Gottfried Mayerhofer [03.01.1877]

Der Schlaf

aus 'Heil-, Diät- und Lebenslehr-Winke', Sammlung neu-theosophischer Schriften, Nr. 48, S.113-120, 1895, Neu-Theosophischer Verlag (J. Busch Nachf.), Bietigheim



    GM.NT48.113,01] Im vorhergehenden Worte habe Ich euch den Unterschied gezeigt zwischen dem Menschen bei Tage un dem Menschen bei Nacht (öAm Weihnachsfeste in Nr.44); habe euch gezeigt, wie während der Nacht alle Bewegungen der Säfte, in Pflanzen, Tieren und Menschen einen engeren Kreislauf haben; habe euch gezeigt, wie Wärme der Außenseite überall mangelt, das selbe im inneren Leben nötig ist.
    GM.NT48.113,02] Nun will Ich dir wiedergeben, was heute in den frühen Morgenstunden vor deiner Seele vorüberging, und nur den Schlaf im allgemeinen und einzelnen zum Gegenstand hatte.
    GM.NT48.113,03] So soll dieses Wort das vorhergehende ergänzen, und euch wieder ein Beweis werden, wie viel Geistiges unter der Materie verborgen liegt, welches ihr nie ganz deuten könnet.
    GM.NT48.113,04] So höret denn: Vorerst müssen wir das Wort öSchlafö genauer definieren, und dann zum Prozesse, welcher im Schlaf bei lebenden Tieren und Menschen vorgehet, übergehen.
    GM.NT48.113,05] "Schlafö im allgemeienn bezeichnet den Zustand, wo das Außenleben scheinbar aufhört, und Menschen und Tiere in einen bewußtlosen Zustand versetzt werden, welcher erstens nögtig ist, um den während des Wachens verbrauchten Lebensstoff wieder zu ersetzen, und zweitens das während des Tages geistig Erworbene zum eigenen Ich zu verwerten.
    GM.NT48.113,06] Im Schlafe beginnt ebenfalls ein 'anderes Leben', nämlich das Traumleben, welches die Menschen nicht deuten und nicht erklären können, teils wegen der unklaren symbolischen Sprache desselben, teils weil sie sich nichts klar bewußt sind und dabei geistige Einflüsse von Fantasiegebilden nicht zu unterscheiden wissen.
    GM.NT48.113,07] Einer von den Gelehrten sagte in seinem Buche: 'Während des Wachens haben alle Menschen eine gemeinschaftliche Welt, im Schlafe aber hat ein jeder seine eigene!' - Und er hatte nicht Unrecht, denn so ist es auch! Im Schlafe sind im allgemeinen die Bande, welche die Seele an den Körper binden, gelockert; sie kann sich in zwei Welten umschauen, sie kann sich geistigen Einflüssen hingeben, oder selbst weltliche Genüsse im Traume noch fortspinnen; ihre Sprache wird aber dem Verstandesmenschen stets dunkel bleiben, so sehr er sie entziffern möchte.
    GM.NT48.113,08] Im Schlafe, wo das Leben nur im Innern konzentriert ist, das versteht die Seele wenig vom Außenleben (wenn nicht besondere Umstände sie irre machen), wo sie sodann Vergangenes mit Künftigem, Weltliches mit Geistigem vermischt, so daß beim Erwachen keine klare Erinnerung vorhanden sein kann von Bildern, die schnell vorüberziehend wie in einem Panorama wechselten.
    GM.NT48.113,09] Es gibt verschiedenartige Träume, die wohl zu unterscheiden sind, nämlich: die beim Einschlafen, die mitternächtlichen und die Morgenträume.
    GM.NT48.113,10] Erstere (Einschlafträume) bringen oft Bilder als Fortsetzung von körperlich Erlebtem, die mitternächtlichen mehr tiefere, und die des Morgens meist solche, wo das Geistige sich mit dem Weltlichen vermischt.
    GM.NT48.114,01] Die ersten sind so, weil der materielle Einfluß der Sonne auf die Erde und alles, was darauf lebt, noch nicht aufgehört hat. - Die zweiten, geistig, weil dort tellurische Einlfüsse sehr schwach oder gar nicht einwirken, und bei der dritten, die vermischen, weil die Sonne, sobald sie über den Äquator heraufzusteigen anfängt, das Innenleben störet, und so Tiere und Menschen auf den kommenden Tag vorbereitet.
    GM.NT48.114,02] Einem aufmerksamen Beobachter seiner selbst müßte es schon lange aufgefallen sein, daß das, was man öSeeleö nennt, nie schläft, keine Ruhe braucht, sondern in einem fort arbeitet, um aus dem Materiellen und geistig Gewonnenen ihren künfigen Geistesleib aufzubauen, welcher weder Zeit noch dem Raume unterliegt, seiner selbst bewußt sich dorthin begeben kann, wohin er durch seine Geistesrichtung gezogen wird.
    GM.NT48.114,03] 'Das Leben' also geistig betrachtet ist ein immerwährendes Fortschreiten, ein nie stille stehendes Urwerk, das dem Körper seine materielle Ruhe im Schlafe nur gibt, um neue Kräfte für's geistige, höhere Leben zu sammeln.
    GM.NT48.114,04] Im Schlafe oder während desselben haben die Funktionen des materiellen Körpers einen geregelten Fortgang. Die Verdauung geht besser vor sich, die Absonderung der Säfte, der Stoffwelchsel, alles verläuft ruhiger, weil Seelenaffekte selbe nicht beinträchtigen. Sie Seele arbeitet dort mit mehr Sorgfalt, alle Schäden auszubessern, welche während des Tages sich eingeschlichen haben (s. in Nr. 9. Jugendgeschichte des Herrn, Kap.138, 17, 20 d.H.). Im Schlafe, während des Ruhezustandes muß dieses geschehen, weil dort nicht Neues dazu kommt.
    GM.NT48.114,05] Wenn Ich euch dieses alles sage, so versteht es sich von selbst, daß Ich die Zeit meine, welche die Natur als Schlaf- oder Ruhezeit eingesetzt ist, nicht aber den Schlaf, wo der Mensch inmitten seiner Gelüste die Nacht zum Tage und den Tag zur Nacht machen möchte, wo er glaubt, durch Schlafen bei Tage das Verlorene der Nacht wieder zu ersetzen. Da irrt er sich gewaltig; denn während die Sonnen ihren Einfluß auf die Erde und ihre Bewohner ausübt, während sie das Blut bis in die letzten Haargefäße treibt, kann keine Ruhe im Innern und kein Ausgleich des Verlorenen stattfinden.
    GM.NT48.114,06] Solche Menschen verkürzen sich das Leben ungemein und sterben früh, entweder an Entkräftigung oder an Blutmangel. Ich werde Meine Gesetze wegen ihnen nicht ändern, und so müssen sie bezahlen, was sie ihren weltlichen Genüssen aufopfern wollen.
    GM.NT48.114,07] Die Nacht, der Schlaf gehört Meinem Geisterreiche, und ebendeswegen hat sie kein materielles Sonnenlicht nötig, weil das Geisterlicht leuchten soll, um den Geistern mit oder ohne Körper freien Spielraum zu lassen.
    GM.NT48.114,08] Die ganze Natur ruhet in der Nacht aus, sammelt das Erlebte, verwendet das Eingesogene zum eigenen Fortschritte; so bedürfen auch das Tier und der Mensch der Ruhe, um ihre Mission zu erfüllen, welche sie auf Erden haben, wo das irdische Leben nur ein schnell vorübergehendes Vorspiel zu einem weit längeren ist.
    GM.NT48.115,01] Was die Nacht, der Schlaf im einzelnen, das ist der Winter für den Erdball im Großen.
    GM.NT48.115,02] Es muß auf einer Seite der Erdkugel ein Ruhezustand eintreten, damit die Erdseite ihre ganze Tätigkeit und Aufmerksamkeit auf die andere Hälfte verwenden kann; denn es wäre unmöglich, auf beiden Erdhälften das ganze Pfanzen- und Tierleben in gleicher Tätigkeit zu erhalten.
    GM.NT48.115,03] Und so ist bei den großen und kleinen Welten das nämliche Grundgesetz tätig, welches im Kleinen bei den einzelnen Individuen sich wiederholen muß. -
    GM.NT48.115,04] Bei Mir gibt es nicht viele Gesetze, mit denen Ich die Welt erhalte, aber eben diese wenigen sind durchgreifend, wie Ich stets mit wenigem viel erziele!
    GM.NT48.115,05] Sehet, was ist der Winter? Mangel an Wärme ist der Hauptfaktor, Wasser zu Eis und zu Schnee zu verwandeln. Auch die Erde braucht eine Decke von festeren Stoffen, unter welcher ihr Schlafleben noch langsam fortwirken kann. Von oben hält der Schnee die rauhen Winde ab und von unten treibt die beständige Erdwärme die zarten Fruchtkeime zur Entwicklung, bis sie reif sind, den letzten Prozeß im Sonnenlicht zu vollbringen. -
    GM.NT48.115,06] Was im Erdenleben vorgeht, das findet ihr im Menschenleben ebenfalls, Ruhe muß eintreten auf Erschöpfung, um durch Ersetzen des Verbrauchten den Menschen weiter zu befördern.
    GM.NT48.115,07] Selbst seine geistigen Anglagen, soweit sie zum Lebensberufe gehören, müssen Ruhepunkte haben, sollen sie in Zukunft tätig sein. So sehet ihr, der Mathematiker vertauscht sein ernstes Studium oft mit Beschäftigungen leichter Art, als Musik und Literatur.
    GM.NT48.115,08] Der Leichtsinnige sehnt sich nach etwas Ernsterem (Drama?), weil alle diese Gegensätze, wie Tag und Nacht, wie Tätigkeit und Ruhe, einander gegenüber stehen.
    GM.NT48.115,09] Schlaf als rgelmäßige Ruhe ist Erstarkung, als übertriebene - Ermattung:
    GM.NT48.115,10] Im langen Bettliegen ersetzt niemand seine Kräfte, und im langen Jagen nach materiellen Genüssen wird auch am Ende alles Geistige verkümmern müssen.
    GM.NT48.115,11] Alles, was Ich in der Natur als Gesetzt eingesetzt habe, ist nur in dem Maße gedeihlich, wie Ich es bestimmte, zu viel oder zu wenig straft sich von selbst!
    GM.NT48.115,12] Sehet, Ich habe es Mir angelegen sein lasssen, euch eine geistige Erziehung zu geben, damit ihr nicht im materiellen Leben geistig ganz einschlafet, so wie ihr Tausende um euch sehen könnet, welche in diesem Schlafe so versunken sind, daß sie in diesem Erdenleben nicht mehr daraus aufwachen. Sie werden es sich einst selbst zuschreiben müssen, wenn sie einsehen werden, was sie auf dieser Erde hätten tun sollen oder warum sie auf derselben lebten.
    GM.NT48.115,13] Sie, die ins irdische Leben eintraten, und wußten nicht warum, und wieder hinausgehen, ohne sich im mindesten etwas Geistiges bewußt zu werden, für sie ging nie eine geistige Lebenssonne auf, sie jagten materiellen Genüssen, Schätzen und Würden nach, meistens ohne sie zu erlangen, und gehen dann arm und betrogen aus einer Welt, welche ihr Scheiden noch mit Hohngelächter begleiten wird.
    GM.NT48.116,01] So wie der Schlaf ein geistiges ud körperliches Retaurationsmittel ist, wenn er weise gebraucht wird, ebenso ist auch das wache Leben ein angenehmer Gegensatz zu selbem.
    GM.NT48.116,02] Wie schön ist doch das Leben, wenn innerlich und äußerlich alles seinen geregelten Gang geht, wenn geistiges Leben sanft mit materiellem abwechselt, wo die Seele selbst aus letzterem auch geistigen Gewinn ziehen kann.
    GM.NT48.116,03] Sehet die Natur an, wie sie nach dem Winterschafe auf allen Seiten Blüten und Knospen treibt, Früchte ihres inneren Wirkens während des scheinbaren Winterschlafes, wie alles sich regt, alles neu auflebt, wo Wald und Flur neu belebt, Mir, dem Schöpfer, dem Herrn der Liebe seinen Jubelgesang darbringt!
    GM.NT48.116,04] So ist auch das geistige Erwachen des Menschen im Jenseits, wo er in einem Werke mit einem Gedanken seine ganze irdische Laufbahn erblickt, voll von edlen Taten, voll von errungenen Siegen, wo er manche Kämpfe durchmachen mußte, deren Warum er nicht entziffern konnte, wo er mit einem Male Meine Hand erkennen und deutlich einsehen wird, daß es nur so und nicht anders kommen mußte, um aus dem materiellen Lebensschlafe als ein geistiges Produkt zu erstehen! -
    GM.NT48.116,05] Gut für denjenigen, welchem solche Überraschungen zuteil werden, er wird gewiß die bitteren Arzneien vergessen, welche ihm im Leben gereicht wurden, und wird zufrieden sein, daß er auf diesem Wege zu Mir und in Meine Nähe gelangen konnte.
    GM.NT48.116,06] Wehe aber denen, die Meine Gesetze verkehrten, oder sie nicht beachteten, sie werden das jenseitige Leben so wenig verstehen, als sie auf Erden ihr materielles, ihr geistiges ihr Traumleben verstanden haben.
    GM.NT48.116,07] Das ganze aufgeschlagene Buch Meiner Natur war ihnen bei Lebzeiten voll von Hieroglyphen, da wo die Liebe aus allen Blumenkelchen, aus jedem Tautropfen sprach, da wo die Schallwellen der Luft harmonische Töne, sei es in der Rede oder Musik, ihnen ihre geistige Abkunft vor Augen stellen sollten; alle diese Eindrücke gingen an ihnen wie an einem Holzklotze vorüber; nur ganz gemeine, materielle Genüsse, selbe zu erlangen, an selben sich zu sättigen, nur das suchten, nur das wollten sie. Und wie oft waren sie betrogen, wenn beim Erlangten der gehoffte Genuß ausblieb!
    GM.NT48.116,08] Diese Menschen sind zu bedauern, in welchem Zustande sie in die andere Welt eintreten, aber noch mehr, wenn sie anfangen, ihre eigentliche Lage kennen zu lernen, wo es kein anderes Mittel gibt, als selbst aufzuräumen, selbst auszumerzen, was dort nicht mehr tauglich ist, und wo dann alle vermeinten Zustände des andern Lebens verschwunden, kein Paradies, kein Himmel, sondern die nachte Wirklichkeit vor ihnen stehet, welche ihnen ihre Geistesarmut erst im wahren Lichte fühlen läßt.
    GM.NT48.116,09] Um diesen Geistesschlaf und dieses Erwachen sofort zu vermeiden, ermahne Ich euch, lasset euch nicht einlullen in süße Träume oder beschwichtigen durch eitle Sprüche, wo es immer heißt; öFür die andere Welt habe ich immer noch Zeit; wenn ich drüben bin, werde ich schon sehen, was zu tun ist."
    GM.NT48.117,01] Ja, armer Mensch, wohl wirst du sehen, was zu tun ist, aber du wirst auch sehen, wie leicht es auf der Erde gewesen, und wie schwer es drüben ist, nachzuholen, was für das irdische Leben bestimmt war!
    GM.NT48.117,02] Der Mensch in seinem dummem Welt-Eigendünkel glaubt, er wird sich schon in alle Verhältnise finden können; er denkt, wie hier auf Erden, so lange er gesund und kräftig ist: 'Ich verliere das Gleichgewicht im Geisterreiche nicht!"
    GM.NT48.117,03] Armes Geschöpf, du traust dir viel zu, und doch siehe, kaum klopft der Tod an deine Lebenpforte, im Gewande einer Krankheit, wie schnell verschwindet dein kaltblütiges Urteilen, wie geschwind richtest du Bitten an Mich, Ich soll dir helben, Ich, Den du früher nicht einmal als daseiend geglaubt hast. - Es ist die Ahnung vom Ende des materiellen Lebensschlafes, die dich beängstiget; du möchtest fort und immer fort leben, nicht aber um die Ausbildung deines Geistes wegen, nein, nicht im Geringsten, sondern um wieder dort anzufangen, wo du es vor der Kankheit gelassen hast, und dazu sollte Ich dir helfen! - Welch eine törichte Annahme! -
    GM.NT48.117,04] Du schliefest geistig schon lange, und lebtest ein Traumleben mit lauter angehmen Bildern; Ich weckte dich auf, und das Erwachen korrespondierte nicht mit deinen Erwartungen, - hier ist die Täuschung!
    GM.NT48.117,05] Nicht Ich, du selbst hast dir dieses Los bereitet und wirst die Früchte ernten, wie du gesät hast!
    GM.NT48.117,06] So wird so mancher beim Erwachen bedenklich schauen, so wird gar mancher sagen: 'Ja, wenn ich das gewußt hätte, dann hätte ich anders gehandelt!' -
    GM.NT48.117,07] Und Ich werde ihm dann antworten: 'Und wenn man es auch dir gesagt hat - nahmst du es als geistige unbedingte Wahrheit an? - Wenn Ich dich so manchmal deine eigenen Torheiten fühlen ließ - bist du durch die bitteren Erfahrungen gescheiter geworden?' -
    GM.NT48.117,08] "Nein, du liebtest deinen materiellen Zustand zu sehr, konntest dich nicht aus dem Taumel der Genüsse herausreißen, bis dein Körper dir den Dienst versagte, - dann erst fingst du an, ein wenig über die weltlichen Wünsche und Genüsse nachzudenken, es war aber meistens zu spät, - und dem tollen Leben folgte die Reue auf dem Fuße und wirkliche Vergeltung.
    GM.NT48.117,09] "Du durchwachtest Nächte bei Sang und Klang, sagtest vielleicht: 'Wer schläft, der lebt nicht!' und wolltest so alle die Stunden deines Lebens mit materiellen Vergnügungen ausfüllen, bis du ermattet auf ein Krankenbett niederfiehlst. - Das war dein Schicksal, und ein besseres hast du nicht verdient, - du selbst hast es dir geschaffen, und sollst und mußt den Becher des Leidens leeren!"
    GM.NT48.117,10] Sehet, wie der natürliche Schlaf als Ersatz und als Ergänzungsmittel des materiellen Lebens da ist, so ist auch der geistige Schlaf, wenn er das ganze Leben dauert, nicht mehr zum Besten des Menschen, sondern zu seinem Schaden, weil er, statt die Seele zu erheben, selbe ganz der Materie überläßt.
    GM.NT48.117,11] Geistig schlafen gar viele Tausende, finden es nicht der Mühe wert, je über ihren Dualismus nachzudenken, lachen andere aus, die geistig leben wollen, und was sie so dem Mitmenschen zuteil werden lassen, dasselbe werden sie im Jenseits von anderen Geistern erfahren, wo ein geistiger Wind weht, der ihren nur zu weltlichen Lungen nicht anpassend ist.
    GM.NT48.118,01] Deswegen, Meine Kinder, benützet das materielle (irdische) Leben, wie ich es eingesetzt habe; mißbrauchet nicht eure Kräfte, und vergeudet nicht eure Gesundheit, denn beides werdet ihr teuer bezahlen, teils hier, teils jenseits.
    GM.NT48.118,02] Der Schlaf als Ruhezustand soll eure körperliche Natur wohl erquicken, nicht aber sie verweichlichen, nicht sie zerstören! - Alles was im rechten Maße und zur rechten Zeit genossen wird, kann nur dem menschlichen Organismus förderlich sein; denn ihr müsset stets bedenken, daß ihr (als Erdmenschen) nie ganz Geist, nie ganz Körper seid, sondern beides, weswegen ihr das eine wegen des andern kultivieren müsset.
    GM.NT48.118,03] Der Schlaf ist im Erdenleben die Brücke vom Materiellen ins Geistige, denn im Schlafe zieht die Seele ihre Lebensfäden enger zusammen, läßt dem materiellen Leben nur das Allernötigste zur weiteren Fortsetzung des vegetativen Lebens, eröffnet aber dagegen die Türe ins Geiterreich, von wo dann verschiedene Einflüsse ungekannter Zustände selbse oft erhebend über alles Irdische, oft im Gegensatze mit symbolischen Bildern die ewige Kette von Ursache und Wirkung fühlen läßt, welche das Universum zu einem Ganzen verbinden.
    GM.NT48.118,04] Dieser feine und zarte Zug, welcher durch das ganze lebende Reich der Wesen geht, und bei Tageshelle im wachen Zustande nicht bemerkt wird, - dieser Zug ist es, welcher im Schlafe Verwandtes und länst Getrenntes wieder zusammenführt.
    GM.NT48.118,05] Dort im Traumleben ist es, wo Engelsgeister über manchen Schlafenden Ströme des Segens ausgießen, und wo so manches liebende Herz aus dem Jenseits sich wieder den Zurückgebliebenen nähern, und auf sie einzuwirken sucht, was sehr schwer ist, allein es ist der Zustand im Schlafe, wo die menschliche Seele solchen Einflüssen zugänglich, und ebendeswegen benützt alles (von drüben) diese Gelegenheit, um zu warnen, zu bitten zu erinnern (mahnen).
    GM.NT48.118,06] Im wachen Zustande bleibt in der Regel von dem nächtlich Geschauten oder Gehörten wenig im Bewußtsein übrig. Vorerst wird überhaupt sehr wenig geglaubt, und ferner ist alles in einer Sprache ausgedrückt, welche der Mensch nicht zu deuten weiß; immer ist es nur der Schlafzustand, wo solchen Eingebungen Gehör gegeben werden könnte.
    GM.NT48.118,07] Wenn ihr es genau betrachtet, so ist der Schlaf der wichtigere Teil eurer künfigen Geistessbildung, denn bei Tag wird nur gehandelt, und bei Nacht alles geordnet, um so den künftigen Geistesmenschen aufzubauen.
    GM.NT48.118,08] Sehet hinaus in mein Universum, ewige Nacht herrscht dort, - nur einzeln kreisen die Welten leuchtend in dem finstern Äther umher. - Allein gerade in dieser finstern Nacht, in dem unbegrenzten Raume, gerade dort lebt und webt geheimnisvoll Meine ewige Kraft, und gibt allem Wesenden, was sie bedürfen. Dort bildet sich aus Geistigem Materielles,und Materielles wird wieder zu Geistigem, gemäß des ewigen Kreislaufes der Stoffe.
    GM.NT48.118,09] Bei euch, wenn die Natur die Zeit des allgemeinen Ruhens nach des Tages Wirken ankündigt, wenn alles in lethargischem Schlafe dahinsinkt, wenn aber auch das dunkle Universum sich öffnet, wo Millionen von Welten ihr sanftes Licht auf euch heruntersenden, dort beginnt das große Geisterwerk in der Natur, materiell Gesammeltes in Geistiges zu verwandeln, - und eben dort ist auch bei euch Menschen und bei den meisten lebenden Wesen die Schlafpreriode festgestellt, damit inmitten des geistigen Wirkens um euch auch ihr an diesem Wirken teil nehmen sollet, - denn auch ihr gehört als Gleider zum Ganzen, auch ihr müsset dann das von außen Gesammelte, beim Tage Erlebte, in Geistiges verwandeln, so wie der allgemeine Zug durch das Weltreich geht.
    GM.NT48.119,01] In diesem nächtlichen Schlafe, in dieser gesetzmäßigen Ruhe muß alles dem Zuge der Liebe folgen, der von Mir ausgehend bis ins kleinste Atom sich fortsetzt.
    GM.NT48.119,02] So ist dieser Schlaf nicht ein bewußtloses Hinsinken, sondern ein Erwachen geistiger Kräfte, welche unter der Hülle der ruhenden Materie Geistiges vorbereiten zu einem Leben, wo keine materielle Sonne, sondern eine geistige leuchtet, die nie untergeht und deren Haupträger Ich Selbst bin! -
    GM.NT48.119,03] Erwachet ihr Kinder, schauet um euch, wie viele Millionen von Dingen und Wesen predigen euch Meine Liebe, Meine Gesetze.
    GM.NT48.119,04] Erwachet vom Geistesschlafe zum geistigen Leben! Erkennet im Kleinsten, was euch in nächtlicher Stille aus den letzten und fernsten Sternen entgegenruft: 'Erkennet den Schöpfer der Liebe! Der für viele geheimnisvoll, aber für euch klar und faßlich wirken will!"
    GM.NT48.119,05] Erkennet des Herrn Vater-Gestalt! Der den kleinsten Wurm so wenig als die größte Welt vergißt, Der euch allen zuruft:
    GM.NT48.119,06] "Schlaf habe Ich wohl in der Natur eingesetzt, aber Schlaf ist nicht bewußtloses Ruhen für die Seele; Schlaf ist geistige Tätigkeit, und nur für den hat de Schlaf eine andere Bedeutung, der seinen Geist ebenso hinsinken läßt, wie der Körper der Nachtzeit unterliegt, wo jedoch der Leib am Morgen neugestärkt erwacht, während im geistigen Schlafe ein Erwachen bei weitem schwerer ist, da wirklicher Schlaf eingetreten ist, wo während seiner Dauer nicht für das Gegenwärtige, nichts für's Künftige getan wurde.
    GM.NT48.119,07] Viele sagen: 'Schlaf ist Traumlebenö, und Ich möchte ihnen antworten: 'Euer Leben ist Traumleben, und während eures Schlafes findet die Seele nichts, um diesen Abschnitt des Lebens zum produktiven Geistigen verwenden zu können!"
    GM.NT48.119,08] Die Tiere - wie Ich in einem anderen Worte sagte - leben ein Taumleben, und Menschen, welche unter das Tier herabgesunken sind, die haben ebenfalls ein Traumleben bei Tag und bei Nacht.
    GM.NT48.119,09] So soll euch dieses Wort ebenfalls unterrichten von dem geistigen Wirken im Schlafe, welchem ihr bei weitem weniger Wichtigkeit zuschreibet als dem Wachen am Tage.
    GM.NT48.119,10] Ebenso wie das geistige Wirken sich dem Forscher gerne entzieht, wenn nicht redliche geistige Absicht ihn leitet, so war es Meine Sache, euch zu zeigen, wie im Schlafe als scheinbare Ruhe zwei Welten sich die Hände reichen, wo die eine der anderen sagt: 'Was ich bin, das wirst auch duö und die andere antwortet: 'Was du bist, das war auch ich!"
    GM.NT48.119,11] Gebunden oder ungebunden - Geist ist alles! Nach geistiger Freiheit strebt alles, geistig will, kann und muß alles werden!
    GM.NT48.119,12] Dieses das schöne Streben, das schöne Leben, das jede Vergänglichkeit überleben muß; denn es ist Meine Grundeigenschaft, verbunden mit der Tendenz ewiger Liebe!
    GM.NT48.120,01] Aus Liebe ging alles hervor, und zur Liebe kehrt alles zurück! Dieses das große Wort, welches jedes Streben heiligt und welches alles durchdringen muß.
    GM.NT48.120,02] Nur mit Liebe hat das Leben einen Zweck, nur durch Liebe ist dieser Zweck erreichbar. Beim Tage liegt es dem Menschen ob, Liebeswerke zu sammeln, und bei Nacht werden selbe ins Buch der Ewigkeit eingetragen, wo nie auslöschbar dem Träger derselben Friede und Freude einst zulächeln, wohin seine Schritte ihn führen werden!
    GM.NT48.120,03] Daher, Meine Kinder, lasset den Schlaf den reichen Schatz allnächtlich verdauen, welchen ihr ihm von der Tagesarbeit mitbringet!
    GM.NT48.120,04] Hütet euch aber vor dem Schlafe des Geistes; denn das Aufwachen aus selbem würde euch bittere Täuschungen bringen! Amen!


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