wir aber sagen dir darum noch einmal: Ärgere dich deshalb nicht, so der Herr vor euch Sich in menschlicher Form bewegt; denn es ist ja jegliche Form Sein höchst eigenes Werk


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