Jakob Lorber: "Bischof Martin - Die Entwicklung einer Seele im Jenseits"

15. Kapitel: Jesu Bußpredigt an Bischof Martin.

Originaltext 1. Auflage 1896 durch Project True-blue Jakob Lorber

Text u. Versnummerierung nach 3. Auflage 1960 Lorber-Verlag

01] Nun rede wieder Ich, als der Schiffsmann: „Höre Mich nun an, und merke es genau, was Ich dir sagen werde!

02] Siehe, wohl weiß Ich, wie die Welt beschaffen ist, weil Ich es auch weiß, wie sie zu allen ihren Zeiten beschaffen war; denn wäre die Welt nicht arg, oder wenigstens nur manchmal besser als ein anderes Mal, so hätte sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuziget; da ihr groß böser Muthwille aber schon solches that am grünen Holze, um wie viel weniger wird er des dürren Reisichs schonen! Daher gilt für die Welt ein für alle Male das, was aus dem Munde des Herrn im Evangelio geschrieben steht, und also lautet:

03] ‚In diesen Tagen, d. h. in der Zeit der Welt, braucht das Himmelreich Gewalt; nur diese werden es besitzen, die es mit Gewalt an sich reißen!' Eine solche moralische Gewalt aber, Freund, hast du dem Himmelreiche wohl nicht und nie angethan; darum du die Welt eben auch nicht zu sehr anklagen darfst, indem Meines höchst klaren Wissens du zu allen Zeiten es bei weitem lieber mit der Welt, als irgend mit dem Geiste gehalten hast; denn in diesem Punkte warst du eben Einer der Hauptgegner aller geistigen Aufklärung, ein Feind der Protestanten, und verfolgtest sie ob der vermeintlichen Ketzerei mit Haß und bitterstem Ingrimme.

04] Bei dir hieß es wirklich nie: si mundus vult decipi, sondern fest weg ohne Gnade und Pardon: mundus decipi debet! und das sine exceptione! (d. h. die Welt muß betrogen sein, und zwar ohne Ausnahme.) Ich aber sage dir, daß die Welt gerade nirgends schlechter ist, als gerade in deiner, und zumeist in deines Gleichen Sphäre; ihr seid zu allen Zeiten die größten Feinde des Lichtes gewesen, und es gab Zeiten, wo ihr jedem nur um ein Haar heller Denkenden und Sehenden Scheiterhaufen errichtet habt!

05] Nicht die Fürsten der Welt suchten die Finsterniß bei ihren Völkern auszubreiten; sondern ihr waret es, die ihr die Fürsten selbst in den Bannfluch legtet, so sie es wagten, etwas heller zu denken, als es eurer finstersten, hierarchischen, tyrannischesten Despotie genehm war! Wenn nun Fürsten selbst finster sind hie und da, so sind sie sogestaltig euer Werk; ihr aber waret nie ein Werk der Fürsten, sondern jetzt, wie zu allen Zeiten, euer eigenes.

06] Daß es nun etwas schwerer ginge in manchem Lande, das vom Lichte keine Ahnung mehr hat vom A-Z, das reine Licht Gottes einzuführen, das weiß Ich; aber wer trägt davon die Schuld? Siehe, Niemand sonst als ihr selbst!

07] Wer hieß euch je Götzentempel, und barste Götzenaltäre errichten? wer hat euren lateinischen sogenannten Gottesdienst angeordnet? wer hat die Ablässe erfunden? wer die Schrift Gottes verbannt? und an deren Statt die absurdesten und lügenhaftesten Legenden der sogenannten Heiligen eingeführt? wer die Reliquien? wer die Millionen von allerlei heiligen Bildern und Schnitzwerken? Siehe Niemand anderer, kein Kaiser und kein Fürst, sondern ihr; ihr allein waret zu allen Zeiten die Werkmeister der allerdicksten Finsterniß, um darinnen allerlei zu fangen, groß und klein für euer Szepter!

08] Die Fürsten sind zumeist voll frommen Glaubens, und sind gehorsam eurer Lehre; sage mir, was aber hattest du, der du doch in der Schrift bewandert warst, für einen Glauben? und wem gehorchtest du wohl? Wie viel wohl hast du gebetet, ohne dafür bezahlt zu sein?

09] Sage, kannst du wohl bei Gott aus und nach dem allem irgend eine Berücksichtigung erwarten, indem die Welt nicht dich, sondern nur du die Welt in deinem Bezirke um vieles schlechter gemacht hast, als sie ehedem war?

10] Ich sage dir aber, was das Märtyrerthum betrifft, das du angeführt hast, so hättest du dich tausendmal eher aus herrschsüchtiger Liebe zur Nacht ans Kreuz schlagen lassen, als nur einmal fürs reine Gotteslicht; so hättest du auch von den Fürsten wenig zu besorgen gehabt, so du das Licht hättest verkündigen lassen, und somit noch weniger von ihren Aufsehern; denn Ich weiß es nur zu gut, wie du den Fürsten opponirtest, so sie sich gegen deine unsinnigsten, allen Menschen- und Bruderwerth verachtenden und verdammenden Forderungen sträubten!

11] Siehe, so sind Mir auch wenig Beispiele bekannt, daß Fürsten wahrhaft helle Priester, die der Gotteslehre rein oblagen, ins Loch steckten, oder gar, was von dir eine grobe Anschuldung ist, in die Geisterwelt expedirten; aber wohl sind mir eine ungeheure Zahl Beispiele bekannt, daß nur ihr das an Jenen thatet, die es gewagt haben, reiner nach dem Worte Gottes zu leben!

12] Wer da klug ist wie eine Schlange, und dabei sanft wie eine Taube, und wandelt also des Herrn Wege, meinst du wohl, daß der alte Gott schwächer geworden ist, als Er zu den Zeiten der Apostel war und somit jenem nicht mehr zu helfen vermöchte, wenn er von der Welt bedräut wird?

13] O sieh, Ich könnte dir nebst Luther noch eine große Menge Brüder anführen, die in einer allerfinstersten Zeit es dennoch gewagt haben, das reine Gottes-Wort vor aller Welt zu bekennen, und siehe, die Fürsten der Welt haben keinem den Kopf vom Leibe getrennt; wohl aber gings nur dem schlecht, der Meinen Geistes in eure Hände gerieth.

14] Du wirst nun hoffentlich einsehen, daß hier, wo nichts als die reinste Wahrheit mit der ewigen Liebe geeint nur gilt, mit all deinen Entschuldigungen nicht weit gereicht wird; außer mit der alleinigen mea quam maxima culpa (meine alleinige Hauptschuld), das ist allein recht, alles andere gilt vor dem Herrn nichts; denn das wirst du wohl zugeben, daß Gott die Welt in ihren kleinsten Fibern besser kennt von Ewigkeit her, als du sie je erkennen wirst; darum wäre es auch der größte Unsinn, so du Gott dem Herrn zu deiner Entschuldigung beschreiben wolltest, wie sie ist, obschon du sagest, daß du das nicht zu deiner Entschuldigung sagst, sondern blos nur, daß darum der Herr mit dir eine Rücksicht nehmen solle, ohne dabei im Geringsten zu bedenken, daß du selbst ein Hauptweltschlechtermacher warst!?

15] In wie weit du als ein Weltgefangener Rücksicht verdienst, wird sie dir auch nicht um ein Haar entzogen werden; aber in allem dem, was du ihr nun anwirfst, nicht die allergeringste. Was die Welt dir schuldet vor Gott, das wird mit einer kleinen Rechnung abgethan sein; aber deine Schuld wird so kurz nicht ablaufen; außer du bekennest sie selbst reumüthigst, und bekennest auch, daß nie du, der du allzeit schlecht bist und warest, sondern allein nur der Herr alles wieder gut machen kann, und dir vergeben deine Schuld.

16] Du hast wohl eine große Furcht vor der Hölle, weil du dich in deinem Gewissen ihrer werth fühlest, und meinst, Gott werde dich da hinein werfen, wie einen Stein in einen Abgrund; bedenkst aber nicht, daß du nur deine eingebildete Hölle fürchtest, aber an der wirklichen ein großes Wohlgefallen hast, und nicht heraus willst in der Fülle!

17] Siehe, alles was du bisher nachgedacht hast, war mehr oder weniger ‚Hölle' im eigentlichsten Sinne; denn wo nur noch ein Fünklein Selbstsucht herausschaut, und Eigendünkel, und Beschuldigung Anderer, da ist Hölle; wo der fleischliche Sinn noch nicht freiwillig verbannt wurde, da ist noch Hölle! Bei dir aber haftet das alles noch, somit bist du noch sehr stark in der Hölle! Siehe, wie eitel da deine Furcht ist!

18] Der Herr aber, Der Sich aller Wesen erbarmet, will dich daraus erretten, und nicht nach deiner römischen Maxime noch tiefer hinein verdammen; daher sage fürder auch nicht vom Herrn, daß Er denen durchaus in die Hölle fahren Wollenden sage: So du denn durchaus zur Hölle willst, so sei's!

19] O siehe, das ist eine sehr frevelnde Behauptung von dir! Du bist eben Einer, der schon gar lange der Hölle nicht entsagen will; wann aber hast du von Seite des Herrn ein solches Gericht über dich vernommen?!

20] Bedenke diese Meine Worte wohl, und kehre dich darnach in dir, so will Ich dieß Schifflein also lenken, daß es dich aus deiner Hölle in das Reich des Lebens bringen solle, es sei!"

01] Nun rede wieder Ich als der Schiffsmann: »Höre mich nun an und merke genau, was Ich dir sagen werde!


02] Siehe, wohl weiß Ich, wie die Welt beschaffen ist, weil Ich es auch weiß, wie sie zu allen Zeiten beschaffen war. Denn wäre die Welt nicht arg oder wenigstens nur manchmal besser als ein anderes Mal, so hätte sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt! Da ihr großböser Mutwille aber schon solches tat am grünen Holze, um wieviel weniger wird er des dürren Reisigs schonen! Daher gilt für die Welt ein für alle Male das, was aus dem Munde des Herrn im Evangelium geschrieben steht und lautet:

03] In diesen Tagen - d. h. in der Zeit der Welt - braucht das Himmelreich Gewalt; nur die werden es besitzen, die es mit Gewalt an sich reißen! Eine solche moralische Gewalt aber, Freund, hast du dem Himmelreiche wohl nie angetan. Darum darfst du die Welt eben auch nicht zu sehr anklagen, indem Meines höchst klaren Wissens du es zu allen Zeiten bei weitem lieber mit der Welt als irgend mit dem Geiste gehalten hast! Denn in diesem Punkte warst du eben einer der Hauptgegner aller geistigen Aufklärung, ein Feind der Protestanten und verfolgtest sie ob der vermeintlichen Ketzerei mit Haß und bitterstem Ingrimm!

04] Bei dir hieß es wirklich nie: Si mundus vult decipi! (Wenn die Welt betrogen sein will), sondern ohne Gnade und Pardon: Mundus decipi debet! (Die Welt muß betrogen werden!) - und das sine exceptione (ohne Ausnahme)! Ich aber sage dir, daß die Welt nirgends schlechter ist als gerade in deiner und zumeist in deinesgleichen Sphäre! Ihr seid zu allen Zeiten die größten Feinde des Lichtes gewesen, und es gab Zeiten, wo ihr jedem nur um ein Haar heller Denkenden und Sehenden Scheiterhaufen errichtet habt!

05] Nicht die Fürsten der Welt suchten die Finsternis bei ihren Völkern auszubreiten, sondern ihr waret es, die ihr die Fürsten selbst in den Bannfluch legtet, so sie es wagten, etwas heller zu denken, als es eurer finstersten, hierarchischen, tyrannischesten Despotie genehm war! Wenn nun Fürsten selber finster sind hie und da, so sind sie sogestaltig euer Werk; aber ihr waret nie ein Werk der Fürsten, sondern jetzt wie zu allen Zeiten euer eigenes!

06] Daß es nun etwas schwerer ginge in manchem Lande, das vom Lichte von A bis Z keine Ahnung mehr hat, das reine Licht Gottes einzuführen, das weiß Ich; aber wer trägt daran die Schuld? Siehe, niemand sonst als ihr selbst!

07] Wer hieß euch je Götzentempel und barste Götzenaltäre errichten? Wer hat euren lateinischen sogenannten Gottesdienst angeordnet? Wer hat die Ablässe erfunden, wer die Schrift Gottes verbannt und an deren Statt die absurdesten und lügenhaften Legenden der sogenannten Heiligen eingeführt, wer die Reliquien, wer die Millionen von allerlei heiligen Bildern und Schnitzwerken? - Siehe, niemand anderer, kein Kaiser und kein Fürst, sondern ihr! Ihr allein waret zu allen Zeiten die Werkmeister der allerdicksten Finsternis, um darinnen allerlei, groß und klein, zu fangen für euer Zepter!

08] Die Fürsten sind zumeist voll frommen Glaubens und gehorsam eurer Lehre; sage mir, was hattest aber du, der du doch in der Schrift bewandert warst, für einen Glauben? Und wem gehorchtest du wohl? Wieviel hast du wohl gebetet, ohne dafür bezahlt zu sein?

09] Sage, kannst du wohl bei Gott nach all dem irgendeine Berücksichtigung erwarten, indem die Welt nicht dich, sondern nur du die Welt in deinem Bezirke um vieles schlechter gemacht hast, als sie ehedem war?


10] Ich sage dir aber: Was das Märtyrertum betrifft, das du angeführt hast, so hättest du dich tausend mal eher aus herrschsüchtiger Liebe zur Nacht ans Kreuz schlagen lassen, als nur einmal fürs reine Gotteslicht! So hättest du auch von den Fürsten wenig zu besorgen gehabt, wenn du das Licht hättest verkündigen lassen, und noch weniger von ihren Aufsehern. Denn Ich weiß es nur zu gut, wie du den Fürsten widerstandest, so sie sich gegen deine unsinnigsten, allen Menschen- und Bruderwert verachtenden und verdammenden Forderungen sträubten!

11] Siehe, so sind Mir auch wenig Beispiele bekannt, daß Fürsten wahrhaft helle Priester, die der Gotteslehre rein oblagen, ins Loch steckten oder gar - was von dir eine grobe Anschuldigung ist - in die Geisterwelt expedierten. Wohl aber sind mir eine ungeheure Zahl Beispiele bekannt, daß nur ihr das an jenen tatet, die es gewagt haben, reiner nach dem Worte Gottes zu leben!

12] Wer da klug ist wie eine Schlange und dabei sanft wie eine Taube und wandelt also des Herrn Wege: meinst du wohl, daß der alte Gott schwächer geworden ist, als Er zu den Zeiten der Apostel war, und somit jenem nicht mehr zu helfen vermöchte, wenn er von der Welt bedräut wird?

13] O sieh, Ich könnte dir nebst Luther noch eine große Menge Brüder anführen, die in einer allerfinstersten Zeit es dennoch gewagt haben, das reine Gotteswort vor aller Welt zu bekennen. Und siehe, die Fürsten der Welt haben keinem den Kopf vom Leibe getrennt; wohl aber ging's nur dem schlecht, der reineren Geistes in eure Hände geriet!

14] Du wirst nun hoffentlich einsehen, daß hier, wo nichts als die reinste Wahrheit, mit der ewigen Liebe geeint, nur gilt, mit all deinen Entschuldigungen nichts erreicht wird - außer mit der alleinigen 'Mea quam maxima culpa' (Es ist meine übergroße Schuld)! Das ist allein recht, alles andere gilt vor dem Herrn nichts! Denn das wirst du wohl zugeben, daß Gott die Welt in ihren kleinsten Fibern besser kennt von Ewigkeit her, als du sie je erkennen wirst. Darum wäre es auch der größte Unsinn, so du Gott dem Herrn zu deiner Entschuldigung beschreiben wolltest, wie sie ist; obschon du sagst, daß du das nicht zu deiner Entschuldigung sagst, sondern nur, daß der Herr mit dir eine Rücksicht nehmen solle - ohne dabei im geringsten zu bedenken, daß du selbst ein Hauptweltschlechtermacher warst!

15] Inwieweit du als ein Weltgefangener Rücksicht verdienst, wird sie dir nicht um ein Haar entzogen werden; aber in allem dem, was du ihr nun anwirfst, nicht die allergeringste! Was die Welt dir schuldet vor Gott, das wird mit einer kleinen Rechnung abgetan sein. Aber deine Schuld wird so kurz nicht ablaufen, außer du bekennst sie selbst reumütigst und bekennst auch, daß nie du - der du allzeit schlecht bist und warst -, sondern allein nur der Herr alles wieder gutmachen und dir vergeben kann deine Schuld.

16] Du hast wohl eine große Furcht vor der Hölle, weil du dich in deinem Gewissen ihrer wert fühlst und meinst, Gott werde dich da hineinwerfen wie einen Stein in einen Abgrund. Du bedenkst aber nicht, daß du nur deine eingebildete Hölle fürchtest, aber an der wirklichen ein großes Wohlgefallen hast und nicht heraus willst in der Fülle!

17] Siehe, alles, was du bisher noch gedacht hast, war mehr oder weniger Hölle im eigentlichsten Sinn! Denn wo nur noch ein Fünklein Selbstsucht herausschaut und Eigendünkel und Beschuldigung anderer, da ist Hölle; wo der fleischliche Sinn noch nicht freiwillig verbannt wurde, da ist noch Hölle! Bei dir aber haftet das alles noch; somit bist du noch sehr stark in der Hölle! - Siehe, wie eitel da deine Furcht ist!

18] Der Herr aber, der Sich aller Wesen erbarmt, will dich daraus erretten - und nicht nach deiner römischen Maxime noch tiefer hineinverdammen! Daher sage fürder auch nicht vom Herrn, daß Er den durchaus in die Hölle Fahrenwollenden sage: 'So du denn durchaus zur Hölle willst, so sei's!'

19] Siehe, das ist eine sehr frevelnde Behauptung von dir! Du bist eben einer, der schon gar lange der Hölle nicht entsagen will; wann aber hast du von seiten des Herrn ein solches Gericht über dich vernommen?

20] Bedenke diese Meine Worte wohl und kehre dich danach in dir, so will Ich dies Schifflein also lenken, daß es dich aus deiner Hölle in das Reich des Lebens bringen soll. Es sei!«

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